Bayerisch-pfälzisches Torwartverständnis

Von Florian Schlecht

Andreas Lengsfeld startet bei Eintracht Trier als Stammtorwart in die Regionalliga-Saison. Der 26-Jährige dachte im Sommer darüber nach, mit dem Fußball kürzer zu treten. Er tat es nicht. Nun demonstrierte er beim 1:0-Testspielsieg gegen Aachen, was an Potenzial in ihm schlummert.

Alles im Griff: Andreas Lengsfeld will sich als Stammtorwart in Trier durchsetzen. Foto: Peter Schmitt

Es gibt diese kurzen Momente, in denen sich Sascha Purket und Andreas Lengsfeld nicht verstehen. Rein sprachlich, wohlgemerkt. „Der Andy ist ein Bayer, ich bin ein waschechter Pfälzer“, grinst Torwarttrainer Purket. „Da guckt er manchmal wie eine U-Bahn, wenn ich ihm Übungen auf dem Platz erkläre.“ Am Freitag verstanden sie sich aber blendend, der Sascha Purket aus Kaiserslautern und der Andreas Lengsfeld aus Beratzhausen in der Nähe von Regensburg. Als Eintracht Trier im Testspiel in Gondenbrett Alemannia Aachen mit 1:0 besiegte, gehörte Lengsfeld zu den großen Gewinnern der 90 Minuten.

Der 26-Jährige führte die Ex-Bundesligaprofis Sascha Rösler und Albert Streit mit seinen Paraden reihenweise an den Rand der Verzweiflung. Kurz vor Schluss vollbrachte er bei seiner besten Tat einen gewagten Spagat, mit dem er den Ball artistisch von der Linie kratzte. Auf der Trainerbank freute sich Purket mit Lockenkopf und kurzen Hosen über den Auftritt des Torhüters. „Ich habe noch ein, zwei Dinge gesehen, die er besser machen könnte, er hätte einige Male noch offensiver stehen können“, weiß der frühere Publikumsliebling von Borussia Neunkirchen, gibt aber zu. „Alles in allem war das nahe an einer perfekten Leistung.“ Es sei so ein Tag gewesen, den sich Lengsfeld verdient habe.

„Ich investiere die Energie in die neue Saison“

Geschafft: Beim 1:0-Sieg gegen Aachen parierte Lengsfeld mehrfach glänzend. Foto: Peter Schmitt

Für den Torhüter werden die Karten neu gemischt. Nach dem Abgang von André Poggenborg zu Fortuna Köln ist der Schlussmann die neue Nummer eins, Philipp Basquit aus dem Nachwuchs ist die Ersatzkraft. Die Rollen sind klar verteilt. Für Lengsfeld war das ein wichtiges Argument, um in Trier für ein Jahr zu verlängern. Denn in der Regionalliga brachte er es an der Mosel in zwei Jahren nur auf elf Einsätze.

Eine unbefriedigende Bilanz. Dabei machte ihm auch Pech einen Strich durch die Rechnung. Als der Torhüter in der Saison 2010/11 auf dem Weg zur Stammkraft war, flog er beim 0:2 in Lotte nach zwei Minuten vom Platz. Poggenborg überzeugte fortan – und Lengsfeld war der Leidtragende des klassischen Torwart-Roulettes, in dem einer gewinnt und einer verliert. „Das hat mich natürlich beschäftigt, aber das Thema ist abgehakt“, betont er. „Ich investiere lieber meine Energie in die neue Saison und darin, die neuen Mitspieler einzubinden. Da haben wir nämlich sympathische Charaktere verpflichtet.“

Realist ist Lengsfeld, wenn es um seine Zeit beim VfL Bochum geht. Als Stammtorwart von Jahn Regensburg und „Spieler der Saison“ zog er 2008 ins Ruhrgebiet, um den Durchbruch im Profifußball zu schaffen. Lengsfeld stand mehrfach im Kader – dann riss das Syndesmoseband. „Im Fußball braucht man halt auch das nötige Glück, das war eine Verletzung zum falschen Zeitpunkt“, sagt der Torhüter nüchtern, ohne zu klagen. Nach seiner Rückkehr gab es für ihn keine Chance mehr. „Es gibt genügend Spieler, die solche Geschichten erzählen können. Für mich lohnt es sich nicht, Gedanken über die Vergangenheit zu verschwenden. Wer nicht abschalten kann, hat im Fußball keine lange Überlebensdauer.“

