Eintracht Trier: Das Moselstadion und der Passierschein A38

Schon seit mehreren Jahren herrscht im maroden Moselstadion akuter Sanierungsbedarf. Schimmelnde Duschen, schlammige Wege, nicht ausreichend vorhandene Toiletten und nur mobile Imbißstände. Kaum zu glauben, dass hier vor noch nicht allzu langer Zeit Zweitligafußball geboten wurde. Nun endlich tut sich wieder etwas im Moselstadion, wenn auch der Ablauf der Sanierungsarbeiten einem Schneckenrennen gleichkommt. 5vier.de blickt zurück auf die Chronik „Sanierung Moselstadion“

Haben Sie „Asterix erobert Rom“ gesehen? Kennen Sie das Haus der Verrückten und den Passierschein A38? Genauso dürften sich der SV Eintracht Trier, die Nutzer des Moselstadions sowie verschiedenste Schulklassen und Zuschauer der Eintracht gefühlt haben. Die Sanierung des Moselstadion ist seit 2008 zum Zankapfel geworden. Bereits seit 2005 ist ein akuter Sanierungsbedarf beim Land Rheinland-Pfalz bekannt und anerkannt. Die Protagonisten: Das Land Rheinland-Pfalz, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, kurz ADD, die Stadt Trier, der ehemalige Innenminister Karl Peter Bruch und Leiter der Polizeiinspektion Trier Edmondo Steri. Ein Musterbeispiel für die Irrwege der Bürokratie und Beamtenwirrwarr.

September 2005

Die Stadt Trier beschließt den Bau von zusätzlichen Toiletten und festen Verkaufsständen sowie die Renovierung von bestehenden Dusch- und Toilettenanlagen, außerdem die Wegbefestigung der losen Antrittsflächen im Moselstadion.

April 2008

Die Stadt Trier reicht die Planungsunterlagen sowohl beim Land Rheinland-Pfalz, als auch bei der ADD ein. Derweil hat auch das Land Unterstützung zugesagt: Es soll eine Landesförderung von 70 Prozent geben. Der damalige Innenminister Karl Peter Bruch erkannte den Sanierungsbedarf bei einem Ortstermin. „Das kann man so nicht stehen lassen“, urteilte der Politiker.

Hier enstehen neue Kioskbuden - Foto: Alexander Heinen

Juni 2008

Entgegen der ursprünglichen Vereinbarungen schraubt das Land Rheinland-Pfalz die Förderung von 70 Prozent auf 40 Prozent herunter. Der Grund: In den Augen der Mainzer Landesregierung handelt es sich bei der Sanierung des Stadions um keine infrastrukturelle Maßnahme, sondern um eine reine Maßnahme der Sportförderung. Hierfür steht der Sportmittel-Fördertopf bereit, der aber lediglich eine Förderung von 40 Prozent vorsieht. Für die Stadt Trier ist dies ein Nackenschlag: Statt rund 800.000€ werden nur 400.000€ gezahlt. Da die Mittel bereits im Haushalt veranschlagt waren und die Stadt Trier das Geld fest geplant hatte, gerät die Sanierung ins Wanken. Man entschließt sich für eine schrittweise Sanierung der Sportstätte. Dies stellt die erste Verzögerung dar.

September 2008

Karl Peter Bruch stößt der Kurs seiner Regierungskollegen sauer auf: Er möchte sich für die Stadt Trier einsetzen und die Förderung von 70 Prozent durchsetzen.

Oktober 2008

Der Einsatz Bruchs war erfolgreich, er erreichte nach harten Verhandlungen eine Bezuschussung von 60 Prozent. Für die klamme Stadtkassen ein Segen, obwohl die Sanierung nun nur noch schrittweise durchgeführt werden kann, scheint sie zum Greifen nahe.

Winter 2008

Die Lage im Moselstadion spitzt sich zu. Immer wieder fällt die Heizung aus, auch warmes Wasser ist nur selten vorhanden. Gerade für die vielen Jugendspieler des SV Eintracht Trier 05 ein unzumutbarer Zustand, es herrscht akuter Handlungsbedarf. Als im Dezember die ersten Duschen wegen Schimmelbefall geschlossen werden müssen schrillen bei den Verantwortlichen von Eintracht Trier die Alarmglocken.

