Achterbahnfahrt im Spitzenspiel – 3:3 bei Mainz II

Mainz II und Eintracht Trier trennen sich in der Regionalliga Südwest mit 3:3

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Eintracht Trier hat die Tabellenführung in der Regionalliga Südwest durch ein 3:3 beim FSV Mainz II verteidigt. Es waren verrückte 90 Minuten am Bruchweg: Drei Mal lag Trier in dem packenden Spitzenspiel vorne, drei Mal glich Mainz aus – auch mit der Unterstützung von Bundesliga-Leihgaben. 

Mainz II - Eintracht Trier

300 Trierer Fans begleiteten ihre Mannschaft – und erlebten ein turbulentes Spitzenspiel.

Bereits vor dem Anpfiff kochten die Trierer Gemüter hoch, weil das DIN-A4-Blatt mit der Mainzer Aufstellung einige unangenehme Überraschungen bereit hielt. Neben dem „magischen Dreieck“ um die torgefährlichen Steven Lewerenz, Nejmeddin Daghfous und Petar Sliskovic wurde die prunkvolle Offensive noch um zwei Bundesliga-Leihgaben verstärkt. Der deutsche U21-Nationalspieler Yunus Malli – jüngst erst Ausgleichsschütze zum 2:2 gegen 1899 Hoffenheim – zog als Regisseur die Fäden. Im angriffslustigen 4-1-3-2-System der Platzherren fand auch 1,92-Meter-Stürmer Sebastian Polter seinen Platz, der in dieser Saison bereits auf fünf Einsätze für die Profis kam.

Schwerstarbeit in der Defensive für Eintracht Trier, das mit klassischen Mitteln reagierte – und zwar mit einer Manndeckung der technisch versierten Gegenspieler. Christopher Buchner gegen Sebastian Polter, Michael Dingels gegen Petar Sliskovic, Christopher Spang gegen Nejmeddin Daghfous, Fabian Zittlau gegen Steven Lewerenz und Lars Bender im Wechselspiel mit Matthias Cuntz und Fouad Brighache gegen Yunus Malli – das waren die Schlüsselduelle, die Trier zumeist für sich entscheiden konnte. Gab es Fehler, wurden diese gleich von den konzentrierten Mitspielern ausgebügelt.

Erfolgreiche Schlüsselduelle im ersten Durchgang

Das Spiel war so ein ständiger Abnutzungskampf im Mittelfeld, in dem die Eintracht keine schlechte Figur abgab und über eine Standardsituation in Führung ging. Matthias Cuntz ballerte einen Freistoß aus 25 Metern mit Effet auf das Tor von Loris Karius, der Ball sprang vom Innenpfosten rein – mit der ersten Chance des Gipfeltreffens fiel so gleich die Führung (26.). Die erste Unachtsamkeit von Trierer Seite bestrafte Mainz aber auch gleich. Christopher Spang, der ansonsten ein herausragendes Spiel als Kettenhund von Daghfous absolvierte, ließ seinen Gegenspieler nach einem Pass von Malli einmal aus den Augen – und der hämmerte das Leder zum 1:1 unter die Latte (37.).

Spang reagierte aber cool auf seinen einzigen Fehler und knüpfte schnell an seine souveräne Leistung an. Kurz nach dem Ausgleich eroberte das Talent gegen Daghfous im Mittelfeld rustikal den Ball, leitete ihn direkt weiter zu Alon Abelski, der den durchstartenden Marco Quotschalla bediente. Der Offensivspieler scheiterte zwar an Karius, aber in der Folge konnte Mainz die Situation nicht bereinigen. Sylvano Comvalius flankte so von der Grundlinie scharf vor das Tor der Heimelf, wo Lars Bender zum umjubelten 1:2 abstaubte (41.).

Erst mit dem Halbzeitpfiff gaben sich beide Mannschaften erstmals dem Luxus hin, auch Chancen zu vergeben. Sliskovic fand seinen Meister mit einem 20-Meter-Schuss in Torwart Chris Keilmann (44.), Dennis Schmitt prüfte nach einer Comvalius-Hereingabe den eigenen Keeper, der die verunglückte Rettungsaktion in höchster Not entschärfte (45.).

