Die Mumie – Langweiliges aus der Grabkammer

Das Mumien-Reboot interessiert sich weder für die Mumie noch für die Zuschauer

18 Jahre nachdem sich Brandon Fraser und Rachel Weisz mit der Mumie prügeln durften, kommt das neuste Remake des Universal Klassikers in die Kinos. Diesmal legen die Filmemacher großen Fokus auf das neue Monster-Universum, welches aus diesem Film heraus wachsen soll.

Mumien gab es schon so einige. Die erste Verfilmung mit Horror-Legende Boris Karloff in der Titelrolle verbreitete 1932 Angst und Schrecken. Die letzte liegt nicht einmal zwei Jahrzehnte zurück und zog zwei Sequels und ein Spinoff (Scorpion King) nach sich.
Anstatt diesmal auf den potentiellen Erfolg des Films zu warten, will Universal allerdings hier gleich von Anfang an dick Kohle machen und legt in die Mumie bereits die Saat für jede Menge neue Filme…der Plan geht allerdings mächtig in die Hose.

Tom Cruise spielt den etwas trotteligen Soldaten und Grabjäger Nick Morton. Bei einer Mission in der Wüste stolpert er über ein altes ägyptisches Grab, welches angeblich mit einem Fluch belegt ist. In dem Grab schlummert die Pharaonentochter Ahmanet, die einst ihren Vater und Bruder ermordet hat und in letzter Sekunde von einem dunklen Ritual abgehalten werden konnte. Nun erwacht sie wieder und erwählt Nick als ihren Partner um das blutige Ritual endlich zu vollenden.

Direkt nach dem Universal Logo, zu Beginn des Films, taucht ein zweites Logo auf dem Screen auf: Dark Universe ist da zu lesen. So lautet der Name des Film-Universums in dem Die Mumie spielt. In den nächsten Jahren sollen dort beliebte Kreaturen, wie der unsichtbare Mann und Frankensteins Monster, aufeinander treffen.
Alex Kurtzman, dem Regisseur und Schöpfer des Dark Universe, war die Werbung für seine neue Welt wohl wichtiger als die Mumie selbst. Viel zu viel Zeit verbringt der Film damit uns von den vielen Monstern, die die Welt bevölkern, zu erzählen. Viel zu oft steht Russell Crowe (wen er genau spielt gehört ebenfalls zum Setup für das Universum) rum und versucht anhand von minutenlangen Monologen dem Zuschauer die Idee schmackhaft zu machen. Für gute Mumien-Action ist da am Ende kaum noch Platz.

Der Rest des Films ist leider auch nicht besser. Das Allerschlimmste sind die unsympathischen und uninteressanten Protagonisten. Die Lovestory zwischen den beiden Hauptfiguren ist komplett missglückt. Tom Cruise gibt wie immer alles, hat aber noch nie so einen arroganten Affen wie Nick Morton gespielt. Dieser ist oberflächlich, dumm und interessiert sich vor allem für den Körper der Wissenschaftlerin Jenny Halsey. Diese wiederum hat generell wenig Interesse an Nick und auch wirklich keinen Grund dazu. Sie selbst ist aber auch nicht interessanter. Wenn dann auch noch der mysteriöse Arzt und Anwalt (Russell Crowe) auftaucht und mit Nick in einen Streit gerät, wird es richtig albern.

Der beste Teil des Film ist der Titel-Bösewicht. Die Mumie sieht verdammt cool aus und Sofia Boutella (die Frau mit den Schwertbeinen aus Kingsman) spielt sie mit der angemessenen Entschlossenheit. Durch ihre tragische Geschichte und die tolle Performance fühlt man mehr mit ihr mit, als mit den langweiligen Hauptfiguren. Leider ist die Ahmanet viel zu wenig im Film.

Die Mumie ist ein charmfreies und recht langweiliges Durcheinander. Nichts funktioniert. Der Horror ist nicht gruselig, die Witze zünden nicht und Abenteuerstimmung kommt auch nie auf. Stattdessen ist Die Mumie ein zynisches Machtwerk, erschaffen, nicht um das Publikum zu unterhalten, sondern um sich schnell ein Stück von dem „shared Universe“ Kuchen abzuschneiden. Bleibt nur zu hoffen, dass das Publikum diesen Blödsinn ablehnt und man bei Universal demnächst einfach wieder gute Monsterfilme macht.

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