„Die verkaufte Braut“ – Kollision der Welten

Am Samstag, 1. Juni, wird die Komische Oper Die verkaufte Braut Premiere im Theater Trier haben. Eine Oper, die im 19. Jahrhundert von Bedrich Smetana komponiert wurde und heute an Liebeskomödien à la Hollywood-Manier erinnert. 5vier.de sprach mit Regisseur Thomas Münstermann, der in Trier schon „Don Giovanni“ inszenierte.

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Luis Lay hier mit Kollegin Kristina Stanek in der „Spanischen Stunde“

Die schöne Marie ist das Kind verarmter Leute, die sich aus Not 300 Gulden beim reichen Gutsbesitzer Micha leihen mussten. Nun können sie es nicht zurückzahlen und müssen ihre Tochter als Braut an den stotternden Sohn des Gutsbesitzers verkaufen. Marie ist davon verständlicherweise gar nicht begeistert, zumal sie den Fremden Hans heiraten möchte, der vor Kurzem in der ländlichen Idylle aufgetaucht ist. Mit List und Ränkespielen tricksen die beiden den stotternden Wenzel aus und können letztendlich doch den Bund der Ehe eingehen. Der arme Wenzel, gespielt von Luis Lay, bleibt allein zurück:

„Wenzel ist eine Figur, wie es sie kein zweites Mal gibt, eine Figur, die im Happy End keinen Platz hat. Der liebenswerte Trottel, den aber keiner lieben will“, beschreibt Regisseur Thomas Münstermann diese Figur, die in seiner Inszenierung zu einem ganz besonderen Punkt werden soll. Die komische Oper Die verkaufte Braut spielt in einer Idylle, einer Welt von träumerischer Einfachheit, wie es sie nicht mehr gibt oder vielleicht nie gegeben hat. Selbst die unfreiwilligen Heiratsvermittlungsversuche gehen mit etwas List und Tücke zugunsten der Hauptakteure aus.

Die Realität ist, und war wahrscheinlich, eine ganz andere. In ähnlichen Umständen würde die Rolle des Heiratsvermittlers heute der Brautverkäufer, der Schlepper, der Zuhälter spielen. Eine Idylle, wie sie hier präsentiert wird, gibt es nur im Märchen. Der Stotterer Wenzel, von allen an der Nase herum geführt, ungeliebt und von niemandem ernst genommen, wird dabei zum Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung. „Wenzel ist in gewisser Weise ein Träumer, der nach dieser Einfachheit und Idylle sucht. Sich hineinträumt in eine solche Welt, bis sich schließlich alles zu vermischen beginnt.“

Suche nach Idylle

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Carlos Aquirre nach seinem Stimmfachwechsel in der Hauptrolle

Auf der Suche nach seinem Weg zur Inszenierung suchte Münstermann nach Bildern der Idylle und wurde schnell fündig, aber in einer ganz anderen Weise, als Kenner der Oper vermuten würden. In Bildern von Vertriebenen in folkloristischen Kostümen, die einem nicht mehr existenten Heimatbild hinterher träumen. Darin fand er auch die Tiefe der Figuren. Und die Tragik hinter dem Wunschbild.

Dennoch wird es auch komische Stellen in seiner Oper geben: „Komik entsteht für mich nicht daraus, dass jemand auf der Bühne steht und „komisch“ tut, sondern dass Situationen aufkommen, in denen etwas Unpassendes passiert, man sich unpassend verhält, etwas peinlich ist. Die Figur des Wenzel beispielsweise ist zwar tragisch, aber die Erzählweise muss es nicht sein.“

Illusionen und Traumwelten

In eine ganz andere Richtung als gewohnt sollen auch die weiteren Figuren gehen: Marie nicht als die Unschuld vom Lande, ihre verarmten Eltern als „verarmt“ in einem modernen Sinne. Der Vater mit peripherer Neuropathie, die Mutter verlebt, jedoch auf Jung geschminkt; so entsteht eine „makabere Ältlichkeit“, zumal Maries Mutter von der blutjungen Kristina Stanek gespielt wird. Hans und Wenzel als Alter Egos, der eine Superman, ein strahlender Held, eine schillernde, fremde Persönlichkeit, der andere Clark Kent, ein Loser vom Lande, Brillenträger, Nerd. „Die Figuren und auch das Bühnenbild dienen als Projektionsflächen für die Träume und Wünsche der Figuren.“

Dabei trugen die Sänger einiges zur Entwicklung der Inszenierung bei, brachten viele Ideen, um ihr eigenes Spiel zu verfeinern: „Die Sänger von heute wollen nicht mehr nur singen, sie denken weiter. Klar, möchten sie manchmal einfach nur „schön“ sein und die Musik über ihre Figur ausdrücken, aber sie wollen vor allem gefüllte Szenen ohne die Musik kaputt zu spielen.“

Carlos Aquirre wird nach seinem Stimmfachwechsel zum Tenor nun seine erste Hauptrolle im Theater Trier als Hans übernehmen. Die, die ihn noch als Bariton kannten, werden gespannt sein, was er als Tenor zu bieten hat, auch Regisseur Thomas Münstermann weiß viel Gutes über ihn zu berichten. „Er hat eine tolle strahlende Stimme, die sehr kraftvoll und auch männlich ist, er bringt eine schöne Wärme mit. Er ist bereits ein Protagonistenspieler und probiert sich nun als Tenor aus.“

5vier.de wünscht allen Beteiligten eine gelungene Premiere und ein herzliches ToiToiToi.

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