Achterbahnfahrt im zweiten Durchgang

Mainz II - Eintracht TrierTurbulent ging es nach dem Seitenwechsel gleich weiter, in dem das Spitzenspiel immer intensiver wurde und zu einer wahren Achterbahnfahrt avancierte. Zunächst vergab Trier die Möglichkeiten zum 1:3, als Abelski hinter einen Kopfball nicht genügend Kraft brachte (47.) und Karius eine gefährliche Flanke von Quotschalla vor der Linie abwehrte (53.).

Im Gegenzug glich Mainz dann aus: Nach einer Lewerenz-Hereingabe kam Dingels zu spät ins Kopfballduell gegen Polter, der legte auf den ungestörten Sliskovic ab, der zu seinem 15. Saisontreffer und dem 2:2 vollstreckte (54.).

Auf der anderen Seite wollte sich Sylvano Comvalius als Eintracht-Torjäger nicht die Show stehlen lassen. Nach einem feinen Pass von Alon Abelski foppte er mit einer Körpertäuschung zwei Mainzer Abwehrspieler und vollendete mit einem strammen Linksschuss zum 2:3 (59.). Der Niederländer hatte kurz darauf nach einem Konter die Möglichkeit zum Doppelpack, zog aber knapp am Tor vorbei (61.). Beide Mannschaften hatten zu dem Zeitpunkt die strengen taktischen Fesseln abgelegt, spielten befreit nach vorne und waren hinten anfällig für Fehler. Nach einem Lewerenz-Freistoß schlief die Trierer Hintermannschaft, Polter kam ungestört zum Kopfball, Keilmann verharrte im Tor – 3:3 (70.).

In der Schlussphase verbuchte Mainz gar noch die Gelegenheit, das Spiel zu gewinnen. Keilmann wehrte zunächst einen Malli-Schuss ab und klärte dann noch gegen den eingewechselten Tobias Schilk, der aus spitzem Winkel sein Glück versuchte (85.). Die Trierer schlugen hingegen die Hände über dem Kopf zusammen, als Comvalius einen sträflichen Querpass von Damian Rossbach nicht zum 3:4 verwerten konnte. Das war auch der Schlusspunkt in dem packenden Spiel, nach dem Trier auch in der zwölften Partie hintereinander ungeschlagen bleibt und die Tabellenspitze verteidigen konnte.

„Normalerweise sind Spitzenspiele von Taktik und einem 0:0 geprägt. Heute hatte es keine Mannschaft verdient, als Verlierer vom Platz zu gehen. Beide haben tollen Fußball geboten“, befand Trainer Roland Seitz. Heimcoach Martin Schmidt stimmte da zu: „Ich wünsche Trier viel Glück, ihr habt richtig gute Leute vorne, die uns auch gut zu Gesicht stehen würden. Ihr gehört in die 3. Liga.“

Statistik

FSV Mainz 05 II – Eintracht Trier 3:3 (1:2)

Mainz: Karius – Schmitt, Falkenmayer, Rossbach, Müller – Bohl – Lewerenz (76. Schilk), Daghfous – Malli – Polter, Sliskovic.

Trier: Keilmann (4) – Brighache (2), Dingels (2,5), Buchner (2,5), Zittlau (2,5) – Spang (2), Cuntz (1,5, ab 90. Konrad) – Bender (2, ab 86. Guenther), Abelski (2), Quotschalla (2,5, ab 81. Kuduzovic) – Comvalius (2).

Schiedsrichter: Martin Petersen (Frankfurt am Main).

Mainz II - Eintracht Trier

Tore: 0:1 Cuntz (26.), 1:1 Daghfous (37.), 1:2 Bender (40.), 2:2 Sliskovic (54.), 2:3 Comvalius (59.), 3:3 Polter (70.).

Zuschauer: 800.

Spieler des Spiels: Matthias Cuntz. Ein kampfstarker Auftritt, viele kluge Pässe in die Spitze und ein traumhaftes Freistoß-Tor zeichneten den Mittelfeldspieler bei einer hervorragenden Mannschaftsleistung aus.

 

Die Bilder zum Spiel

 

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