Ein Club ergreift die Flucht

Am Freitag, 3. September 2010, ist es soweit, dann feiert die „Flucht nach vorn“ (Ex- Deep Club) nach einer kurzen Pause ihren 2. Geburtstag. Doch in diesem Fall wird es ein Jubiläum mit gemischten Gefühlen: es wird zugleich das letzte große Opening unserer liebsten Donnerstagsabend-Beschäftigung.

Gassen-Posse

 

Logo der Flucht nach vorn (mit einem Vogel)„Wir waren alles Freunde, so haben Berni und ich zum Beispiel schon früher zusammen aufgelegt und daraus mit dem Ferdinand Laurin zusammen ein gemeinsames Format gegründet (Minimal.is.muss Anm.d.red.). Nach der Schließung des Emus und des Deep-Clubs haben wir uns dann eine neue, eigene Heimat gesucht“, beschreibt Christian Schütt rückblickend die Gründung des erfolgreichen Club-Konzepts in der Judengasse 8.

Junge Menschen tanzen ausgelassen
Bald vorbei: Feiern in der Flucht nach vorn

Ihre Chance dazu witterten der Geographiestudent Schütt, Bernhard „Berni“ Robert und Artur Bonarski, der im Keller des australischen Restaurants Emus den Down Under Club betrieb, am 8. September 2008 mit der Gründung der Flucht nach vorn. „Die Flucht“, wie sie oft genannt wird, war zudem Bernis Semesterprojekt für sein Kommunikationsdesign-Studium und so übernahm er zusammen mit seiner Kommilitonin Felicitas Doll auch die Gestaltung der Räumlichkeiten und der Promotion.

Die Flucht ergreifen

Sich nach vorne flüchten bedeutet im alltäglichen Sprachgebrauch, dass man sich durch aktives Handeln aus einer schwierigen (Not)Lage zu befreien, oder diese zu bewältigen versucht. Insofern lässt sich dies auch auf die Grundidee des Clubs übertragen: Man wollte die Gegebenheiten nutzen und auch verändern, indem man ein frisches Format und eine alte Location im neuen Gewand etabliert. Man erhob den Anspruch auf eine Existenz neben den bereits bestehenden Mainstream-Formaten Triers und benötigte fortan Raum für autonome Möglichkeiten. Die Lösung war klar: ein eigener Club muss her!

Blick ins Innere der Flucht nach vorn
So ruhig wie auf diesem Bild wird es ab Winter dauerhaft in der Flucht nach vorn

Die Gestaltung des Monatsprogramms sollte in eigener Verantwortung liegen und man wollte nicht mehr an die Vorgaben anderer gebunden sein. Zudem, so erinnern sich Christian und Berni wollten wir eine übersichtlichere Atmosphäre und Formate, die vielleicht kein Massenpublikum ziehen, die uns persönlich aber immer gefallen haben und vielleicht auch ein anderes, neues Klientel ansprechen.“

„Erwartungen übertroffen“

Diese Ideen haben die Jungs und Mädchen rund um die „Flucht“ auch mit Erfolg umgesetzt und modifiziert. Die stetig wachsenden Publikumszahlen, die vielen verschiedenen Genres wie zum Beispiel Minimal, Drum&Bass, House, Techno, Electro, Indie und Hip Hop sprechen für sich. „Unsere Erwartungen wurden definitiv übertroffen“, weiß Christian auf die Frage hin zu antworten, ob man rückblickend mit dem Laden-Konzept zufrieden sei. Negative Aspekte, so der DJ, waren und sind lediglich die baulichen Gegebenheiten, die ein so altes Viertel in der ältesten Stadt Deutschlands mit sich bringt und die dann wiederum die Basslines und die Stimmung erheblich drücken.

Endet die Flucht im Winter?

Blick auf den Eingang der Flucht nach vorn
Eingang zur Flucht nach vorn: die Nähe zu den Anwohnern ist das Problem, mit dem der Club zu kämpfen hat

Anfangs war es noch ein Gerücht: Die „Flucht“ macht zu und zwar schon im Winter 2010! Die Macher sorgen für Aufklärung: Man werde den Laden im Winter tatsächlich dicht machen und es habe zudem mit eben diesem Lautstärkeproblem zu tun. „Die Dezibel-Grenze liegt bei Lärmimmissionen nun einmal bei 45 db und darf in der Nacht nicht überschritten werden. Wenn jetzt, wie in unserem Fall, Nachbarn mit der Location direkt verbunden sind, reduziert sich diese Grenze zusätzlich auf 25 Dezibel und das ist ein Hauch von Nichts. Die Beschwerdeführer sind leider auch zu keinerlei Kompromissen bereit“, so Berni resignierend.  Still wird es also in der Judengasse, Pläne für die Zukunft schmieden die Jungs trotzdem: Man will die verbleibenden vier Monate feiern so gut es geht und die Restzeit genießen. Neue Standorte sind zwar bereits in Aussicht, dennoch gibt sich Berni vorsichtig: „Wir sind nach der Schließung definitiv nicht tot, nur versprechen können wir leider derzeit noch nichts. Die Ideen sind da, die Möglichkeiten auch, aber ob die Möglichkeiten auch nutzbar sind, liegt einfach nicht in unserer Hand“. Eine Idee war ein leerstehendes Gebäude in der Schönbornstraße – aber die Entscheidung wurde im Stadtrat vorerst vertagt. Man darf also gespannt sein, wo die „Flucht“ nun enden wird. Sicher ist, dass sie womöglich nur nach vorn gehen kann, denn sie hat ja nicht zum ersten Mal neues Terrain in Trier betreten und sich erfolgreich etabliert. Man kann nur hoffen, dass man dann, wenn es soweit ist, die richtige Nachfolge-Location findet und man dort, wie die Experten es selbst am besten ausdrücken: „so richtig feuern kann“.

Bilder: Sebastian Minas, Bernhard Robert und Flucht nach vorn

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Kommentare (1)

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  1. Thomas N. sagt:

    Hallo!

    In aller Kürze: Die Flucht darf nicht sterben!

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