Eintracht Trier: Pintol da, Bachl-Staudinger weg – Wut über 0:1-Auftakt

Ein Spieler ist verpflichtet, ein anderer verlässt Eintracht Trier mit sofortiger Wirkung. Während mit Benjamin Pintol ein Außenbahnspieler unterschrieb, steht Max Bachl-Staudinger vor einem Wechsel zur SpVgg. Unterhaching. Ärger herrscht wegen der 0:1-Pleite gegen Idar-Oberstein vor.

Max Bachl-Staudinger soll am Abend einen Vertrag bei Drittligist Unterhaching unterschreiben.

Einen Tag vor Ablauf der Wechselperiode gerät das Transfer-Karussell bei Eintracht Trier noch einmal kräftig in Schwung. Am Montag vermeldete der Regionalligist die Vertragsauflösung von Max Bachl-Staudinger – und die Verpflichtung von Benjamin Pintol für die rechte Außenbahn. Drei Tage lang trainierte der 21-Jährige in der letzten Woche mit der Mannschaft und weckte das Interesse der Eintracht. Zuvor spielte Pintol beim FSV Frankfurt und brachte es dort auf sechs Einsätze in der 2. Bundesliga. In den vergangenen sechs Monaten war er arbeitslos, weil er im Sommer am Meniskus operiert wurde.

„Ich habe mir Zeit gelassen, um die Verletzung auszukurieren und habe im Januar die Suche nach einem neuen Klub aufgenommen“, so der Neuzugang gegenüber 5vier. Bis zum Saisonende unterschrieb Pintol, der sich für die Zeit in Trier einiges vornimmt. Die 0:1-Heimpleite gegen den SC Idar-Oberstein hat ihn nicht abgeschreckt. „Im Fußball kann es immer schnell gehen. Mich reizt mit der Eintracht der Aufstiegskampf, das ist ein Klub mit Drittliga-Potenzial.“

Der Weg dorthin ist das Ziel von Pintol. 1990 wurde er in Bosnien-Herzegowina geboren, ein Jahr später zogen seine Eltern mit ihm nach Deutschland, wo er in der Jugend auch für Eintracht Frankfurt, Mainz 05 und Kickers Offenbach auflief. Der Durchbruch gelang ihm aber beim FSV Frankfurt. „Mein Debüt gegen Paderborn, Spiele in der LTU-Arena in Düsseldorf oder am Millerntor von St. Pauli, das sind Momente, die man nie vergisst“, schwärmt er. Trainer Roland Seitz tritt aber auf die Euphoriebremse bei dem Mann, der den vermissten Konkurrenzkampf in den eigenen Reihen etwas anheizen soll. „Wir dürfen keine Wunderdinge von ihm erwarten.“

Vertragsauflösung bei Bachl-Staudinger

Max Bachl-Staudinger kam in dieser Saison nur auf vier Regionalliga-Minuten.

Wo sich Pintol schon auf seine Zukunft in Trier freute, war die Zeit an der Mosel für Max Bachl-Staudinger bereits Vergangenheit. Der defensive Mittelfeldspieler war am Nachmittag schon auf dem Weg nach Unterhaching, um bei dem Drittligisten ein neues Arbeitspapier zu unterzeichnen, der Kontrakt bei der Eintracht wurde wenige Stunden zuvor aufgelöst. „Es ging alles reibungslos und ohne Probleme über die Bühne“, freute sich der 21-Jährige, der in Trier vergeblich auf den Sprung in die Stammelf wartete. Im 2009 wechselte er von der A-Jugend von Jahn Regensburg an die Mosel und kam auf 40 Einsätze in der Regionalliga. In dieser Spielzeit kam der Abräumer aber nur vier Regionalliga-Minuten – für seine Ansprüche war das zu wenig. „Einerseits bedauere ich seinen Weggang, andererseits kann ich es verstehen, dass er eine neue Herausforderung sucht“, so Ernst Wilhelmi.

Anhaltender Ärger über die 0:1-Blamage

Ernst Wilhelmi ist immer noch sauer über den Auftritt gegen den SC Idar-Oberstein.

Ob die Planungen mit den beiden Personalien abgeschlossen sind, vermochte das Vorstandsmitglied noch nicht zu sagen. Eine Entscheidung über den Verbleib von Martin Hauswald wird am Dienstag fallen. Eine weitere Verpflichtung lehnte Wilhelmi im Gespräch mit 5vier ab. „Ich gehe davon aus, dass Benjamin Pintol unser letzter Neuzugang ist. Wir erhoffen uns durch ihn mehr Konkurrenzkampf, Druck und Qualität in der Breite.“

Das Vorstandsmitglied der Eintracht kochte auch zwei Tage nach der peinlichen 0:1-Pleite gegen Idar-Oberstein noch. „Daran habe ich zu knabbern“, bekannte Wilhelmi. „Man freut sich auf das erste Spiel und wird so enttäuscht. Da nehme ich die Mannschaft in die Pflicht, so kann und darf sie sich einfach nicht präsentieren. Für die Zuschauer tat mir das leid.“

