Ganz ruhig, ganz sachlich, ganz der Architekt

Von Florian Schlecht

Seit Fouad Brighache seinen Muskelfaserriss auskuriert hat, ist Fußball-Regionalligist Eintracht Trier seit 270 Minuten ohne Gegentor. Der 30-Jährige übt das Amt des Kapitäns modern aus – und hat bereits ein Architektur-Studium abgeschlossen.

Fouad Brighache führt Eintracht Trier als Kapitän an. Foto: Anna Lena Grasmück

Wer sich mit Fouad Brighache unterhält, wird keinen Mann der großen Worte und der voreiligen Versprechungen erleben. Der 30-Jährige denkt bei Fragen genau nach, gibt ausgewogene Antworten, spricht ruhig, reagiert nicht panisch und auch nicht übertrieben euphorisch. Der Mannschaftskapitän ist die Ruhe in Person, die große Show ist nicht seine Welt. Wenn es um den Saisonstart von Eintracht Trier geht, dann ist seine Meinung völlig losgelöst von jeglicher Erwartungshaltung und geprägt von Realismus. „Mit dem Auftreten können wir zufrieden sein in dem Stadium, in dem wir uns befinden. Ein Umbruch mit vielen Neuzugängen und Abgängen kann nicht reibungslos vonstatten gehen“, sagt der Deutsch-Marokkaner über die ersten Wochen in der Regionalliga Südwest.

So wie bei seinem größten Hobby, der Architektur, wo er bereits ein abgeschlossenes Studium an der Fachhochschule Frankfurt vorzuweisen hat, sieht er den Verlauf an der Mosel als ein Projekt, das erst geplant wurde und nun schrittweise umgesetzt wird. „Wir dürfen Fehler kein zweites, drittes Mal machen. Letztlich müssen wir aber Geduld haben. Wie wir zusammen arbeiten und wie kompakt wir in den letzten Spielen standen, das macht Lust auf mehr.“ Klar ist aber auch für Brighache, dass die Bauarbeiten in der Entwicklung nicht abgeschlossen sind. „Wir können uns noch verbessern“, findet er. „Die Chancenverwertung, das Spiel nach vorne, es gibt genug Sachen.“ Endgültig Stellung will der Spielführer erst nach zehn Spielen beziehen. „Dann ist es an der Zeit für ein erstes Fazit.“

„Es geht nicht um mich, sondern um die Sache“

Locker sieht der zweikampfstarke Verteidiger auch seinen Start in Trier, weil er weiß, dass ein Projekt nicht alleine mit einem Mann steht und fällt. Beim Auftaktspiel in Freiburg gab es ein Missverständnis mit Torhüter Andreas Lengsfeld, aus dem ein Eigentor des Kapitäns resultierte. „Zum Glück haben wir ja noch 2:1 gewonnen.“ Wenige Tage später gegen Mainz 05 II verletzte er sich nach 25 Minuten. Nachdem Brighache in der Saison zuvor für den Drittligisten SV Darmstadt 98 alle 38 Partien mit der kicker-Durchschnittsnote 2,95 absolviert hatte, setzte ihn an seiner neuen Station gleich ein Muskelfaserriss außer Gefecht. „Einen Bruch“, so meint er, habe das nicht gegeben. „Es geht ja nicht um mich persönlich, sondern um die Sache.“

Seit der Kapitän nun wieder zurück ist, hat die Mannschaft in der Regionalliga seit 270 Minuten kein Gegentor kassiert. An die große Glocke will er das jedoch nicht hängen. Genauso wenig seine Rolle als Spielführer, die er eher demokratisch versteht und nicht im Sinne eines lauten, pöbelnden Alphatieres. „Entscheidungen werden im Spielerrat getroffen, wo wir uns öfters treffen und diskutieren. Natürlich werde ich auch mal dazwischen hauen, wenn es nicht läuft. Aber von Leuten, die nach außen nur reden, weiß man nicht, ob sie auch in der Kabine die Hosen an haben.“

Ein strukturierter Typ

Brighache will lieber über Zielstrebigkeit, Einsatz und Fleiß überzeugen. Eigenschaften, die sich durch sein Leben ziehen. Seine Eltern sind marokkanische Einwanderer, in einem Plattenbau wurde „Fou“ groß. In Darmstadt unterstützte er Jugendliche mit Migrationshintergrund beim Berufseinstieg. Als Kind träumte er selber davon, Architekt zu werden. Nach dem Abitur begann er parallel zum Profi-Fußball bei Kickers Offenbach mit dem Studium und schloss als Diplom-Ingenieur ab, als er mit Darmstadt schon auf Aufstiegskurs war. „Ich bin ein ganz strukturierter Typ und habe die Doppelbelastung ganz gut organisiert.“

In Offenbach und Darmstadt saß er mit am Tisch, als es um den Bau neuer Stadien ging. Sich dem Architektur-Beruf nach der Sportler-Laufbahn zu widmen, schließt er nicht aus. Vorher aber gilt sein Fokus dem Projekt in Trier. Ganz ruhig, ganz sachlich, ganz der Architekt. „Die Aufgabe hier ist reizvoll. Da will ich viel Energie reinstecken, um was Neues aufzubauen.“

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