Kickerkönig Seitz, ein Ailton-Scherz und 15.000 Euro

Von Florian Schlecht

Trainer Roland Seitz hat sich beim Sponsorenabend als ein Ass beim Tischfußball erwiesen. Den gewonnenen Paris-Ausflug braucht er nicht – er hofft eher auf Neuzugänge. Das Fankonto steht nun bei 15.000 Euro. Am Samstag sollen im Testspiel bei Borussia Neunkirchen zwei Talente vorspielen (14 Uhr).

Roland Seitz und Aufsichtsratschef Frank Natus siegten beim Kicker-Turnier beim Sponsorentreffen.

Erschöpft, ausgelaugt und glücklich saßen viele Mitglieder des Supporters Club Trier (SCT) am Mittwoch um 23.58 Uhr auf Stühlen im Pentahotel, wo für ein Kicker-Turnier beim Sponsorentreffen extra eine Tribüne aufgebaut wurde. „Geschafft“, murmelten sie leise, es wurde sich umarmt und gedrückt. Einen Tag vor dem ursprünglichen Ablauf der Spendenaktion für einen Neuzugang liegen ganze 15.000 Euro auf dem Konto, ein Traumwert. Die Sammelaktionen im Hotel brachten noch einiges ein, am Freitag läuft bei Ebay die Auktion mit einem von der Mannschaft unterschriebenen Trikot aus, Überweisungen werden nach wie vor angenommen, am Samstag geht der SCT von 11 bis 16 Uhr noch in die Innenstadt. Die Mission, einen Offensivspieler zu finanzieren, steht vor einem erfolgreichen Abschluss. Und vielleicht, so die latente Hoffnung des Abends, klappt es sogar mit der Verpflichtung von zwei Spielern, die Eintracht Trier im Aufstiegskampf zur 3. Liga unterstützen sollen.

Eine Vorentscheidung fällt möglicherweise am Wochenende, wenn der Fußball-Regionalligist bei Borussia Neunkirchen zum Testspiel antritt (Samstag, 14 Uhr), das auf dem Kunstrasen am Ellenfeld ausgetragen wird. Dann sollen die Testspieler Erdogan Yesilyurt (Arminia Bielefeld) und Khalid Lahyani (Bayern Alzenau) mitwirken. Die 19-jährigen Talente buhlen um den Posten für eine Verstärkung auf den offensiven Außenbahnen. Trainer Roland Seitz hält sich bedeckt, wenn es um ein Urteil über die Spieler geht. „Wir holen nur einen, wenn ich zu 100 Prozent überzeugt von ihm bin.“ Beeindruckt war der Oberpfälzer bislang immerhin vom Einsatz des Duos, er spricht ihnen fußballerische Qualität zu – und weiß, dass ein Youngster den finanziellen Rahmen nicht sprengen würde. Denn vielleicht wäre dann noch Platz für einen Stürmer. Wobei hier auch die Frage reinspielt, ob der in die Rheinlandliga versetzte Narciso Lubasa bis zum 31. Januar noch einen Verein findet.

Pendeln zwischen Bitburg, Mehring und Kenn

Ein neues Gesicht würde dem Regionalligisten aber gut tun, um das Rennen um die Relegationsplätze selbstbewusster angehen zu können. Durch die Wintervorbereitung zieht sich bislang eine personelle Misere. Torjäger Chhunly Pagenburg hat wegen Adduktorenproblemen seit einer Woche nicht trainiert, ebenso wie Alon Abelski, der eine Entzündung im Bereich der Achillessehne hat. Steven Lewerenz (Foto) schmerzt ein Überbein an der Kapsel des großen Zehs. Eine Operation, die ihn wochenlang außer Gefecht setzen würde, wird vermieden. So ist Schongang angesagt.

„Damit fehlt schon unser Offensiv-Herzstück“, grummelt Seitz, bei dem auch Baldo di Gregorio, Mario Klinger, Fahrudin Kuduzovic und der lange verletzte Christoph Anton noch Trainingsrückstand haben. Nicht zuletzt pendeln die Trierer derzeit permanent zwischen Bitburg, Mehring und Kenn, spielen dort gelegentlich auf E-Jugend-Tore, um schneefrei arbeiten zu können.

