Eintracht Trier: „Das Ziel ist ein neues Arbeitspapier“ – Spiel beim SC Verl

Von Florian Schlecht

Auf der Suche nach der Form reist Eintracht Trier am Sonntag zum SC Verl (14 Uhr). Trainer Roland Seitz ist noch enttäuscht vom 2:4 gegen Dortmund – und weist Kritik von sich.

Am Donnerstag wurde in Heidelberg auch über die sportliche Zukunft von Eintracht Trier gesprochen. Dort trafen sich 50 Vertreter der Klubs, die nach der Staffel-Reform im Sommer in der neuen Regionalliga Süd-Südwest spielen wollen. Es ist ein illustrer Kreis, der sich da mit Traditionsvereinen wie Waldhof Mannheim, Hessen Kassel, Wormatia Worms und dem FC Homburg versammelt, aber ein Trostpflaster ist das für Roland Seitz nicht. „Unser kleiner Traum ist geplatzt“, sagt der Trainer von Eintracht Trier, der das Navigationssystem für die kommende Saison lieber auf bundesweite Routen eingestellt hätte. Aber die Hoffnung, sich mit Kickers Offenbach, Hansa Rostock und dem 1. FC Saarbrücken messen zu können, sie hat sich durch die desaströsen Auftritte in der Rückrunde zerschlagen.

So wird das Auswärtsspiel beim SC Verl (Sonntag, 14 Uhr) zu einem langen Tagestrip. Um 8 Uhr setzt sich der Bus in  in Bewegung in Richtung Ostwestfalen, ohne Hotelübernachtung und im Gepäck mit einer 2:4-Demütigung gegen Borussia Dortmund II, die auch an Seitz nicht spurlos vorüber gegangen ist. Der Trainer sieht  im Kampf um die „Goldene Ananas“ in der Regionalliga dennoch zwei Anreize. „Den Gewinn des Rheinlandpokals“, mit der ersten Etappe, die Spannung zum Viertelfinale gegen die TuS Koblenz (25. April) aufzubauen. Knapp 140.000 Euro würde die Qualifikation für den DFB-Pokal im Etat ausmachen.

„Jeder Spieler sollte ein Ziel zum 1. Juli haben“

Fahrudin Kuduzovic kämpft um den Ball. Foto: Anna Lena Grasmück

„Und jeder Spieler sollte ein Ziel zum 1. Juli haben“, bekräftigt der Oberpfälzer. „Das Ziel ist ein neues Arbeitspapier. Wer das haben will, muss Leistung bringen. Wem das nicht Eigenmotivation genug ist, der schneidet sich ins eigene Fleisch.“ Nur die Verträge von Oliver Stang, Alon Abelski und Wojciech Pollok laufen bis zum 30. Juni 2013. Mit „allen Stammspielern“ habe er die sportliche Zukunft erörtert. „Es wird an der Front gearbeitet. Aber natürlich ist es das Recht des Vereins und des Trainers, nach solchen Leistungen zweimal hinzugucken.“

Die Worte sprechen Bände. Der 47-Jährige war enttäuscht über die sechste Heimniederlage der laufenden Saison. „Warum kriegt man es nicht hin, in jedem Spiel Gas zu geben? Vielleicht steckt es in der Mannschaft drin.“ Liegt es am so oft betitelten fehlenden Eigenantrieb? „Das ist schwer zu beantworten, ich bin nicht in der Kabine und in den Köpfen der Spieler drin. Das ist eine Frage, die man eigentlich jedem Einzelnen stellen müsste.“

Kurz angebunden bleibt der Oberpfälzer dabei, in welchen Bereichen er Fehler gemacht hat. „Die nächste Frage, bitte.“ Die taktische Kritik am defensiven Verhalten gegen Dortmund II lässt er nicht gelten. „Wenn man keine Zweikämpfe führt, ist es egal, welches System man spielt.“ Für ihn sei es nun entscheidend, in Verl „elf Männer zu finden, die von der ersten bis zur letzten Minute Gas geben und das Ding gewinnen wollen“.

Viele Fragezeichen vor dem Verl-Spiel

Fabian Zittlau fällt wegen der 5. Gelben Karte aus. Foto: Anna Lena Grasmück

Leichter gesagt, als getan, weil sich die personelle Lage nicht entspannt hat. Daniel Bauer dürfte nach seiner Gelbsperre in die Mannschaft zurückkehren, dafür fällt Fabian Zittlau nach seiner fünften Verwarnung aus. Ansonsten gibt es viele Fragezeichen. Die Einsätze von Thomas Drescher (Gehirnerschütterung und Prellung im Halswirbelbereich), Oliver Stang (Nasenbeinbruch) und Thomas Kraus (Pferdekuss) sind offen. Wojciech Pollok droht wegen des Einrisses am Innenband „noch zwei, drei Wochen“ auszufallen, Alon Abelski (Teileinriss am Syndesmoseband) arbeitet weiter in der Reha in Düsseldorf.

