Die Wissenschaft Liebe: THE FLY im Theater Trier

Vorbericht zur Premiere am 18. Januar

Am Samstag, 18. Januar, wird die moderne Oper THE FLY Premiere im Theater Trier haben. 5vier.de sprach vorab mit dem jungen Regisseur Sebastian Welker über seine Inszenierung des filmischen Stoffes.

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Seinerzeit sorgte der Film für einiges an Aufsehen: Ein Wissenschaftler, der bei einem waghalsigen Experiment selbst mit einer Fliege verschmolz. Fantastische Zukunftsmusik rief man damals. 1958 wurde die Erzählung von George Langelaan das erste Mal verfilmt. 1986 dann das zweite Mal, damals lieferte Howard Shore schon die Filmmusik. 2007 schaffte seine Musik dann den Sprung von der großen Leinwand auf die große Bühne und zwar nicht auf irgendeine, sondern auf die im Théâtre du Châtelet in Paris. Unter der Leitung von Plácido Domingo entstand dort die gleichnamige Oper. Auch die wusste für Aufsehen zu sorgen. Leider nicht nur im positiven Sinne, wie Regisseur Sebastian Welker meint: „Man versuchte den Film auf die Bühne zu übertragen. So etwas funktioniert nie.“

Keine Konkurrenz zum Film

Auch er selbst sorgte mit seinen Inszenierungen in Saarbrücken schon für Aufsehen und wird dies wohl auch wieder mit seiner Inszenierung von THE FLY im Theater Trier schaffen. Angst vor Provokationen hat er dabei keine. Obwohl Lob natürlich auch schön ist. Im Vordergrund stehen aber andere Dinge. „Ich bin ein Storyteller. Wichtig ist mir, dass die Leute verstehen, was ich ihnen erzählen will.“ Er sucht sich ein Thema, um das es für ihn in dem Stück geht und baut darum seine Inszenierung, interpretiert, rückt notfalls etwas von der Originalstory weg. Präsentiert dem Zuschauer seine Meinung und hofft darauf, dass er sie versteht. Aber er muss sie nicht teilen.

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Mit 5vier.de sprach Regisseur Sebastian Welker vorab über seine Inszenierung von THE FLY.
Foto: Stefanie Braun

Bei THE FLY geht es für ihn ganz klar um die größte Wissenschaft überhaupt: die Liebe. „Es ist ein Beziehungsstück, das den Beginn, den Verlauf und den Zerfall einer Beziehung im Zeitraffer zeigt.“ Den wissenschaftlichen Aspekt lässt er dabei keines Falls aus dem Blickfeld, baut auch die Maschine auf der Bühne auf. Keine zwei Maschinen, sondern eine einzige, durch die der Wissenschaftler hindurchgeht. Am Anfang Mensch, am Ende Mischwesen. Dazwischen soll der Chor stehen, als organische Masse, die Maschine mit Eigenleben füllen. Doch trotz aller Technik soll es die Geschichte einer Beziehung bleiben, einer Beziehung, die scheitert. An ganz menschlichen Eigenschaften, wie Eifersucht, Besitzanspruch und unabsichtlicher Verletzung.

„An dem Abend, an dem Seth Brundle mit der Fliege verschmilzt, trifft seine Freundin Veronica Quaife sich mit ihrem Exfreund. Für ihn ist ab diesem Zeitpunkt klar, sie macht ihr Ding, also macht er seines.“ Nach der Verschmelzung mit dem Tier folgen erst mal ein paar positive Nebenwirkungen: „Er ist unheimlich stark, ernährt sich praktisch nur von Süßigkeiten, braucht kaum Schlaf.“ Von den „sexuellen Nebenwirkungen“ ganz abgesehen. „Das ganze manifestiert sich letztendlich in einer Egozentrik, einem Narzissmus, einem Egoismus, der eigentlich nur aus dieser Liebesenttäuschung herrührt.“

Dabei ist nicht er die zentrale Figur, sondern sie: „Beide lernen sich als Außenseiter der Gesellschaft kennen, allerdings ist sie es, die ihre Einstellungen und Sichtweisen während der Beziehung über den Haufen wirft. Sie ändert ihre Sicht radikal. Dabei wird sie fast zu einem Symbol weiblicher Emanzipation und Selbstbehauptung.“ Gegen Ende, als Brundle kurz davor ist alle Menschlichkeit zu verlieren, will er Veronica mit in die Maschine ziehen, um mit ihr zu verschmelzen und so seine Menschlichkeit wieder zu erlangen. Ein höchst egoistischer, wenn auch menschlicher Anspruch. Doch er kann sie nicht festhalten und kontrollieren.

Die Fliege im Mann wecken

Am Ende steht Veronica allein vor einer großen Entscheidung. Sie ist schwanger, mit etwas von dem sie nicht weiß, wie menschlich es sein wird. Sie entscheidet sich gegen eine Abtreibung und bleibt emotional bei Brundle, der inzwischen Zähne, Nägel und Fingerkuppen eingebüßt hat. Sie liebt ihn weiterhin, obwohl er sich komplett verloren hat.

Am Ende soll auch der Zuschauer vor einer großen Frage oder besser vor einem großen Gedanken stehen: „Schade, soll der Zuschauer denken, schade, dass die beiden sich nicht bekommen haben.“

Am Samstag, 18. Januar, erwartet den Zuschauer also eine näher rückende Zukunftsvision, ein erschreckendes Negativ-Beispiel der Menschlichkeit, aber vor allem eine tragische Liebesgeschichte. 5vier.de wünscht allen Beteiligten ToiToiToi.

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