Eintracht Trier: „Aufhören oder Gas geben“ – Spiel gegen Gladbach II

Von Florian Schlecht

Mit Risiko und Offensive will Eintracht Trier am Samstag Borussia Mönchengladbach II begegnen (14 Uhr). Nach dem 1:0-Sieg gegen Fortuna Köln setzt Trainer Roland Seitz auf die erfolgreiche Aufstellung und frisches Selbstvertrauen. Derweil kämpft der Supporters Club Trier um den Zusammenhalt in der Fanszene.

Ahmet Kulabas winkt ein Einsatz neben WG-Kollege Pagenburg. Foto: Anna Lena Grasmück

Nein, ein Spitzenspiel ist es nicht, wenn am Samstag in der Fußball-Regionalliga der Vierte auf den Zweiten trifft. Dafür ist der Rückstand von Eintracht Trier auf Borussia Mönchengladbach II mit 13 Zählern viel zu groß. So bleibt für Trainer Roland Seitz und seine Mannschaft nur die Rolle des Züngleins an der Waage im Titelkampf. Mit einem Sieg an der Mosel können die jungen Fohlen aus Mönchengladbach zumindest für 24 Stunden die Tabellenführung übernehmen – und genau das will Seitz verhindern.

Dabei baut der Fußballlehrer auf das frische Selbstvertrauen nach dem 1:0-Erfolg gegen Fortuna Köln, der die düstere Serie von sechs Spielen ohne Sieg beendet hat. „Wir sind froh, dass wir nach der langen Durststrecke den Bock umgestoßen haben“, sagt der 47-Jährige erleichtert. Das Ende des Anti-Laufs, der erste Heimsieg 2012, dazu „ein gutes Spiel“, hofft der Trainer nun auf eine Wende nach den Wochen der Enttäuschungen.

Alon Abelski rückt wieder in den Kader

"Wollen wir aufhören - oder miteinander Gas geben?" Foto: Anna Lena Grasmück

Die Frage von Seitz an seine Männer: „Wollen wir aufhören oder weiter miteinander Gas geben? Jeder einzelne Spieler muss so arbeiten, dass seine Nebenleute eine Zukunft haben“, findet er. Darin ist er sich mit Kapitän Torge Hollmann einig. „Wir wollen die Saison nicht bis zum Ende dahinplätschern lassen, sondern vernünftigen Fußball anbieten. Wir haben schon oft gezeigt, dass wir das können.“

Um die Ruhe zu wahren und Selbstvertrauen für das Rheinlandpokal-Viertelfinale gegen Koblenz (25. April) aufzubauen, sind aber weiter Leistungen wie gegen Fortuna Köln gefragt. In den 90 Minuten war eine Eintracht zu sehen, die spielte, kombinierte und leidenschaftlich kämpfte – in einer Art und Weise, die Fans zuletzt vermisst hatten. Das wurde mit der Minuskulisse der Saison von nur 1248 Zuschauern quittiert.

Trainer Seitz will daher gegen Mönchengladbach II der Mannschaft vertrauen, die sich dieses 1:0 redlich verdiente. Dazu kann er von der Bank mehr Druck entfachen – Denny Herzig, Thomas Kraus und Oliver Stang kehren in den Kader zurück. Ähnliches gilt für Alon Abelski. Die mühsamen Strapazen der Reha in Düsseldorf hat der Regisseur nach seinem Teileinriss am Syndesmoseband überstanden. Nun nimmt er wieder voll am Trainingsbetrieb teil, muss aber noch letzte Ängste ablegen, um die gewohnte Leichtigkeit und Kreativität in seinem Spiel wieder zu erlangen. „Den Kopf kriegen wir schon hin“, meint Seitz, der den 22-Jährigen über Kurzeinsätze wieder an die Regionalliga-Praxis und das Fernziel „Rheinlandpokal“ heranführen will.

Kulabas: „Ich kann mir vorstellen, in Trier zu bleiben“

Chhunly Pagenburg überzeugte gegen Fortuna Köln. Foto: Anna Lena Grasmück

Angeboten haben sich dafür gegen Fortuna Köln auch Chhunly Pagenburg und Ahmet Kulabas. Beide Offensivkräfte arbeiteten gut gegen den Ball und harmonierten im Zusammenspiel. Mit Pagenburg führte Seitz zuvor noch ein Vier-Augen-Gespräch: „Ich habe ihm mitgeteilt, dass er weiter Gas geben soll.“ Die vergebenen Chancen verzieh der Trainer seinen Angreifern so nach einem engagierten Auftritt. „Es wäre schön, wenn sie sich vor eigenem Publikum gegen Mönchengladbach für ihren Aufwand belohnen würden.“

Beim WG-Sturm aus Schweich ist nach wie vor offen, ob sie über den Sommer hinaus in Trier bleiben. Beide betonen, dass mit ihnen über die Zukunft noch nicht gesprochen worden sei. „Ich will nach den Verletzungen erstmal richtig in Form kommen und bin für alles offen“, betont Pagenburg. „Ich kann mir vorstellen, in Trier zu bleiben, weil ich mich hier wohlfühle“, sagt hingegen Kulabas. Seitz kündigte zuletzt an, genau beobachten zu wollen, wer sich für einen Vertrag zur neuen Saison anbietet.