Der katastrophale Auftritt ist nach wie vor ein Rätsel. In den 90 Minuten erspielte sich die Eintracht nicht eine wirkliche Chance. Ohne Inspiration, Ideen und Feuer lief sie kopflos in ihr Schicksal. Es fehlte das klare Konzept. Trainer Seitz probierte gleich drei taktische Systeme aus – ohne Erfolg. Erst durch die Maßnahme, Alon Abelski in der zweiten Hälfte etwas offensiver zu positionieren, kam mehr Kreativität ins Spiel. Doch auch das war nur ein Strohfeuer.

Ebenso stellt sich die Frage, ob es mit Torge Hollmann nicht anders gelaufen wäre. Der Kapitän saß 90 Minuten nur auf der Bank und sprach nach der Niederlage mit der eindringlichen Leidenschaft über das Spiel, die beim 0:1 auf dem Platz gefehlt hatte. Ein Titelkandidat stand da an diesem Tag nicht auf dem Rasen – was unverständlich war angesichts von nur fünf Zählern Rückstand auf Tabellenführer Lotte.

„Wer den Ball hatte, war die ärmste Sau“

„Wir müssen von A bis Z alles besser machen“, forderte Thomas Drescher nach dem Auftritt konsterniert. „Das fängt damit an, dass wir mehr auf das Tor schießen müssen. In die Situation kamen wir aber gar nicht. Wer den Ball hatte, war die ärmste Sau, weil wir uns drumherum schlecht bewegt haben.“ Drescher betonte aber: „Enttäuschter als die Spieler war keiner, niemand verliert mit Absicht. Es geht hier für uns um hohe sportliche Ziele und mit den Siegprämien auch um unseren Geldbeutel. Aber Fußballer sind halt Menschen und keine Roboter. Da gibt es Leistungsschwankungen, auf die wir jetzt eine Reaktion zeigen müssen.“

Ansonsten grübelte Drescher über die Gründe: „Vielleicht sind wir gar nicht so gut, wie alle meinen“, überlegte er, fügte aber auch hinzu: „Es geht anders, das ist Fakt. Jetzt zählen nur Siege, um schnell wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen.“ Keine leichte Aufgabe, die Trainer Seitz und die Mannschaft aber schnell lösen müssen. Ansonsten sind die letzten Hoffnungen auf den Aufstieg bald geplatzt.

Stichworte:

Kommentare (9)

Antworten | Trackback URL | RSS

  1. klaus-peter sagt:

    @sievo: ja, vielleicht tue ich dem dreschi unrecht, vielleicht war es auch etwas provokant. aber, und das wirst du mir recht geben, den beschriebenen eindruck macht er nun mal in den video-beiträgen. er kommt rüber, als wäre ihm das antworten lästig. natürlich ist auch deine auslegung denkbar.
    ich finde ohnehin, dass mal ross und reiter genannt werden müssen. zu viele dinge in der vergangenheit wurden meines erachtens nicht vernünftig kommuniziert, vor allem durch die vereinsleitung: ich erinnere nur daran, dass viele verbindlichkeiten erst in dem atemzug genannt wurden, als man aufgrund von pokaleinnahmen in der letzten saison die möglichkeit hatte, einen großteil davon zurückzuführen. kritiker oder kritisch hinterfragende wurden damals auf der mv mundtot gemacht und das thema einfach geschlossen.
    auch gibt es bei uns eindeutig zu viele fans, die völlig unkritisch der vorstands- und trainerarbeit gegenüberstehen.
    ich für meinen teil befürchte da, angesichts unserer transferpolitik im winter, ehrlich gesagt schlimmeres. man kann hier sagen, was man will: diese mannschaft kostet eine große stange geld. auch wenn viele behaupten oder uns glauben machen wollen, dass seitz und sein „konzept“ ein argument für die spieler wäre, hier für kleines geld zu spielen. das ist doch lachhaft. du glaubst doch nicht, dass ein poggenborg von lotte hierher kommt, weil ihm der seitz so sympathisch ist und er seine vision so toll findet. das findet er in seiner „umgebung“ noch öfter. und bei lotte hat der bestimmt nicht schlecht verdient, die perspektive dort war/ist auch nicht unbedingt die schlechteste.
    gleiches gilt für leute wie stang, hollmann, faz, pagenburg, kulabas usw. wir sind bestimmt nicht der einzige verein, der ehemals höherklassigen spielern eine perspektive bietet, sich nach einer rekonvalesenz wieder zu etablieren. dafür muss ich nicht nach trier ziehen und dort vermeintlich auch noch finanzielle einbußen hinnehmen.