Das Baustellenschild am Moselstadion - Foto: Alexander Heinen

Doch noch sind keine Handwerker in Sicht: Weiterhin wartet die Stadt auf die Genehmigung der ADD. Ohne den sogenannten „Bewilligungsbescheid“ der ADD sind der Stadt die Hände gebunden, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion muss die Sanierung als „unabweisbare Maßnahme“ anerkennen, ohne diese Anerkennung ist eine schnelle Sanierung nicht möglich. Es kommt Kritik gegenüber der ADD auf, Bürgermeister Georg Bernading drängt auf eine schnelle Entscheidung. Die ADD jedoch kontert die Kritik: Bisweilen sollen wichtige Unterlagen seitens der Stadt noch fehlen. Es folgen gegenseitige Schuldzuweisungen bis man sich im Dezember endlich einigt. Die Leidtragenden: Die Jungendmannschaften der Eintracht, im Januar müssen weitere Duschen wegen Schimmelbefall geschlossen werden.

Im Januar 2009 werden mobile Umkleidekabinen und Duschcontainer aufgestellt um den Jugendbetrieb zu gewährleisten.

März 2009

Der Zeitplan für die Sanierung wird bekanntgegeben: Zuerst soll das alte Backsteingebäude saniert werden, der Baubeginn ist für Juni 2009 veranschlagt. Vom Februar 2010 – Juni 2010 sollen Toiletten saniert und neue Toiletten sowie feste Kioskbuden gebaut werden. Die Befestigung der Wege ist für den Spätsommer 2010 vorgesehen.

September 2009

Die Baumaßnahmen am alten Backsteingebäude beginnen, geplant sind diese Arbeiten bis Ende 2009.

März 2010

Die Bauarbeiten am Backsteingebäude halten weiterhin an, die schlechten Witterungsbedingungen und der schlechte Zustand der Bausubstanz verschieben die Baumaßnahmen bis voraussichtlich April 2010. Daraus resultiert eine Verschiebung des kompletten Zeitplans, zunächst werden von April bis Juli die Toiletten unterhalb der Haupttribüne saniert und renoviert. Die neuen Toilettenanlagen und Kioskbuden sollen von August bis Dezember 2010 errichtet werden. Außerdem fallen Mehrkosten von 110.000 € an.

August 2010

Die Toiletten unter der Haupttribüne erscheinen endlich im neuen Glanz, auch Umkleidekabinen, Duschräume und die Schiedsrichterkabine wurden erneuert. Ein wichtiger Baustein der Sanierung ist geschafft.

Derweil muss der Bau von zusätzlichen WC-Anlagen und Kioskbuden sowie die Wegbefestigung verschoben werden. Diese Vorgänge müssen erst an das neue Sicherheitskonzept der Polizei angeglichen werden.

September 2010

„Das Moselstadion entspricht nicht den DFB-Sicherheitsauflagen“, heißt es von Edmondo Steri, dem neuen Leiter der Polizeiinspektion Trier und er sorgt damit für einen handfesten Eklat. Steri richtet sich ohne Absprache mit Verein und Stadt direkt an den DFB und gefährdet somit das Lizensierungsverfahren des SVE. Konkret wünscht sich Steri eine Sektorentrennung in den Stehplatzbereichen, eine Installation von herausnehmbaren Drehkreuzen an den Eingängen sowie eine Neuordnung der Eingangsbereiche an der Zurmaienerstraße. Zudem hält er das von dem TWD erarbeitete Sicherheitskonzept nicht für ausreichend und fordert Nachbesserungen.

Es ergibt sich eine weitere Verzögerung der Sanierungsarbeiten, zudem entstehen durch die Wünsche von Edmondo Steri zusätzliche Kosten, wer für diese aufkommt ist zu diesem Zeitpunkt unklar. Der DFB sieht die Situation jedoch weitaus gelassener. Für ihn ist das Moselstadion weiterhin Regionalligatauglich.