Mit Risiko gegen Mönchengladbach II

Der Fleiß der beiden Angreifer wird gegen Mönchengladbach II schon wieder gefragt sein. Der Stachel des 2:4-Schocks gegen Borussia Dortmund II vor zwei Wochen sitzt noch tief. „Gladbach ist ähnlich einzuschätzen mit einem gleichen System, gleicher Altersstruktur und vielen Spielern, die nach oben kommen können“, weiß Seitz, der auf mehr Risiko setzt. Scheiterte gegen die BVB-Bubis eine extrem defensive Taktik der Eintracht auch mangels Aggressivität, sucht der Oberpfälzer das Heil gegen die jungen Fohlen in der Offensive. „Es liegt uns momentan besser, vorne früh draufzuschieben.“ Auch Hollmann erwartet nicht, erneut zum Spielball einer hungrigen Zweitvertretung zu werden. „Wenn man nicht selbst handelt, wird man behandelt. Wir müssen selbst aktiv werden und über die 90 Minuten unseren Willen einbringen, das Spiel zu gewinnen.“

+++++Eintracht in Kürze+++++

Supporters Club Trier kämpft um Zusammenhalt in Fanszene – Ein Antrag erreichte den Supporters Club Trier (SCT) bei der Jahreshauptversammlung am Donnerstag. Und der barg nicht so viel Zündstoff, wie es die Zeilen aussagten. Die Auflösung des Dachvereins der Fanclubs wurde dort angeregt – zur Abstimmung kam es aber nicht, weil nicht die erforderlichen drei Viertel aller Mitglieder anwesend waren, um laut Satzung über eine solche Frage abzustimmen.

Das Ende des SCT war aber nicht wirklich die Absicht des Antrags. Vielmehr sollte eine vernünftige Diskussion zwischen den Fanlagern angestoßen werden, weil es zuletzt untereinander Konflikte gab. Beim 1:0-Sieg in Mainz fühlten sich einige Anhänger von einer großen Schwenkfahne der Ultras gestört. „Es gab einige Sprüche, es flogen Becher – wenn die Polizei nicht eine große Kette durch den Block gebildet hätte, wäre vielleicht mehr passiert“, erzählte ein SCT-Mitglied. Eine Woche später entgegneten beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln II (1:3) einige Fans aus der Ostkurve kritische Gesänge zum Vereinsvorstand mit „Ultras-raus-Rufen“. „Es gibt einen Generationenkonflikt zwischen alten und jungen Fans, in dem es oft leider am gegenseitigen Respekt fehlt“, so der traurige Tenor des Abends. Die SCT-Mitglieder zeigten sich aber bemüht, die zerstrittenen Parteien möglichst im Sommer zu einem klärenden Gespräch zusammenzuführen. „Wir sollten alle nicht vergessen, dass wir für dieselbe Sache einstehen.“

Ansonsten zog der Vorstand des Dachvereins ein zufriedenes Fazit der letzten zwölf Monate. Die Zehn-Jahres-Feier im Exhaus, die Facebook-Seite mit 200 Unterstützern, ein Fanabend mit Thomas Drescher und Thomas Kraus, die Organisation des Fanturniers „SCT-Cup“, die Durchsetzung des freien Eintritts von Mitgliedern und Dauerkarteninhabern zu Oberliga-Partien der U23 sowie die Produktion von zwei Kalendern wurden als Höhepunkte angeführt. Auch für das kommende Jahr ist einiges in der Planung. Angeregt wurde dabei auch eine große Ausstellung in einem Museum zur Historie von Eintracht Trier, an der möglichst viele Fans beteiligt werden sollen. Zudem soll der SCT sich zukünftig mit dem offiziellen Fanshop einen Stand bei den Heimspielen teilen.

Kolumne von Stadionsprecher Martin Köbler – Auch Stadionsprecher Martin Köbler hofft auf einen starken Zusammenhalt in der Fanszene. Mit dem Thema beschäftigt er sich auch in seiner 5vier-Kolumne.

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Kommentare (3)

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  1. schustermanni sagt:

    der optimismus stirbt zuletzt, rein theoretisch ist noch alles drin, denn die anderen schwächeln auch und zeigen nerven, jetzt ruhebewahren und das ziel rheinlandpokal nicht aus den augen lassen, hier würde ich als vorstand eine sonderprämie ausloben , die sich durch die erste dfb runde schon bezahlt macht gruß manni

  2. Trierjung sagt:

    Die Jungen hann gegen Fortuna gewonn, da gitt et kaahnen Grund fier ze wechseln! Dann hann sich die Jungen verdient uch wei von Anfang an ze spillen! Ausserdem hann die anneren Spiller bal jed Spiel verlor! Fier wat sollen die dann die besser Mannschaft sinn?

  3. Sievo sagt:

    Seitz will gegen Gladbach die gleiche Formation beginnen lassen wie gegen Fortuna Köln, weil sie „spielte, kombinierte und leidenschaftlich kämpfte“. Vergessen wird dabei nur, dass die Fortuna an diesem Tag noch nicht einmal ein guter Sparringspartner war. Übersehen wurde aber auch, dass sogar diese Fortuna mehrere Torchancen hatte, die sie kläglich vergab, und wir nur durch einen verwandelten Elfmeter glücklich (wenn auch verdient) gewannen. Seitz sollte die beste Mannschaft von Beginn an auflaufen lassen, und das wäre die Anfangsformation des letzten Spiels mit Sicherheit nicht. Ein anderer Vorteil wäre zudem, dass angeschlagene Spieler ausgewechselt werden könnten, wenn es nicht mehr gehen sollte. Warum sollte man das Risiko eingehen, sie beispielsweise einzuwechseln, wenn die Gefahr besteht, sie wieder auswechseln zu müssen?

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