Eintracht Trier: „Reise in die Vergangenheit“ – Spiel bei Kaiserslautern II

Am Samstag will Eintracht Trier beim 1.FC Kaiserslautern II weitere Punkte im Titelrennen einfahren (14 Uhr). Interimskapitän Thomas Drescher kennt den Betzenberg genau – er erfuhr seine fußballerische Prägung von 2001 bis 2005 bei den „Roten Teufeln“.

Thomas Drescher wurde am Donnerstag 33. Mit Trier trifft er in Kaiserslautern auf ein Stück sportliche Vergangenheit.

Eine große Geburtstagsparty war für Thomas Drescher in der “Englischen Woche” nicht möglich. Am Donnerstag wurde der Interimskapitän von Eintracht Trier 33 Jahre alt, stieß um Mitternacht mit einigen Mannschaftskollegen an, ein Festessen in der Kabine soll es in den nächsten Tagen geben. Zuvor geht es für Drescher und seine Jungs in der Fußball-Regionalliga turbulent weiter. Im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern II soll ein Sieg eingefahren werden, um gegenüber Tabellenführer Sportfreunde Lotte nicht an Boden zu verlieren. Wobei Drescher den Blick gar nicht in Richtung Autobahnkreuz richten will. “Wir liegen acht Punkte zurück, das ist eine Menge Holz. Wir wollen unsere Hausaufgaben erledigen, um bei einer Schwächephase von Lotte sofort da zu sein.”

Reifeprozess in der Pfalz

Die 90 Minuten am Betzenberg sind für Drescher auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. 2001 wechselte er vom Dorfverein KSV Klein-Karben in die große Fußballwelt zum 1. FC Kaiserslautern, wo er mit dem damaligen Amateurtrainer Uwe Stöver einen wichtigen Mentor seiner Laufbahn fand. “Dort wurde ich fußballerisch am meisten geprägt, Einstellung und Arbeit waren seine Steckenpferde”, erinnert sich der Linksverteidiger, der bei den Erinnerungen an seinen Reifeprozess lächeln muss. “Als junger Spieler habe ich lieber auch mal das Füßchen weggehalten und einige Dinge locker genommen. Dafür musste ich oft büßen.”

Die harte Schule bei den “Roten Teufeln” verhalf Drescher 2004 unter Kurt Jara gar zum Debüt in der Bundesliga. Am letzten Spieltag bescherte ein 1:1 gegen Borussia Dortmund auf den letzten Drücker den Klassenerhalt. “Mich hat das charakterlich weitergebracht, weil es keine Selbstverständlichkeit war, einem unerfahrenen Spieler wie mir unter dem Druck des drohenden Abstiegs wochenlang zu vertrauen.”

Mit Auftrieb zu einer „seniorenhaften Reserve“

Der 3:1-Sieg gegen Wuppertal soll Trier Auftrieb geben für den Titelkampf.

So kann Drescher mit Drucksituationen umgehen. So wie am vergangenen Wochenende. Da lag er mit Trier zur Halbzeit 0:1 gegen Wuppertal zurück, erwischte einen rabenschwarzen Tag. In der Kabine bat er mit eindringlichen Worten um Verzeichen und leitete mit seinem kuriosen Ausgleich die Wende ein. “Das war ein Sieg des Willens, der uns hoffentlich Auftrieb gibt.”

In Kaiserslautern um Torjäger Andrew Wooten wird das auch bitter nötig sein, weil die Trierer zu keiner klassischen Reserve-Mannschaft reisen. “Das ist keine typische Zweitvertretung, die spielen fast seniorenhaft”, meint Drescher, der zu FCK-Trainer Alois Schwartz einen guten Draht hat. Die Stärke der Pfälzer haben auch Trainer Roland Seitz und Scout Horst Brandt bei ihren Spielbeobachtungen festgestellt. “Kaiserslautern ist nicht so spielstark wie Dortmund, aber sie ziehen sich diszipliniert zurück”, betont der Coach. “Da ist Geduld gefragt, um nicht ins eigene Verderben zu rennen.”

Geduld mit Pollok

Im Moselstadion verlor Trier im Januar 0:1 gegen Kaiserslautern II. Am Betzenberg gewann die Eintracht zuletzt aber mit 2:0.

Fraglich ist auch, welche Profis nicht mit dem Bundesliga-Kader zum 1. FC Nürnberg reisen. Mit Adam Nemec, Chadli Amri und Jiri Bilek bediente sich FCK-Trainer Alois Schwartz schon einiger Verstärkungen aus der Beletage. Der österreichische Ex-Nationaltorhüter Marco Knaller gehört schon fast zum Stammpersonal der Regionalliga-Elf.

Doch auch die Eintracht startet mit guten Voraussetzungen in das kleine Derby im großen Stadion. Bis auf Tolgay Asma (Zehprobleme) stehen Trainer Seitz alle Kräfte zur Verfügung. Torge Hollmann leistet weiter fleißig Zusatzeinheiten neben dem Mannschaftstraining. “Die Abwehr funktioniert aber momentan. Eine Umstellung müsste schon Sinn machen”, will Seitz kein Risiko eingehen. Mehr erhofft sich der Oberpfälzer von Wojciech Pollok, der in Kaiserslautern wieder dem erfolgreichen 4-1-4-1-System weichen muss. Der polnische Stürmer enttäuschte zuletzt im Rheinlandpokal in Mehring. “Er muss seinen Teil dazu beitragen, dass er trifft. Wir müssen ihn aber weiter stützen. Vielleicht braucht es noch eine Winter-Vorbereitung, damit der Knoten bei ihm platzt.“

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