„Die Veranstaltung war Bundesliga“

Die Probleme waren beim Sponsorenabend weit im Hintergrund. Und das war gut so. Es war ein gelungener Abend, an dem viel gelacht und gescherzt wurde. „Die Veranstaltung war 2. Bundesliga, wenn nicht Bundesliga“, schwärmte Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi von dem Event mit über 100 Gästen. So gab es ein Tischfußballturnier, bei dem 32 Mannschaften mit je zwei Teilnehmern mitkickten, die sich bunt aus Trainern, Vorstand, Spielern, Gönnern und Fans mischten. Das Pentahotel, das um den Fanbeauftragten und Küchenchef Thomas Metzger ein großes Buffet anbot, hatte dafür 16 Kicker-Tische in einem großen Saal aufgebaut.

So gab es umkämpfte Spiele, bei denen am Ende des Abends Trainer Seitz mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Frank Natus der strahlende Sieger war. Und das in vielen engen Spielen. Erst demonstrierte der Coach, dass er im Vergleich zu Chhunly Pagenburg der torgefährlichere Tischfußballer war und behielt dann auch gegen Kapitän Fouad Brighache die Nase vorne. Brisant wurde es im Achtelfinale, als die Gegner Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi und Aufsichtsratsmitglied Alexander Bergweiler waren. Nach einem 0:3-Rückstand gewann das Traumduo Seitz und Natus noch mit 10:4. „Jurist bleibt Jurist“, flachste Wilhelmi anschließend in Richtung seines Mitspielers, der Anwalt ist. „Mein Sturmpartner hat klar versagt. Wenn in der Vorrunde 24 von 27 Toren aus der Abwehr fallen, ist das doch offensichtlich.“

Auch Trainer Seitz bekam von Wilhelmi einen spaßigen Seitenhieb ab. „Roland ist der unfairste Spieler des Turniers“, lachte Wilhelmi, weil der Trainer den Ball nach Toren immer in der Mitte einwarf – anstatt in der Abwehr, wie in den Regeln vereinbart. „So habe ich in Bayern immer gespielt“, ließ sich der Oberpfälzer Seitz nicht beirren. Das zeigte er eindrucksvoll im Finale, das mit 10:6 gegen Michael Grasmück (Polybytes) und Erwin Kellendonk (XXL-Wall) gewonnen wurde. „Jetzt gibt es vier Tage trainingsfrei“, hoffte Pagenburg mit einem Augenzwinkern. „Für mich vielleicht“, entgegnete der Trainer, der mit Natus eine Fahrt nach Paris gewann. Die überließ Seitz aber dem Aufsichtsratschef. Auf seiner Wunschliste steht eher ein neuer Spieler.

Ailton, das machte der Trainer deutlich, hat dabei nur wenig Chancen. Denn auf dem Fankonto für einen Neuzugang ging auch eine Spende von einem Euro ein, bei der als Kontobesitzer der Künstlername des Brasilianers angegeben war. Ob es wirklich der Bundesliga-Torschützenkönig von 2004 und momentane Stürmer von Hassia Bingen war, der sich da anbot, ist unwahrscheinlich. Im Verwendungszweck stand: „Holt mich. Ich bin mir wirklich für nix zu schade.“ Immerhin: So hat die Fanaktion zum (Beinahe-)Abschluss noch einen echten Lacher gehabt.

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Kommentare (2)

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  1. Hans sagt:

    Super Vorschlag, dann kann Odonkor für das gesammelte Geld ja immerhin 1 Spiel, optional 5 Trainingseinheiten mitmachen. Voraussetzung ist natürlich, dass sein jetziger Verein auf eine Ablöse komplett verzichtet. Sollte man mal anfragen…

  2. wer die medien verfolgt, der weis, das david okondor , zurück nach deutschland will, wenn er ein seriöses angebot aus deutshland bekommt, warum können wir, sprich eintrachttrier ihm eine vertragsangebot zukommen lassen? wäre doch sicher ein versuch wert , denn er sucht ein domizil für sich und seine familie, hierfür würde sich doch trier und umgebung anbieten und es hätte noch andere vorteile für den verein, 1. ein werbeträger von format 2. größere zuschauerresonans , 3. hier müßte sich die sportliche leitung einmal klar äußern, wo der zug in zukunft hin soll, um aus dieser gurkenliga rauszukommen , wäre doch ein versuch wertoder?

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