Eintracht Trier: „Es wird einen Einschnitt geben“

Von Florian Schlecht

Thomas Kraus verlässt Eintracht Trier zu Fortuna Köln. Der 25-Jährige wird nicht der einzige Abgang bleiben. Dennoch bleibt Trainer Seitz locker. Am Samstag empfängt der Fußball-Regionalligist die Reserve des 1. FC Kaiserslautern (14 Uhr).

Am Donnerstag vermeldete 5vier am späten Nachmittag, dass Thomas Kraus nach zwei Jahren den Fußball-Regionalligisten Eintracht Trier verlässt. Am Freitag bestätigte Fortuna Köln, den 25-Jährigen unter Vertrag genommen zu haben. Trainer Roland Seitz, der von der Entscheidung seines Offensivspielers schon vor zwei Wochen wusste, fasste die Nachricht vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern II (Samstag, 14 Uhr) nüchtern auf. „Wir hätten ihn gerne behalten, er ist ein absoluter Teamplayer. Aber zu dem Zeitpunkt, als Thomas Kraus unterschrieben hat, hatten wir keine Chance. Bei uns ziehen sich die Angebote hin, weil uns durch die Unsicherheit im Pokal und wegfallende Fernsehgelder 250.000 Euro im Etat fehlen.“

Zwar können 150.000 Euro der Lücke gestopft werden, falls Eintracht Trier in den DFB-Pokal einzieht. Aber es kann sich bis zum 30. Mai hinziehen, bis die Fußballer endlich Gewissheit haben, ob sie von Bayern München und Borussia Dortmund träumen können. Am 8. Mai bestreitet der SVE zunächst das Halbfinale des Rheinlandpokals beim TuS Mayen, im Endspiel würde dann der SV Roßbach/Verscheid warten. Das erschwert die Personalplanungen. „Wir können gerade keine Top-Angebote machen, auch wenn wir mit dem Sieg gegen Koblenz einen echten Brocken weggeschoben haben“, betont Seitz.

So macht der Oberpfälzer kein Geheimnis daraus, dass sich das Gesicht des Kaders verändern wird. „Einen Einschnitt wird es geben.“ So gebe es Spieler, die Eintracht Trier verlassen wollen und auf höherklassige Angebote hoffen. „Manchmal ist es für beide Parteien besser, den Verein zu verlassen“, meint der Trainer auch, ohne Namen zu nennen. Doch die Akteure, die kein Angebot vorliegen haben, werden die Augen in andere Richtungen aufhalten – so wie Kraus.

Konkurrenz bei Hollmann und Bauer

Die Zukunft von Kapitän Hollmann soll sich in der nächsten Woche entscheiden. Foto: Anna Lena Grasmück

Bei anderen Kräften liegen Offerten vor. Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi vertraut bei Jeremy Karikari und Cataldo Cozza auf zeitnahe Unterschriften. In der nächsten Woche soll sich die Zukunft von Ahmet Kulabas, Chhunly Pagenburg und Torge Hollmann entscheiden. Um den Kapitän buhlen aber auch Vereine aus der 3. Liga.

Konkurrenten gibt es nach Informationen von 5vier ebenso bei Daniel Bauer. Der Mittelfeldspieler, der erst im Winter zur Eintracht gewechselt war und zu günstigen Konditionen unterschrieben hat, wird nach wie vor vom VfB Oldenburg umgarnt. Der Traditionsverein, der in der kommenden Saison in der Regionalliga Nord antreten wird, war bereits im Januar an einer Verpflichtung des Abräumers interessiert.

„Schon oft ein gutes Näschen bewiesen“

Christoph Anton ist einer von sieben Spieler, die für die neue Saison bereits unter Vertrag stehen.

Dennoch sieht Seitz gute Chancen, einen schlagkräftigen Kader aufzustellen, weil er auch die Vorteile in Trier sieht. „Welcher Regionalligist hat denn wirklich viel Geld?“, fragt er, um prompt die Antwort zu geben. „Das sind doch nur vier, fünf Vereine. Mit allen anderen können wir mithalten. Hier bekommt jeder Spieler pünktlich sein Gehalt überwiesen. Da habe ich Reutlingen und Feucht auch andere Zeiten erlebt.“ An einen Neuaufbau glaubt der Trainer nicht, Kopfzerbrechen bereitet ihm der Gedanke nur unwesentlich. „Da habe ich schon oft ein gutes Näschen bewiesen.“

Verträge für die neue Saison haben bislang nur Alon Abelski, Oliver Stang, Fabian Zittlau sowie die Youngster Christoph Anton, Christopher Spang und Burak Sözen. Wojciech Pollok hat ein gültiges Arbeitspapier, doch baldige Gespräche über eine Auflösung haben sowohl Berater Markus Peter als auch Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi gegenüber 5vier nicht kategorisch ausgeschlossen.

