Eintracht Trier: Wie ein Spitzenteam – 4:0-Sieg in Gladbach / VIDEO

Nach der 0:3-Pleite gegen Mainz II drohte Eintracht Trier eine Krise. Doch auf den Tiefpunkt folgten 13 Punkte aus fünf Spielen und mit dem 4:0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach II sogar ein echter Husarenstreich. Nun richten sich die Gedanken auf das DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV am Dienstag.

Sven Demandt stand in der eisigen Kälte des Rheydter Grenzlandstadions. Auch die gute Laune näherte sich bei dem Trainer von Borussia Mönchengladbach II dem Nullpunkt.  Die 0:4-Heimpleite gegen Eintracht Trier musste verdaut werden, acht Spiele in Folge hatten die jungen Fohlen in Folge nicht verloren und sich auch im Spitzenspiel etwas ausgerechnet, um ein gewichtiges Wort um den Aufstieg in die 3. Liga mitzusprechen. Doch Demandt sollte mit seiner jungen Mannschaft an diesem Abend Zeuge werden von einer beeindruckenden Wiederkehr, die in Mönchengladbach gekrönt wurde.

Vor Wochen lag Eintracht Trier nach dem 0:3 gegen Mainz II am Boden, die Zuschauer verließen nach der dritten Heimpleite in Serie frühzeitig und frustriert das Moselstadion. Die hohen Erwartungen schlugen um in Enttäuschung. Trainer Seitz suchte die Mischung aus angemessener Härte mit einem Straftraining und schützender Hand, indem er um Geduld mit seinen Spielern bat.  Nun war das 4:0 in Mönchengladbach nach dem Tiefpunkt gegen Mainz der Gipfel der Gefühle. 13 Punkte hat die Eintracht aus den letzten fünf Spielen erobert und seit 466 Minuten kein Gegentor mehr kassiert. Vor allem die Art und Weise, mit welcher Souveränität die Moselstädter ihre Führung verwalteten und mit Effektivität stufenweise ausbauten, nötigte Demandt echten Respekt ab. „Trier ist für mich das absolute Topteam der Liga, die haben hier auf einem ganz hohen Niveau gespielt“, fühlte er sich in seiner Meinung vor dem Spitzenspiel bestätigt. Und ging enttäuscht in die Kabine.

„Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt“

Wenige Meter entfernt wirkte Roland Seitz angesichts der Leistung mit Zufriedenheit erfüllt. Das Lob des Kollegen schmeichelte dem Trainer von Eintracht Trier, er lehnte es noch nicht einmal ab. Diese rasante Entwicklung scheint auch dem Oberpfälzer unheimlich zu sein, er kam aus dem Lächeln nicht mehr heraus. „Wer nach ganz oben will, darf sich in keiner Phase hängen lässen“, sagte der Trainer zwar. „Aber der Sieg war verdient, wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt.“

Mit einem Auftritt wie in Mönchengladbach ist die Mannschaft ein heißer Kandidat, um Großes zu leisten. So färbt das Selbstbewusstsein des Kollektivs immer mehr auf seine Einzelglieder ab, auch auf die Neuzugänge, die einen harten Weg hinter sich hatten. War es in der Vorwoche Chhunly Pagenburg, der wochenlang um seine Fitness kämpfte, um dann auf der linken Seite gegen Verl zum Matchwinner zu werden, stellte diesmal Martin Hauswald die Weichen mit seiner Führung nach drei Minuten. Nach einer Flanke von Thomas Drescher und einer Weiterleitung durch Fahrudin Kuduzovic staubte der Mittelfeldspieler aus kurzer Distanz ab, nachdem Trainer Seitz einen Tag zuvor von ihm noch spielentscheidende Szenen gefordert hatte. Wesentlich schwerer als die Vollendung war für Hauswald anschließend die Jubelmeute zu kontrollieren, die auf ihn zustürmte. „Das zeigt, wie intakt die Mannschaft ist“, sagte er und dachte zugleich an Thomas Kraus, der für ihn auf der Bank saß. „Für ihn tut es mir leid, weil er immer alles gibt.“

