Eintracht Trier: Geburtstags-Punkte – „Man muß gratulieren!“ Fotos/Video

Aus dem Moselstadion berichten
Martin Köbler und Anna Lena Bauer (Fotos)

„Ich habe immer Freude wenn ich hier sein darf“, begann ein erleichterter Roland Seitz nach der Begegnung sein Statement in der Pressekonferenz, nachdem seine Mannschaft ihm und den exakt 2.154 anwesenden Zuschauern einen dreifachen Punktgewinn gegen den Tabellenführer FC Schalke 04 II schenkte und die Eintracht somit zumindest vorläufig vom beeindruckenden zweiten Tabellenrang grüßt – ein perfektes Geschenk seiner Mannschaft zu seinem heutigen 46. Geburtstag. „Aber ich bin nicht derjenige, der die Gratulationen entgegennehmen sollte – meine Mannschaft hat ein Riesenlob verdient, weil sie neunzig Minuten guten Fußball gespielt hat und verdientermaßen als Sieger das Feld verlassen hat. Dazu muß man gratulieren“, war der Trierer Übungsleiter sichtlich stolz mit der dargebotenen Vorstellung des Traditionsvereines von der Mosel.

Foto: Grenzenloser Jubel in Minute 80 im Trierer Moselstadion. Lukas Mössner (verdeckt) hat soeben die hochverdiente Führung für die Eintracht erzielt.

Doch das Geschenk der Mannschaft an den Trainer, es war ein hartes Stück Arbeit – eben das, was man in der Umgangssprache als „dickes Brett“ bezeichnet. Zwar stand auf Seiten der kleinen Knappen nicht wie vorher befürchtet Bundesliga-Profi und Nationalspieler Christian Pander im Kader (fiel wegen eines grippalen Infektes kurzfristig aus) – doch Frank Fahrenhorst in der Viererabwehrkette sowie Albert Streit als Angelpunkt im Schalker Aufbauspiel galt es auf dem Papier zunächst einmal auszuschalten, was den blau-schwarz-weißen Hausherren speziell in der ersten Halbzeit mit Bravour gelang. Im Vergleich zur Startaufstellung bei der jüngsten 0:2-Niederlage bei den Sportfreunden aus Lotte rückten Stefan Kohler und Piero Saccone wieder in die erste Elf, nachdem Thomas Riedl aus disziplinarischen Gründen nicht im Kader stand. Seitz kommentierte dies wie folgt: „Wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit, daher musste ich diesen Schritt wählen. Damit ist dann aber auch alles gesagt.“ Ansonsten das gewohnte Bild mit Thomas Drescher, Torge Hollmann, Kapitän Josef Cinar und Cataldo Cozza in der Abwehrkette und den altbewährten Flügelläufern Alban Meha und Olivier Mvondo zur Unterstützung der beiden Spitzen Thomas Kraus und Nico Patschinski.

Und die Partie, sie begann mit einem echten Hingucker. Noch nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da senste Marvin Pachan Thomas Drescher an der Seitenlinie um. Die fällige Freistoßflanke war selbstredend ein Fall für den König der Standards – Alban Meha. Wie fast immer resultierte hieraus Gefahr, denn seine scharf getretene Hereingabe fand den Kopf vom mitaufgerückten Torge Hollmann – doch eine Koproduktion aus Schalker Abwehrbein und moselländischem Torpfosten verhinderte die frühe Führung. Danach geschah – nichts. Die Eintracht optisch überlegen, konnte sich in der Hälfte der in Weiß spielenden Knappen festsetzen – nutzte aber die wenigen sich ergebenden Gelegenheiten nicht. Wie in der siebten Minute, als Alban Meha auf links durch war und Thomas Kraus in der Mitte bedienen wollte, sein Pass aber nur Gerrit Hermsen in der Schalker Innenverteidigung fand. Insgesamt stand die Viererkette der Westfalen sicher und ließ nur wenig Platz für den Pass in den freien Raum – die Folge: Das Spiel der Eintracht bis zum Strafraum gefällig, doch der letzte Pass, er kam so gut wie nie an.

Also mussten Einzelaktionen her – und zwar in Form von Fernschüssen. Aber sowohl Piero Saccones Versuche (18., nach Vorlage von Nico Patschinski / 26., nach Ecke Meha) als auch die des quirligen Kosovaren Meha (20., 24. per Freistoss) waren nicht mit Erfolg gekrönt. Als dann abermals Torge Hollmann nach einem Eckball von der rechten Seite die Kugel nur knapp neben den Schalker Torpfosten setzte (22.) und ein Meha-Freistoß das Netz nur von außen zappeln ließ (40.) schlichen sich auf der Tribüne des Moselstadions die üblichen Gesetzmäßigkeiten des Fußballsports in die Köpfe der Anhängerschaft: „Wenn man seine Chancen vorne nicht nutzt…“ – wird man hinten bestraft. Was kurz vor der Pause beinahe der Fall gewesen wäre, als mit dem ersten richtig konsequent vorgetragenen Angriff der Knappen über Danny Latza und Marvin Pourie nur das Bein von Torge Hollmann verhinderte, dass Pourie alleine auf Torwart André Poggenborg, der erstmals von Beginn an den Kasten der Eintracht hütete, zulaufen konnte. So blieb es aber beim für die Gäste schmeichelhaften torlosen 0:0 zur Pause.

