Eintracht Trier: Wille wurde nicht belohnt – 0:0 gegen Bochum II

Aus dem Moselstadion berichten
Andreas Maldener (Text) und Anna Lena Bauer (Fotos)

Punkteteilung im Moselstadion. Am Freitagabend kam Fußball-Regionalligist Eintracht Trier vor 1970 Zuschauern gegen den VfL Bochum II nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus. Für die Moselaner war diese Partie das nunmehr dritte Remis in Folge. In einem phasenweise durchwachsenen Spiel war die Mannschaft von Trainer Roland Seitz zwar über weite Strecken feldüberlegen und erarbeitete sich die besseren Torgelegenheiten, doch in den entscheidenden Situationen fehlten die nötigen Ideen, um einen Heimdreier einfahren zu können.

Hinterließ heute einen guten Eindruck - Thomas Kraus. Foto: {link url="http://fotolena.de"}Anna Lena Bauer{/link}

Bereits vor Anpfiff der Partie wartete Eintracht-Trainer Roland Seitz mit der ersten Überraschung an diesem Abend auf: Jeremy Karikari durfte von Beginn an im defensiven Mittelfeld auflaufen und nahm damit die Position ein, die bis auf zwei Ausnahmen in dieser Saison immer von Stefan Kohler besetzt wurde. Für den gebürtigen Hamburger sollte das Spiel gegen Bochum II der sechste Regionalliga-Einsatz für Trier werden, zum dritten Mal stand er dabei in der Startformation. „Jerry hat in den letzten Wochen sehr gut trainiert und deswegen wollte ich ihm eine Chance geben“, rechtfertigte Seitz seine Entscheidung. Ansonsten gab sich der Oberpfälzer Trainer in Diensten des SVE aber eher weniger experimentierfreudig. Wie schon beim 2:2-Unentschiden am vergangenen Wochenende beim FC Schalke 04 II begann seine Elf im 4-2-3-1-System, lediglich Fabian Zittlau ersetzte den gelbgesperrten Torge Hollmann in der Innenverteidigung.

Bei den Gästen aus dem Herzen des Ruhrgebiets stach neben den vielen Unbekannten ein Name heraus: Ex-Nationalspieler Paul „Slawo“ Freier stand in der Startformation des VfL, nach einem Innenbandriss war es für ihn das erste Pflichtspiel seit Januar. Doch Freier blieb in den 90 Minuten weitestgehend blass, lediglich in einigen Situationen konnte er sich auf seiner Außenbahn gegen die Trierer Defensive behaupten. In taktischer Hinsicht wählte Bochums Trainer Nico Michaty ebenfalls die 4-2-3-1-Variante mit nur einer echten Sturmspitze.

Bereits nach sieben Minuten war der Ball zum ersten Mal im Tor. Nach schönem Zuspiel von Pierro Saccone, der sich erneut im offensiven Mittelfeld versuchen durfte, hatte Lukas Mössner den Ball bereits im Bochumer Tor untergebracht, wurde aber von Schiedsrichter Nikolaus Athanassiadis wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Das wäre die frühe Führung für die Eintracht gewesen, von der Trainer Seitz sich die nötige Ruhe im Spielaufbau seiner Mannschaft erhofft hatte. Dennoch steckten seine Schützlinge auch ohne den erlösenden Führungstreffer nicht auf, nach 21 Minuten donnerte Alban Meha einen abgelegten Eckball von Thomas Drescher in Richtung Bochumer Gehäuse, doch die Defensive des VfL konnte mit vereinten Kräften klären. Gleiches Bild in der 29. Spielminute, als erneut nach einem Drescher-Eckstoß der aufgerückte Innenverteidiger Fabian Zittlau zum Kopfball kam, Christoph Caspari jedoch auf der Linie für seinen geschlagenen Torwart Michael Esser retten konnte.

Eintracht Trier erarbeitete sich im ersten Durchgang auf alle Fälle ein Gros der Spielanteile, doch viele Abspielfehler im Spielaufbau sowie technische Unzulänglichkeiten beim entscheidenden Pass in die Sturmspitze verhinderten weitere gute Tormöglichkeiten. Grund für das mühsame Aufbauspiel der Hausherren war die gut aufgestellte Bochumer Defensive, die gut gegen den Ball arbeitete und die Räume in der eigenen Hälfte beherzt zu schließen wusste. Vor allem Spielmacher Alban Meha, den Bochum-Coach Michaty vor dem Spiel in hohen Tönen lobte, kam fast nicht zum Zuge, da im Falle eines Ballbesitzes des Kosovaren gleich zwei Bochumer gegen den Kreativpart im Spiel des SVE verteidigten und dessen Bewegungsradius so deutlich einschränkten. Dennoch hätte eine Möglichkeit in der 42. Minute durchaus die Führung für die Eintracht bedeuten können: Lukas Mössner steckte auf Saccone durch, der den aus seinem Tor eilenden Esser mit einem Lupfer überlisten wollte. Doch Saccone setzte den Abschluss etwas zu hoch an, der Ball landete auf dem Tornetz.

Nach dem Seitenwechsel dann ein Handicap im Spiel der Gastgeber: Kapitän Josef Cinar rasselte mit dem Halbzeitpfiff mit dem Bochumer Mike Hibbeln zusammen und musste auch in der Kabine noch am Knie behandelt werden. Zwar kam er mit einer Bandage zurück auf das Spielfeld, doch seine Bewegungen waren merklich eingeschränkt. Dennoch quälte sich der Capitano bis zur 73. Minute, ehe er von Stefan Kohler abgelöst wurde. Ähnlich wie die Schritte und Bewegungen des Eintracht-Spielführers langsamer und schwerfälliger wurden, machte sich ebenfalls ein Knick im Spiel der gesamten Mannschaft bemerkbar. Zwar vergab Lukas Mössner in der 58. Minute eine gute Möglichkeit, als er am guten Bochumer Torwart Michael Esser scheiterte.

