Die zwei Gesichter

RÖMERSTROM Gladiators Trier in der Analyse

Zwei Drittel der Saison sind vorbei und ganz Basketball-Trier rätselt: Was kann der Grund sein, dass die RÖMERSTROM Gladiators Trier auswärts reihenweise Niederlagen nach Hause bringen, während alle Meisterschaftsfavoriten in der heimischen Arena Trier die Punkte da lassen mussten. Bei je zehn Spielen zu Hause und auswärts gab es acht Heimsiege, sowie acht Auswärtsniederlagen. Wir versuchen es so objektiv wie möglich zu halten und haben daher die Zahlen durchwühlt. Das Ergebnis vorab: einen objektiven Grund scheint es nicht zu geben.

Es gibt so manche Weisheiten im Basketball die immer wieder bemüht werden, um Siege oder Niederlagen zu erklären. Häufig passen sie, weil ihre Inhalte elementare Teile der Sportart darstellen. Jedoch bleiben sie oft auch das, was sie sind: Floskeln. Wir haben exemplarisch sechs dieser Weisheiten als Gründe für den Saisonverlauf der Gladiators auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Wer die Bretter beherrscht, beherrscht das Spiel

Rebounds zu Hause: 38 / auswärts: 33,4      

Rebounds vom Gegner zu Hause: 33,1 / auswärts: 34,5

Ohne den Rebound geht nichts, er ist gleich auf mehreren Ebenen entscheidend. Er signalisiert zum Ersten, dass man mehr Ballbesitze bekommt, um selber Punkte zu erzielen und gleichzeitig dem Gegner diese Möglichkeit nimmt. Zum Zweiten ist es ein Zeichen, da es in aller Regel mehr Defensiv- als Offensiv-Rebounds gibt, dass man dem Gegner einen erfolgreichen Angriff verweigerte. Nicht zuletzt ist ein gewonnenes Reboundduell ein Zeichen für körperliche oder zumindest energischere Überlegenheit, was entsprechend auch eine psychologische Komponente bedeutet.

Kann diese Saison nicht mehr beim Rebound helfen: Kilian Dietz Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

In der Analyse fällt auf, dass statistisch mit Abstand meistens Rebounds in der heimischen Arena gesammelt werden und somit das direkte Duell mit circa fünf Rebounds gewonnen wird. Auswärts verliert man im Schnitt mit Einem.

Jedoch ist das nur die halbe Wahrheit, denn bei den einzigen zwei Auswärtssiegen, verlor man ebenfalls jeweils den Kampf um den Rebound, in Hamburg gar mit acht. Zu Hause trifft die Weisheit hingegen zu: Verlor man diesen Vergleich, verlor man auch das Spiel.

You live by the three, you die by the three oder Wer trifft hat recht.

3er-Quote Trier: 36,5 %                                 3er-Quote Gegner: 37,5 %

Teams von Coach Marco van den Berg sind häufig guardlastig. Somit ist es wichtig, dass die Spieler eine konstante Gefahr von der Drei-Punkte-Linie darstellen, um eine (vermeintliche) Schwäche unter den Brettern zu kompensieren. Beispielhaft steht hierfür Kapitän Simon Schmitz, der seinen Wurf selber als Waffe bezeichnet.

Schauen wir also auf die Dreierstatistik: Im direkten Vergleich fallen keine relevanten Unterschiede auf, die Gladiatoren hatten prozentual genauso häufig die Nase vorn wie hinten, was auch insgesamt nur zu einem Unterschied von einem Prozentpunkt führt.

Ständig am (Ab)Drücker: Simon Schmitz Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Wieder muss man ins Detail schauen, um Unterschiede zu entdecken. Trier verlor sechs Mal gegen Mannschaften, die tabellarisch unter ihnen standen. In diesen Partien gingen sie fünf Mal auch als Verlierer des„Shoot outs“ vom Parkett. Bei den vier Siegen gegen punktemäßig Stärkere hingegen war man in dieser Hinsicht in Front. Doch muss man auch hier differenzieren: So gewann man zwar zum Beispiel das direkte Duell der Dreierquote gegen Tabellenführer Crailsheim, was aber eben auch an der schwachen Ausbeute der Gäste lag (20 % zu 19 %). Hier war der Dreier nicht das entscheidende Kriterium für den Überraschungserfolg.

Kein Blut, kein Foul

Fouls Trier: 22,1                                           Fouls Gegner: 20,7

Die Streetball-Weisheit deuten wir ein wenig um: Kein Foul, kein Herzblut. Wenig Fouls können zwar auch gutes Verteidigen bedeuten bzw. viele Fouls auch schwache Verteidigungsarbeit, in der Regel sind sie aber ein wichtiger Indikator für die defensive Intensität.

