Eintracht Trier: „Wir stehen am Scheideweg – Profitum ja oder nein“

Bis zum 1. März muss Eintracht Trier die Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußball-Bund abgegeben haben. Während Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi die 3. Liga als „überlebensfähig“ für den Verein bezeichnet, brechen nach derzeitigem Stand für die Regionalliga Süd-Südwest 250.000 Euro im Etat weg.

Ein ausverkauftes Haus im DFB-Pokal spielt in den Möglichkeiten von Eintracht Trier eine große Rolle. Foto: Anna Lena Grasmück

Dagobert Duck ist manchmal zu beneiden. Wenn der durchaus sparsame Comic-Millionär aus Entenhausen sich etwas erlauben will, kann er sich einfach in seinem Geldspeicher bedienen. In Trier suchen die Spitzensport-Vereine der Stadt ein solches Gebäude seit Generationen vergeblich. Die Realität ist hier kein prall gefüllter Geldspeicher. Um hochklassigen Leistungssport an der Mosel zu bieten, wird bei der TBB Trier, den Miezen und der Eintracht oft unter schweren Bedingungen gearbeitet. Auch die Eintracht kennt von Jahr zu Jahr das Problem, einen Etat auf die Beine stellen zu müssen, um im Rennen mit aufrüstenden Traditionsvereinen, aufstrebenden Dorfklubs und glänzend ausgebildeten Bundesliga-Reserven konkurrenzfähig zu bleiben.

Bis zum 1. März muss der Fußball-Regionalligist die Lizenzunterlagen für die 3. Liga einreichen. Während die Meisterschaft in diesem Jahr den Sprung in eine Liga bedeuten würde, die für die Eintracht laut Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi „überlebensfähig“ sei, bedeutet ein verpasster Aufstieg mit der Einteilung in die neue Regionalliga Süd-Südwest schon eine echte Grundsatzdebatte.

Knapp 250.000 Euro brechen aus dem Etat heraus

Ernst Wilhelmi: "Um Profitum zu erhalten, müssen alle Partner mit im Boot sitzen."

„Wir stehen am Scheideweg und müssen uns dann die Frage stellen: Profitum ja oder nein“, so Wilhelmi. Obwohl ein Lizenzierungsverfahren für die Regionalliga wegbricht und Vereine nur eine Bank-Bürgschaft von 35.000 Euro vorweisen müssen, plant die Eintracht finanziell die nächste Runde. Nach derzeitigem Stand brechen dann aus dem jetzigen Etat von 1,3 Millionen Euro bis zu 250.000 Euro weg, so rechnet Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs vor. Die 100.000 Euro an Fernsehgeldern, die in der jetzigen Regionalliga noch fließen, entfallen nach der Reform vollständig. Dazu kann der Verein nicht selbstverständlich mit den Einnahmen aus dem DFB-Pokal rechnen. Bis zur erhofften Cup-Verteidigung sind es noch vier Spiele, und mit der TuS Koblenz lauert ein Ligakonkurrent im Wettbewerb, der ebenfalls auf jeden Cent angewiesen ist. Die Qualifikation für den DFB-Pokal würde 100.000 Euro bringen, dazu kämen die Zuschauereinnahmen eines ausverkauften Moselstadions hinzu. Geld, das im vergangenen Mai die ein oder andere Vertragsverlängerung von Leistungsträgern ermöglichte.

„Die Lücke ist für Eintracht Trier eine Riesensumme“, betont Wilhelmi, der aus den eigenen Bedenken kein Staatsgeheimnis machen will. „Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen. Es braucht den finanziellen Hintergrund, um eine schlagkräftige Truppe auf die Beine zu stellen.“ Auch aus sportlichen Gründen. „Die Reserveteams der Bundesligisten werden ihren hohen Standard aufrecht erhalten, einige Traditionsvereine werden wieder angreifen. Spielen wir dann nur im Mittelfeld, springen Sponsoren und Zuschauer ab. Das ist ein Teufelskreislauf.“ Sportlich ist der Titelkampf für die Verantwortlichen auch in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit. „Finanziell gehören wir da oben eigentlich nicht hin, aber wir haben für unsere Verhältnisse eine sehr gute Mannschaft aufgestellt“, so Jacobs. Wilhelmi kündigte gegenüber 5vier für die kommenden Wochen und Monate Gespräche mit der Stadt, dem Aufsichtsrat und Sponsoren an. „Es geht auch darin, ob Profitum in Trier gewollt ist. Dazu gehören alle Partner, die mit im Boot sitzen.“

