Das „Neun-Mann-Wunder“ von Offenbach und die Folgen

500 Fans aus Trier bejubelten das 1:1 in Offenbach trotz doppelter Unterzahl - Einspruch gegen mögliche Cuntz-Sperre?

Von Florian Schlecht

500 Fans von Eintracht Trier machten sich auf den Weg – und erlebten ein denkwürdiges 1:1 bei Kickers Offenbach. Dennoch: Die beiden Platzverweise schmerzen im Hinblick auf die kommenden Aufgaben. Bei Matthias Cuntz gibt es nach Ansicht der TV-Bilder immerhin Überlegungen, Einspruch gegen eine mögliche Sperre einzulegen.

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Die Anhänger bejubelten das 1:1 bei Kickers Offenbach. Foto: Anna Lena Grasmück

Freitag, 14.30 Uhr: Die Karawane aus sechs Fanbussen von Eintracht Trier setzte sich in der Zeughausstraße in Bewegung in Richtung Offenbach. Minuten zuvor standen dort noch Anhänger in langen Schlangen, um ihre Tickets für die Fahrt zum Auswärtsspiel zu kaufen. „Ein Wahnsinn. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so was noch mal erlebe“, staunte ein Fan beim Betrachten der Bilder und grinste. „Von uns fahren mehr Leute zu Spielen in der Regionalliga mit als bei Hoffenheim in der Bundesliga.“ Bei Kickers Offenbach, da gab es gleich Gedanken an die Aufstiegsrunde 1999. „Damals haben sich sogar elf Busse aus Trier auf den Weg gemacht“, wusste der Fanbeauftragte Thomas Metzger.

Wenige Stunden später waren die Gedanken an das Spiel vor 14 Jahren erst recht greifbar. Damals unterlag Trier unglücklich mit 0:2 am Bieberer Berg, weil Werner Heinzen und Marek Czakon vom Platz flogen. Und nun drohte die Reise nach Offenbach in der Regionalliga Südwest zu einem ähnlichen Fiasko zu werden. Diesmal gab es Rote Karten für Marco Quotschalla und Matthias Cuntz. Einen Strafstoß, den immerhin Chris Keilmann parierte. Einen Rückstand durch Maximilian Mosch. Und dann die große Wende, als Torge Hollmann trotz doppelter Unterzahl zum 1:1 einköpfte.

„Die Fans waren für uns der zehnte Mann“

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Sechs Fanbusse fuhren nach Offenbach. Foto: Sebastian Schwarz

Die 500 Fans ließen ihren Gefühlen nach dem „Neun-Mann-Wunder“ freien Lauf. Laut sangen sie die Vereinshymne und feierten ihre Mannschaft. „Die Unterstützung war für uns heute der zehnte Mann, als uns auf dem Rasen zwei Spieler fehlten“, lobte Hollmann, der vor dem aufgelösten Co-Trainer Rudi Thömmes aufpassen musste, der dem Ausgleichsschützen wild in die Arme sprang.

„Zwei Platzverweise, ein gehaltener Elfmeter, der Rückstand – und trotzdem ein Punkt. Einen solchen Abend habe ich noch nie mitgemacht. Und ich spiele ja auch schon ein paar Jahre Fußball“, strahlte Fabian Zittlau, der nach dem Offenbacher Treffer nicht die Hoffnung aufgegeben hatte. „Den Glauben haben wir nie verloren. Wir brauchten ja nur eine Standardsituation, um ein Tor zu machen. Und Torge hat das Ding dann ja genutzt.“

Hollmann war nach seinem Treffer gar nicht mehr zu halten. „So lange du nur ein Tor brauchst, ist es egal, ob du mit sieben, neun oder elf Mann spielst. Ein guter Ball geht immer“, meinte der Defensivspezialist, der eine Freistoßvorlage von Alon Abelski verwandelte. Danach geriet der Routinier aber in Panik. „Ich dachte: Scheiße, noch 18 Minuten!“ Aber die restliche Spielzeit überstand Trier mit Kampf und Torwart Keilmann in Topform.

Gedanken über einen Einspruch

Offenbach - Eintracht Trier - TITELBILD???„Auf der Tribüne muss jeder Zuschauer damit gerechnet haben, dass das Spiel für Offenbach ausgeht. Ein solches Erfolgserlebnis stärkt die Mannschaft“, fand Matthias Cuntz, der auch am Sonntag noch verärgert war über seinen Platzverweis wegen eines angeblichen Handspiels auf der Linie. „Ich habe die Fernsehbilder gesehen. Da war wirklich gar nichts.“ So sah es auch Referee Marcel Schütz aus Worms – und ließ sich dennoch von seinem Assistenten überstimmen.

„Mir hat der Schiedsrichter gesagt, dass er den Elfmeter nicht gegeben hätte“, ärgerte sich Cuntz, der einen Einspruch gegen die mögliche Sperre von zwei Spielen nicht für ausgeschlossen hält. Am Montag wollen sich der Mittelfeldspieler, Trainer Roland Seitz und Geschäftsführer Dirk Jacobs zusammensetzen.

Schmerzhaft ist auch das Fehlen von Marco Quotschalla nach einem harten Einsteigen an der Mittellinie. Auf dem Flügel fehlt es Trier nach der Vertragsauflösung von Moussa Touré und dem langen Ausfall von Christoph Anton nach einem Mittelhandbruch an Alternativen. Eine Neuverpflichtung war von Seitz erst zur Winterpause angedacht. Der erste Kandidat für einen Einsatz auf dem linken Flügel dürfte im Heimspiel gegen den FC Homburg Fahrudin Kuduzovic sein.

+++Eintracht in Kürze+++

Freiburg II übernimmt die Tabellenspitze – Durch einen 3:2-Erfolg gegen Hessen Kassel hat der SC Freiburg II die Tabellenführung in der Regionalliga Südwest übernommen und stehen nun einen Platz vor Eintracht Trier. Dahinter liegen der FSV Mainz II (1:0 in Pfullendorf durch ein Tor von Steven Lewerenz) und die SG Sonnenhof Großaspach (1:0 gegen Koblenz). Auf Rang fünf vorgeschoben hat sich nach dem 2:0 gegen Neckarelz der FC Homburg, der am Sonntag in Trier antritt (14 Uhr).

Video vom Offenbach-Spiel – Vom Trierer Spiel am Bieberer Berg bieten die „Offenbacher Post“ und der „Hessische Rundfunk“ Videobeiträge an. Auf 5vier wird es bewegte Bilder wieder vom Heimspiel gegen den FC Homburg geben.

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