Der „Chhun“-Faktor

Von Florian Schlecht

14 Saisontreffer, Lobeshymnen von allen Seiten: Chhunly Pagenburg hat seinen Wert für Eintracht Trier nicht erst seit dem lupenreinen Hattrick gegen Ulm unter Beweis gestellt. Die Fans stellen sich nun die bange Frage: Ist der Stürmer auch nach der Winterpause zu halten?

Der Torjubel gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen von Pagenburg: Der Angreifer kommt auf 14 Saisontreffer. Foto: Heinen

Stephan Baierl rang am Mikrofon mit den Worten, der Trainer des SSV Ulm war verzweifelt angesichts des verspielten Vorsprungs in Trier, er haderte, rätselte, schimpfte. Aber als er den Gastgebern von der Mosel zum Sieg gratulierte, fiel ihm ein Grund ein, der eine sichtlich tröstende Erklärung für die Niederlage lieferte. „Ein Spieler wie Chhunly Pagenburg kann in einem kampfbetonten Spiel den Unterschied machen, ob man gewinnt oder verliert. Trier hat mit ihm einen außergewöhnlichen Spieler in seinen Reihen.“ Wahre Worte. Nicht erst seit dem Hattrick des Deutsch-Kambodschaners, der in den letzten 20 Minuten gegen Ulm einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Erfolg drehte, ist der Wert des Stürmers für Eintracht Trier in der Fußball-Regionalliga bekannt. „Wir wissen, was wir an ihm haben“, bekennt Trainer Roland Seitz. „Er ist eine Bereicherung für uns“, sagt Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi.

Der „Chhun-Faktor“ lügt auch in der Tabelle nicht. Wenn die 14 Saisontore des gebürtigen Nürnbergers abgezogen werden, landet die Eintracht nur bei 13 Punkten, wäre sogar auf einem Abstiegsplatz. Mit den Treffern von Pagenburg verbucht sie 25 Zähler, ist im Dunstkreis der Spitzenmannschaften angesiedelt. Es sind meistens die wichtigen Tore, die der Angreifer schießt, der damit seine Aufgabe als einzige Spitze mehr als eindrucksvoll erfüllt.

Training auf Sparflamme, Torjäger im Dienst

Pagenburg warnt vor einem Hype: „Genauso schnell, wie man nach oben kommt, geht es wieder nach unten.“ Foto: Anna Lena Grasmück

Und das, obwohl Pagenburg seit dem Spiel in Kassel nur auf Sparflamme trainiert. Die Patellasehne, der Oberschenkel, der Meniskus – den Angreifer plagen viele kleine Blessuren. Meistens arbeitet er mit dem Physiotherapeut auf dem Platz, erst im Abschlusstraining gesellt er sich zur Mannschaft, an den Wochenenden muss er dann im Liga-Alltag seine Rolle als Torjäger im Dienst erfüllen. „Ich will kein Risiko eingehen“, meint Pagenburg, der sich aber nicht über fehlende Kraftreserven beschwert. „Wir zehren zum Glück von der harten Vorbereitung, in der wir viel gelaufen sind. Wir sind fitter als die anderen Mannschaften.“

Der Angreifer, der mit dem 1. FC Nürnberg bereits in der Bundesliga spielte, DFB-Pokalsieger wurde und eine lange Leidenszeit mit Verletzungen erlebte, kann mit dem Scheinwerferlicht umgehen. Er ist keine Ich-AG und weist darauf hin, dass er starke Mitspieler um sich habe. Er beschwört die Harmonie im neuen System. Und warnt vor zu viel Schwarz-Weiß-Malerei. „Ich weiß doch, wie das Geschäft läuft“, sagt er vorsichtig. „Genauso schnell, wie man nach oben kommt, geht es wieder nach unten.“ Mit seinem Lauf ist er aber zufrieden. Im Sommer nahm sich der 25-Jährige im stillen Kämmerlein 15 Saisontreffer vor. „Das Ziel habe ich bereits nach oben korrigiert“, grinst er. Wie viele Buden er sich noch ausrechnet, will er nicht sagen. „Aber die jetzige Torquote ist ganz ordentlich, damit habe ich nicht gerechnet. Jetzt sollen es halt so viele wie möglich werden.“

