Kein Sieger im Derby – 2:2 gegen Koblenz

Von Stephen Weber (Text), Anna Lena Grasmück (Fotos), Florian Schlecht & Holger Görgen (Video)

In der zweiten Halbzeit wurde es ein richtiges Derby. Vier Tore, zwei Elfmeter und zwei rote Karten standen im zweiten Spielabschnitt bei Schiedsrichter Christian Dingert auf dem Spielbogen. Eintracht Trier und die TuS Koblenz trennten sich in einem spannenden, aber fußballerisch überschaubarem Kräftemessen mit 2:2 (0:0)-Unentschieden.

Kröner traf für Eintracht Trier zum 1:0. Foto: www.5vier.de

„Da war heute heute alles dabei, was bei einem Derby dazugehört. Mit einer Punkteteilung, die sicher für beide Mannschaften in Ordnung geht“, resümierte SVE-Coach Roland Seitz nach Spielende. In den Stunden davor musste er mit seiner Mannschaft gegen einige Rückschläge ankämpfen, um nach 90 gespielten Minuten mit einem Punktgewinn die Heimreise antreten zu können.

Im Vergleich zum vergangenen Mittwoch, als die Trierer den Liga-Konkurrenten Waldhof Mannheim mit 1:0 bezwangen, änderte Seitz im Zuge des Ausfalls von Torjäger Chhunly Pagenburg seine Formation von einem offensiveren 4-4-2 in das bewährte 4-2-3-1-System um. Für den indisponierten Stürmer rotierte Mittelfeldstratege Mario Klinger in die Anfangself. Der geplante Einsatz der etatmäßigen Nummer Zwei, Andreas Lengsfeld, zerschlug sich hingegen unmittelbar vor Anpfiff. Der Keeper kugelte sich unglücklich beim Warmmachen den kleinen Finger an der rechten Hand aus und musste kurzfristig Stephan Loboué weichen.

Guter Start, schwacher Ausklang

Die Partie wurde angestoßen und in den ersten zehn Minuten war auch dort Derby drin, wo Derby draufstand – mit einem Chancenplus für die Hausherren. Bereits in der zweiten Minute drehte Koblenz‘ Thomas Gentner einen Freistoß, nach rüdem Foul von Torge Hollmann, das mit gelb geahndet wurde, von der Strafraumkante in den Trierer Sechzehner, in dem Stefan Haben mit einem wuchtigen Kopfstoß sein Ziel nur knapp verfehlte. Kurz darauf setzte sich der frühere Moselstädter Thomas Klasen in einer sehenswerten Soloaktion auf dem linken Flügel geschickt gegen Fouad Brighache und Michael Dingels durch und fand mit seiner Flanke Mitspieler Jerome Assauer. Allerdings verpuffte dessen Schussversuch wirkungslos (6.).

Den Höhepunkt des Offensivschwungs der TuS stellte ein Pass von Dimitros Ferfelis sekundengenau in die gegnerische Schnittstelle auf Außenläufer Klasen dar, der im Strafraum direkt abzog und Loboué zu seiner ersten Rettungstat des Tages zwang (10.). Danach verlor das Spiel jedoch spürbar an Energie. Koblenz konnte das hohe Tempo der ersten Minuten nicht aufrecht erhalten und die Eintracht fand im Offensivspiel mehr oder weniger nicht statt. Seitz zu dem Auftritt seiner Truppe in der ersten Hälfte: „Koblenz war zu Beginn stark und wir hatten Probleme mit ihrem aggressiven Auftreten. Irgendwann haben wir uns dann besser auf die schwierigen Plätzverhältnisse eingestellt und sind beweglicher in die Partie gekommen.“

Aber: Lediglich eine gelungene Aktion von Christoph Anton erzeugte Torgefahr, als er sich nach einem langen Ball von Steven Kröner auf dem linken Flügel gegen Bewacher Daniel Bartsch durchsetze und das Spielgerät mit viel Verve auf das Tor lenkte. Doch Schlussmann Dieter Pauken parierte den Ball gen Ecke (27.). Ansonsten fabrizierten beide Teams wenig Zählbares im ersten Spielabschnitt und nur die vier gelben Kartons (drei für Trier, einer für Koblenz) ließen ein wenig Derby-Charakter aufblitzen. So blieb die Partie bis zur Halbzeitpause torlos und ließ die Anhänger in dem Wissen zurück, dass noch viel Luft nach oben vorhanden sei.

