SVE: Zwei Standards zur Tabellenführung – Stimmen/Fotos/VIDEO

Aus dem Moselstadion berichten
Andreas Maldener (Text) und Anna Lena Bauer (Fotos)

Am heutigen Samstagmittag hat Fußball-Regionalligist Eintracht Trier im heimischen Moselstadion mit 2:0 gegen den SC Wiedenbrück 2000 gewonnen. Vor 2218 Zuschauern erzielte der Trierer Freistoß-Spezialist Alban Meha beide Treffer für seine Mannschaft, selbstredend nach zwei wunderbar getretenen Standardsituationen. Der heutige Dreier bedeutet nicht nur den ersten Sieg für die Moselstädter gegen eine erste Mannschaft, sondern dank der 1:2-Niederlage des SC Verl gegen Borussia Mönchengladbach II auch die Tabellenführung in der Regionalliga West.

Foto: Torjubel des neuen Spitzenreiters der Regionalliga West!

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey hey!“ hallte es nach Abpfiff durch das mäßig gefüllte Moselstadion. Eintracht Trier hat es tatsächlich geschafft. Das Team von Trainer Roland Seitz hat nicht nur zum ersten Mal nach drei Niederlagen gegen eine erste Mannschaft siegen können. Vielmehr darf die Eintracht sich nun auch Spitzenreiter der Regionalliga West nennen. Schon wenige Minuten vor dem Abpfiff des Spiels feierten die Fans auf der Gegengeraden den Platz an der Sonne mit lauten Sprechchören. Denn zu diesem Zeitpunkt führte die zweite Mannschaft der Fohlen aus Gladbach bereits mit 2:1 gegen den SC Verl, auch ein Unentschieden hätte dem bisherigen Spitzenreiter nicht mehr gereicht.

Die Mannschaft ließ es sich auch nicht nehmen, nach dem Schlusspfiff mit ihren Fans ausgiebig zu feiern. Kapitän Josef Cinar thronte auf dem Zaun der Gegengeraden und stimmte zusammen mit den Fans per Megafon das standesgemäße „Humba“ an. Dass es gerade Cinar war, der so symbolträchtig auf dem Zaun feierte, kam nicht unerwartet. Der Kapitän der Eintracht war nämlich einer der einzigen aus dem aktuellen Kader, der die Schmach, der den sportlichen Abstieg der vergangenen Spielzeit mit all dem Frust der Fans mit ansehen musste. „Es ist natürlich wieder ein geiles Gefühl, mit den Fans zu feiern“, freut sich Cinar nach dem Spiel. Es habe Zeit gebraucht, bis die Nähe und das Vertrauen zu den Fans wieder hergestellt gewesen sei, erklärt der Innenverteidiger:“Wir müssen zuerst ehrliche Arbeit leisten, dann dürfen wir auch wieder mit den Fans zusammen feiern, das ist nur richtig so.“

Auch deswegen kletterte Josef Cinar erst heute auf den Zaun zu den treuen Fans, die genauso wie er selbst in der vergangenen Saison viel durchmachen mussten. Umso schöner feiert es sich aber nun. Seit mehr als drei Jahren wartete Eintracht Trier  auf die Position eins im Tableau. Am 9. September 2007, der Trainer damals hieß Werner Weiß, durften sich die Fans zuletzt über eine Tabellenführung freuen. 2007, zu Zeiten der Oberliga Südwest, siegte der SVE in Hasborn mit 3:1. Heute, ganze drei Jahre, später, war es dann endlich wieder soweit.

Foto: „Josef auf den Zaun, Josef auf den Zaun…“ – so forderten es die Fans. Und der Kapitän kletterte!

Bei so viel Freude ging sogar fast unter, dass der Sieg der Trierer Eintracht gegen den SC Wiedenbrück auf einer, im Vergleich zu den vergangenen Spielen, schwachen Leistung basierte. „Wir hatten heute unsere Probleme und haben nicht gut gespielt, das stimmt“, gibt auch Josef Cinar zu, „doch wir haben die drei Punkte in Trier behalten, das ist in solchen Spielen viel wichtiger für uns.“ In der Tat fand die Eintracht beinahe über die gesamte Spielzeit hinweg kein probates Mittel, die dicht gestaffelte Wiedenbrücker Verteidigung zu durchdringen. SVE-Trainer Roland Seitz, der auf Änderungen in der Startformation gegenüber dem 3:0-Sieg in Bochum gänzlich verzichtete, wusste um die Defensivstärke der Gäste. Vor der groß gewachsenen Viererkette verschaffte die „Doppel-Sechs“ mit Michel Kniat und Moritz Kickermann den Gästen ein ständiges Übergewicht im Mittelfeld, auch bei Ballgewinn blieb der Abwehrriegel nahezu vollständig bestehen. Die Eintracht tat sich gegen diese Formation sehr schwer, versuchte es trotz der klaren Verhältnisse im Mittelfeld zu oft mit der Brechstange, wo spätestens bei einem der Wiedenbrücker „Sechser“ Schluss war.