Allerdings lässt sich in den Spielen der Moselaner keine Regelmäßigkeit feststellen, dass man durch mehr Regelüberschreitungen mehr Siege oder Niederlagen verzeichnen konnte. Bei allen sechs Niederlagen gegen Unterplatzierte sammelte man mehr Fouls als der Gegner, bei den vier Siegen gegen erfolgreichere Teams aber drei Mal eben auch. Somit ist diese Größe wenig aussagekräftig.

Schiri, der schubst doch! Jermaine Bucknor zieht das Foul Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Offense wins games, defense wins championships

Wir sind noch nicht in den Playoffs, wo dieser Weisheit am meisten Bedeutung zukommt. Dennoch schon mal ein Blick auf die wichtigste Statistik, die es im Sport geben kann: Die Punkte.

Gegnerische Punkte in Trier bei Heimsieg: 69 / Heimniederlage: 84        

Gegnerische Punkte bei Auswärtssieg: 71 / Auswärtsniederlage: 88

Hier herrscht Klarheit: Bei Niederlagen, egal ob zu Hause oder unterwegs, kassiert man im Schnitt 87 Punkte, bei Siegen nur 70. In elf Spielen, egal ob siegreich oder nicht, war die Punktedifferenz zweistellig. In den knappen Spielen (maximal sechs Punkte Unterschied) verlor oder gewann man jeweils vier Mal.

Erstaunlich schwer fällt es, eine Korrelation zwischen der sehr hohen Differenz der zugelassenen Punkte bei Siegen und Niederlagen zu finden. Die bisher genannten Statistiken sind nur teilweise aussagekräftig, andere wie Wurfversuche, Steals, Turnover, Freiwürfe oder Zweierquote sind auch nicht regelmäßig als entscheidende Bezugsgröße zu verzeichnen. Wenn bei einem Sieg beispielsweise die eigene Turnoveranzahl sehr gering war, kann sie bei einem anderen Sieg trotzdem hoch gewesen sein. Das bedeutet, dass es nicht nur ein, zwei Stellschrauben zu justieren gibt, um die unterschiedlichen Auftritte der Trierer Basketballer zu erklären.

There is no I in TEAM

In dieser Spielzeit hört man häufig wie selten von Trainern und Spielern, wie wichtig Hierarchie in einer Mannschaft ist. Vor allem Simon Schmitz und Jermaine Bucknor werden als Führungspersönlichkeiten genannt. Kilian Dietz sollte dies auch werden, ist aber dauerverletzt. Spielerisch könnte Johannes Joos trotz seines jungen Alters ebenfalls in dieser Riege genannt werden.

Teamfoto RÖMERSTROM Gladiators Trier 2017/2018

Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Beim Betrachten der Statistiken lässt sich allerdings leider auch nicht wiederkehrend erkennen, dass bei statistisch effektiven Partien der Genannten automatisch ein Sieg respektive eine Niederlage beim Gegenteil zu verzeichnen ist. Die Teamleistungen sind häufig ein geschlossenes Bild, Ausreißer wie „Jay Jay“s Ü25 Punkte Spiele oder Vergleichbares durch Schmitz oder Buck bedeuteten nicht, dass man eine Partie automatisch als Sieger verließ.

Not in my house

Zuschauer zu Hause: 2290                                        Zuschauer auwärts: 1575

Zugegeben, auch hier verzerren wir die Bedeutung des Satzes etwas. Eigentlich beschreibt er die Blocks der Verteidigenden, hier machen wir die Heimspielstätte zum Zentrum der Aussage.

Im Schnitt sehen 700 Menschen mehr die Heimauftritte als die Auswärtspartien. Außerdem sieht man häufig, dass die Partien on the road in Turnhallenatmosphäre stattfinden. Liegt hier die Leiche vergraben? Um zu diesem Urteil zu kommen, muss man zwangsläufig die Objektivität verlassen. Fehlende Motivation wegen „weniger“ Atmosphäre? Reisestrapazen? Fehlende Routinen auf Auswärtsfahrten? Zu großer Respekt der Gäste in der Arena Trier?

Der Grund für die Heimstärke? Foto: RÖMERSTROM Gladiators Trier

Spätestens jetzt ist man im Bereich der Spekulationen, wo unsere Analyse endet. Bestimmt gibt es noch zahlreichen andere Punkte, die man noch aufführen könnte. Ihr seid dazu aufgerufen, diese Punkte zu benennen, die wir außen vor gelassen haben oder unsere Aufzählungen in andere Blickwinkel zu setzen. Vielleicht entdeckt ja jemand seinen Basketballprofessor in sich und findet genau die Gründe, warum die RÖMERSTROM Gladiators Trier ihre zwei Gesichter zeigen.

Hoffen wir alle, dass es zumindest heute Abend ab 20 Uhr keine Veränderungen in dieser Hinsicht gibt.

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