Endlich Action

All das, was die erste Halbzeit vermissen ließ, fand Einlass in die Anfangsphase des zweiten Spielabschnitts. Die blau-schwarz-weiße Eintracht trug ihren ersten Angriff in die neue Spielrichtung vor und wurde prompt mit einem Tor belohnt. Nach einem zu heftigen Einsteigen gegen Fouad Brighache zirkelte der Mann für die ruhenden Bälle, Alon Abelski, einen Freistoß von rechts in den Sechzehner der Gastgeber. Und wie am vergangenen Mittwoch war es Steven Kröner, der dank eines gelungenen Kopfballs in das lange Eck den 1:0-Führungstreffer bejubeln durfte (47.).

Die Antwort der Koblenzer ließ jedoch nicht lange auf sich warten. 120 Sekunden später überlupfte Jerome Assauer die gesamte Trierer Verteidigung und Klasen stürmte frei auf Torhüter Loboué zu. Der Deutsch-Ivorer wusste sich nur mit einem Foulspiel zu behelfen, was Schiedsrichter Christian Dingert mit einem Elfmeter und einer roten Karte abstrafte. Eine harte Entscheidung. Für den des Feldes verwiesenen Keeper kam Lengsfeld in die Partie, der trotz kaputten Fingers auflaufen musste. Den fälligen Strafstoß verwandelte Ferfelis zum 1:1-Ausgleich (54.).

Kurz darauf der nächste Kanonendonner. Eckball für die TuS von links, getreten von Johannes Göderz, Lengsfeld konnte nicht energisch genug klären und der Ball landete zentral vor den Füßen von Kevin Lahn. Der Mittelfeldspieler fasste sich ein Herz und beförderte das Spielgerät flach in die linke Torwartecke zum 2:1 der Platzherren (58.). Spiel gedreht.

Doch erneut war es eine strittige rote Karte, die das Resultat wieder egalisierte. Nach einem Eckball von Trier kam der Koblenzer Abwehrrecke Murat Sejdovic beim Klärungsversuch mit der Hand an den Ball. Referee Dingert entschied sofort auf Elfmeter und rote Karte für den Verteidiger. Der neue SVE-Scharfschütze Marco Quotschalla verwertete den anschließenden Elfer zum 2:2-Ausgleich (65.). „Das war wichtig für uns und hat uns wieder ins Spiel gebracht. Allerdings hätten wir im Anschluss die Partie gewinnen müssen“, kommentierte Seitz die Szene zum Einstand.

In der Schlussphase hatten beide Teams dann nicht mehr den unbedingten Willen zum Sieg. Bloß ein Kopfball von Erdogan Yesilyurt, der die Latte touchierte, ließ die rund 2700 Zuschauer kurz zusammenzucken (87.) – ebenso wie ein Kopfstoß von Michael Dingels Sekunden vor dem Abpfiff (94.). Es blieb beim 2:2 in einem packenden, aber nicht immer hochklassigen rheinland-pfälzischen Derby zwischen Trier und Koblenz. Ein Ergebnis, das den SVE-Coach zufrieden stimmte: „Großes Lob an meine Mannschaft, wenn man überlegt, was in den 90 Minuten alles passiert ist. Mit dem Resultat kann man zufrieden sein.“

Statistik & Note

TuS Koblenz: Paucken – Bartsch, Sejdovic, Haben, Gentner – Hadzic, Göderz – Lahn (75. Yildiz), Ferfelis (68. Klappert), Klasen (90. Eberhardt) – Assauer

Eintracht Trier: Loboué (Note 3) – Brighache (4), Hollmann (2,5), Dingels (2,5), Zittlau (3) – Kröner (2,5), Klinger (38. Watzka (3,5)) – Yesilyurt (2,5), Abelski (3), Anton (3) (51. Lengsfeld (2,5)) – Quotschalla (2,5) (89. Sözen)

Spieler des Spiels: Andreas Lengsfeld – Der eisenharte Keeper der Eintracht stand ab der 51. Minute mit taubem kleinen Finger im Tor und machte seine Sache trotzdem gut. Bei den beiden Gegentoren war auch er machtlos.

Tore:
0:1 Steven Kröner (47.)
1:1 Dimitros Ferfelis (54., Foulelfmeter)
2:1 Kevin Lahn (58.)
2:2 Marco Quotschalla (65., Handelfmeter)

Zuschauer: 2711

Schiedsrichter: Christian Dingert (Burglichtenberg)

Das VIDEO zum Spiel

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