Eintracht Trier: Bruderduell um Derbysieg und ein italienisches Essen

Von Florian Schlecht

Daniel Bauer und Tobias Bauer sind nicht nur Brüder, sondern auch die „besten Freunde“. Beide waren früher erfolgreiche Tennis-Talente, beim Backgammon und an der Playstation liefern sie sich heiße Duelle. Am Freitag treten sie im Regionalliga-Derby im Moselstadion gegeneinander an – Daniel spielt für Eintracht Trier, Tobias für die TuS Koblenz.

Geschenke  an Weihnachten, aber nicht im Derby: Freitag treffen die Brüder Daniel und Tobias Bauer (v.l.) im Moselstadion aufeinander. Foto: Privat

Am Wochenende sahen sich Daniel und Tobias Bauer bei der Familie in Koblenz, mit einer Menge Spaß im Gepäck. „Wir machen schon die Taktikbesprechung“, scherzten sie und lachten. Natürlich war das Derby zwischen Eintracht Trier und der TuS Koblenz (Freitag, 19 Uhr) ein heißes Gesprächsthema zwischen den Brüdern, denn Daniel für Trier und Tobias für Koblenz treffen dann erstmals überhaupt in einem Fußballspiel aufeinander. „Das ist eine echte Premiere mit einer gewissen Brisanz“, lächelt Daniel Bauer. Abgeklärt ist schon, was um 20.47 Uhr nach dem Abpfiff passiert. „Den Trikottausch haben wir uns schon fest zugesagt.“ Davor versprechen sie sich „ein verbissenes Spiel, in dem für uns beide nur der Sieg zählt.“ Und einen kleinen Anreiz in Form einer Wette gibt es auch. „In Trier gibt es einen sehr guten Italiener“, grinst Tobias Bauer. „Der Verlierer muss den Sieger zum Essen einladen und selbstverständlich auch die Getränke bezahlen.“ Ein Derby-Erfolg würde einem der Brüder daher nicht nur drei Punkte bescheren, sondern auch Nudeln und Apfelschorle zum Nulltarif.

Entsprechend intensiv stellen sie sich die 90 Minuten vor, wenn Abräumer Daniel (29) die Wege von Spielgestalter Tobias (23) im Mittelfeld kreuzt. Bei aller Liebe, das Derby entfacht echten Ehrgeiz. „Wir schenken uns nichts und können schlecht verlieren“, lacht der Trierer, der Wettkämpfen mit seinem Bruder nicht aus den Weg geht. Umgekehrt ist es genauso. Im Winter gehen beide oft mit Freunden in die Soccerhalle. In den Spielen fliegen dann die Wortfetzen hin und her. „Wir liefern uns da packende Duelle. Wer in Führung liegt, haut schon mal einen frechen Spruch raus. Aber ein wenig haben wir uns geändert, man wird ja älter“, sagt Daniel mit einem Augenzwinkern. „Es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, wenn wir uns messen“, sagt auch Tobias mit einem Lachen im Gesicht.

Nach Niederlage in den Gartenteich

Daniel Bauer will mit Trier gewinnen: „Wir sind verbissen genug.“ Foto: Anna Lena Grasmück

Früher, als noch regelmäßiger auf der Playstation um die Ehre gekämpft wurde, gab es öfters Streit zwischen den Brüdern. „Da mussten manche Spiele abgebrochen werden. Ein, zwei Stunden herrschte schon mal dicke Luft“, meint Daniel. „Es flogen auch Controller durch die Gegend“, weiß Tobias. Kleinere Wetten gab es schon damals, als Belohnung für den Gewinner. „Wenn wir sturmfreie Bude hatten, musste der Verlierer nach Konsolenspielen seinen Kopf kurz in den Gartenteich hinter dem Haus halten“, erinnert sich der Koblenzer lächelnd.

Die gemeinsame Zeit genießen beide. Wenn sie sich mehrere Wochen bei den Eltern sehen, packen sie einen alten, großen Holzkoffer mit „Backgammon“ aus dem Schrank. Ein Heiligtum von ihnen. „Da können wir auch mal stundenlang verschwunden und in das Spiel vertieft sein.“ Dazu messen sich beide gerne im Badminton, Squash oder an der Tischtennisplatte im heimischen Keller. „Wir sind echte Wettkampftypen, das brauchen wir“, sagt Daniel Bauer, der sogar schon überlegt hat, sich bei der TV-Show „Schlag den Raab“ zu bewerben. „Das ist mir neu“, lächelt sein Bruder, „aber Daniel hätte bestimmt das Zeug, um zu gewinnen.“