Auf dem Radarschirm von Zweitligisten

Der „Chhun“-Faktor: Ohne die 14 Tore des Angreifers hätte Trier nur 13 Punkte gesammelt. Foto: Anna Lena Grasmück

Der Blick auf die Torjägerliste bereitet aber nicht wenigen Fans die Sorgen, dass um Pagenburg bereits in der Winterpause höherklassige Klubs buhlen. Drittligisten haben ihn seit Wochen auf dem Radarschirm, auch Scouts des FSV Frankfurt sollen zuletzt auf der Tribüne gesessen haben. „Noch hat sich keiner bei mir gemeldet“, sagt der Angreifer, der sich einen Wechsel zur Rückrunde kaum vorstellen kann. „Ich kenne den Markt und glaube nicht, dass was Großes passiert. Wenn was kommt, müsste man sich zusammensetzen, aber das hängt nicht nur an mir. Ich habe einen Vertrag bis zum Sommer.“

Für Trier ist die Lebensversicherung im Angriff wichtig. Darauf pocht auch Ernst Wilhelmi. Zugleich schränkt das Vorstandsmitglied ein, dass „wir nicht blauäugig durch die Gegend laufen, wenn ein Spieler 14 Tore geschossen hat“. Alban Meha, Ahmet Kulabas, Josef Cinar –  bereits in der Vergangenheit weckten Leistungsträger aus Trier Begehrlichkeiten. Wilhelmis Worte klingen so ähnlich wie die des Angreifers: „Sollte sich jemand melden, würden wir uns alles erstmal anhören, uns mit den Beteiligten an einen Tisch setzen und schauen, wie es weitergeht.“ Pagenburg selber will sich mit dem Thema am liebsten nicht beschäftigen. Er will weiter Tore sprechen lassen und hat nur das Spitzenspiel bei 1899 Hoffenheim II am Sonntag im Blick. „Das alleine“, betont er, „ist jetzt wichtig“.

+++Eintracht in Kürze+++

Gespräche mit Garnier und Heinz – Die U19 von Eintracht Trier trumpft in der Regionalliga auf. In den Vordergrund haben sich dabei unter anderem Linksverteidiger Kevin Heinz und Mittelfeldspieler Robin Garnier gespielt. Mit dem Duo sollen in dieser Woche Gespräche über eine Perspektive im Regionalligakader zur Saison 2013/14 geführt werden. „Wir wollen uns früh genug mit den Jungs zusammensetzen“, hofft Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi auf eine Zukunft mit den Talenten. „Es ist unser Ziel, weitere Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft zu integrieren.“

Spitzenspiel der U19 wird möglicherweise vorverlegt – Am Wochenende hat die A-Jugend das Spitzenspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern vor der Brust. Die Verantwortlichen bemühen sich um eine Vorverlegung auf Samstag, weil am Sonntag auch das Spitzenspiel der ersten Mannschaft bei Hoffenheim II ansteht.

Der Spruch des Wochenendes – „Jeder weiß, dass ich zum Lachen in den Keller gehe“, sagte Trainer Roland Seitz nach dem 3:2-Sieg gegen Ulm auf eine Journalistenfrage, warum er nicht so richtig entspannt wirke. Der Oberpfälzer trat auf die Euphoriebremse. „Auch wenn sich einige darüber lustig machen: Ich schaue in der Tabelle nach wie vor auf den Abstand zum Sechstletzten.“ Der Grund: Der 14. Rang der Regionalliga Südwest kann mit viel Pech sogar zum Abstieg in die Oberliga führen.

Sonderlob für Hollmann – Begeistert war Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi über Torge Hollmann, der nach seiner Einwechslung in der Halbzeit im defensiven Mittelfeld nichts anbrennen ließ. „Ein Riesen-Kompliment, was er an Emotionen reingebracht und wie er den Laden angeschoben hat.“

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