Aber auch über die Außenbahnen blieb die Gefahr zumeist aus. Vor allem Oliver Mvondo, der vor dem heutigen Spiel von Trainer Seitz eine zweite Chance nach seinem schwachen Auftritt in Bochum bekam, konnte diese nicht nutzen. Ein ums andere Mal scheiterte der quirlige Kameruner an seinem Gegenspieler Mariusz Rogowski, aus dem Mann gegen Mann-Duell ging Mvondo bis auf ein einziges Mal immer als zweiter Sieger hervor.

So begann die Partie auch recht schleppend und träge. Die Eintracht leistete sich im Spiel nach vorne einige Fehlpässe, oft fehlten die Anspielstationen in der Offensive. Dazu kam, dass sich Wiedenbrück als Drittletzer der Tabelle keinesfalls nur auf Defensivarbeit beschränkte, das Team von Trainer Thomas Stratos spielte trotz vieler Fehler im Spielaufbau gefällig nach vorne, doch echte Torgefahr kam selten auf. Auch, weil Wiedenbrück sich gute Torchancen, vor allem nach Kontern, durch schlampige Zuspiele selbst verwehrte. Dennoch gehörte die erste richtige Chance des Spiels den Gästen: In der 18. Spielminute flankte der agile Mariusz Rogowski, der Olivier Mvondo das Leben so oft schwer machte, schön auf Marcel Stiepermann. Doch dessen Kopfball verfehlte das Tor um einen Meter.

Die nächste Situation dann aber auf der anderen Seite. Nachdem Thomas Kraus in aussichtsreicher Position gefoult wurde, schnappt sich Alban Meha das Leder. Die Torentfernung beträgt aus halblinker Position rund 25 Meter. Meha schaut einmal kurz nach oben, Meha läuft an, Meha trifft! Ein genialer Freistoß des Standardspezialisten, mit viel Effet getreten, findet die Kugel den Weg in den Winkel zur 1:0-Führung für die Eintracht. Sebastian Lange im Tor der Gäste konnte trotz riesiger Flugeinlage den Ball nicht mehr erreichen, zu platziert tritt Alban Meha seine gefürchteten Freistöße.

Foto: Wenn Alban Meha zum Freistoß antritt hilft auch die beste Mauer nicht.

Doch auch nach dem Führungstreffer lief weiterhin wenig zusammen bei den Blau-Weißen, Trier gelang es viel zu selten, das Spiel schnell zu machen und die Wiedenbrücker Abwehr in einem Moment der Unordnung zu erwischen. So aber schafften es die Gäste, sich defensiv neu zu sortieren und die Abwehrmauer optimal zu verschließen. Pfiffe erntete kurz vor dem Halbzeit Schiedsrichter Felix Schmitz. Der Unparteiische entschied wenige Sekunden vor Ablauf der ersten 45 Minuten zu recht auf Freistoß aus aussichtsreicher Position für die Eintracht. Doch zum Unverständnis der heimischen Zuschauer pfiff er danach das Spiel ab, ließ den Freistoß nicht mehr ausführen.

Nach der Halbzeitpause wechselt Roland Seizt dann zum ersten Mal aus, für Nico Patschinski, der sich gegen die starke Wiedenbrücker Verteidigung sehr schwer tat, kam Joker Lukas Mössner in die Partie. Nur zehn Minuten später musste auch Olivier Mvondo den Platz verlassen. Nachdem er nach Wiederanpfiff drei weitere Male den Ball vertändelte, blieb Seitz nichts anderes, als den Kameruner auszuwechseln. Für ihn kam Thomas Kempny ins Spiel.

Zwar wurde Trier in der zweiten Halbzeit etwas stärker, doch weiterhin war der Spielaufbau viel zu kompliziert. Auch Pierro Saccone konnte in dieser Phase des Spiels auf der Position des Spielmachers nur selten überzeugen, wie die gesamte Trier Mannschaft war Saccone zu ideenlos, um den tödlichen Pass spielen zu können. Dazu fehlten weiterhin die Anspielstationen in der Spitze, sowohl Thomas Kraus als auch der eingewechselte Lukas Mössner kamen mit der härteren Gangart der Wiedenbrücker nicht zurecht.

