SVE: DFB sperrt Karikari und Hess für jeweils drei Spiele – UPDATE

Aus Trier berichtet Florian Schlecht

Eintracht Trier muss in den ersten Spielen der Fußball-Regionalliga ohne seinen Strategen auskommen. Der Deutsche Fußball-Bund sperrte Jeremy Karikari wegen einer Tätlichkeit nach dem Spitzenspiel in Lotte für drei Spiele. Vorausgegangen war dem aber eine diskriminierende Äußerung von Martin Hess von den Sportfreunden Lotte. Auch der Angreifer fehlt seinem Verein drei Partien.

Jeremy Karikari fehlt Trier für drei Spiele. Foto: Anna Lena Grasmück

Hiobsbotschaft für Eintracht Trier nur wenige Tage vor dem Regionalliga-Start: Die Mannschaft von Roland Seitz muss in den ersten Liga-Partien im Jahr 2012 ohne Jeremy Karikari auskommen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den defensiven Mittelfeldspieler im Einzelrichter-Verfahren nach Anklageerhebung des DFB-Kontrollausschusses mit einer Sperre von drei Meisterschaftsspielen belegt. Das gilt auch für Martin Hess von den Sportfreunden Lotte, der wegen eines unsportlichen Verhaltens verurteilt wurde.

Hess habe laut DFB-Mitteilung gegenüber Karikari eine „diskriminierende Äußerung“ getätigt. Karikari warf dem gegnerischen Angreifer rassistische Beleidigungen vor. 45 Minuten nach dem Spiel soll es dann zu einer Tätlichkeit des Trierers gegen Hess gekommen sein, was nach Zeugenaussagen bewiesen wurde. „Karikari schlug Hess nach Spielende im Kabinengang mit der flachen Hand gegen dessen Wange“, bestätigt die schriftliche Erklärung des Verbandes.

Der DFB-Kontrollausschuss hatte die Ermittlungen nachträglich eingeleitet, nachdem die Vorfälle von den Vereinen angezeigt worden waren (5vier berichtete). Schiedsrichter Michael Weiner hatte die Vorkommnisse nicht wahrgenommen. Vor zehn Tagen kam es in Frankfurt am Main zu einer Anhörung mit mehrköpfigen Delegationen beider Vereine. Diese dauerte über fünf Stunden. Dem Urteil, das der DFB um 14.30 Uhr in Form einer Pressemitteilung öffentlich machte, stimmen Eintracht Trier, die Sportfreunde Lotte und die Spieler zu.

„Ein Beigeschmack bleibt“

"Der beste Spieler der Regionalliga." Foto: Anna Lena Grasmück

Eine große Spur an Enttäuschung klingt dennoch aus der Stimme von Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs. „Wir sind nicht angetan, weil ein fader Beigeschmack mit der Beleidigung gegen Jeremy Karikari bleibt. Er hat sich nicht ohne Grund zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen.“ Die Provokation von Hess wurde in dem Urteil scheinbar mit berücksichtigt. „Es war das Mindestmaß an Sperre, das uns signalisiert wurde“, so Jacobs. Manfred Wilke, Fußball-Obmann der Sportfreunde Lotte, wollte auf die Debatte nicht weiter eingehen. „Der DFB hat das Urteil formuliert, jetzt geht es endlich wieder um Chancen und Tore.“

Sportlich ist der Ausfall von Karikari für Trainer Roland Seitz aber ein größeres Problem als das Fehlen von Angreifer Hess für Lotte, die im Angriff mit Aleksandar Kotuljac (VfL Osnabrück) und Jerome Assauer (Wuppertaler SV) personell nachgelegt haben. Das Spiel der Eintracht hängt hingegen wesentlich vom Strategen Karikari ab. Auf der anspruchsvollen Sechser-Position gehört er mit geschickten Balleroberungen und klugen Pässen im Aufbau zu den herausragenden Akteuren (siehe 5vier-Taktikcheck). Sven Demandt von Titelkonkurrent Borussia Mönchengladbach II würdigte Karikari in der Hinrunde gar als „besten Spieler der Regionalliga“.

„Wir müssen das jetzt hinnehmen“

Als Ersatz steht Kapitän Torge Hollmann (Foto) bereit, der die Rolle vor der Abwehr beim Testspiel gegen CS Grevenmacher (0:1) ausfüllte. Dazu sucht die Eintracht auf dem Transfermarkt noch einen Mann für das defensive Mittelfeld, nachdem Marc Gouiffe à Goufan im Winter den Klub verließ und Max Bachl-Staudinger auf einen Wechsel nach Unterhaching hofft. „Was Neues habe ich aber noch nicht gehört“, hängt das junge Talent weiter in der Warteschleife, wenn es um die Frage geht, wo er in der Rückrunde auflaufen wird.

Dirk Jacobs hofft darauf, den Ausfall von Karikari in den Spielen gegen Idar-Oberstein, bei Schalke II und daheim gegen Dortmund II ersetzen zu können. „Wir müssen damit aufhören, alles an einem Spieler festzumachen. Dafür haben wir einen Kader, in dem nun die anderen zeigen können, was sie können.“ Thomas Drescher gab sich verärgert nach dem DFB-Urteil: „Es ist schade, weil die Aktion von Jerry absolut provoziert wurde. Das wurde von einigen gehört und gesehen.“ Den Ausfall bedauert der Routinier, der sich aber kämpferisch gibt: „Karikari ist auf seiner Position ein Ausnahmespieler. Wir müssen es jetzt aber hinnehmen und werden die Last auf mehreren Schultern verteilen.“

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Kommentare (1)

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  1. FAN sagt:

    Verstehe ich irgendwie nicht. Meiner Meinung nach wiegt der Vorwurf des Rassismus schwerer als die darauf folgende Reaktion bzw. Reflex. Da zwischen beiden Taten einige Zeit lag, muss es heftig gewesen sein, sonst hätte ich Karkari doch schon längst wieder beruhigt. Wieso man dann eine jeweilige 3-Spiele-Strafe vergibt, wird mir im ersten Rechtsgedanke nicht wirklich klar! Wieso hat der Verein diesem Urteil direkt protestlos zugestimmt?

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