Eintracht Trier: Patsche als Hrubesch – Alban Meha im Interview

Von Andreas Maldener und
Anna Lena Bauer (Fotos)

Vormittagstraining bei Regionalligist Eintracht Trier. Zwei Tage vor dem interessanten Spiel gegen die Zweitvertretung des FC Schalke 04, den aktuellen Tabellenführer, bittet Cheftrainer Roland Seitz seine Mannen gleich zwei Mal am Tag zum Schwitzen auf den Nebenplatz des Moselstadions.

Foto: Hatten Spaß beim Training: Coach Roland Seitz, Alban Meha, Olivier Mvondo und Thomas Kraus.

An diesem Mittwochmorgen, der für die einsetzenden herbstlichen Verhältnisse in Trier noch äußerst sonnig und warm war, trabten pünktlich um 10.30 Uhr neun Mannen über das Grün der Sportanlage direkt neben dem Moselstadion, wo am Freitag der nächste Dreier eingefahren werden soll. Neun Mannen? Richtig gelesen! Denn Coach Seitz setzt auf eine Trennung der Abteilungen in seiner Mannschaft. Das morgentliche Training bestreitet lediglich der offensive Part des Kaders, heute Nachmittag um 15 Uhr werden dann Josef Cinar, Torge Hollmann und deren Defensivkollegen trainieren. Diese Trennung gibt Seitz die Möglichkeit, noch genauer auf die jeweiligen Bereiche seiner Mannschaft eingehen zu können, taktische Maßnahmen noch akribischer schulen zu können.

Und so machten sich an diesem Vormittag Thomas Kraus, Nico Patschinski, Lukas Mössner, Olivier Mvondo, Pierro Saccone und Alban Meha auf zum Training. Tolgay Asma hingegen musste heute pausieren, laut Vereinsarzt Dr. Peter Krapf erlitt der Offensivspieler eine Zerrung am hinteren Wadenbeinköpfchen, eine Untersuchung am Nachmittag soll ans Licht bringen, ob Asma am Freitagabend auflaufen kann.

Wenn Stürmer trainieren, dürfen die Torverhinderer natürlich nicht fehlen. Die beiden Torhüter André Poggenborg und Andreas Lengsfeld waren selbstverständlich auch dabei. Für André Poggenborg sind die letzten Trainingseinheiten vor dem Spiel am Freitag besonders wichtig, denn „Pogge“ – so wird der 27-jährige, der in der Sommerpause von Ligakonkurrent Lotte an die Mosel wechselte, liebevoll von seinen Mitspielern genannt – wird gegen die kleinen Knappen zum ersten Mal von Beginn an zwischen den Pfosten der Eintracht stehen. Lange Zeit war Poggenborg verletzt, wegen einer Zehenfraktur vor Saisonbeginn musste er pausieren und Andreas Lengsfeld den Vortritt im Tor lassen. Doch nach Lengsfelds roter Karte nach nur zwei Minuten im Spiel am vergangenen Samstag in Lotte ist die Zeit gekommen für Poggenborg, der Roland Seitz jetzt auch beweisen will, dass er die Nummer eins bleiben will. Ein spannendes Duell der beiden Keeper steht auf jeden Fall unmittelbar bevor.

Doch von einem echten Konkurrenzkampf ist bisher keine Spur. Der gesamte Kader der Eintracht scheint hervorragend zu harmonieren, auch während der heutigen Trainingseinheit wurde wieder einmal viel gelacht und gescherzt. Dennoch liegt den Spielern die bittere 0:2-Niederlage in Lotte noch schwer im Magen. „Ausschlaggebend war die rote Karte gleich nach zwei Minuten, und dann mit nur zehn Mann in Lotte zu spielen war schon schwer“, beschreibt Alban Meha, der linke Flügelflitzer der Eintracht, die Niederlage. Aber Meha übt auch Kritik am eigenen Spiel:“Vor allem haben wir dann auch nicht wirklich Fußball gespielt und viele lange Bälle gespielt. Gegen die großen Innenverteidiger war es dann sehr schwer, nach vorne irgendwas zu machen.“ Der 24-jährige ist sich aber sicher, dass die Mannschaft das Spiel abgehakt hat und bereit ist für den Tabellenführer aus dem Ruhrpott:“Wir freuen uns jetzt einfach wieder am Freitag hier ein Spiel zu haben und das wieder viele Zuschauer kommen. Wir haben damals, als wir gegen Wuppertal und in Münster verloren haben, hier auch ein Zeichen gesetzt und genauso hoffen wir, dass es am Freitag wieder klappt.“

