Baustellen, Talente und Wundertüten

Von Florian Schlecht

Am Samstag startet Eintracht Trier in die Vorbereitung auf die Regionalliga Südwest. Viel Arbeit gibt es noch bei der Kaderplanung. Jeremy Karikari hat bei RB Leipzig bis 2014 unterschrieben.

Am Samstag startet Eintracht Trier wieder ins Mannschaftstraining. Foto: Andreas Maldener

Deutschland-Fähnchen an den Autos, Public-Viewing, hitzige Diskussionen um Mario Gomez: Während das EM-Fieber auf Siedetemperaturen kocht, nähert sich Fußball-Regionalligist Eintracht Trier wieder dem Einstieg in die Vorbereitung auf die Regionalliga Südwest. Am Samstag (14 Uhr) startet die Mannschaft von Roland Seitz ins Training. Mit vielen Veränderungen. Der Kader erlebt ein Facelifting, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Team wird verjüngt, einige Eigengewächse wollen ihre Chance nutzen. Dazu warten viele neue unbekannte Gegner. 5vier bietet einen Überblick über die Lage bei den Moselkickern.

Sicherheit gibt es auf der Torwartposition: Dort soll Andreas Lengsfeld die Nummer eins sein. Foto: Anna Lena Grasmück

Der Kader – “18 Feldspieler und zwei Torhüter” sollen das Aufgebot der Saison 2012/13 bilden, so Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi. Bislang stehen 14 Akteure unter Vertrag, bis zum Trainingsauftakt könnte noch eine neue Kraft hinzukommen. “Momentan sind wir im Soll. Roland Seitz setzt sich intensiv mit neuen Spielern auseinander und macht sich ein eigenes Bild.” Allerdings offenbaren sich beim Kader-Puzzle diverse Lücken.

In der Innenverteidigung fehlt es nach den Abgängen von Oliver Stang und Denny Herzig an Alternativen, mit Baldo di Gregorio steht dort erst ein Neuzugang fest. Der Routinier, der auf 70 Zweitligaspiele für Arminia Bielefeld und RW Ahlen kommt, spielte zuletzt fünf Monate im Iran. Gesucht wird ein rechter Außenverteidiger als Ersatz für Cataldo Cozza (Viktoria Köln). Handlungsbedarf gibt es auch im defensiven Mittelfeld und im Angriff. “In einigen Fällen müssen wir Geduld bewahren”, weiß Wilhelmi um das Pokerspiel in den Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen. Einige Spieler sollen in der nächsten Woche auch ins Probetraining eingeladen werden.

Die Hoffnungsträger – Fünf Nachwuchskräfte wollen ab Samstag ihre Chance in der Regionalliga-Mannschaft nutzen. Christoph Anton (20), Christopher Spang (19), Burak Sözen (19), Pit Hess (20) und Torhüter Philipp Basquit (21) stehen für die Verjüngung des Kaders, die auch den finanziellen Zwängen geschuldet ist.

Das Talent von Christoph Anton blitzte in der Regionalliga bereits auf. Foto: Anna Lena Grasmück

Durch die verpasste Qualifikation für den DFB-Pokal und die weggebrochenen Fernsehgelder stehen über 200.000 Euro weniger zur Verfügung als im Vorjahr. Der Verein hofft nun auf den Durchbruch der Talente, denen ehrfahrene Kräfte wie Andreas Lengsfeld (26), Torge Hollmann (30) und Baldo di Gregorio (28) an die Seite gestellt werden.

Besonders Anton hat seine Fähigkeiten in der Regionalliga bereits aufblitzen lassen. “Wir haben in den letzten fünf Jahren viel Geld in den Jugendbereich investiert. Nun ernten wir die Früchte und schaffen eine neue Identifikation”, so Wilhelmi, der auch gerne Christopher Theisen behalten hätte. Doch den Mittelfeldspieler zog es bekannterweise zum 1. FC Nürnberg.

Die neue Liga – Nach der A1 in Nordrhein-Westfalen werden in den Navigationsgeräten in Trier zukünftig neue Routen berechnet. Die neue Regionalliga Südwest umfasst 19 Mannschaften und dabei viele Traditionsvereine. Waldhof Mannheim, der SSV Ulm 1846 und der FC Homburg haben schon in der Bundesliga gespielt, die TuS Koblenz, Hessen Kassel und Wormatia Worms können mit ihrer Geschichte ebenfalls Chroniken füllen. Underdogs wie Bayern Alzenau, Idar-Oberstein und Eschborn wollen die großen Namen ärgern.

Sportlich ist die neue Staffel, in der es bis zu sechs Absteiger geben kann, aber eine Wundertüte. Nicht nur Trier setzt auf das abgespeckte Konzept einer Mischung aus wenigen erfahrenen Kräften und Talenten. Waldhof Mannheim probiert diesen Weg aufgrund eines hohen Schuldenberges. Als Titelfavorit gilt bei vielen Experten die SG Sonnenhof Großaspach, die den Aufstieg in die 3. Liga zuletzt knapp verpasst hat und mit Uli Ferber einen finanzkräftigen Macher hinter sich weiß. Trainer Alexander Zorniger war gar lehrgangsbester Fußballlehrer 2012 – vor Mehmet Scholl und Stefan Effenberg.

+++++Eintracht in Kürze+++++

Karikari wechselt zu RB Leipzig – Jeremy Karikari hat einen Zweijahresvertrag bei RB Leipzig unterschrieben. Der defensive Mittelfeldspieler war im Januar 2011 zu Eintracht Trier gewechselt und kam an der Mosel auf 40 Regionalligaeinsätze. Vom RB-Interesse an Karikari hatte 5vier vorab berichtet.

„Scheiß Eintracht Trier!“ Görrissen muss zahlen – Bastian Görrissen von den Sportfreunden Lotte muss tief in die Brieftasche greifen: Der Torhüter wurde vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes zu einer Geldstrafe von 300 Euro verdonnert. Der Grund: Görrissen war nach dem Meisterschaftsspiel bei Eintracht Trier (1:0) am 11. Mai auf den Zaun vor dem Lotter Zuschauerblock gestiegen und hatte “Scheiß Eintracht Trier” und “Scheiß Preußen Münster” Schmähgesänge angestimmt. Der DFB fand die Pöbeleien nicht so lustig und bat zur Kasse. Görrissen hat dem Urteil bereits zugestimmt.

Dauerkarten-Verkauf ist gestartet – Der Dauerkarten-Vorverkauf für die anstehende Saison in der Regionalliga Südwest ist bei Eintracht Trier inzwischen gestartet. Eintracht-Mitglieder erhalten Ermäßigungen. Inhaber von Dauerkarten erhalten freien Eintritt zu allen Begegnungen der Nachwuchsmannschaften (einschließlich der U23 in der Rheinlandliga) und Testspielen der ersten Garnitur auf dem Moselstadion-Gelände. Bestellformulare gibt es unter www.eintracht-trier.com, können aber auch telefonisch (0651/146710) angefordert oder persönlich auf der Geschäftsstelle abgeholt werden.

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Kommentare (4)

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  1. gerd sagt:

    anspruch und wirklichkeit stimmen in trier schon lange nicht mehr, “ steff“ hat recht.enttäuschung, frust sind die folge, so ein richtiger schwung kommt schon lange nicht mehr rein; und die diskussionen der ultras und sonstige
    fangruppen wirken an den haaren herbeigezogen, und vor der eher müden kulisse ein wenig lächerlich.
    letzendlich hat der kunde immer recht und die zuschauerzahl
    ist rückläufig ,fans wandern ab nach mehring, tarforst… köln, kaiserslautern…

    eigentlich kann es nur besser werden

  2. klaus-peter sagt:

    Die Antwort, warum nur bei uns die Fluktuation regelmäßig so hoch ist, wurde bisher noch nicht gegeben. Einen Umbruch kann es immer mal geben, auch bei anderen Vereinen ist das der Fall, allerdings nicht jede Saison.

  3. eintrachtler4ever sagt:

    Sehr schade, dass Jerry geht!

    Die Eigengewächse die hoch kommen,mögen gute Fussballer sein, werden unserer Eintracht aber wohl kaum weiterhelfen, vielleicht der Anton?

    Es wird eine sehr, sehr schwierige Saison!

    Die Eintracht muss versuchen, wieder kleinere Brötchen zu backen, mit dem ganzen Profi Getue, Morgens und Abends trainieren, 1 mal am Tag Abends würde auch reichen!!!!

    Ich denke einige Verantworliche tanzen noch in der Welt der zweiten Liga rum, aber das ist LEIDER Vergangenheit!

    Und was mich am meisten als Trierer stört, jedes Jahr die selbe SCH…..

    Der ganze Kader wird ausgetauscht, und 20 neue gescheiterte Profis werden neu hinzugehollt!

    Wie soll man so aufsteigen???

    P.S: Leider kommen keine guten Profis nach Trier.

  4. steff. sagt:

    ich denke, dass ist er richtige weg…. dieses pseudo-profigetue, sowohl von mannschaft, als auch verantwortlichen war schon fast peinlich…..wir sind nur noch gehobener amateurfussball, ist nun mal ein fakt!!!!!

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