„Kein Weltuntergang“ – 2:2 in Eschborn

Von Florian Schlecht (Text), Anna Lena Grasmück (Fotos), Benjamin Judith und Holger Görgen (Video)

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Eintracht Trier kam beim 1. FC Eschborn nicht über ein 2:2 hinaus und ließ eine Woche nach dem Sieg im Spitzenspiel bei 1899 Hoffenheim II Federn. Zugleich gelang es der Eintracht erneut, trotz eines zweimaligen Rückstandes noch einen Punkt zu entführen. Ein Wermutstropfen: Steven Kröner und Steven Lewerenz sahen jeweils die fünfte gelbe Karte und sind im kommenden Heimspiel gegen den SC Pfullendorf gesperrt. 

Fahrudin Kuduzovic traf hier zum zwischenzeitlichen 1:1.

Die Forderung von Trainer Seitz war vor dem Spiel deutlich. „Der Kopf steht vor dem Körper“, verdeutlichte er die Anforderungen für das Spiel in Eschborn. Nur eine Woche nach dem Adrenalinsieg in Hoffenheim war wieder Regionalliga-Alltag angesagt, auf einem sumpfigen Platz, bei einem Abstiegskandidaten und einer kampfstarken Truppe. Die Wünsche des Trainers wurden aber nicht vollends umgesetzt. Über 90 Minuten hatte Trier Probleme, sich mit den Bedingungen anzufreunden und das Spiel deutlich zu diktieren. „Ich bin froh, dass wir mit dem Remis in die Halbzeit gegangen sind. Danach haben wir den Kampf angenommen, Moral bewiesen und in den letzten 15 Minuten sogar Chancen, bei denen das dritte Tor aber nicht fallen wollte“, sagte Seitz. „Für uns ist es das größte Kompliment, wenn der gegnerische Trainer zufrieden ist“, freute sich Sandro Schwarz. Der Trainer aus Eschborn lobte den Einsatz seiner Mannschaft. „Das war ein Topspiel von uns.“

Trier startete mit der Empfehlung von sechs Spielen in Folge ohne Niederlage personell unverändert in das Spiel bei den Hessen, wo das letzte Aufeinandertreffen am 17. September 2005 mit 1:2 verloren ging. Und Eschborn sollte kein gutes Pflaster bleiben. Die Eintracht hatte Probleme, in das Spiel zu finden. Auf dem seifigen Rasen spielte Eschborn den Fußball, den es beherrscht, mit Einsatz und Härte. Trier probierte über spielerische Mittel zum Erfolg zu kommen, wirkte fahrig und anfällig bei Kontern. Es fehlte  an der Konzentration im Passspiel, wodurch sie im ersten Durchgang selber nur zu wenig Chancen kamen.

Kröner und Lewerenz gesperrt

Thomas Drescher war gegen seinen Ex-Klub motiviert.

Eher waren eher die Platzherren, die sich dem Tor annäherten. Nach neun Minuten war es Thomas Drescher, der gegen seinen Ex-Verein frei zum Schuss kam, aber nur das Außennetz traf. Kapitän Fouad Brighache hatte eine Hereingabe von der rechten Seite zum 33-Jährigen abgefälscht, der im ungewohnten linken Mittelfeld zum Einsatz kam und hochmotiviert wirkte. Eschborn war es auch, das erstmals jubeln durfte. Ein weiter Freistoß von Velibor Velimir segelte 35 Meter durch die Luft, Torhüter Stephan Loboué unterschätzte den Ball kolossal und musste zusehen, wie sich dieser hinter ihm ins Netz drehte (22.).

Die Antwort der Eintracht ließ aber nicht lange auf sich warten. Keine 60 Sekunden nach dem Rückschlag bediente Chhunly Pagenburg mit einem feinen Pass Fahrudin Kuduzovic, der den Ball elegant an Torwart Tobias Stehling vorbei schlenzte (23.). Ärgerlich für Trier war die Gelbe Karte für Steven Lewerenz, der nun gesperrt ist. Der Flügelspieler kam an der Strafraumgrenze zu Fall, es sah eher nach einem Elfmeter als nach einer Schwalbe aus, die von Christine Baitinger („Schiedsrichterin des Jahres 2012“) geahndet wurde. Auch Steven Kröner muss wegen der fünften Verwarnung im kommenden Heimspiel gegen Pfullendorf zuschauen.