Und damit am Freitag nach 90 Minuten auch ein Sieg gefeiert werden kann, schuftete die Sturmabteilung des SVE an diesem Morgen auch rund 90 Minuten. Dass die Stimmung gelöst ist, merkt man schon beim lockeren Warmspielen in einer kleinen abgegrenzten Ecke am Rande des Spielfeldes: Der Trainer spielt selbst mit, auch wenn er seinen Spielern mit einem schelmischen Lächeln zu bedenken gibt, ihm die Bälle in den Fuß zu spielen. Passiert das einmal nicht, wie nach einem Pass von Nico Patschinski, und Seitz muss sich strecken, witzelt der Coach:“Patsche, die dritte Adduktorenzerrung war das jetzt.“ Sowieso war es heute Altmeister Nico Patschinski, der für die Scherze des Trainers herhalten musste. Beim Kopfballtraining wirft Seitz Patschinski einen Ball zu und ruft:“Komm Hrubesch, mach das Ding.“ Seitz hat die Lacher auf seiner Seite, der Vergleich zwischen Patschinski und dem ehemaligen Kopfballungeheuer Horst Hrubesch sorgt sogar beim Altmeister persönlich für ein breites Grinsen. Der Spaß kommt keinesfalls zu kurz im Training der Eintracht, doch Roland Seitz arbeitet auch äußerst diszipliniert mit seinen Jungs. Viele Übungen unterbricht der Übungsleiter mehrfach, um sich neben den roten Plastik-Verteidigern zu postieren und seinen Schützlingen die Fehler aufzuzeigen, die gemacht wurden. Er scheut sich auch nicht, Übungen selbst zu präsentieren und dabei jeden seiner Schritte zu kommentieren. Seitz ist mit Leidenschaft Trainer, das merkt man bei jeder Trainingseinheit. Und diese Leidenschaft überträgt sich schnell auf die Spieler, keiner murrt, niemand beschwert sich.

Mit dabei auf dem Nebenplatz des Moselstadions war an diesem Morgen auch Alban Meha. Schon von weitem erkennt man den 24-jährigen an seinen knallgelben Schuhen. Es sind exakt die Schuhe, mit denen Meha den Verantwortlichen des Vereins, dem Trainerstab und allen voran den treuen Eintracht-Anhängern schon so viel Freude bereitet hat in der noch jungen Saison. Der beidfüssige Mittelfeldallrounder Meha ist ausgewiesener Freistoßspezialist. Sein Können ist dermaßen entzückend, dass sich auf der Internetplattform Youtube sogar Videos von seinen Freistoßtoren aus Reutlinger Zeiten befinden. Und auch in Trier hat es sich schnell herumgesprochen, dass der im Kosovo geborene Meha ein Meister seines Faches ist. Im offiziellen Internetforum des Vereins werden seine Treffer erwartet wie die tägliche Zeitung. „2:1 für uns, Meha trifft per Freistoß“, schreibt da zum Beispiel der User „ESCRomano“ zum Spiel gegen Borussia Dortmund II. Und „EintrachtFreak“ ergänzt:“Ein Tor von Meha (wie immer).“ Kurios ist, das Meha die anspruchsvollen Fans der Eintracht bisher noch nicht einmal enttäuscht hat. Nach acht Saisonspielen hat der 1,73 m große Meha fünf eigene Treffer auf seinem Konto, dazu kommen sechs Assists zu Toren seiner Mitspieler. Wenn Meha einen ruhenden Ball tritt, dann brennt es fast immer im Strafraum des Gegners.

Doch woher kommt diese Gefährlichkeit? „Ich bin schon früher in der Jugend mit meinem alten Kumpel, der Torwart ist, auf den Bolzplatz Kicken gegangen. Wir sind zwei oder drei Mal in der Woche, auch vor und nach dem Training, auf den Platz und haben geschossen und geübt, und so kam das dann über die Jahre.“, so beschreibt der 24-jährige den Ursprung seiner Standardkünste. Doch auch heute müsse er noch dafür trainiere, so Meha.