Bei aller Rivalität im sportlichen Wettstreit ist das Verhältnis der Brüder so, „dass es besser nicht sein könnte“, wie Daniel schwärmt. Aufgewachsen sind beide im 2100-Einwohner-Ort Saffig, wo es beide in ihrer Freizeit noch hinzieht. „Wir sind die besten Freunde, verbringen viel Zeit miteinander, ich kann daheim viel Ruhe und Motivation tanken“, sagt der Mittelfeldspieler der Eintracht. Tobias Bauer sieht das ähnlich. „Daniel ist die wichtigste Bezugsperson für mich. Als er noch in Magdeburg gespielt hat, haben wir jeden zweiten Tag telefoniert oder SMS geschrieben.“ Auch von der Erfahrung seines Bruders profitiert der Koblenzer. „Als ich im letzten Jahr verletzt war, konnte mir Daniel helfen, weil er die Situation kannte. Ich bin für jeden Tipp von ihm dankbar.“

Von Tennis-Talenten zum Fußball

„Die besten Freunde“: Tobias, die kleine Schwester Nina und Daniel Bauer (v.l.). Foto: Privat

Sportlich begannen die Bauer-Brüder mit Tennis. Sie waren talentiert, standen mit 16 Jahren vor der schwierigen Wahl, ob sie sich für das Racket oder die Fußballschuhe entscheiden. Während Daniel Bauer in seinem Jahrgang unter den besten 30 Spielern gerankt wurde, reichte es bei Tobias sogar für die Top Ten. „Er hat mich als kleiner Junge immer begleitet, dort stundenlang an einer Tenniswand gestanden, mit Schläger und Ball dagegen geschlagen. Und plötzlich war er besser als ich“, meint der Trierer. Tobias reiste als Schüler europaweit zu Turnieren. Er traf sogar einmal auf den Argentinier Juan Martín del Potro, der 2009 die US-Open gewinnen sollte. „Ich war in zwei Sätzen deutlich unterlegen.“ Aber das war nicht der Grund, sich letztlich für das runde Leder zu entscheiden, ebenso wenig das Vorbild von Bruder Daniel. „Ich bin eher ein Mannschaftsspieler“, sagt Tobias Bauer, „und im Tennis ist man auf sich alleine gestellt, es kommt da kein echter Teamgeist auf.“

So entschied er sich wie sein Bruder für den Fußball, wo es nun zum Doppelpack in Trier in der Regionalliga und im Rheinlandpokal kommt. Vater Klaus wird im Moselstadion sein, einige Kumpels aus Koblenz haben Tickets geordert. „Wir fahren nicht nach Trier, um dort die Punkte zu lassen, für unsere Fans ist es eins der wichtigsten Spiele der Saison“, betont der 23-Jährige. „Wobei der Pokal im April noch wichtiger ist.“

Das sieht auch Daniel Bauer so. „Titel sind der Grund, warum wir spielen“, sagt der Eintracht-Schützling, der am Freitag dennoch einen Erfolg einfahren will. Für die Mannschaft und das Essen beim Italiener. „Für uns geht es in der Meisterschaft noch um was, auch wenn wir schon eine Megaserie hinlegen müssten.“ Bruder Tobias weiß das und pokert so bei der Restaurant-Einladung schon ein wenig. „Ich würde mich ja auch bei einem Unentschieden als Gewinner fühlen.“

Zur Person

Daniel (29) und Tobias Bauer (23) sind im 2100-Einwohner-Ort Saffig in der Nähe von Koblenz aufgewachsen. Während es Daniel über die TuS Mayen, Eintracht Trier, Union Berlin, dem finnischen Erstligisten Rovaniemi PS und den 1. FC Magdeburg im Winter zurück an die Mosel zog, hat Tobias den Sprung von der SG Andernach zur TuS Koblenz geschafft. Nach einem Teilriss des Syndesmosebandes hat er sich in der Rückrunde wieder in die Stammelf gekämpft und kommt auf elf Saisoneinsätze. Fußballerisch weisen die Brüder Unterschiede auf: Während Daniel bei Eintracht Trier im defensiven Mittelfeld arbeitet und Rechtsfuß ist, ist Tobias offensiver ausgerichtet und hat einen starken linken Fuß. 

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Kommentare (2)

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  1. schustermanni sagt:

    so egal wie heute gespielt wird, wir sprich eintrachttrier, hat mit der diesjährigen regionalliga westmeisterschaft nichtsmehr zutun, obwohl ich und meine kumpels nicht wenige vip kartenbesitzer, die meinung haben, das es soleichtwie diesesaison aufzusteigen ,sicher nicht mehr werden wird denn hier ist mehr professionallitätin allen bereichen gefordert, denn unsere mitstreiten kochen auch nur mit wasser und nicht mit geld unsere letzte hoffnung noch mit einem blauen auge hier raus zukommen, ist der rheinlandpokal, und dann werden die karten neu verteilt gruß und ein sonniges wochenende manni schuster

  2. sve-torsten sagt:

    Sehr schöner und menschennaher Artikel!

    Tipp an Tobias Bauer: Wechsel doch zur kommenden Saison nach Trier, dann könnt ihr beiden Brüder zusammenspielen 🙂

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