Der Sechser als Interpretationssache

Von Stephen Weber

Eintracht Trier konnte nach zuletzt turbulenten Wochen seine zwei zurückliegenden Auswärtspartien siegreich gestalten (2:0 in Kassel und 3:1 in Alzenau). Der Schlüssel zum Erfolg lag in beiden Fällen im umstrukturierten Mittelfeld, in dem Baldo di Gregorio mit Maximilian Watzka die neue Doppelsechs bildete. Vor allem der Zweitgenannte scheint in seiner jetzigen Rolle aufzublühen.

Maximilian Watzka konnte als defensiver Mittelfeldspieler überzeugen Foto: Anna Lena Grasmück

Was in der Nationalmannschaft funktioniert, kann auch für die Eintracht aus Trier nicht verkehrt sein. Während bei Joachim Löw mit Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira die Position des defensiven Mittelfeldakteurs seit der WM 2010 doppelt besetzt ist, richtete SVE-Trainer Roland Seitz seine Mannschaft vor zwei Wochen in Kassel nach derselben Grundformation aus. Der wiedergenese Deutsch-Italiener Baldo di Gregorio und Maximilian Watzka stellten von dem Zeitpunkt an die neue Doppelsechs in der zentralen Schaltstelle der Moselstädter dar – und das mit respektablem Erfolg.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Trainer Seitz hat in der aktuellen Spielzeit schon einiges ausprobiert: Sei es das bekannte 4-1-4-1-Sytem oder eine Raute mit zwei Spitzen, aber keine der Formationen wollte so richtig zünden. Aufgrund vieler Verletzungen und dem Dialog mit der eigenen Mannschaft entwickelte sich vor zwei Wochen ein 4-2-3-1-System, mit dem man in den letzten beiden Begegnungen den Platz als strahlender Sieger verlassen durfte. Mittelfeldspielspieler Maximiliam Watzka beschrieb den Wandlungsprozess wie folgt: „Nach den drei schwachen Auftritten gegen Mannheim, Koblenz und Elversberg war uns klar, dass wir etwas ändern müssen. Wir haben uns dann mit dem Coach zusammengesetzt, geredet und sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir unsere Defensive stärken müssen. Aufgrund einiger Ausfälle haben wir uns dann auf die Aufstellung mit zwei defensiven Mittelfeldspielern festgelegt.“ Aus der Not scheint nun eine Tugend zu werden.

Trier wirkte bei seinen beiden Vorstellungen in der Abwehr gefestigt und vor allem Neuzugang Watzka, der in den vorherigen Spielen auf der Außenbahn teilweise etwas verloren wirkte, konnte als Ballverteiler und Bindeglied zwischen Offensive und Defensive glänzen. Für den Leipziger ist der jüngste Aufgabenbereich allerdings kein unbekanntes Terrain: „Bei Offenbach und Magdeburg habe ich bereits als defensivorientierter Mittelfeldspieler agiert. Die Position liegt mir, ich fühle mich im Zentrum sehr wohl.“ Vom Zusammenspiel mit di Gregorio schwärmt er. “Mit Baldo und mir passt es einfach. Wir harmonieren auch außerhalb des Platzes sehr gut. Das ist auch wichtig, da auf dem Rasen doch manchmal das eine oder andere deftige Wort fällt.“ Dass ihm seine gegenwärtige Rolle liegt, belegen auch die 5vier-Noten der beiden Auswärtserfolge (Note 2,5 gegen Kassel, Note 2 gegen Alzenau).

„Man kann die Position unterschiedlich interpretieren“

Baldo di Gregorio bildet mit Maximilian Watzka das neue dynamische Duo im Trierer Mittelfeld (Foto: Anna Lena Grasmück)

Auch sein Coach aus der Oberpfalz möchte in Zukunft auf die doppelte Defensiv-Achse bauen: „Wir werden nächsten Freitag mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut mit den zwei Sechsern auflaufen“, verriet Seitz auf der Pressekonferenz nach dem Sieg in Bayern. Mit di Gregorio und Watzka hat er zwei Spielertypen gefunden, die sich auf dieser Position scheinbar optimal ergänzen. Der robuste di Gregorio hält als Abräumer der Kreativabteilung den Rücken frei, während sich Watzka des Öfteren in diese einschaltet. Diesen Vorteil bestätige der 26-jährige im Interview: „Wie man die defensive Mittelfeldposition interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Ich mache das etwas offensiver als Baldo, aber es kann auch mal vorkommen, dass er vor mir steht. Der Trainer lässt uns da Freiheiten, solange nach hinten alles abgeriegelt bleibt.“ Vielversprechende Worte vor dem nächsten Derby.

Am letzten Werktag der laufenden Woche empfängt der SVE die Reservistentruppe des 1.FC Kaiserslautern – eine Partie mit besonderer Brisanz. Nicht nur, dass die Trierer erst eines ihrer fünf Heimspielen gewinnen konnten und hierbei selten die beste Figur machten, nein, auch dass mit dem Duell gegen Kaiserslautern obendrein viel Prestige verbunden ist. Deshalb gibt Watzka eine klare Marschroute vor: „Wir sind im Aufwind und müssen den Fans endlich mal zeigen, was in uns steckt. Mit Alon (Abelski Anm. d. Red.) kehrt auch ein kreativer Impuls in unser Angriffspiel zurück. Deswegen rechne ich fest mit einem Sieg.“ Anpfiff ist am Freitag um 19 Uhr im Moselstadion – dann wird sich zeigen, ob sie so erfolgreich spielen wie normalerweise die Mannen im DFB-Dress, die beim 4:4 gegen Schweden auf Sami Khedira und damit einen wichtigen Teil ihrer Doppelsechs verzichten mussten.

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