Pfosten, Latte und Stang

Das Hauswald-Tor brachte aber keine Beruhigung. Die spielstarken Gladbacher demonstrierten in den folgenden 15 Minuten, warum sie ein ernstzunehmender Titelkandidat sind. Sie kombinierten Trier schwindlig, suchten wütende Abschlüsse. Dennis Dowidat traf erst aus 30 Metern den Pfosten (10.) und war dann nach einem Dribbling schon an André Poggenborg vorbei. Doch sein Kumpel Oliver Stang, mit dem er in der Jugend zusammen spielte, klärte auf der Linie. „Ich kenne ihn und wusste, dass er auf den kurzen Pfosten zielt“, lächelte Stang über seine Rettung in höchster Not. Der Innenverteidiger war an alter Wirkungsstätte der Mr. Zuverlässig, der half, die Führung über die Gladbacher Drangphase hinaus zu retten. Einen erneuten Aluminium-Treffer der Hausherren konnte aber auch Stang nicht verhindern, Amin Younes zauberte einen Freistoß an die Latte (30.).

In den Offensivwirbel hinein fiel das 0:2, das den Elan der jungen Fohlen rasant bremste. Erneut Drescher flankte von links, der Ball wurde abgeblockt, Ahmet Kulabas stand richtig und erhöhte (35.). Es war der Moment, von dem an die Eintracht das Heft nicht mehr aus der Hand gab. Mit einer Vorführung in konsequenter Deckungsarbeit, bei der die Gladbacher Doppelspitze aus Marcel Podszus und U20-Nationalspieler Elias Kachunga nicht zur Geltung kam und letzterer entnervt ausgewechselt wurde. Und als Bonbon mit gefährlichen Angriffen, die schnell ausgespielt und mit Toren belohnt wurden. Einen traumhaften Spielzug über Kulabas und Alon Abelski grätschte Kapitän Tim Heubach ins eigene Netz (58.). In der Schlussphase krönte auch noch der fleißige Chhunly Pagenburg nach zwei abgewehrten Versuchen seine Leistung mit dem 0:4 (86.).

HSV am Bildschirm – und dann auf dem Rasen

Es war der endgültige Startschuss, die Gedanken auf das Pokalspiel am Dienstag gegen den Hamburger SV zu richten. Fast zumindest. „Mich interessiert erst mal, wie Lotte gespielt hat“, lachte Oliver Stang. „Am Samstag werden wir aber alle gucken, was der HSV macht.“ In einer großen Mannschaftsrunde, am Bildschirm, wenn der Bundesligist auf den VfL Wolfsburg trifft. Dann geht es live im Moselstadion gegen die Stars. „Wir freuen uns auf das Highlight, das uns bevorsteht“, so Stang. Nach der Reifeprüfung in Gladbach hat er es sich mit seinen Kollegen verdient.

Statistik

Borussia Mönchengladbach II – Eintracht Trier 0:4 (0:2)

Mönchengladbach: Blaswich – Schumacher, Dams, Heubach, Odenthal – Bieler (61. Khalil Mohammed), Korb, Dowidat, Younes (64. Platzek) – Podszus, Kachunga (78. Breuer).

Trier: Poggenborg – Cozza, Stang, Herzig, Drescher – Karikari – Hauswald (74. Kraus), Kuduzovic (67. Gouiffe à Goufan), Abelski, Pagenburg (87. Knartz) – Kulabas.

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Tore: 0:1 Hauswald (3.), 0:2 Kulabas (35.), 0:3 Heubach (Eigentor, 58.), 0:4 Pagenburg (86.).

Zuschauer: 421.

VIDEO-Stimmen zum Spiel

BILDER-Galerie

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