August 2011

Nachdem das Sicherheitskonzept ausgearbeitet wurde beginnt der Bau von WC-Anlagen, Kioskbuden, Drehkreuzen und Zäunen für die vorgesehene Sektorentrennung im Stehplatzbereich. Die langersehnte Wegbefestigung lässt weiterhin auf sich warten.

 

Wie in der Chronik gut sichtbar wird, sind mittlerweile drei Jahre seit der Einreichung der Unterlagen vergangen. Da wundert es nicht, dass das Informationsschild der Stadt Trier zu dem Baumaßnahmen von manchen Spielern schon als reine „Dekoration“ angesehen wird.

5vier.de wird weiter an dem Thema dran bleiben und versuchen, möglichst viele Stimmen zu diesem heiklen Thema zu sammeln.

Zum krönenden Abschluss können sie sich gerne die Szene „Passierschein A38“ aus „Asterix erobert Rom“ ansehen. Sie werden mit Sicherheit ein Déjà-vu erleben:

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Kommentare (5)

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  1. Paule sagt:

    Das Moselstadion ist echt über lange Zeit eine Zumutung gewesen, so langsam geht es ja wieder. Die Renovierung des Backsteingebäude hat die ganze Sache doch schon mal einen guten Schritt voran getrieben.
    Was ich nach wie vor unverschämt finde ist, dass man es einfach nicht hinbekommt die Antrittsflächen anständig zu befestigen. Das kostet die Eintracht bei jedem Heimspiel eine Unmenge an Zuschauern – wer hat denn Lust bei schlechtem Wetter Kniehoch im Matsch zu stehen? In jeder Dorf-Anlage ist das besser als hier. Da kann ich es echt gut verstehen, dass sich die Verantwortlichen der Eintracht beschweren. Ich würde da noch viel mehr Radau machen!

  2. auchkeinfussballfan sagt:

    Ich bin jetzt auch kein Fussballfan, aber in diesem Falle halte ich es mit Herrn Heinen.

    Ein Mindestmass an gesundheitserhaltenden Massnahmen muss doch drin sein – gerade für die Kinder.

    Ich würde auch meckern, wenn es um Luxus ginge, aber das ist hier ja nunmal nicht der Fall.

  3. Alexander Heinen sagt:

    Gegen ihre Worte ist so nichts einzuwenden. Jedoch geht es hier nicht darum Geld sinnlos rauszupulvern, sondern vielmehr darum dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen durchzuführen die die Stadt schon seit Jahren versäumt hat. Man schaue sich nur einmal die Jugendarbeit an: Bei der Eintracht trainieren mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Sollen diese etwa in schimmeligen Duschen duschen? Hier möchte niemand goldene Wasserhähne bauen, es geht um elementare Dinge.
    Ihren Einwand zum dem Schule kann ich auf der einen Seite verstehen, auf der anderen Seite wird die Renovierung ja zum größten Teil aus den Sporttöpfen des Landes bezahlt. Das Moselstadion ist auch Sportstätte für Schulen, wird dieses aber weiterhin verfallen gelassen so ist dort langfristig auch kein Schulsport mehr möglich.

  4. KeinFussballer sagt:

    Tja, auf die Gefahr hin, dass es hier gleich Hass hagelt – eine Stadt wie Trier und das Land haben nun mal kein Geld zu verschenken und – auch wenn das viele Fans vielleicht nicht im Auge haben – es gibt Wichtigeres, als ein Fussballstadion, für das man das Geld ausgeben kann.
    Wer mal gesehen hat wie einige Schulen oder Krankenhäuser in diesem Land aussehen, der sollte sich um etwas so Nebensächliches, wie ein Fussballstadion echt keine Gedanken machen. Aber jeder setzt so seine Priortäten…

  5. Triererjung sagt:

    Super Artikel! Das ist schon der Hammer, wie die Stadt hier pennt. Das Video ist wirklich exemplarisch. Der überregulierte Beamtenstaat… Prost Mahlzeit!

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