Ein lautstarkes Wortgefecht

Lengsfeld bestreitet neben dem Fußball ein Fernstudium. Foto: Peter Schmitt

Die erneute Unterschrift in Trier war trotz der Aussicht auf den Platz im Tor keine Selbstverständlichkeit. Zuvor spielte der Oliver-Kahn-Fan intensiv mit dem Gedanken, mit dem Fußball kürzer zu treten und sich ein zweites Standbein aufzubauen. „Das Sportlerleben ist begrenzt, da bin ich kein Träumer. Ich will nicht irgendwann vor dem Nichts stehen, wenn die Laufbahn vorbei ist.“ Auf der Geschäftsstelle der SpVgg. Greuther Fürth, wo er in der Jugend ausgebildet wurde, schloss der Torhüter eine Lehre zum Sport- und Fitnesskaufmann ab.

Derzeit belegt er ein Fernstudium zum Ernährungsberater und Fitnesstrainer. „Dafür habe ich die nötige Zeit, bald stehen die letzten Prüfungen an“, sagt Lengsfeld, der als Jugendlicher erst im Feld begann und zufällig ins Tor rückte, weil ein Spieler krank fehlte. „Ich würde auch gerne nach der Laufbahn mit dem Fußball im Kontakt bleiben“, ist sein Wunsch.

In der Regionalliga will er dagegen möglichst oft für Glanzlichter sorgen, nun, wo er der Mann im Tor ist. „Er wird seine Leistung sicher bringen“, meint Torwarttrainer Purket, der um den Ehrgeiz seines Schützlings weiß. „Er ist verbissen, konzentriert und hört sich Kritik an.“ Der Wille von Lengsfeld zeigte sich beim 1:0 gegen Aachen, als er nach seiner Rettungstat kurz vor dem Ende mit Fabian Zittlau hart ins Gericht ging. „Ich war erst erleichtert, den Ball gehalten zu haben und dachte, dass Fabian ihn aus der Gefahrenzone schlägt“, erinnert sich der Torwart fast schon mit einem schlechten Gewissen. „Da war ich kurzzeitig geladen. Aber das gehört dazu. Gott sei dank konnten wir ein paar Minuten später in der Kabine wieder darüber lachen.“

Purket kennt die Leidenschaft von Lengsfeld aus dem Training. „Einige Einheiten in der Vorbereitung gingen schon zwei Stunden, weil Andy und Philipp einfach nicht aufhören wollten.“ Er lacht, denn in diesen besessenen Momenten sind alle Torhüter gleich und verstehen sich auch ohne Worte. Egal, ob sie aus Bayern oder der Pfalz kommen. „Und zum Glück geht mir das Repertoire an Übungen nicht aus.“

+++++Eintracht in Kürze+++++

Testspiel-Marathon für Lengsfeld und Co. – In dieser Woche werden sich Andreas Lengsfeld und Philipp Basquit erneut mit ihren Mannschaftskollegen beweisen müssen. Drei Testspiele stehen für Eintracht Trier auf dem Plan: Am Mittwoch in Merxheim/Nahe gegen den Wuppertaler SV (18 Uhr), am Donnerstag in Trassem gegen die SG Schoden (19.30 Uhr) und am Samstag gegen die SG Großkampen in Ringhuscheid (17 Uhr).

Drescher nach Eschborn, Knartz trainiert in Idar-Oberstein – Vielleicht gibt es in der Regionalliga-Saison 2012/13 ein Wiedersehen mit zwei weiteren Spielern aus dem alten Kader. Sicher ist das bei Thomas Drescher: Der Linksverteidiger unterschrieb beim Aufsteiger 1. FC Eschborn einen Vertrag und kehrt in seine Heimatregion zurück. Dagegen trainiert Mittelfeldspieler Holger Knartz beim SC Idar-Oberstein zur Probe mit.

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Kommentare (2)

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  1. Eintracht-Fan sagt:

    Wünsch dem Lengsfeld eine gute Saison. Hab den immer für einen guten Torwart gehalten.

  2. Sievo sagt:

    Was der Lengsfeld für ein Charakter ist, das hat er doch schon in den letzten beiden Spielzeiten gezeigt. Er nahm ohne zu Murren auf der Ersatzbank Platz, obwohl er in den Begegnungen, wo er gespielt hat, auch schon gezeigt hat, dass er ein sehr guter Torwart ist und den Vergleich mit Poggenborg nicht zu scheuen brauchte. Ich freue mich für ihn und bin mir sicher, dass er ein Rückhalt unserer neuen Mannschaft sein wird.

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