Genervter Seitz gibt Favoritenrolle an Elversberg ab

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Nach sieben Punkten in drei Spielen wartet auf Eintracht Trier ein echtes Spitzenspiel bei Tabellenführer SV Elversberg (Samstag, 14 Uhr). Trainer Roland Seitz nutzte die Pressekonferenz im Vorfeld aber auch dazu, um seinem Ärger über die hohe Erwartungshaltung im Umfeld Ausdruck zu verleihen.

Roland Seitz hält sich mit Kampfansagen an Elversberg bedeckt.

„Wir waren schon in einer Situation, in der wir am Boden lagen und auf uns draufgetreten wurde. Vielleicht auf den Trainer noch mehr als auf die Spieler“, unterstrich Trainer Roland Seitz seine Kritik an den Reaktionen nach der 0:3-Heimpleite gegen den SC Idar-Oberstein vor einigen Wochen. Diese schien seine Mannschaft aus dem Rennen um die Relegationsplätze zu werfen. Wenige Wochen später – mit patzenden Aufstiegsanwärtern und einer starken Eigenleistung von sieben Punkten aus drei Spielen dazwischen – reist Trier plötzlich wieder zu einem echten Spitzenspiel bei der SV Elversberg (14 Uhr). Mit einem Sieg kann die Eintracht bis auf einen Punkt an den Tabellenführer herankommen, der, zugebenerweise, noch zwei Nachholspiele mehr in der Hinterhand hat.

Die Euphorie heizt der Trainer aber nicht extra ein. „Für uns sind das Bonusspiele, die wir jetzt haben“, bleibt Seitz cool und verweist auf die Stimmung, die vor einigen Wochen noch ins Negative kippte. „Ich habe in Artikeln mehrfach von einer Krise gelesen. Eine Krise mache ich aus, wenn wir sechs, sieben Spiele in Folge verlieren“, wehrt er sich und legt nach. „Leider wird kein Unterschied gemacht, dass Kassel und Elversberg den doppelten Etat haben. Wir waren im ersten Jahr Vizemeister knapp hinter Münster, im zweiten Jahr trotz interner Probleme Vierter, und in diesem Bereich werden wir in diesem Jahr wieder einlaufen.“ Seine Schlussfolgerung: „Es ist nicht fair, wenn wir an Zielen gemessen werden, die wir so nicht ausgegeben haben.“ Wobei in der Winterpause mit der Verpflichtung von Marco Quotschalla und Erdogan Yesilyurt schon der Anspruch formuliert wurde, so lange wie möglich oben mitspielen zu wollen.

Pagenburg, Klinger und di Gregorio fehlen im April

Krankschreibung: Chhunly Pagenburg ist in der Reha in Nürnberg und fällt aus.

Diese Hoffnung kann mit einem Sieg in Elversberg weiter am Leben gehalten werden. Wobei der Oberpfälzer die Favoritenrolle dem Spitzenreiter überlässt. „Sie hatten Platz eins oder zwei in der Winterpause schon in der Tasche und haben personell mehr Möglichkeiten als wir.“

Seitz gehen die Alternativen im eigenen Kader dagegen langsam aus. Torjäger Chhunly Pagenburg (ist nach eigenen Angaben wegen eines Knochenödems am Knie drei Wochen krankgeschrieben), Mario Klinger und Baldo di Gregorio (beide Muskelfaserriss) drohen den gesamten April auszufallen. Alle drei Spieler absolvieren ihre Reha in ihren Heimatorten Nürnberg (Pagenburg), Essen (Klinger) und Frankfurt (di Gregorio). Torhüter Stephan Loboué laboriert dazu an einer Mandelentzündung, wodurch Andreas Lengsfeld wieder den Kasten bewachen wird.

Benschneider: „Ein Derby auf Augenhöhe“

Auf der anderen Seite wartet mit Elversberg jede Menge Qualität. Routinier Timo Wenzel hat 106 Bundesliga-Einsätze für den 1. FC Kaiserslautern und den VfB Stuttgart im Lebenslauf stehen. Daniel Jungwirth und Thorsten Reiß bilden im Zusammenspiel nahezu das beste defensive Mittelfeld der Regionalliga Südwest. Die Offensive um Torjäger Abedin Krasniqi hat der Winter-Neuzugang Marc Gallego (Waldhof Mannheim) weiter bereichert.

Glanz und Gloria konnte Elversberg im Jahr 2013 jedoch nicht versprühen. Fuhr das Team von Jens Kiefer aus den ersten sechs Spielen nur sechs Punkte ein, hofft Roland Benschneider darauf, dass das jüngste 2:2 bei Hoffenheim II und der 2:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt II „Schritte in die richtige Richtung waren“. Die Erklärung, die der Sportliche Leiter und Trierer Aufstiegsheld von 2002 für das vorausgegangene Tief hat: „Wir hatten eigentlich ein großes Polster mit den Nachholspielen in der Hinterhand, das aber nicht am Tabellenplatz zum Ausdruck kam. Unsere Spiele fielen aus, die Konkurrenz überholte uns, wir haben das erste und zweite Mal verloren. Und auf einmal dachte man sich: Was ist jetzt denn los?“

Benschneider macht kein Geheimnis darum, mit Elversberg in die Relegation zu wollen. „Alles, was dann folgt, ist Zugabe.“ Eine, die sich die Saarländer aber mit der 3. Liga erhoffen. Denn der momentane Erfolg wird vor Ort kaum wahrgenommen. Im letzten Heimspiel waren nur 300 Zuschauer im Stadion. Trier ist dafür schon ein Zahltag. „Das hat auch Traditionsgründe, der Zuspruch war hier noch nie riesengroß. Aber wir haben jetzt auch erstmals ein Konzept, das mit der Mannschaft für Nachhaltigkeit steht“, meint Benschneider, der sich auf das Duell mit seinem alten Verein freut. „Das ist ein Derby auf Augenhöhe.“

+++Eintracht in Kürze+++

Erneute taktische Überraschung? – Beim 1:0 gegen Kassel überraschte Trainer Seitz mit einem 4-4-2-System in der ersten Halbzeit, bei dem Christoph Anton als hängende Spitze agierte und den Gegner im Zusammenspiel mit Marco Quotschalla mit frühem Anlaufen unter Druck setzte. Im zweiten Durchgang kehrte Seitz dann zum gewohnten 4-2-3-1 zurück, mit dem das Team im Aufbau mehr Torgefahr entwickelte. Welche Variante er in Elversberg bevorzugt, wollte er nicht verraten. „Mein Trainerkollege muss ja nicht alles schon am Abend zuvor lesen.“ Ob Torge Hollmann nach seiner Gelbsperre wieder in die Innenverteidigung rückt, ließ Seitz ebenso offen.

Roßbach schon im Pokal-Halbfinale – Falls Eintracht Trier am kommenden Mittwoch (17. April) das Pokalspiel bei der SG Mülheim-Kärlich übersteht, würde im Halbfinale Oberligist SV Roßbach/Verscheid warten. Der Titelverteidiger setzte sich mit 2:1 in Wirges durch.

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