  2. Sievo sagt:

    klaus-peter,
    ich denke, du tust mit deiner Meinung dem Dreschi mehr als Unrecht. Er war bisher einer unserer tragenden Säulen in der Mannschaft, spielte wochenlang mit Schmerzen, gab immer alles und hatte jetzt gerade mal ein schlechtes Spiel gemacht. Aber keinesfalls schlechter als der Rest der Mannschaft. Für mich war er einer der Spieler, die unseren maroden Verein wieder in normale Fahrwasser zurückbrachten.
    Er scheut sich im Gegensatz zu fast allen Spielern nicht, über Geld zu reden. Was war denn daran schlecht? Unsere Spieler leben dem Bericht zufolge vermutlich wohl in erster Linie von den Siegprämien, weil sie offenbar niedrige Gehälter haben. Er wollte vielleicht damit eher sagen, dass sich kein Spieler hängen ließ und die Niederlage wohl auf andere Umstände zurückzuführen seien.
    Als arrogant und beiläufig mag er auf dem Video vielleicht rübergekommen sein, aber das kann man dem Dreschi sicher nicht nachsagen. Mir kam es eher so vor, als wenn er für etwas geradezustehen hatte, wofür er nicht verantwortlich war und die Fragen lieber hätten anderen Leuten im Verein gestellt werden müssen.
    Es hat sowieso in letzter Zeit den Anschein, als wenn da irgendetwas im Busch ist, das uns Fans nicht gesagt wird und die Stimmung in der Mannschaft aus irgendwelchen Gründen ziemlich gedrückt ist, aber keiner darüber reden will.

  3. klaus-peter sagt:

    ich finde die video-interviews mit herrn drescher ehrlich gesagt unmöglich, also nicht die videos an sich, sondern die art wie sich herr drescher da immer gibt: das wirkt alles sehr arrogant oder auch beiläufig, so als ob er gar keine rechte lust dazu hätte.
    sein verhalten oder sein sich-geben ist auf keinen fall adäquat zu seiner leistung auf dem platz, zumindest der leistung in den letzten spielen.
    aber hauptsache, wir wissen jetzt, dass die spieler angst um ihr geld haben. die prioritäten scheinen da in einigen fällen eindeutig!

  4. Sievo sagt:

    steff.
    na ja, so würde ich das nicht sagen. Möchtegern-profis würde ich unsere Spieler nicht unbedingt nennen, das hat so was Negatives. Die Mehrzahl der Spieler zeigte schon sehr oft, dass sie keine Starallüren hat. An fehlendem Einsatzwillen war es meistens nicht gelegen, wenn wir kläglich scheiterten. Aber mit deiner Anmerkung, das da nicht viel von einem Konzept zu sehen ist, ist schon was dran.

  5. steff. sagt:

    also bin ja auch froh, daß seitz bleibt, aber so ne art konzepttrainer ist er wohl auch nicht, also jemand der was aufbaut! wir sind doch auch nur ein zusammengewürfelter haufen aus möchtegern-profis, oder sehe ich das vollkommen falsch?????

  6. Herm sagt:

    Am Samstag sah man keine Mannschaft sondern eine Interessengemeinschaft von Männer die wohl oder übel ihrem Job nachgingen.
    Sie waren stets bemüht……Irgendwas stimmt nicht, nur was würde mich interessieren.
    Der Trainer und seine Defenstivtaktik, naja. Normalerweise stellte sich vor dem Spiel nur die Frage über die Höhe des Sieges. Nach dem Spiel stelle ich ganz andere Dinge in Frage.

  7. Renate sagt:

    Abhaken das Spiel. Ganz schnell Kopf frei machen für Samstag in Schalke. Und Arsch aufreissen und kämpfen. Alle auf in den Mondpalast.

  8. Sievo sagt:

    Es ist ja schön, wenn Wilhelmi sagt: „Da nehme ich die Mannschaft in die Pflicht, so kann und darf sie sich einfach nicht präsentieren.“ Aber vielleicht sollte er auch endlich mal den Trainer in die Pflicht nehmen. Es kommt ja nicht von ungefähr, wenn man sich zu Hause gegen einen schwachen Gegner keine Torchancen erspielt. Mit diesem „4-Angst-1-hasen-4-fußball-1-spiel“ mit nur einem Stürmer würden wir noch nicht mal in der Oberliga Meister werden.

  9. Freddi sagt:

    Interessant, dass ein Thomas Drescher hier so deutliche Worte findet und auf dem Platz anscheinend nicht. Er ist nicht der Typ, den man sich als Kapitän wünscht. Im Nachhinein kann man immer viel sagen, entscheidend wäre es aber auf dem Platz die richtigen Kommandos zu geben. Da muss zur richtigen Zeit auch mal jemand zusammengestaucht werden. Das vermisse ich im übrigen auch während den Spielen bei unserem Trainer…

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln