SVE: Ein torgefährlicher Abstrampler – Thomas Kraus im Gespräch

Sperren und Verletzungen zwingen Trainer Roland Seitz zu taktischen Umstellungen. Thomas Kraus ist so beim Fußball-Regionalligisten wieder in den Sturm gerückt – und hat dort durch vier Tore in zwei Testspielen überzeugt.

Thomas Kraus fühlt sich wohl im Angriff. Als Teenie-Torjäger von Sand wurde er "auf dem Dorf" von Hertha BSC Berlin entdeckt.

Den Spitznamen „Mario Gomez“ hat Thomas Kraus sich im Mannschaftskreis von Eintracht Trier noch nicht erworben. Doch die blonde Offensivkraft des Fußball-Regionalligisten hat momentan einen Lauf, der an die die berauschende Quote des Nationalstürmers erinnert und der für das kommende Heimspiel gegen Fortuna Köln am Samstag (14 Uhr) hoffen lässt. Vier Tore hat Kraus zuletzt in zwei Testspielen erzielt. Beim 2:0-Sieg bei Drittligist SV Darmstadt 98 gelang ihm ein Doppelpack, auch beim 7:0-Erfolg gegen den RFC Union Luxemburg steuerte er zwei Treffer bei. Der 24-Jährige fühlt sich wohl im Sturm, wenn er neben Ahmet Kulabas oder Wojciech Pollok wirbeln kann. „Angriff ist ja die Position, die ich gelernt habe“, erzählt der gebürtige Bamberger.

Entdeckt wurde er mit 18 Jahren, als er bei dem bayerischen Landesligisten SC Sand noch in der A-Jugend spielen durfte. Doch Kraus wurde früh in der Herrenmannschaft eingesetzt und brachte es am Ende auf 27 Tore. „So wurde ich auf dem Dorf von Hertha BSC erspäht, auch wenn mir bei der Entfernung von 450 Kilometern nach wie vor ein Rätsel ist, warum sich ein Scout dorthin verirrt hat“, lacht er. Plötzlich durfte sich der Teenager-Torjäger nach Schulabschluss und Ausbildung Gedanken über eine Karriere als Profi machen. „Ich hätte nicht damit gerechnet, mit Fußball mal mein Geld zu verdienen.“

„Ich kann dem Gegner richtig auf den Sack gehen“

"Wer die Tore macht, ist mir egal, wenn wir nur gewinnen."

In der Hauptstadt blieb er seiner Rolle als Angreifer treu. Für die Hertha-Amateure spielte er ganz vorne, bei der Reserve des 1. FC Köln besetzte er später im Dreier-Sturm den offensiven Flügel, ehe er wegen der Verletzung eines Mitspielers zum Außenverteidiger umgeschult wurde. In Trier setzte Roland Seitz in der Saison 2010/11 wieder auf die Angriffstugenden von Kraus, der bis zur Winter-Verpflichtung von Ahmet Kulabas in der Spitze spielte und auf sechs Tore kam. „Ich habe nie Ansprüche erhoben und freue mich in erster Linie, wenn ich von Anfang an spiele“, meint Kraus bescheiden. Aber die Arbeit als Stürmer ist ein Job, der ihm Spaß macht. „Ich habe dort zu 99 Prozent gute Spiele gemacht und kann meine Stärken für die Mannschaft einbringen.“

Dort unterscheidet sich Kraus aber in seinen Ansprüchen von Mario Gomez, dem Torjäger des FC Bayern, der sich nach jedem Treffer in der Pose eines spanischen Stierkämpfers zunächst selber feiert. „Wenn ich mir einen abstrample und notfalls André Poggenborg zum 1:0-Sieg trifft, bin ich glücklich“, grinst die Angriffshoffnung von Eintracht Trier. „Ich bin nicht der größte Techniker, kann aber läuferisch Löcher reißen und dem Gegner richtig auf den Sack gehen“, so Kraus, der auf dem Platz mehr Freude mit Einsatz und Teamgeist entwickelt. Egoismus ist nicht seine Welt. „Wenn man viel investiert und eine Menge für die Mannschaft macht, wird das belohnt.“

Kulabas und Pollok blühen an der Seite von Kraus auf

Jubeln will Thomas Kraus wieder in den nächsten Spielen mit Eintracht Trier.

So blühen auch die Sturmpartner an der Seite von Kraus auf. Sie können ihre Torgefahr besser zur Geltung bringen, weil sie auch mal im Strafraum lauern können, wenn neben ihnen jemand Unruhe stiftet. Wojciech Pollok spielte mit dem Blondschopf in den jüngsten Testspielen erstmals in vorderster Front zusammen. Das Experiment funktionierte. Pollok traf ebenfalls doppelt gegen Union Luxemburg, tankte Selbstvertrauen und harmonierte fußballerisch blendend mit Kraus. Auch das Zusammenspiel mit Kulabas lief wie geschmiert, das Duo trat schon gemeinsam beim 3:2-Sieg im Spitzenspiel in Lotte in Erscheinung, als beide je einen Treffer erzielten. „Ahmet und Wojciech arbeiten auch richtig gut, sind aber noch mehr Vollender als ich. Ich will als Bindeglied zu ihnen alles geben, viel investieren. Wer dann die Tore macht, ist egal.“

Taktisch sieht Kraus keine Probleme darin, im 4-4-2-System nominell einen Mittelfeldspieler weniger zu haben als in der 4-1-4-1-Formation. Die Diskussion ist für ihn überbewertet. Wichtig ist für ihn, eine Taktik mit Leben und Einsatz zu füllen. Bei seinem ehemaligen Trainer Frank Schaefer, der zwischenzeitlich auch die Bundesliga-Mannschaft des 1. FC Köln leitete, lernte er einen Leitspruch: „Wer gut verteidigt, greift auch gut an.“ Was er damit meint: „Das Wichtigste im Fußball ist, dass alle zehn Feldspieler auf dem Rasen arbeiten. So stehen wir hinten sicher und vorne entstehen Lücken, die wir nutzen müssen, um in die Erfolgsspur zurückzukommen.“

Das Ziel geht die Eintracht wahrscheinlich mit Thomas Kraus im Angriff an. Auch Trainer Seitz lobte die Vorstellung des Allrounders, der wie einst als Teenager-Torjäger beim SC Sand Gefallen an der Rolle hat. „Er fühlt sich vorne wohl und hilft der Mannschaft mit seinem Laufeinsatz und seiner Arbeit gegen den Ball.“

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Kommentare (2)

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  1. Sievo sagt:

    Der Kraus erinnert mich mit seiner kämpferischen Spielweise eher an Klinsmann. Ich würde mich ebenfalls freuen, wenn er vorne auflaufen würde.

  2. Paul sagt:

    Bitte nicht Kraus mit Gomez vergleichen. Der Kraus hat wenigstens einen guten Haarschnitt. Immer schnell frisiert uns braucht die Haare nicht immer nach hinten zu streichen. Ansonsten: Pro 4 4 2 und Kraus als Stürmer. Helau!!

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