Ein Aufstieg würde vieles leichter machen

Nur 1.593 Zuschauer sahen den 1:0-Sieg gegen Leverkusen II. Der Besuch im Moselstadion liegt bislang unter dem Schnitt.

In der Diskussion mit der Stadt soll es auch darum gehen, dass die Eintracht zu jedem Heimspiel separate Boxen aufbauen muss. „Das kostet uns pro Saison 20.000 Euro“, rechnet Wilhelmi vor, der jedoch angibt, dass die Anschaffung einer neuen Beschallungsanlage im Haushalt für 2012 enthalten sei. Die Einnahmen durch Sponsorengelder verändern sich laut Jacobs in der Regionalliga nicht. Spielerverträge werden erneut stark leistungsorientiert aufgesetzt. Enttäuscht sind die Verantwortlichen von den Zuschauerzahlen. „Mit 2300 Fans haben wir kalkuliert, knapp 2000 sind es nach derzeitigem Stand pro Heimspiel.“ Das Spiel gegen Rot-Weiss Essen, das durch den Verkauf von Kombitickets in Verbindung mit dem Pokalspiel gegen den Hamburger SV in einem vollen Moselstadion ausgetragen wurde, ist da schon enthalten. Auch die enttäuschende 0:1-Heimpleite gegen den SC Idar-Oberstein könnte noch zum Bumerang werden, falls verärgerte Fans lieber zu Hause bleiben. Um die Attraktivität der neuen Regionalliga macht sich Jacobs im Falle des Nichtaufstiegs übrigens keine Gedanken. „Da kommen mit Wormatia Worms, Waldhof Mannheim und Hessen Kassel viele interessante Gegner.“

Viel lieber würde die Eintracht aber gegen Kickers Offenbach, Preußen Münster und den 1. FC Saarbrücken spielen. Das würde nämlich den Aufstieg in die 3. Liga bedeuten, der auch finanziell vieles leichter machen würde. Mit 711.000 Euro kann Trier dort alleine an Fernsehgeldern sicher planen, eher noch mit mehr, weil Reserveteams nicht an den Einnahmen teilhaben. Stand jetzt spielt in der kommenden Saison der VfB Stuttgart II in der 3. Liga, während Werder Bremen II absteigen würde. Da keine Zweitvertretung auf einem Aufstiegsplatz steht, würden dann schon über 748.000 Euro pro Verein rausspringen. Dazu rechnet die Eintracht mit einem Schnitt von 2800 Zuschauern pro Spiel, TV-Live-Übertragungen scheinen nicht unrealistisch. Die großen regionalen Sponsoren haben zudem laut Jacobs eine Erhöhung ihrer Zuwendungen im Aufstiegsfall zugesichert. Im Konzert der Großen könnte der Klub von der Mosel aber auch dann nicht mitspielen. Spitzenmannschaften zahlen in der 3. Liga nicht selten Brutto-Monatsgehälter jenseits der 10.000-Euro-Grenze. Summen, die für Eintracht Trier illusorisch sind. Die Geldspeicher der Liga würden auch dann woanders stehen.

+++++Eintracht in Kürze+++++

Ärger über wegbrechendes Lizenzverfahren – Für die Regionalliga Süd-Südwest fällt das Lizenzierungsverfahren des Deutschen Fußball-Bundes weg. Stattdessen reicht es, wenn die Vereine eine Bank-Bürgschaft von 35.000 Euro nachweisen. Kritiker befürchten, dass unter diesen wenig strengen Voraussetzungen einige Vereine in die Pleite gehen. „Das könnte tatsächlich ein Problem in dieser neuen Staffel werden“, befürchtet auch Ernst Wilhelmi. Ende März sind alle Vereinsvertreter eingeladen, um über die Anforderungen und Bedingungen der kommenden Regionalliga informiert zu werden.