Rotation gegen Kaiserslautern II

Auf den sportlichen Erfolg wirkt sich die Ungewissheit bei den Planungen nicht aus. Im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern II soll der siebte Sieg im achten Spiel eingefahren werden. Dabei will Seitz nach den anstrengenden „englischen Wochen“ rotieren. Chhunly Pagenburg (Muskelzerrung) und Cataldo Cozza (Schienbeinprellung) fallen aus. Dauerbrennern wie Torge Hollmann, Thomas Drescher und Ahmet Kulabas winkt eine Pause, um Kräfte für das große Pokalziel zu schonen. „Nach einem Sieg wie gegen Koblenz fällt erst einmal eine Last runter“, weiß der Trainer, der am Samstag dennoch die 60-Punkte-Marke knacken will. „Wir wollen den Fans gegen Kaiserslautern eine frische und hungrige Mannschaft hinstellen.“

+++++Eintracht in Kürze+++++

Enttäuschung über Zuschauerzahlen – Nur 1075 Besucher kamen zum Pokalspiel gegen die TuS Koblenz, der angepeilte Zuschauerschnitt in der Regionalliga wird voraussichtlich verfehlt. Auch gegen Kaiserslautern II wird das Moselstadion kaum gefüllt sein. „Das ist schon bitter. Da trifft der berühmte Spruch zu, dass es in Trier nur Schwarz oder Weiß gibt“, ist Trainer Roland Seitz enttäuscht von der Resonanz. „Die Mannschaft hätte mehr Zuschauer verdient, wir haben hier zwei starke Jahre gespielt.“ Wobei für den Oberpfälzer gegen Koblenz viel zusammen kam: „Bayern München hat bei Real Madrid gespielt, das Wetter war schlecht, und es war nicht das Finale um den Rheinlandpokal.“

Kaiserslautern II ohne Torjäger Wooten – Ohne Torjäger Andrew Wooten reist Kaiserslautern II zum Regionalligaspiel nach Trier. Der Angreifer, der auf 20 Saisontreffer kommt, ist in den Kader des bereits abgestiegenen Bundesligisten aufgerückt. Dort traf er am vergangenen Wochenende auch beim 2:1-Sieg bei Hertha BSC Berlin.

Familienaktion zum Heimspiel – Eintracht Trier bietet zum Heimspiel gegen Kaiserslautern II eine Familienaktion an. So zahlen zwei Erwachsene mit bis zu vier Kindern für ein Stehplatz-Paket zusammen nur zehn Euro und für eine Sitzplatz-Kombi-Karte auf der Haupttribüne gerade mal pauschal 25 Euro.

Jonas Raltschitsch erhält keinen neuen Vertrag – Jonas Raltschitsch erhält bei der Reserve des FSV Mainz 05 laut „kicker“ keinen neuen Vertrag. Das 19-jährige Verteidiger-Talent war im Sommer 2010 von Eintracht Trier ins Jugendinternat des Bundesligisten gewechselt.

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Kommentare (3)

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  1. treverer sagt:

    Die Zuschauerzahl soll sich unser Trainer mal hinterfragen. Bei der destruktiven Spielweise überlege ich mir selbst als Jahreskarteninhaber, ob ich mir das antun soll. Sämtliche Trainer sprechen von der stärksten Mannschaft der Eintracht, nur unser Tainer redet sie immer klein und spielt selbst gegen schwache Teams sehr defensiv.Leider wurde sein Vertrag schon wieder verlängert. Selbst in unteren Klassen wird schönerer Fussball gespielt.

    Nur der SVE

  2. SVEler sagt:

    Raltschitsch direkt einen Vertrag anbieten! Ein weiteres gutes Talent mit Perspektive!!!!

  3. Renate sagt:

    Enttäuschung über die Zuschauerzahl kann keiner verstehen? Das versteh ich jetzt nicht.

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