„Es geht darum, oben zu bleiben“ – Interview mit Fouad Brighache

Im Interview mit 5vier äußert sich Kapitän Fouad Brighache (31) zur erfolgreichen Serie von Eintracht Trier

Das Interview führte Florian Schlecht

Acht Spiele ist Eintracht Trier ungeschlagen und erwartet nun Waldhof Mannheim zum Heimspiel. Im Interview mit 5vier äußert sich Kapitän Fouad Brighache (31) zur erfolgreichen Serie, seiner neuen Aufgabe auf dem Platz, der Versöhnung mit den Fans und darüber, wie die Mannschaft bis zum Ende in der Spitzengruppe mitmischen kann. 

KSV Baunatal-Eintracht Trier, Fouad Brighache

Fouad Brighache ist seit Sommer 2012 Kapitän von Eintracht Trier. Foto: Alex Heinen

5vier: Herr Brighache, muss ein Mannschaftskapitän seinen Mitspielern in allen fußballerischen Lebenslagen mit einem guten Beispiel vorangehen?

Fouad Brighache: Normalerweise ja. Aber damit beschränke ich mich auf die Wahrnehmung von Dingen, die ich auf dem Platz und außerhalb beeinflussen kann. Jede Spielerei mache ich nicht mit.

5vier: In der Mannschaft gibt es einige Spieler, die als Wette abgeschlossen haben, sich bis zur nächsten Niederlage nicht rasieren zu wollen. Warum ist bei Ihnen in den vergangenen Wochen der Bart nicht weiter gewachsen?

Brighache: Das liegt daran, dass ich nicht abergläubisch bin und an solche Dinge nicht glaube. Ich glaube eher an unsere eigenen Stärken. Wobei es schon schön anzuschauen ist, wie die anderen Spieler mit Bart aussehen (lacht).

5vier: Seit acht Spielen ist Eintracht Trier ungeschlagen und belegt den dritten Platz in der Regionalliga Südwest. Überrascht Sie die rasante Entwicklung?

Brighache: Sie überrascht mich nicht. Es war ja das Konzept für dieses Jahr, den größten Teil des festen Stammes aus dem letzten Saisondrittel zu halten und diesen mit Neuzugängen punktuell zu verstärken. Das ist ganz gut gelungen. Es gibt aber keinen Grund zur Feststimmung: Wir haben gesehen, dass wir wie beim 2:3 gegen Hessen Kassel auch gute Spiele spielen und trotzdem verlieren können.

5vier: Christoph Buchner, Matthias Cuntz, Lars Bender, Sylvano Comvalius: Einige neue Spieler haben den Durchbruch zu Leistungsträgern geschafft. Wie viel tragen die Verstärkungen zum Erfolg bei?

Brighache: Die Tabelle gibt den Einkäufen recht. Ich war vor der Saison auch mit jedem Transfer zufrieden und habe jeden Transfer verteidigt. Insgesamt sind wir aber eine Einheit, die auf dem Platz steht und gemeinsam kämpft. Ob jemand neu hinzugekommen ist oder schon da war, ist bei uns in der Kabine kein Thema.

Rheinlandpokal: Eintracht - Rossbach5vier: Das erste Saisonspiel gegen Kassel ging verloren. Was ist das Erfolgsrezept, dass das Team seitdem ohne Niederlage ist?

Brighache: Es ist ein fortlaufender Prozess. Wir haben im ersten Spiel gesehen, dass wir dominant aufgetreten sind, aber in manchen Situationen wie der Chancenverwertung zu naiv waren. Danach haben wir uns zusammengesetzt und darüber gesprochen, wofür wir zukünftig stehen wollen: Kompakter auftreten und den Zuschauern etwas bieten – das war unser Ziel. Und so wie es aussieht, ist uns da eine gute Mischung gelungen.

5vier: 416 Minuten ist Eintracht Trier ohne Gegentor. Das macht ein Mitglied der Abwehrkette doch besonders stolz?

Brighache: Die Zahl ist kein Zufall, sondern der Verdienst aller Spieler. Es ist einfacher, wenn vom Torwart bis zum Stürmer alle wissen, wie wir auftreten müssen, um erfolgreich zu sein. Das ist bei uns der Fall.

