Das Tief – und die Hoffnung auf den „Mann mit der Kapuze“

Eintracht Trier konnte bei 1:3-Pleite in Freiburg II personelle Probleme nicht verkraften - und verschlief die erste erste Halbzeit

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Eine verschlafene erste Halbzeit, personeller Notstand: Eintracht Trier droht mit seinem aktuellen Negativlauf die Tuchfühlung zu den Relegationsplätzen zu verlieren. Hoffnung auf die Wende macht ein potenzieller Rückkehrer. Matthias Cuntz, der noch an einer Bänderverletzung laboriert, zitterte beim 1:3 in Freiburg von der Tribüne aus mit. Im Heimspiel gegen Neckarelz will er wieder auf dem Platz stehen.

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„Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht die Ausgangsposition verbauen.“

In einer Daunenjacke mit der Kapuze auf dem Kopf saß der gesperrte Matthias Cuntz auf der großen Tribüne des Möslestadions. Immer wieder vergrub der Mittelfeldspieler von Eintracht Trier sein Gesicht in den Händen. Mal fuchtelte er wild mit den Armen, gestikulierte, schüttelte den Kopf. Der 23-Jährige erweckte den Eindruck, als wäre er am liebsten schnell runter in die Kabinen gesprintet, um sich das Trikot überziehen, auf den Platz zu rennen, ein paar Zweikämpfe zu gewinnen und wichtige Angriffe einzuleiten. Cuntz litt auf seinem Sitzplatz sichtlich mit seinen Mannschaftskameraden. Alles Hoffen, Bangen und Zittern war am Ende nach der Pleite im Spitzenspiel beim SC Freiburg II umsonst. Und was schlimmer ist als die Niederlage: Trier droht vor der Winterpause die direkte Tuchfühlung zu den Relegationsplätzen zu verlieren.

Vor dem Spiel bei Kickers Offenbach war das Team von Roland Seitz noch Tabellenführer. Ein 1:1 am Bieberer Berg mit zwei schwerwiegenden Platzverweisen, ein 0:2 gegen den FC Homburg und ein 1:3 in Freiburg später steht der Regionalligist nur noch auf dem sechsten Rang – und hat vier Punkte Rückstand auf den zweiten Platz, den derzeit die SG Sonnenhof Großaspach belegt.

Ausfälle sind nicht zu verkraften

Freiburg-Eintracht_5Eine Erkenntnis der jüngsten Leistungen: Der Verlust der rotgesperrten Matthias Cuntz und Marco Quotschalla ist nicht ohne Weiteres zu verkraften, am Samstag setzte dazu Lars Bender aus. „Es fehlt dann einfach an Qualität“, bekannte Steven Kröner enttäuscht.

Zwar agierte mit Torge Hollmann im defensiven Mittelfeld auch ein erfahrener Mann. Doch der Routinier hat seine Stärken als Innenverteidiger eher in der Balleroberung. Ein Spielertyp wie Cuntz, der als Impulsgeber aus dem Zentrum heraus in der Lage ist, die Offensive anzukurbeln und so eine ungemeine Entlastung für Regisseur Alon Abelski darstellt, fehlte im Breisgau. Fahrudin Kuduzovic ist dagegen seit Wochen außer Form. Die Laufstärke und Torgefahr, die Marco Quotschalla auf dem Platz entwickelt, war daher auf der Außenbahn erneut nicht vertreten.

Große Alternativen standen dem Trainer nicht zur Verfügung. Neben Torwart Andreas Lengsfeld standen nur vier Ersatzspieler für das Feld auf dem Aufstellungsbogen. Christoph Anton – erst seit zwei Wochen wieder im Mannschaftstraining – musste die kompletten 90 Minuten durchhalten. Da in der Offensive ein Joker fehlte, lief der Abräumer Christopher Spang in der Schlussphase als zweite Spitze auf. Die Pläne, im Winter auf dem Transfermarkt nachzulegen, unterstützt Kröner als Vize-Kapitän. „Wir mischen uns in die Personalpolitik nicht ein. Aber wir brauchen mindestens noch zwei Spieler. Ich denke, dass die Verantwortlichen gute Leute holen werden.“

„Wir haben die erste Halbzeit verpennt“

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Enttäuschung nach dem 1:3: Trainer Seitz sah die Niederlage als verdient an.