Trainer Seitz konnte auch ansonsten nicht mit dem ersten Durchgang zufrieden sein. Nach 18 Minuten ließ er Baldo di Gregorio warmlaufen, um ein Zeichen zu setzen, dass er mit der Einstellung nicht zufrieden war. In der Pause brachte er den Deutsch-Italiener im defensiven Mittelfeld für Torge Hollmann, der nicht an seine jüngsten Vorstellungen anknüpfen konnte. „Die Mitte war mir zu offen“, fand der Trainer. Hollmann hatte nur wenig Verständnis dafür, dass er in der Pause in der Kabine bleiben musste.

Nur in der Rolle des Zuschauers sah er, wie seine Mannschaftskollegen einem Rückstand hinterher liefen. Nach einer kurz ausgeführten Ecke flankte Pascal Hertlein unbedrängt zu Dennis Talijan, der zum 2:1 einköpfte (53.). Doch die Gäste aus der Moselstadt entpuppten sich nicht zum ersten Mal in dieser Saison als Stehaufmännchen. Chhunly Pagenburg war es, der nach einem Eckball von Fabian Zittlau zum 2:2 traf (59.). Anschließend war die Eintracht am Drücker, verbuchte ihre beste Phase verpasste durch einen Freistoß von Maximilian Watzka (73.) und eine Abnahme von Fahrudin Kuduzovic die Führung (74.). Auf der Gegenseite traf Zahit Findik in einem blassen Spiel nur die Latte (75.). In der Schlussphase war die Luft raus, das Unentschieden war entsprechend leistungsgerecht. „Wir haben einen Punkt geholt, das ist kein Weltuntergang“, meinte Kapitän Fouad Brighache.

Statistik und Noten

1. FC Eschborn – Eintracht Trier 2:2 (1:1)

Eschborn: Stehling – Strenkert, Talijan, Hertlein, Gschwender – Nguyen (84. Leopold), Hilser, Velemir, Drescher – Findik, Oezer (68. Bari).

Trier: Loboué (Note: 5) – Brighache (3,5), Kröner (3,5), Konrad (3), Zittlau (3,5) – Hollmann (4,5, ab 46. di Gregorio 3), Watzka (4,5) – Lewerenz (3,5), Abelski (3,5), Kuduzovic (3,5, ab 84. Lubasa) – Pagenburg (3).

Schiedsrichter: Christine Baitinger (Darmsheim)

Tore: 1:0 Velemir (22.), 1:1 Kuduzovic (23.), 2:1 Talijan (56.), 2:2 Pagenburg (59.).

Spieler des Tages: Chhunly Pagenburg. Der Torjäger lieferte nicht sein bestes Spiel ab, war aber mit dem Assist zum 1:1 und dem Tor zum 2:2 maßgeblich am Punktgewinn beteiligt.

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Spielzusammenfassung

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Kommentare (4)

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  1. fan sagt:

    klar , jeder orientiert sich gerne anhand von kurzen, einordbaren infos, aber diese sollten dann objektiv sein,

    und noten sind das nicht wirklich, in diesem fall muß der notengeber traumatische schulerlebnisse gehabt haben, so schlecht wie die hier ausfallen

  2. Eintrachtler sagt:

    Also ich finde das mit den Noten gut. Das hat doch nichts mit einem „schiefen Eindruck vom Spiel“ zu tun, im Gegenteil. Und warum sollte man einen Spieler in der Regionalliga nicht bewerten dürfen? Wenn jemand an einem Spieltag nicht gut ist, sollte man das auch äußern dürfen und weil man halt nicht für jeden eine Einzelkritik machen kann finde ich die Noten gut.

  3. Kein Eintrachtler sagt:

    Ich hab das Spiel nicht gesehen und interessiere mich nur am Rande für die Eintracht, aber diese Notengebung halte ich auch für problematisch. Es ist immerhin nur Regionalliga und was soll das irgendwem bringen? Die, die vor Ort waren, machen sich ein eigenes Bild und der Rest bekommt einen total schiefen Eindruck vom Spiel. Der Schreiber hat keine Ahnung was die taktischen Vorgaben an den Spieler waren und ob er diese gut erfüllt hat oder nicht. Völliger Quatsch in meinen Augen, so etwas auf dem Niveau zu machen, wo man nicht einmal argumentieren kann, dass der Spieler immerhin Millionen verdient und dafür auch ruhig mal ne sechs reingedrückt bekommen kann.

  4. sve-langen sagt:

    Ich halte eh nichts von derNotengebung für Spieler ,aber eine 4,5 fuür Watzka ist doch ein Witz ,er hat ein super Spiel auf der 6 gemacht.

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