Eintracht Trier: Ein Jahr zwischen 1:6 und 6:1

Der Jahr 2013 für Eintracht Trier im Rückblick: Fehlstart, Lehren, Pokalsieg, eine lange Erfolgsserie und Aufstiegsträume

Von Florian Schlecht

Was mit einem Debakel in Frankfurt begann, endete in Kassel versöhnlich in Aufstiegsträumen: Das Jahr 2013 war für Fußball-Regionalligist Eintracht Trier unter dem Strich ein erfolgreiches. Besonders dank des Rheinlandpokalsiegs und der Hinrunde der laufenden Saison. 5vier hat die wichtigsten Episoden und Zahlen zu einem Rückblick zusammengetragen.

Ein Fehlstart mit Wirkung

Es war ein frostiger Winterabend am Bornheimer Hang. Verschütteter Kaffee gefror in Sekundenschnelle auf den Pressetischen. Bereits nach 23 Minuten mussten sich die Journalisten von der Mosel auf die Suche nach allen Schreckensbegriffen begeben, die das Fußballjargon so bietet. Wahlweise fielen Begriffe wie Debakel, Desaster, Blackout, Klatsche. Der Start von Eintracht Trier in das Jahr 2013: Er konnte nicht schlimmer ausfallen. 0:4 stand es bereits beim Tabellenletzten Eintracht Frankfurt II, am Ende hieß es 1:6 – und die Spieler schlichen schweigend in die Kabine. Was für ein Auftakt! Nicht zu verkraften waren die wochenlangen Verletzungen des Offensivtrios aus Alon Abelski, Steven Lewerenz und Chhunly Pagenburg, deren fehlende Fitness zum Auftakt deutlich zu sehen war. Dazu fehlte der Widerstandsgeist, sich gegen eine hohe Niederlage zu wehren.

Eintracht Trier - Idar-ObersteinSo platzten früh die Aufstiegsträume. Ein 0:1 gegen den FSV Frankfurt II folgte, bei dem Fahrudin Kuduzovic in letzter Sekunde die Ausgleichschance vergab und einen Elfmeter in den Trierer Nachthimmel jagte. Ruhe kehrte auch nach dem 1:1 gegen Freiburg II und dem 2:1-Erfolg in Worms nicht ein. Mit dem 0:3 gegen Idar-Oberstein folgte der Tiefpunkt des Jahres. Lewerenz flog nach einer Tätlichkeit vom Platz, wurde Tage später suspendiert – und in den letzten Spielen wieder begnadigt.

Trainer Seitz stand in der Kritik – zog aber Lehren aus den Rückschlägen. Das 1:0 gegen Waldhof Mannheim war der Anfang der Entwicklung, die noch in der laufenden Saison zu sehen ist. Die Mannschaft baute auf über einen defensiven Mittelfeldspieler, der sich in die Abwehr zurückfallen ließ. Die Außenverteidiger rückten weiter bis in die gegnerische Hälfte vor, die Offensivkräfte waren in ständiger Bewegung und so für die Gegner kaum mehr auszurechnen. Über die Wochen wurden die neuen Abläufe eingeschliffen und perfektioniert.

Ein Gewinner der schweren Phase war Michael Dingels. Der nimmermüde Kämpfer in der Innenverteidigung hatte bis dahin einen schweren Stand, saß trotz beherzter Leistungen oft auf der Bank. Die Krise brauchte genau einen Typen wie den Bitburger, der sich einen Stammplatz erarbeiten konnte, konstante Leistungen abrief und sich mit seinen eröffnenden weiten Bällen im Aufbau rasant verbesserte.

Pokalsieger_18Auch, wenn die Relegation nicht mehr gelang: Ein paar Highlights boten die letzten Wochen der alten Saison so noch. Das 2:2 in Koblenz, wo Andreas Lengsfeld trotz einer Fingerverletzung beim Aufwärmen auf der Bank saß – und später für den vom Rasen gestellten Stephan Loboué noch einspringen musste. Der höchste Heimsieg beim 5:0 gegen Bayern Alzenau.

Und natürlich: Das 4:0 im Rheinlandpokal-Finale beim Lokalrivalen FSV Salmrohr. Der Doppelpack von Alon Abelski sowie die Treffer von Fan-Stürmer Marco Quotschalla und Fahrudin Kuduzovic stellten die Weichen dafür, endlich mal viele Leistungsträger an den Verein zu binden und mit einer eingespielten Mannschaft in die neue Saison zu gehen.