+++++Eintracht in Kürze+++++

Vertragsverlängerung von Sözen verzögert sich – Die Vertragsverlängerung von Burak Sözen verzögert sich. Der A-Jugend-Torjäger wird mittlerweile von Dr. Michael Becker beraten, der seinen prominentesten Klienten in Michael Ballack hat. Laut Vereinsangaben liegt Sözen ein unterschriftsreifer Vertrag vor. „Es zieht sich hin, weil Dr. Becker gerade in Amerika ist“, so Trainer Seitz, der betont: „Wir haben als Verein und Trainer alles getan, um Burak ein gutes Angebot zu unterbreiten.“

Treffen der Sieglos-Vereine – Fünf Spiele ohne Sieg – so ergeht es dem SC Verl vor dem Heimspiel gegen Eintracht Trier, das den gleichen Negativlauf aufweist. Nach der 0:3-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach II sind die Ostwestfalen auf den 16. Platz der Tabelle abgerutscht. Mit Andreas Saur ist ein Ex-Trierer Kapitän in Verl. Der Innenverteidiger wurde in der Saison 2006/07 von Roland Seitz an die Mosel gelockt.

1995 gab es den letzten Sieg in Verl – Den einzigen Sieg in Verl feierte Trier 1995 (1:0). Seitdem gab es dort drei Niederlagen und fünf Unentschieden. Das Hinspiel an der Mosel gewann die Elf von Roland Seitz mit 2:0.

Vorverkauf zum Pokal-Viertelfinale – Zum Viertelfinalspiel um den Rheinlandpokal gegen die TuS Koblenz (Moselstadion, Mittwoch, 25. April, 19 Uhr) richtet Eintracht Trier einen Kartenvorverkauf ein. Jahreskarteninhaber und Eintracht-Mitglieder haben ein Vorkaufsrecht. Sie können sich von Montag, 2. April, bis Freitag, 13. April, vorab ihre Tickets sichern. Die Karten können in der Geschäftsstelle (Öffnungszeiten Montag bis Freitag: 9-12 und 14 bis 17 Uhr) erworben werden.

Eckdaten für Regionalliga Süd-Südwest stehen fest – In einer Mitteilung des Vereins gab es erste Informationen zur Regionalliga Süd-Südwest, in der Eintracht Trier ab Sommer spielen wird. Die neue Liga soll am Wochenende vom 3. bis 5. August ins Rennen starten und am 25. Mai 2013 mit dem letzten Spieltag enden. Die Meister der fünf Regionalliga-Staffeln und der „Vize“ aus der Süd-Südwest-Staffel ermitteln am 29. Mai und 2. Juni in Hin- und Rückspielen die drei Aufsteiger in die 3. Liga.

Die Zusammensetzung der Regionalliga Süd-Südwest – Nach aktuellem Stand wären folgende Mannschaften für die Regionalliga Süd-Südwest qualifiziert: SG Sonnenhof Großaspach, Eintracht Frankfurt II, Wormatia Worms, 1899 Hoffenheim II, SC Freiburg II, Hessen Kassel, Waldhof Mannheim, FSV Frankfurt II, SC Pfullendorf, Bayern Alzenau (alle aus der Regionalliga Süd), Eintracht Trier, 1. FC Kaiserslautern II, FSV Mainz 05 II, SV Elversberg, SC Idar-Oberstein und TuS Koblenz (alle aus der Regionalliga West). Dazu kommen die Meister aus den Oberligen, die derzeit der 1. FC Eschborn (Hessen), VfR Mannheim (Baden-Württemberg) und der FC Homburg (Südwest) wären. Da der Karlsruher SC derzeit aus der 2. Bundesliga absteigen würde, hätte seine zweite Garnitur gemäß DFB-Bestimmungen kein Startrecht in der Regionalliga.

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Kommentare (4)

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  1. Klaus sagt:

    Warum seit Ihr so leise? ;))

  2. klaus-peter sagt:

    @sievo

    scheinbar ist keiner der spieler scharf auf ein neues „arbeitspapier“ – zumindest nicht so lange der trainer seitz heißt. wen man schon in verl ohne gegenwehr 1-0 verliert, dann lässt das tief blicken.

  3. Sievo sagt:

    Ach ja,
    da stand dann noch die Bemerkung von Seitz:

    „Und jeder Spieler sollte ein Ziel zum 1. Juli haben“, bekräftigt der Oberpfälzer. „Das Ziel ist ein neues Arbeitspapier. Wer das haben will, muss Leistung bringen. Wem das nicht Eigenmotivation genug ist, der schneidet sich ins eigene Fleisch.“

    Glaubt denn Herr Seitz wirklich, dass auch nur ein Spieler bei uns bleiben will, wenn er woanders ein Angebot bekommt? Da müsste schon Herr Seitz seinen Hut nehmen, dann könnte ich mir das sogar vorstellen.

    Seit die Mannschaft letztes Jahr nach einem Spiel wortlos in die Kabine marschierte, wusste doch jeder, dass das Band zwischen Mannschaft und Trainer zerrissen war. Nur der Trainer nicht.

  4. Sievo sagt:

    Der Trainer sagt: „„Wenn man keine Zweikämpfe führt, ist es egal, welches System man spielt.“

    Das mag schon stimmen, aber wenn man überhaupt kein System spielt, dann ist das mehr als schlecht. Und das ist doch die Aufgabe des Trainers. Oder täusche ich mich da?

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