+++++Gewinnspiel+++++

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Kommentare (2)

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  1. Moselelvis sagt:

    Der Artikel stimmt wieder einmal sehr nachdenklich. Andererseits erklärt er auch warum wir nicht an der Tabellenspitze stehen. Im Gegensatz zu Lotte müssen wir aufsteigen, weil wir ansonsten absteigen, zumindest „gefühlt“. Lotte würde das nicht passieren, sie können auch in der nächsten Saison finanziell und sportlich voll angreifen. Und das überträgt sich auf die Spieler, zumindest „gefühlt“. Bei uns stehen die Spieler unter einem Druck, der sie eher lähmt als beflügelt. Dabei könnten alle Beteiligten beflügelt sein. Denn es wurde hervorragende Arbeit geleistet. Unsere Konkurrenten bezeichnen uns als spielstärkste, spielerisch beste Mannschaft. Und sie haben Recht! Ich bin wirklich kein Freund des Vorstandes, aber wir haben eine Truppe die um den Aufstieg mitspielt, weil sie von einem klasse Trainer im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten zusammengestellt wurde und wir stehen nicht unmittelbar vor einer Insolvenz. Das ist heutzutage schon was, zumindest „gefühlt“…
    Aber das ganze steht auf wackeligen Beinen. Der Vorstand wird sich die nächsten
    Wochen gut überlegen, ob wir zu einem Auswärtsspiel ein Tag vorher anreisen oder erst am Spieltag. Jeder Cent zählt! Das sagt eigentlich schon alles über unsere finanzielle Situation…
    Dazu kommt dann noch die Erwartungshaltung der Fans, in Trier beträgt die immer 100%…egal in welcher Liga! Und das ist auch gut so! Schliesslich sind wir der geilste Verein der Welt!
    Auch das überträgt sich auf die Spieler, die manchmal gar nicht wissen wofür sie sich nach einem Sieg noch rechtfertigen müssen, bis ein regional hier verwurzelter Mitspieler ihm dann erklären muss, das der Trierer Fan und auch Nicht-Fan so iss wie er iss. Der betroffene Spieler wird das dann nicht verstehen, aber wenigstens so hinnehmen. Man muss nicht immer alles verstehen…
    Was haben wir vor der Saison nicht alles versucht um den Druck von der Mannschaft zu nehmen, obwohl jeder wusste und weiss das nur der Aufstieg zählt. Denn die nächsten Jahre wird es noch schwerer „oben mitzuspielen“, es könnte sogar einen finanziellen Totalabsturz geben. Das würde nicht das Aus bedeuten, aber es würde in die sportliche Bedeutungslosigkeit führen.
    Wir haben immer noch die Chance aufzusteigen, ganz einfach weil wir jeden schlagen können!
    Wir sind besser als unser Gegner!
    Aber darum geht es schon lange nicht mehr! Wir müssen nicht besser sein! Wir brauchen aus jedem Spiel 3 Punkte!
    Dafür brauchen unsere Jungs aber auch ab sofort bedingungslose Unterstützung! Und damit meine ich nicht 90min Lieder singen. Es wäre schon ein Fortschritt wenn die Pfiffe bei einem 0:0 zur Halbzeit aufhören würden. Denn eins ist klar, die Jungs wollen – also müssen wir ihnen endlich beweisen das wir auch wollen!
    Lasst uns ehrlich sein, wenn wir uns die sportliche und finanzielle Perspektive für die kommenden Jahre in der Regionalliga anschauen, dann haben wir ab sofort nichts mehr zu verlieren. Wir haben sowieso nur diese eine Chance, zumindest gefühlt…

  2. steff. sagt:

    hey wir sind mom. schon nur noch viertklassig, wo brauch man da profitum, da finde ich den weg den z.b. salmrohr einschlägt wesentlich sinnvoller, aber in Trier hängt man immer noch der vergangenheit!

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