Als Underdog zur Trendwende?

Von Stephen Weber

Es wird das vielleicht wegweisende Spiel in der Hinrunde für Eintracht Trier. Die Mannschaft um Trainer Roland Seitz gastiert nach einer ernüchternden Niederlagenserie am kommenden Wochenende beim Tabellenvierten KSV Hessen Kassel. Dabei wird Defensivspieler Mario Klinger aufgrund eines vermutlichen Bänderrisses definitiv ausfallen. Auch sind die Einsätze von Torge Hollmann, Steven Kröner und Thomas Konrad momentan noch fraglich. Anpfiff ist am Samstag in Kassel um 14 Uhr.

Roland Seitz hofft auf einen Befreiungsschlag. (Foto: Anna Lena Grasmueck)

Trainer Roland Seitz wirkte auf der Pressekonferenz sichtlich angespannt und es war ihm anzumerken, dass die Schelte der vergangenen Wochen nicht spurlos an ihm vorüber gegangen war. Dennoch gab sich der Oberpfälzer kämpferisch: „Es wird ein schweres Auswärtsspiel, vor allem in unserer gegenwärtigen Situation. Kassel ist daheim noch ungeschlagen und somit der Favorit am Wochenende. Aber genau das ist unsere Chance, um die kleine Negativserie zu beenden.“ Der Coach hofft auf einen Lucky Punch in der Rolle des angeschlagenen Underdogs.

Doch auch die Gastgeber stehen nach nunmehr drei Partien in Folge ohne Dreier unter Zugzwang. „Kassel hat sich selbst zum Aufstiegsaspiranten erkoren und wird vor dem heimischen Publikum versuchen, das Spiel zu machen. So können wir tief stehen und auf unsere Möglichkeiten lauern“, gibt Seitz die Marschroute vor. Seine Hoffnung in der eigenen Krise: „Immer wenn man eigentlich denkt, dass nichts geht, ist das der richtige Zeitpunkt, um eine Wende einzuläuten.“

Selbstvertrauen getankt im Freundschaftsspiel

Ein Umschwung wäre dringend angesagt. Nach zuletzt drei äußerst dürftigen Vorstellungen gegen Elversberg (0:1), Koblenz (0:1) und Mannheim (1:3) benötigt die Mannschaft ein Erfolgserlebnis dringender denn je. Wiewohl ihr Coach behauptet, dass die jüngsten Pleiten nicht sonderlich am Ego seines Teams nagen würden: „Wir haben die Partie gegen Elversberg wie auch jede andere analysiert und verarbeitet. Der Druck, der von außen an uns herangetragen wird, kümmert uns wenig.“ Und auch etwaige Kritik an der Qualität der Mannschaft weist er energisch zurück: „Wir haben in der Saison bereits bewiesen, über welche Klasse wir verfügen. An guten Tagen und mit elf fitten Spielern können wir jeden schlagen. Nur müssen wir da jetzt wieder hinkommen.“

Mithin baut Seitz auf einen positiven psychologischen Effekt durch den 6:0-Sieg im Freundschaftsspiel gegen Kreisligist SV Gonzerath (hier geht es zum ausführlichen Artikel): „Der Test am Mittwoch war gut, damit die Jungs mal wieder Erfolgserlebnisse und Selbstvertrauen sammeln durften. Sei es durch gewonnene Zweikämpfe, herausgespielte Torchancen oder einfach Ballbesitz. Schade war nur, dass unsere Defensivabteilung zum Großteil ausgefallen ist.“

Verletzungssorgen im Defensivverbund

Mario Klinger wird wegen eines Bänderisses mehrere Wochen pausieren müssen (Foto: Anna Lena Grasmueck)

Hinter der Abwehr steht zurzeit ein besorgtes Fragezeichen. Mario Klinger wird in Folge eines Bänderrisses mit Sicherheit nicht auflaufen können. Ob es zwei oder mehrere Wochen Pause werden, wird erst eine genauere Untersuchung an den Tag bringen. Ansonsten plagen sich Torge Hollmann, Thomas Konrad (beide Muskelverhärtung im Oberschenkel) und Steven Kröner (Bänderdehnung im Sprunggelenk) mit kleineren Blessuren herum, weshalb auch ihr Einsatz gegenwärtig auf der Kippe steht. „Es wird sich erst heute Abend oder morgen erweisen, ob sie spielfähig sind. Ich gehe davon aus, dass sie mit nach Kassel reisen werden, aber ob sie auflaufen können, ist ungewiss“, erklärte der Oberpfälzer. Zu hoffen wäre es, denn die Alternativen in der Abwehr sind dünn gesät. Zwar meldete sich Baldo di Gregorio nach einer sechswöchiger Muskelverletzung mit einem 60-Minuten-Einsatz am Mittwoch zurück, doch mangelt es ihm sicherlich noch an der nötigen Wettkampfpraxis, um schon 100 Prozent Leistung abrufen zu können. „Wenn Not am Mann ist, wird und kann er spielen“, prognostizierte Seitz trotzig.

Aber auch auf den Trierer Sturm wird einiges zukommen: Der Gegner aus Nord-Hessen stellt derzeit mit nur acht Gegentreffer in zehn Partien gleichsam das Bollwerk der Liga dar. Demnach ist der Eintracht zu wünschen, dass ihr Offensivsektor seine zuletzt abhanden gekommene Treffsicherheit zurück gewinnt. Die zwei Tore von Chhunly Pagenburg und Fahrudin Kuduzovic im gestrigen Testspiel stehen hierfür als erste verheißungsvolle Signale. Ihr Übungsleiter sieht das genau so: „Wir müssen die erfolgreiche Trainingswoche und die positive Laune aus dem Testspiel in die anstehende Herausforderung mitnehmen und auf dem Platz in Kassel umsetzen.“

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Kommentare (4)

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  1. klaus-peter sagt:

    @Klaus

    Mitnichten, aber dafür warst Du in den vergangenen Wochen nach dem glücklichen Auftaktsieg erstaunlich ruhig.
    Für mich gilt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ich bin mir sicher, dass dieser eine Sieg jetzt keine nachhaltige Besserung bringen wird, auch wenn das die ganzen Schönredner und Schönschreiber natürlich so sehen wollen.

  2. Klaus sagt:

    Klaus-Peter der Seitz Hasser Nummer 1 ist erstmal wieder für eine Woche verstummt ;))

  3. fan sagt:

    alles andere wie eine riesen klatsche im norden von hessen,
    wäre ein kleines wunder.

    wer kann diese mannschaft aufrichten,? dem trainer oder der eigener kraft vertrauen? in den 80-iger jahren arbeitete die auch damals krisengeschüttelte eintracht mit der psycholo.abteilung der uni zusammen soweit in erinnerung hatte das erfolg

  4. klaus-peter sagt:

    Ein 6-0 gegen einen Kreisligisten (!!!) als Motivationsschub und „verheißungsvolle Signale“ für die Stürmer?
    Das kann Herr Seitz doch nicht ernst meinen. Vielleicht hätte man noch erwähnen sollen, dass das zu Null gegen diese Übermannschaft ein Zeichen für die Festigung unserer Devensivabteilung ist.
    Wenn auch der Glücksvorrat bei Herrn Seitz aufgebraucht scheint und seine Unfähigkeit immer mehr zum Vorschein kommt, befürchte ich fast, dass unsere „Mannschaft“ irgendwie einen Punkt in Nordhessen einpacken wird und das ganze Stümpern weiter gehen kann.

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