Im Juli dieses Jahres kam Alban Meha vom SSV Reutlingen nach Trier. Er war einer der Wunschkandidaten von Trainer Roland Seitz, der aus seinen Zeiten als Trainer in Reutlingen um die Stärken Mehas wusste. Doch Alban Meha und Trier, das schien in den Augen des Freistoßkünstlers zuerst etwas abwegig:“Ehrlich gesagt war ich zu Beginn nicht so überzeugt von Trier. Doch als ich am ersten Tag hier war, war ich von der Mannschaft und vom ganzen Umfeld hier sofort überzeugt, die Stadt gefällt mir sehr gut und ich bin wirklich froh hier zu sein.“ Meha ist froh in Trier zu sein, und Trier ist froh, dass Meha hier ist. Die Gunst der Fans hat er auf jeden Fall schon einmal sicher. Im Internetforum fordern die Anhänger sogar schon, nach Toren des Kosovaren ein Lied des schwedisch-nigerianischen Pop-Musikers Dr. Alban („Sing Halleluja“) einzuspielen, in Anlehnung an den Vornamen des Eintrachtspielers. „Ich habe auch in Reutlingen mal ins Fanforum geschaut, da haben sie auch über Dr. Alban geredet“, erkennt Meha Parallelen zu seinem letzten Arbeitgeber. „Ich freue mich natürlich über den guten Ruf bei den Fans, aber wie sie mich nennen ist mir nicht so wichtig“, ergänzt er.

Bevor Meha in Trier die Fans begeisterten konnte, lagen aber noch einige Stationen vor dem 24-jährigen. Alles begann in der U19 der Stuttgarter Kickers, wo Meha seine Karriere in Deutschland begann. Schnell stieg er in die zweite Mannschaft der Kickers auf, ehe er zum baden-württembergischen Klub Kirchheim/Teck wechselte, mit dem er auch in die Oberliga aufstieg. 2007 dann der Wechsel zum SSV Reutlingen, wo Meha erste Bekanntschaft mit seinem heutigen wie damaligen Trainer Roland Seitz machte, der ihn dann auch in der Sommerpause vor der gerade begonnenen Saison an die Mosel holte. Seine Ziele bei der Eintracht hat Meha auch klar definiert:“Ich kann natürlich nicht sagen wo wir am Ende der Saison stehen, aber wir versuchen so erfolgreich wie möglich zu sein. Für mich hoffe ich, dass ich weiterhin so viele Tore machen kann und so viele Vorlagen geben kann.“

Mit Alban Meha hat die Eintracht auf jeden Fall einen äußerst sympathischen, jungen und torhungrigen Spieler gefunden, der in dieser Saison mit seinen gefährlichen Standards mit Sicherheit noch einige Vereine zur Verzweiflung bringen wird.

(am); Fotos: Anna Lena Bauer

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Kommentare (3)

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  1. Eintrachtfan sagt:

    @Horst: finde auch, daß die Mannschaft ganz anders rüberkommt wie im letzten Jahr. Auf den Auftritt von Poggenborg bin ich mal gespannt. Auf jeden Fall ist er ja ein Stück größer als Lengsfeld. Bei Torleuten ist ein entsprechendes Gardemaß ja nicht schlecht.(Beispiel mein Lieblingstorwart Manuel Neuer)Hoffe am Freitag auf ein gutes Spiel mit entsprechendem 110% Einsatz.Erhofftes Ergebnis? Mit einem Punkt wäre ich zufrieden. Wenns nichts wird, aber es ist ein anständiges Spiel, dann bin ich auch zufrieden. Denke aber die Mannschaft wird sich sicher gut verkaufen und vielleicht gibt es dann eine Überraschung!!!

  2. Horst sagt:

    Cool! Patsche ist ein Horst! 🙂

    Meha macht auch einen sympathischen Eindruck. Scheint gute Stimmung im Training zu sein. Vielleicht gewinnen wir ja doch am Freitag! Pogge spielt zu null! Der ist geil!

  3. dreschi 2010 sagt:

    die stimmung im team stimmt….ich hoffe am freitag ist auch der erfolg wieder da…ich freue mich schon aufs spiel….

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