Eintracht Trier: Malocher-Sieg in der Malocher-Hochburg / VIDEO

Eintracht Trier siegt 2:0 bei Dortmund II und überzeugt erstmals über 90 Minuten / Hollmann fällt mit Innenbandriss mehrere Wochen aus / Pollok auf der Tribüne / VIDEO-Stimmen

Nach dem 1:0 war der Jubel bei der Eintracht riesengroß.

Es wurde geredet, es wurden Videos analysiert. Die Wahrheit lag wie so oft auf dem Platz. Und da gab Eintracht Trier nach reichlich Kritik die richtige Antwort. 2:0 siegten die kampfstarken Moselstädter bei Borussia Dortmund II durch Tore von Denny Herzig (5.) und Fahrudin Kuduzovic (45., Foulelfmeter) – und sind damit für mindestens eine Nacht wieder Tabellenführer. Überschattet wurde der Erfolg von der Verletzung von Torge Hollmann – der Kapitän fällt mit einer Innenbandverletzung einige Wochen aus.

Es weht ein Hauch von Historie durch die gewaltigen Katakomben von Borussia Dortmund. Ganz in der Nähe, wo der Mannschaftsbus von Eintracht Trier parkte und die Spieler ihren Familien am Handy die frohe Kunde vom 2:0-Sieg bei der Regionalliga-Reserve verkündeten, da hängen große Plakate an den Wänden. Sie sind das Vermächtnis, die Tradition von Borussia Dortmund. Es sind Bilder, die mehr als tausend Worte über die Geschichte des Vereins verraten. Da hebt Lars Ricken 1997 den Champions-League-Pokal in den Abendhimmel von München, ein bärtiger Michael Zorc stemmt selbstbewusst die Meisterschale in die Höhe. Bei den Männern vom Borsigplatz waren Kampf und Einsatz immer die ehrlichsten Tugenden, mit denen die größten Erfolge erzielt wurden. Ausgerechnet hier, wenige Meter von diesen Plakaten entfernt, stand Andre Poggenborg mit einem stolzen Lächeln im Gesicht und sprach von einem „Arbeitssieg“. Der Torhüter der Eintracht war damit beschäftigt, sich mit einem blauen Handtuch die Haare trocken zu wischen, die nach dem Unwetter über ihm klitschnass waren. „Die haben wir wegmalocht“, freute er sich diebisch und verschwand in der Kabine.

Trainer Roland Seitz wirkte bis zur letzten Minute angespannt.

Es war keine einfache Woche für die Spieler von Eintracht Trier. Die Kritik nach der 1:2-Heimpleite gegen Schalke 04 II nagte in den Köpfen, die fehlende Konstanz über 90 Minuten war der Dauerbrenner in den Diskussionen. Eine Video-Analyse führte den Trierern noch einmal die enttäuschende erste Halbzeit vor Augen. „Wer ehrlich mit sich selber war“, so Trainer Roland Seitz, „der wusste, dass meine kritischen Worte durchaus sachlich gewählt waren“. Die Mannschaft nahm den Gegenwind auf – und setzte in Dortmund ein großes Ausrufezeichen.

„Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute gekämpft“, strahlte Cataldo Cozza. „Das ist die Qualität, die uns auch im letzten Jahr ausgezeichnet hat.“ Andre Poggenborg wurde noch deutlicher. „Jeder hat sich den Arsch aufgerissen.“

Dabei gab es unmittelbar vor dem wegweisenden Spiel einen herben Rückschlag. Kapitän Torge Hollmann verletzte sich im Abschlusstraining, über Nacht schwoll das lädierte Knie erneut an, ein Einsatz war unmöglich, der Verteidiger fuhr nach Hause. „Es sieht nach einer Innenbandverletzung aus“, meinte Seitz. Ein wochenlanger Ausfall des Führungsspielers ist seit heute Abend leider Gewissheit.

Doch Ersatzmann Denny Herzig, der vom defensiven Mittelfeld in die Viererkette rückte, erledigte seine Hausaufgaben mehr als zuverlässig. In der Defensive war er mit Oliver Stang der Fels in der Brandung, dazu sorgte er mit seinem Führungstreffer früh für Selbstbewusstsein. Eine Eckball-Variante, die eine Flanke von Thomas Drescher und eine Kopfball-Weitergabe von Ahmed Kulabas umfasste, drückte Herzig über die Linie zum 0:1 (5.). „Wir waren früh präsent, haben durch Standards Gefahr erzeugt“, war das Konzept von Seitz aufgegangen.

Er stürmte heute zusammen mit Kollege und Freund Chhunly Pagenburg - Ahmet Kulabas im Zweikampf.

Danach übernahm Dortmund das Kommando, das mit Linksverteidiger Chris Löwe verstärkt wurde, der in der Bundesliga-Mannschaft noch gegen den HSV und in Hoffenheim spielte. Ballsicher und schnell wirbelte der BVB mit seiner jungen Garde über das Feld. Doch was sich als gewaltige Angriffswelle auftürmte, wurde vor dem Eintracht-Strafraum oft zum Sturm im Wasserglas. Es fehlten die Bälle, um Torjäger Terrence Boyd in Szene zu setzen. Und vielleicht auch die Räume, die von Trier zugestellt wurden. „Vielleicht war Dortmund zu leichtfertig, vielleicht haben wir auch einfach gut verteidigt“, fasste Seitz zusammen. Das Korsett, das seine disziplinierte Mannschaft Dortmund im letzten Drittel vor dem Tor anlegte, war wirkungsvoll.

Und mit Cleverness sorgte die Eintracht noch vor der Pause für die Entscheidung. Johannes Focher hatte Pech, als er Martin Hauswald mit dem Halbzeit-Pfiff erwischte. Es war die Schlüsselszene des Spiels. Der BVB-Torwart wollte den Ball wegfausten, doch weil Hauswald schneller war, sich das Leder mit dem Kopf flink vorlegte, landete die Faust von Focher fast in Klitschko-Manier im Gesicht des Trierers. Der Keeper flog vom Platz. Und als er auf dem Weg in die Kabine lautstark gegen Absperrungen trat, verwandelte Fahrudin Kuduzovic locker vom Punkt (45.).

Im zweiten Durchgang passierte nicht mehr viel. Dortmund drückte wirkungslos, die Eintracht beschränkte sich auf geschickte Verteidigung, schonte ihre Kräfte für das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf II am Dienstag. Die wenigen Konter waren für Seitz aber ein wichtiges Haar in der Suppe. „In Überzahl muss da mehr rausspringen.“ Lediglich der eingewechselte Holger Knartz vergab die Möglichkeit zum dritten Treffer (90.). „Wir haben es gut verwaltet, sind nun in drei von vier Spielen ohne Gegentreffer geblieben“, war der Trainer aber positiv gestimmt. „So kann es weitergehen.“

Sie kamen mit etwas Verspätung ins Stadion Rote Erde, machten dann aber richtig Stimmung - die Fans von Eintracht Trier.

Abzuwarten bleibt, ob die Eintracht im Sturm neben dem fleißigen Duo Pagenburg/Kulabas noch weitere Verstärkung aufbieten kann. Inwieweit es zu interpretieren ist, dass Wojciech Pollok von Preußen Münster direkt neben Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi und Geschäftsführer Dirk Jacobs saß, werden die Tage weisen. „Wir waren vor einigen Jahren mal an ihm dran, als er noch in Wilhelmshaven spielte. Hier haben wir uns zufällig getroffen“, sagte Wilhelmi. Es werden weiter spannende Tage an der Mosel.

Statistik

Borussia Dortmund II – Eintracht Trier 0:2 (0:2)

Dortmund: Focher – Hübner, Halstenberg, Hornschuh, Löwe (85. Soltanpour) – Paurevic, Vrancic, Baykan (80. Benatelli) – Möllering (45. Alomerovic), Hofmann – Boyd.

Trier: Poggenborg – Cozza, Stang, Herzig, Drescher – Karikari – Kraus, Kuduzovic (66. Abelski), Hauswald (88. Zittlau) – Pagenburg (72. Knartz), Kulabas.

Tore: 0:1 Herzig (5.), 0:2 Kuduzovic (45., Foulelfmeter).

Rote Karte: Focher (45., Notbremse).

Zuschauer: 757.

Die VIDEO-Stimmen

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Kommentare (2)

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  1. Mission Wiederaufstieg 2011 sagt:

    ja das mit torge ist echt schade.aber die mannschaft ist so stark und gefestigt das schafen die auch ohne capitano torge.aber es muss jetzt gegen fortuna düsseldorf 2 direkt wieder ein 3er her.deshalb jungs weiter so .wer so spielstarke mannschaften wie den bvb2 schlägt und das auswärts spielt oben mit!

    ganz starke und kämpferische mannschaftsleistung , bitte am dienstag genau so weiter machen!

  2. Eintrachtler sagt:

    Das mit Hollmann ist wirklich schade. Er ist ein wichtiger Spieler. Allerdings bin ich echt beruhigt, dass Stang und Herzig ihren Part so gut gemacht haben. Ich denke, wir können den Ausfall unseres Kapitäns verschmerzen – auch wenn es echt bitter ist.

    Gute Besserung, Torge. Werde schnell wieder fit. Wenn wir Hamburg aus dem Pokal schmeißen, bist Du wieder dabei! 🙂

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