Doch das Spiel der Eintracht wirkte in dieser Phase zu ideenlos, die nötigen Offensivimpulse in Form von gezielten Nadelstichen in die eng gestaffelte VfL-Defensive scheiterten bereits in den ersten Schritten der Ausführung. Statt eines schnellen Pass nach vorne dominierten Flügelwechsel und Rückpässe zunehmend die Begegnung. Gefahr ging zu diesem Zeitpunkt lediglich von Standardsituationen aus. So zum Beispiel, als Alban Meha es aus halblinker Position aus 25 Metern frech mit einem direkten Freistoß ins kurze Toreck probierte, jedoch nur das Außennetz zum Zappeln brachte. Die erste echte Gelegenheit für die Gäste, die nach vier Spielen ohne Punktgewinn mit dem Unentschieden zufrieden sein konnten, ergab sich nach 66 Minute, als Oliver Zech aus spitzem Winkel Andre Poggenborg prüfte, der den Schuss im Nachfassen entschärfen konnte.

Kurz nach dieser Chance brachte Seitz Olivier Mvondo für Pierro Saccone und stellte seine Formation in ein 4-4-2-System um, Thomas Kraus rückte in die Sturmspitze und der Kameruner Mvondo beackerte die rechte Seite. Doch auch er fand heute nicht richtig ins Spiel, Kevin Freiberger und Pascal Pellowski stellten den quirligen Eintrachtler bereits früh und ließen dessen Tempo-Dribbling so bereits im Keim ersticken. Sinnbild dieser zweiten Halbzeit, in der der SVE zwar versuchte, das Spiel zu gewinnen, jedoch nicht die passende Lösung zu finden schien, war ein Freistoß von Alban Meha drei Minuten vor Spielende. Nachdem der unmittelbar zuvor für Thomas Kraus eingewechselte Tim Eckstein in zentraler Position 20 Meter vor dem Bochumer Tor gefoult wurde, hofften viele der 1970 Zuschauer auf einen Geniestreich von Alban Meha. Doch passend zu diesem Spiel hämmerte der Kosovare den Ball flach mitten in die VfL-Mauer.

Nach dem Spielende freute sich der Bochumer Trainer Nico Michaty auf der Pressekonferenz über den Punktgewinn:“Wir sind mit vier Spielen ohne Punkt nach Trier gereist, deswegen bin ich sehr froh über den Punktgewinn.“ Michaty wollte den anwesenden Trierer Zuschauern aber noch einige aufmunternde Worte mit auf den Weg geben:“Trier war heute immer gefährlich und wollte gewinnen. Man kann stolz sein auf diese Mannschaft, wenn man sieht, mit welcher mannschaftlichen Geschlossenheit die Spieler vor allem nach dieser letzten Saison hier Fußball spielen. Als Außenstehender kann ich deswegen den Unmut einiger Zuschauer nicht ganz nachvollziehen.“ Eintracht-Trainer Roland Seitz zeigte sich nach Spielende enttäuscht:“Das Ergebnis spiegelt wieder einmal nicht den Spielverlauf wieder, weil wir einige gute Chancen hatten. Das ist jetzt das dritte Unentschieden in Folge, nach dem wir enttäuscht sein müssen. Denn die Mannschaft hat bis auf das Ergebnis einen guten Job gemacht, wurde aber leider nicht belohnt.“

Partie kompakt:

Eintracht Trier: Poggenborg – Drescher, Cinar (ab 73. Kohler), Zittlau, Cozza – Karikari, Meha, Kraus (ab 79. Eckstein), Kuduzovic, Saccone (ab 69. Mvondo) – Mössner

VfL Bochum II: Esser – Caspari, Kalina, Hrustic, Pellowski – Freier, Mengert (ab 90. Donougher), Zech, Freiberger (ab 92. Avci), Prokoph – Hibbbeln (ab 85. Bari)

Tore: Fehlanzeige

Zuschauer: 1970

Gelbe Karten: Karikari (18.) wg. Taktischem Foulspiel, Drescher (60.) wg. Foulspiel

Die Stimmen nach dem Spiel (Roland Seitz, Stefan Kohler):

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Kommentare (3)

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  1. Entsetzt!!!! sagt:

    Manche Tribünengäste sollten sich in den Erboden schämen wie sie sich am Freitagabend benommen haben!!!
    Es ist nicht nachzuvollziehen wie man diese Mannschaft mit Trainer auspfeifen kann.Im gegenteil nach dieser bis jetzt überragenden Saison muss man sie jedes Spiel hochleben lassen!!!
    Wenn ein junger Spieler wie Zittlau einen Rückpass spielt und die halbe Tribüne ausflippt ärgert mich das maßlos!
    Ich war entsetzt über das Benehmen dieser Proleten.
    Ihr wisst wohl alle nicht mehr wo wir letzte Saison waren.
    Und Fussballsachverstand muss ich euch auch absprechen.
    Und Eintrachtler seit ihr sowieso keine!!!

  2. Mercator sagt:

    @ Sievo:

    Dem kann ich nur beipflichten. Es ist auffallend, wie seit Bestehen der Plattform 5vier der fußballerische Sachverstand der Verfasser immer besser in die Artikel eingebracht wird.

  3. Sievo sagt:

    5vier,
    ich bin froh, das es in Trier wenigstens ein Medium gibt, welches mit Sachverstand über unsere Eintracht berichtet. Die anderen Internetplattformen und auch unseren „Volksfreund“ kann man fast nicht mehr ertragen.

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