Trotz all dieser Ruckler hätte die Eintracht in der 62. Spielminute mit 2:0 in Führung gehen müssen. Nachdem Thomas Kraus seinen Namenskollegen Thomas Kempny per Steilpass auf die Reise geschickt hatte, zog dieser schön Richtung Strafraumeck, wo er den Blick für den völlig blank stehenden Lukas Mössner hatte. Das Zuspiel kommt wunderbar, doch Mössner vergab die klarste Torchance dieser zweiten Halbzeit kläglich.

Unruhe kam erst wieder auf, als Alban Meha in zentraler Position vor dem Wiedenbrücker Tor von Michel Kniat zu Fall gebracht wurde und Schiedsrichter Schmitz auf Freistoß entschied. Viele Zuschauer prognostizierten das 2:0, und der Kosovare Meha enttäuschte sie nicht. Erneut aus 25 Metern Torentfernung, aus nahezu identischer Situation wie beim 1:0, zirkelt Meha den Ball perfekt in den Winkel. Das 2:0 für die Eintracht, Freistoßass Meha hatte erneut zugeschlagen und mit seinen zwei Treffern ein mittelprächtiges Regionalligaspiel mit wenigen Torraumszenen nahezu im Alleingang entschieden.

„Der Gegner hat es uns heute sehr schwer gemacht,die Räume waren sehr eng und so konnten wir nicht den Fußball spielen, den wir wollten“, bilanziert Roland Seitz nach dem Spiel die Leistung seiner Mannschaft. Die Tabellenführung seiner Mannschaft freut den Trainer natürlich, er weiß diese Position aber deutlich zu relativieren:“Dass wir Tabellenführer sind tut uns allen sehr gut und ist natürlich auch toll für die Fans. Aber gehen sie Mal die letzten drei oder vier Spieltage zurück. Schalke, Lotte und Verl waren Erster und sind jetzt nicht mehr vorne. Wir haben jetzt die 20-Punkte-Hürde übersprungen, jetzt gehen wir die 30 Punkte an. Wir genießen diese Situation aber dennoch und wollen auch nächste Woche wieder punkten.“

Foto: Die Erleichterung nach Mehas 2:0 war sichtlich groß beim Trainergespann.

Seitz Trainerkollege und Gegenüber Thomas Stratos konnte sich über das Lob, das seiner Mannschaft trotz der Niederlage entgegengebracht wurde, nicht freuen:“Es ist wie jede Woche. Wir machen hinten die Fehler und sind vorne nicht durchschlagskräftig genug. Es ist einfach enttäuschend.“ Doch als Aufsteiger gibt Stratos das Team keinesfalls auf, für ihn und seine Jungs „geht es am Montag wieder genauso weiter wie in den vergangenen Wochen.“

STATISTIK

Eintracht Trier: Poggenborg – Hollmann, Drescher, Cinar, Cozza – Kohler, Saccone (ab 77. Bachl-Staudinger), Meha, Mvondo (ab 55. Kempny) – Patschinski (ab 46. Mössner), Kraus

SC Wiedenbrück 2000: Lange – Degelmann, Kniat, Hollmeier, Hofbüker – Rogowski, Güraslan (verletzungsbedingt ab 22. Jansen), Stiepermann, Kickermann (ab 70. Arslan), Mainka – Dayangan (ab 75. Erkaya)

Tore: 1:0 Meha (27.), 2:0 Meha (84.)

Schiedsrichter: Felix Schmitz (Xanten)

Zuschauer: 2218

Bes. Vorkommnisse: Gelb-Rote Karte Hofbüker (88.) wegen wiederholtem Foulspiels

Foto-Galerie (klicken für groß):

Die VIDEO-Stimmen zum Spiel

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Kommentare (4)

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  1. Trierer sagt:

    Meha hat den GOLDFUSS!!! Ich bin BEGEISTERT!!! das könnte klappen!!!

  2. Wir wollen Meha davon sagt:

    Das Spiel würde ich unter „mittelmäßig“ abheften. Aber es war toll zu sehen, daß wir in der Lage sind auch mal so ein „Schweinespiel“ zu gewinnen. Spitzenreiter ist zwar schön zu lesen, aber das ist eine Momentsache, die man auch mal feiern kann. Kaufen kann man sich aber dafür noch gar nichts.Nächste Woche steht das nächste „Schweinespiel“ an.Bis dahin gilt Kraft tanken und ausruhen, damit die benötigte Frische wieder da ist. Laßt den Seitz in Ruhe arbeiten und nervt den nicht immer mit den Aufstiegsfragen! Glaube wirklich der weiß was er macht!!

  3. Piggi sagt:

    Spitzenreiter! Spitzenreiter! Hey! Hey!

    Dieser Tag geht hoffentlich nächste Woche Samstag weiter:-)

  4. Siggi sagt:

    So ein Tag, so wunderschön wie heute – so ein Tag, der dürfte nie vergehn! 🙂

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