5vier: Taktisch geht die Mannschaft seit einigen Monaten neue Wege. Sie als Außenverteidiger stehen ebenso wie Fabian Zittlau viel offensiver und müssen sich noch stärker in Angriffe einschalten. War die Spielweise für Sie eine Umstellung?

Brighache: Wir haben die Taktik ja schon im letzten Drittel der vergangenen Saison gespielt. Daher ist es für mich nichts Neues. Ich spiele schon lange Fußball. Nach zehn Jahren gehört es zum Repertoire eines Spielers, dass er weiß, wie man in unterschiedlichen Systemen stehen muss und wie man aufbaut. Viel wichtiger ist sowieso die Frage, wie man ins Spiel geht: Unser Geheimnis liegt in der Einstellung des gesamten Teams. Und in der Art und Weise, wie wir gegen den Ball arbeiten.

5vier: In Phasen, in denen viel gelobt wird, werden oft die Schattenseiten übersehen. Wo kann sich die Mannschaft noch verbessern?

Brighache: Das Feintuning in den Abläufen kann immer verbessert werden. Wenn ich das jetzt erklären müsste, würden wir aber morgen früh noch miteinander diskutieren. In erster Linie geht es für uns nicht darum, nach oben zu kommen – sondern darum, oben zu bleiben.

Eintracht Trier - Idar-Oberstein5vier: Wie kann das gelingen?

Brighache: Wir müssen jetzt gegen Mannschaften bestehen, die mit uns auf Augenhöhe sind. Die Gegner, die wir schon hatten, waren schwer zu spielen. Aber von der Qualität her schlechter als das, was uns nun blüht. Waldhof Mannheim, Sonnenhof Großaspach – das sind ganz andere Spiele.

5vier: Inwieweit?

Brighache: Da entscheiden Kleinigkeiten darüber, wer als Sieger und wer als Verlierer vom Platz geht. Das haben wir zum Auftakt gegen Kassel gesehen, wo wir gut gespielt haben, aber mit leeren Händen da standen. Das ist ein warnendes Beispiel. Denn es ist klar: Wer die wenigsten Fehler in solchen 50:50-Spielen macht, der gewinnt in den meisten Fällen. Also müssen wir da noch konzentrierter ans Werk gehen.

5vier: Wenn das gelingt, ist Eintracht Trier gleichzeitig ein heißer Aufstiegsanwärter.

Brighache: Und wenn das Wörtchen ‚wenn‘ nicht wäre, dann wären wir schon lange aufgestiegen. Wir haben einen guten Weg eingeschlagen, aber wo er wirklich hinführt, steht noch in den Sternen. Es bringt uns ja nichts, darüber zu reden, warum wir oben stehen. Wir müssen jede Woche aufs Neue beweisen, dass wir dorthin gehören. Daher schauen wir als Mannschaft nur von Spiel zu Spiel.

5vier: In der vergangenen Saison ging die Mannschaft nach Siegen häufig nicht in die Fankurve, weil es nach dem Elversberg-Spiel Tumulte gab. Nun feiern die Spieler immer mit den Anhängern. Sind alle Probleme ausgeräumt?

Brighache: Als ich im Sommer 2012 nach Trier gewechselt bin, habe ich gemerkt, dass die Kluft zwischen Fans und Mannschaft groß ist. Das konnte aber nicht das Verschulden von den Neuzugängen sein, sondern hing noch mit Nachwirkungen der Monate davor zusammen. Ich habe daher erst einmal Distanz bewahrt und mir alles angesehen. In dieser Saison müssen wir uns darüber keine Sorgen machen, dass sich beide Seiten nicht verstehen.

5vier: Das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim ist auch mit der Hoffnung auf viele Zuschauer im Moselstadion verknüpft. Auch bei Ihnen?

Brighache: Natürlich wäre es schön, wenn die Bude einigermaßen voll wäre. Wir konzentrieren uns aber eher auf Waldhof Mannheim und ein sehr interessantes Spiel. Ein Spiel, das wir gewinnen wollen.

5vier: Vielen Dank für das Gespräch!

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