Glücksgriffe und eine 13-Spiele-Serie

Etwas warten musste Trainer Seitz aber, bis der Kader 2013/14 komplett war. Erst im Juli kamen wichtige Neuzugänge wie Matthias Cuntz, Christoph Buchner und Sylvano Comvalius, Chris Keilmann und Lars Bender.

Bereits das 2:3 zum Auftakt gegen Hessen Kassel offenbarte schon, dass da eine spielstarke Mannschaft auf dem Platz stand. Zwei Distanzschüsse und ein Elfmeter reichten dem amtierenden Meister aber aus, um die drei Punkte zu entführen. Kaum jemand ahnte zu dem Zeitpunkt, dass es für die darauffolgenden 13 Spiele die letzte Ligapleite war.

DFB-Pokal Eintracht Trier - 1.FC KoelnAuch dem 1. FC Köln wurde im DFB-Pokal vor über 10.000 Zuschauern lange Zeit Paroli geboten. Die 0:2-Niederlage nach einem Elfmeter von Risse und einem 30-Meter-Freistoß von Thiel entsprang nicht der deutlichen Überlegenheit des Zweitliga-Tabellenführers, sondern seiner Kaltschnäuzigkeit.

Die zeigte Trier dann beim 3:0-Erfolg in Zweibrücken, ließ sie aber gegen Kaiserslautern II wiederum vermissen. 7:1 lautete das Chancenverhältnis, 0:0 das Endergebnis: In der Halbzeit soll FCK-Trainer Konrad Fünfstück so laut gewütet haben, dass es durch die Wände bis in die Trierer Kabine zu hören war.

Die großen Momente kamen dann aber. Ebenso die Glanzleistungen der neuen Gesichter des Teams. Das Derby gegen die TuS Koblenz avancierte zum Festtag. Beim 2:0 traf Buchner nach einer Ecke per Kopf, Cuntz legte mit einem 35-Meter-Hammer in den Winkel nach.

Zwei Wochen später war dann Comvalius dran. Ein Doppelpack gegen Hoffenheim, ein Jubellauf zu der Fankurve. Auch der Weltenbummler, der schon in sieben Ländern Fußball spielte, war endgültig gelandet.

Mainz II - Eintracht Trier - featured?Die Tabellenführung in der Regionalliga eroberte Trier erstmals im Oktober. Nach dem hochklassigen Spitzenspiel gegen Großaspach (1:1), gab es ein 2:1 in Ulm. Verteidigt wurde der Platz an der Spitze durch ein 3:3 bei Verfolger Mainz 05 II. Die Reserve bot mit den Bundesliga-Leihgaben Yunus Malli, Sebastian Polter sowie den Leistungsträgern Steven Lewerenz, Nejmeddin Daghfous und Petar Sliskovic eine Offensive der Extraklasse auf.

Offenbach - Eintracht TrierDer 1:0-Arbeitssieg gegen Eintracht Frankfurt II schürte dann die letzte Euphorie vor dem Auswärtsspiel bei Kickers Offenbach. Sechs Fanbusse machten sich an Allerheiligen auf den Weg zum Bieberer Berg – und erlebten ein unvergessliches Fußballspiel.

Alles drohte, schief zu laufen. Quotschalla sah Rot, Cuntz flog nach einem vermeintlichen Handspiel auf der Linie vom Platz, bei dem der Schiedsrichter bereits abgewinkt hatte und sich von seinem Assistenten überstimmen ließ. Trotz des von Chris Keilmann gehaltenen Elfmeters ging Offenbach in Führung. Doch Torge Hollmann köpfte nach einem weiten Freistoß zum 1:1 und dem Neun-Mann-Wunder ein, das von den Anhängern noch lange gefeiert wurde.

Die Nachwehen der Sperren waren aber spürbar beim 0:2 gegen Homburg und dem 1:3 in Freiburg II. Trier schien wie ein angeschlagener Boxer in die Winterpause zu wanken, hatte aber noch eine schlagkräftige letzte Schlussrunde aufzubieten. Beim 3:0 gegen Neckarelz brillierte Christoph Anton als „Mosel-Messi“, das 6:1 in Kassel bestätigte dann erneut, wie erfolgshungrig diese Mannschaft ist, die mit frischen Verstärkungen 2014 wieder den großen Traum von der 3. Liga anpeilt.