Die zweite Hälfte begann schleppend. Beide Trainer sahen keine Veranlassung, in der Kabine einen Wechsel durchzuführen und schickten die gleichen elf Mannen auf das Feld wie zu Beginn. Es war jedoch unübersehbar, dass die Gäste von Minute zu Minute besser ins Spiel kamen – besonders Schalkes Robert Stark sorgte immer wieder für gefährliche Vorstöße über die linke Trierer Abwehrseite. Deutliche Torchancen sollten aber nach wie vor ausbleiben – bis zur 61. Minute, als der Spielverlauf beinahe auf den Kopf gestellt worden wäre. Manuel Glowacz trat von der linken Seite eine Ecke, unter der Poggenborg etwas unglücklich durchsegelt -der Kopfball des freistehenden Stark kann jedoch kurz vor der Linie mit vereinten Kräften geklärt werden. Der direkte Gegenzug: Kraus taucht plötzlich völlig frei vor Schlußmann Lars Unnerstall auf und will den Ball in die lange Ecke schlenzen, doch sein Schuss ist zu unpräzise. Olivier Mvondo versucht noch zu retten, was nicht zu retten ist – doch der Ball spritzt denkbar knapp am rechten Torpfosten vorbei. Spätestens nachdem nur acht Minuten später Poggenborg mit einer Glanztat einen abgefeuerten Schuss von Manuel Glowacz entschärfen konnte, war allen im Stadion klar, dass der betriebene Aufwand der ersten Hälfte auf die Kraftreserven der Spieler enorme Auswirkungen hatte.

Foto: Sein Team schenkte ihm einen Sieg zum Geburtstag – Roland Seitz nach dem Abpfiff.

Neben Alban Meha, der in der zweiten Hälfte immer mehr unter tauchte als auch der heute schwache Nico Patschinski waren hierfür eindeutigstes Indiz. Das Geburtstagskind auf der Trierer Trainerbank erkannte dies und brachte unter anderem Lukas Mössner für den blassen Ex-St.-Paulianer (63.). Was Seitz zu diesem Zeitpunkt zwar hoffte, aber noch nicht wusste: mit dieser Einwechslung brachte er den Mann des Tages. Doch wie so oft in der bisherigen Saison – auch Lukas Mössner scheiterte zunächst im Verwerten von Großchancen, als er einen Eckball von Alban Meha völlig unbedrängt aus elf Metern exakt an den Pfosten setzte. Es war schier zum Verzweifeln – Rudi Thömmes sackte auf der Co-Trainerbank zusammen, Roland Seitz richtete seinen Blick gen dunkler Trierer Abendhimmel, die Zuschauer rauften sich die Haare. Doch es folgte die 80. Minute, als die Schalker Abwehrreihe einen Moment nicht aufpasste und Thomas Kraus auf der linken Seite auf und davon ziehen ließ. Der Neuzugang aus Köln zieht in den Strafraum – hebt den Kopf – und sieht Lukas Mössner, der mit einem millimetergenauen Pass in den Fuß angespielt wird – das verdiente 1:0, das Moselstadion ein Hort der Freude.

Noch insgesamt dreizehn Minuten inklusive Nachspielzeit waren aber zu überstehen, in denen gleich zwei gefährliche Freistöße vom ansonsten nicht wirklich überzeugenden Albert Streit nur knapp den Kasten der Eintracht verfehlten und somit den verdienten 1:0-Heimerfolg der Moselaner nicht mehr umstürzen konnte. „Alles in allem wäre ein Punktgewinn für uns auch nicht verdient gewesen“, schätzte Schalkes Reservetrainer Michael Boris die dargebotenen neunzig Minuten seiner Mannschaft korrekt ein. „Trier war in der ersten Halbzeit klar dominierend, hätte schon führen müssen. Das geht schon so in Ordnung!“ Und Roland Seitz setzte anschließend noch einen drauf: „Die Leistung war noch besser als die vor zwei Wochen in Dortmund. Man sieht, dass die Mannschaft aus den Ereignissen gegen Lotte und Mainz gelernt hat. Alle Fans können hochzufrieden nach Hause gehen – schließlich haben wir nicht gegen Irgendwen gewonnen, sondern gegen den aktuellen Tabellenführer! Ich wünsche mir aber einfach, dass wir jetzt in aller Ruhe weiterarbeiten und uns so Schritt für Schritt weiter entwickeln können!“

Weitere Bilder (klicken für groß):

STIMMEN ZUM SPIEL
Trainer Roland Seitz, Thomas Kraus und Torschütze Lukas Mößner im Interview

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Kommentare (6)

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  1. dreschi 2010 sagt:

    klassse jungs….so kanns weiter gehen….spiel um spiel gewinnen und dann am 25 spieltag gucken ….wo es hin geht !!!!!!!!!

  2. muuselindianer sagt:

    Die Interviews sind bemerkenswert. Vielleicht behält Kraus recht.

  3. @Siggi sagt:

    Hab ich dir doch gestern schon geschrieben, ein Trierer-Jung ist etwas besonderes!!

  4. Eintracht-Fan sagt:

    War gestern ein Hammerspiel!! Wenn die Mannschaft sich so weiterentwickelt, dann können wir positiv in die Zukunft sehen.Nochmal Dank an alle Beteiligten für dieses tolle Spiel!!!

  5. Siggi sagt:

    Gewonnen jaaaa!!!

    Klein Hollmann hat tatsächlich Glück gebracht!!! 🙂

  6. muuselindianer sagt:

    Das war wirklich ein fantastisches Spiel der Eintracht! Weiter so! Dann kann das noch eine wirklich interessante Saison werden!

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