Die personellen Probleme wurden in Freiburg aber auch durch unverständliche Fehler ergänzt. „Die Vorgabe war es, den Gegner früh zu stören“, betonte Seitz zu seinem Plan, der sich an dem 1:0-Sieg von Neckarelz gegen den Tabellenführer orientiert habe. Doch die Trierer Pressing-Manöver verliefen nur schleppend, die Aggressivität fehlte – und die „Breisgau-Brasilianer“ konnten über ihr schnelles Kurzpassspiel häufig in die torgefährlichen Räume vordringen.

Oft mit Unterstützung von Trier in Form von individuellen Fehlern. Zur Pause stand es bereits 2:0, es hätte durchaus auch 3:0, 4:0 heißen dürfen. „Wir haben die erste Halbzeit verpennt“, kritisierte Kröner. Trainer Seitz schlug in die gleiche Kerbe. „Wir haben die Zweikämpfe nicht so geführt, wie wir es gegen eine junge, hungrige Mannschaft machen müssen, die den Ball so gut laufen lässt.“ Die Leistungssteigerung im zweiten Durchgang reichte nicht mehr aus, um einen Punkt mit auf den Heimweg zu nehmen.

Die Forderung vor den letzten beiden Aufgaben im Fußballjahr 2013 ist so klar formuliert. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns unsere Ausgangsposition nicht verbauen“, betonte Kröner mit Blick auf die Spiele gegen SpVgg. Neckarelz und bei Hessen Kassel. Einen ersten Trost gibt es immerhin: Die Chancen steht gut, dass Matthias Cuntz da die Daunenjacke gegen ein Trikot tauschen darf. Den Mittelfeldspieler plagt nach seiner abgelaufenen Sperre zwar noch eine Bänderverletzung am Knöchel. Doch die Augen des Rückkehrers funkelten, als er nach der bitteren Tribünenerfahrung von Freiburg in sein Auto stieg. Der „Mann mit der Kapuze“ ist heiß auf das Comeback. „Ich will kommende Woche unbedingt auf dem Platz stehen.“

+++Regionalliga in Kürze+++

Understatement in Freiburg – Tabellenführer, ein starker Auftritt beim 3:1 gegen Trier: Der SC Freiburg II mausert sich zum Top-Favoriten in der Regionalliga Südwest. Trainer Xaver Zembrod hielt den Ball dennoch flach am Samstag: „Die 3. Liga ist nicht das Ziel. Dafür fehlen uns die erfahrenen Stabilisatoren im Kader.“ Abstand vom Aufstieg würde der Bundesligist aber nicht nehmen. „Ich fordere von der Mannschaft, dass sie immer ans Maximum geht. Wenn wir an die Grenzen gehen und am Ende kommt das Ergebnis dabei raus, bin ich der Letzte, der sagt, dass das nicht geht“, so Zembrod.

Der vergessene Doppeltorschütze – Die Leistung gegen Trier zauberte dem Freiburger Trainer ein Lächeln auf die Lippen. „Wir sind in der ersten Halbzeit alle Situationen im Sprinttempo angelaufen und häufig hinter die Trierer Abwehr gekommen“, lobte er sein Team. Einmal hatte Zembrod bei seiner Analyse aber doch den Faden verloren: „Über unsere Flügelspieler waren wir gefährlich. Felix Klaus auf der rechten Seite und…Wer war noch mal auf der anderen Seite?“, rätselte er kurz. Ein Reporter gab die richtige Hilfestellung: Hendrick Zuck. Die Leihgabe aus der Bundesliga war mit zwei Toren zugleich der Matchwinner beim 3:1-Erfolg.

Starke Aufstiegskonkurrenz – Die Trierer Konkurrenten um die Aufstiegsplätze fuhren am Wochenende Punkte ein: Großaspach (1:0 gegen Hoffenheim II), Mainz II (4:0 gegen Worms), der FC Homburg (2:0 gegen Kaiserslautern II) und der SVN Zweibrücken (2:1 in Mannheim) feierten Siege. Spektakulär war der Auftritt der SpVgg. Neckarelz, die am kommenden Wochenende im Moselstadion antritt. Bis zur 78. Minute lag das Team bei Meister Kassel noch mit 1:3 zurück, spielte nach Roten Karten für Schwind und Busch nur noch mit neun Mann. Dennoch gelang  noch die Wende zum 3:3.

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