+++Zahlen und Zitate des Jahres 2013+++

SVE-HoffenheimZitat des Jahres – „Ich wollte mit den Fans feiern. Sie begleiten uns überall hin, sogar bis nach Pfullendorf, obwohl es 450 Kilometer bis dahin sind. Die Anhänger sind ein Grund, warum wir überhaupt Fußball spielen. Ich weiß, dass wir als Sportler viele Stationen durchlaufen. Sie bleiben ihrem Klub aber ein Leben lang treu. Und wir als Mannschaft haben große Dankbarkeit und Respekt davor, wie sie uns unterstützen und zu uns stehen.“ (Sylvano Comvalius nach dem 2:0 gegen Hoffenheim und seinem Jubellauf zur Fankurve).

Bilanz – 36 Regionalligaspiele bestritt Eintracht Trier im Jahr 2013. Die Bilanz: 16 Siege, zwölf Unentschieden, acht Niederlagen und 56:41 Tore. 1,67 Punkte fuhr die Mannschaft von Roland Seitz so im Schnitt pro Partie ein. Im Moselstadion fuhr Trier in 19 Begegnungen zehn Erfolge, fünf Remis und vier Pleiten ein (Punkteschnitt: 1,84). Auswärts gab es in 17 Spielen sechs Siege, sieben Unentschieden und vier Niederlagen.

Mainz II - Eintracht Trier„Fan-Stürmer“ ist der beste Torjäger 2013 – Mit finanzieller Unterstützung der Anhängerschaft konnte Marco Quotschalla vor gut einem Jahr verpflichtet werden. Um die Rendite müssen sich die Fans keine Sorgen machen: 2013 hat der Offensivspieler zehn Regionalligatreffer erzielt – und ist damit torgefährlichster Spieler von Eintracht Trier. Ihm folgt Sylvano Comvalius (neun Tore), der jedoch nur in der Hinrunde der laufenden Saison mitgewirkt hat. Dahinter liegt Alon Abelski mit acht Buden. Die weiteren Treffer verteilen sich wie folgt: Lars Bender (5), Steven Kröner, Matthias Cuntz (je 4), Christoph Buchner (3), Torge Hollmann, Fabian Zittlau, Fahrudin Kuduzovic, Chhunly Pagenburg (je 2), Fouad Brighache, Michael Dingels, Christoph Anton, Maximilian Watzka und Mario Klinger (je 1).

Notenprimus Cuntz – Nach jedem Regionalligaspiel bewertet 5vier die Leistungen der Fußballer von Eintracht Trier nach dem Schulnotensystem. Notenbester Spieler bislang: Matthias Cuntz mit einem starken Schnitt von 2,53. Dicht dahinter: Alon Abelski (2,55).

Zuschauer – 32.503 Zuschauer strömten zu den 19 Regionalliga-Heimspielen des Jahres 2013 ins Moselstadion. Das entspricht einem Schnitt von 1.711 Besuchern. Die meisten Fans (2.765) kamen zum Spiel gegen Eintracht Frankfurt II. Eine Minuskulisse (1.011) sah die 90 Minuten gegen Hoffenheim II. Den wahren Zuschauerrekord der vergangenen Monate stellte Trier aber im DFB-Pokal auf. Das Duell gegen den 1. FC Köln (0:2) verfolgten 10.494 Leute.

SSV Ulm - Eintracht TrierDauerbrenner der Hinrunde – Gleich vier Spieler haben alle Partien im bisherigen Halbjahr der Saison 2013/14 absolviert. Fouad Brighache, Fabian Zittlau, Alon Abelski und Sylvano Comvalius. Brighache und Zittlau haben sogar in jeder einzelnen der 1710 Minuten auf dem Platz gestanden.

Hohe Siege, hohe Niederlagen – Auswärts zeigte Eintracht Trier im ersten und letzten Spiel des Jahres völlig unterschiedliche Gesichter. Zur Premiere setzte es mit dem 1:6 bei Eintracht Frankfurt II die höchste Niederlage 2013. Das 6:1 in Kassel zum Abschluss war der Rekordsieg. Weitere Ausreißer: Das 5:0 gegen Alzenau als klarster Heimerfolg, das 0:3 gegen Idar-Oberstein als deutlichste Heimpleite.

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