Ein Doppeltorschütze und der Traum von Kambodscha

Von Florian Schlecht (Text)

Mit zwei Toren war Chhunly Pagenburg der Matchwinner beim 2:1-Sieg in Freiburg. Nach Verletzungspech hofft der 25-Jährige, dem eine Anfrage der kambodschanischen Nationalmannschaft vorliegt, auf eine beschwerdefreie Saison.

Doppeltorschütze Chhunly Pagenburg freut sich mit Torwarttrainer Sascha Purket. Foto: Peter Schmitt

In der FIFA-Weltrangliste liegt Kambodscha auf Platz 192. Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 haben die Fußballer bereits verpasst, die begehrtesten Sportarten sind in dem 14-Millionen-Einwohner-Land eher Kickboxen und Volleyball. Für Chhunly Pagenburg würde aber ein Traum in Erfüllung gehen, wenn er sich irgendwann das Trikot der kambodschanischen Nationalmannschaft überstreifen könnte. Für den Angreifer von Eintracht Trier, der mit seinen beiden Toren der Matchwinner zum 2:1-Sieg beim SC Freiburg II war, ist Südostasien auch ein Stück Heimat. „Meine Mutter wurde in Kambodscha geboren, ich habe dort viele Verwandte“, erzählt Pagenburg.

Eine Anfrage liegt ihm bereits vor. Journalisten haben herausgefunden, dass der 25-Jährige für das Nationalteam spielberechtigt wäre. „Sie haben mich per E-Mail angeschrieben und ihre Recherchen an den Verband weitergeleitet“, sagt der Offensivspieler, der in Nürnberg aufgewachsen ist. „Für mich wäre das reizvoll. Wer wäre nicht gerne mal ein richtiger Nationalspieler?“ Zeitlich ist für Pagenburg allerdings ungewiss, wann er das Debüt für das Königreich geben kann, das über 9500 Kilometer Luftlinie von Trier entfernt ist. Das Rennen zur WM ist bereits gelaufen, 2013 startet die Qualifikation für den nächsten Asien-Cup. „Das wäre eine Erfahrung für das Leben. Aber es muss natürlich auch zeitlich passen“, weiß Pagenburg. „Wenn in der Regionalliga keine länderspielfreien Wochenenden eingeplant sind, wird es natürlich schwer.“

Ein kleines Grundstück und Autogrammkarten

"Wir haben gezeigt, dass wir immer für ein Tor gut sind." Foto: Peter Schmitt

Die Wurzeln nach Kambodscha sind es aber, die Einsätze in der Nationalmannschaft zu einem echten Ziel des Stürmers reifen lassen. „Ich war mal mit elf, zwölf Jahren mit meinen Eltern dort zu Besuch“, erinnert er sich. „Es hat mir gut gefallen.“ Auch wenn das Leben dort nicht so war, wie Pagenburg es aus Deutschland kannte. „Fließendes Wasser war nicht überall eine Selbstverständlichkeit.“ Seine Eltern fliegen im Urlaub noch regelmäßig nach Südostasien. „Mittlerweile boomt dort die Wirtschaft, die Städte entwickeln sich rasant“, sagt der Stürmer, der selber ein kleines Grundstück in Kambodscha gekauft hat. Und die Verwandtschaft interessiert sich brennend für die Karriere des Angreifers. „Wenn meine Eltern dort zu Besuch sind, müssen sie immer einen Stapel an Autogrammkarten mitbringen.“

So werden auch die beiden Tore zum Regionalliga-Auftakt für Freude in Kambodscha sorgen. Für Pagenburg waren es Glücksmomente nach häufigen muskulären Problemen in der vergangenen Saison. „Das war eine eklige Zeit. Ich hoffe, dass wir die Ursachen nun gefunden haben. Mein größter Wunsch ist Gesundheit.“ In der Vorbereitung konnte er bis auf wenige Tage Unterbrechung die volle Belastung mitgehen. „Der Muskel ist stabil, ich habe keine Beschwerden“, freut er sich.

„Die Tore haben sich angebahnt“

Chhunly Pagenburg trifft zum 2:1-Sieg in Freiburg. Foto: Peter Schmitt

So war der erfolgreiche Start in Freiburg keine Überraschung für den Stürmer. „Es hat sich angebahnt. Ich habe in der Woche zuvor in jedem Trainingsspiel getroffen.“ Im Ernstfall bewährte sich die Form, als er das Leder zunächst mit Gewalt zum 1:1 unter die Latte hämmerte („Ich habe noch hoch geschaut und gesehen, dass die kurze Ecke frei ist“) und dann technisch-überlegt zum 1:2  traf („Ich wurde steil geschickt und habe den Ball gegen den Lauf des Torwarts ins lange Eck geschoben“).

Mit dem Zusammenspiel in der Offensive war Pagenburg zufrieden, alleine Steven Lewerenz bediente ihn bei beiden Treffern. „Wir haben in der Vorbereitung schon viele gute Spielzüge gehabt und gezeigt, dass wir immer gut für ein Tor sind.“ Vor übereilten Erwartungen warnt der Angreifer aber. Fünf, sechs Spiele, so lange fordert er Geduld. „Ende August haben wir genügend Spiele gehabt, um die Abstimmungsfehler abzustellen. Wenn wir bis dahin noch genügend Punkte holen, bin ich natürlich nicht unglücklich.“ Möglichst mit weiteren Toren von Chhunly Pagenburg, die auch in Kambodscha aufmerksam verfolgt werden.

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