Eintracht Trier: Pluwiger Schützenfest für guten Zweck – Foto-Galerie

Aus Pluwig berichten
Martin Köbler und Anna Lena Bauer (Fotos)

Testspiel nummer sieben, Erfolg nummer sieben – die Eintracht zieht durch ihre Vorbereitungspartien wie der berühmte Sheriff im High Noon: Diesmal bekam die exklusiv für dieses Spiel vom ehemaligen Eintracht-Coach Paul Linz trainierte DJK Pluwig/Gusterath (mit Ergänzungen von Spielern des FC Schöndorf, des SV Trier-Irsch sowie der gesamten Ruwertalregion) die ganze Härte der Trierer Offensive zu spüren – mit 19:1 (8:1) gingen die Mannen von Trainer Roland Seitz am Ende der Partie als Sieger vom Platz, einmal mehr begünstigt durch eine verbesserte, starke zweite Halbzeit.

Foto: Jubeln wie die Weltmeister  – DJK-Torschütze Alex Konz nach seinem zwischenzeitlichen 1:4.

Der „wahre Sieger“ der Partie stand indes schon vor der ungleichen Begegnung fest, wird  der komplette Erlös des gestrigen Abends doch den Erdbebenopfern in Haiti gespendet. Dementsprechend groß war der regionalpolitische Andrang vor Beginn des Benefizspieles – Günter Jacobs (1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Ruwer), Wolfgang Ahnen (Ortsbürgermeister Pluwig) sowie Alfred Bleser (Ortsbürgermeister Gusterath) dankten den rund 450 anwesenden Zuschauern für ihr Kommen und den beiden Mannschaften, insbesondere Eintracht Trier, für die Teilnahme an dieser Veranstaltung. Die eingenommenen Eintrittsgelder werden in den nächsten Tagen – zusammen mit dem Versteigerungserlös von 1.500 Euro eines von der kompletten Mannschaft der Eintracht unterzeichneten SVE-Trikots – ihrer Zweckbestimmung zugeführt werden. Für die Veranstalter des Programmes rund um die Begegnung stand eindeutig der soziale Zweck im Vordergrund – was die Durchsage über die Lautsprecher, dass „wir uns ein schönes Spiel erhoffen, aber uns noch vielmehr Durst und Hunger der Gäste erhoffen“ eindeutig belegen mag.

Doch „Durst“ und „Hunger“ entwickelten auch die blau-schwarz-weißen Herren unten auf dem grünen Rasen – und zwar eine XXL-Portion dessen, was landauf, landab als „Torhunger“ bezeichnet wird. Vier Minuten waren gerade einmal gespielt, da hatte Dominik Zimmer im Tor der DJK schon zwei Ballberührungen – jeweils, um das Spielgerät aus den Maschen zu holen. Julian Bidon, der von Beginn an ran durfte (2., Vorarbeit Nico Patschinski) sowie Tolgay Asma (4.), der zusammen mit Tim Eckstein einen Fehlpass in der Innenverteidigung eiskalt ausnutzte und Ricci Breiling in der Pluwiger Verteidigung stehen ließ, sorgten schon früh für klare Verhältnisse.

In der Folge verflachte die Partie etwas. Die Eintracht spielte sich im Mittelfeld das Spielgerät zu, ohne sich wirklich in Szene setzen zu können. War dann jemand durch, konnte jeweils Nico Patschinski die Vorlagen nicht gewinnbringend verwerten, wie in der 8. Minute nach Vorlage von Olivier Mvondo oder in der 10. Minute nach einer Ecke von Tolgay Asma. So war es auch nicht „Patsche“, der das nächste Tor erzielen sollte, sondern Michael Dingels, der in der Innenverteidigung neben Johannes Kühne aufgeboten wurde. Im Anschluss an einen von Asma getretenen Eckball bekommen die Grau-Schwarzen aus dem Gusterather Tal die Kugel nicht aus der Gefahrenzone geklärt: Dingels, der obendrein heute die Kapitänsbinde tragen durfte, stand genau richtig und zimmerte die Kugel in die Maschen – das 3:0 (16.).

Was nun in den nächsten Minuten folgte, dürfte Roland Seitz an der Seitenlinie wohl nicht so sehr gefallen haben. Zu oft wurde „klein klein“ gespielt – der Ball sollte ins Tor „getragen“ werden – was nicht gelang. Die Fehlpassquote und die individuellen Fehler im Aufbauspiel häuften sich. In der 20. Minute dann plötzlich der Ball im Tor von Nicholas Bach, der heute anstelle von Andreas Lengsfeld den Kasten hüten durfte – doch Schiedsrichter Arndt Collmann aus Welschbillig erkannte auf Abseits von Benny Leis. Zwar fiel in der 28. Minute das 4:0 durch Nico Patschinski, der über die rechte Seite schön von Thomas Kempny und Julian Bidon in Szene gesetzt wurde und völlig frei vor Zimmer den Ball nur noch einschieben musste, doch der wirkliche Wille schien den Kickern von der Mosel abhanden gekommen zu sein. So war es wenig überraschend, dass in der 31. Minute ein Aufschrei die Sportanlage in Pluwig wachrüttelte – nach einem langen Ball kann sich DJK-Kapitän Alex Konz auf der von Fabian Zittlau besetzten linken Trierer Abwehrseite durchsetzen und zum 4:1 die Kugel in den rechten oberen Winkel jagen – Bach ohne Abwehrchance. Der Treffer, gefeiert wie ein Meistertitel, war dann allerdings der rechte Wachmacher für den SVE. Julian Bidon (33.), Fabian Zittlau (34.) und Nico Patschinski (37., 43.) sorgten für den standesgemäßen Halbzeitstand von 8:1.

Foto: Kapitän der Eintracht am gestrigen Abend – Michael Dingels.

Nach dem Pausentee wechselten beide Mannschaften durch. Paul Linz auf Seiten der Pluwiger wechselte gar die komplette Truppe aus – jeder sollte mal ran beim Spiel gegen die „Großen“ von der Eintracht. Roland Seitz ließ es zunächst etwas ruhiger angehen, brachte einzig Stefan Kohler für Max Bachl-Staudinger und ersetzte Nico Patschinski durch Thomas Kraus. Letzterer zeigte einmal mehr, wie ernst er es in dieser Saison mit der Eintracht meint – ein Vorbild von Einsatz und kämpferischem Willen. Binnen fünfzehn Minuten ist der Neuzugang vom 1. FC Köln maßgeblich daran beteiligt, dass das Ergebnis auf 12:1 aus Sicht des Regionalligisten hochgeschraubt werden kann. Den sehenswerten Vorarbeiten zum 9:1 (Tim Eckstein, 50.) und 11:1 (wieder Tim Eckstein, 56.) steht sein mit der Hacke erzieltes 10:1 nach Vorarbeit von – natürlich – Tim Eckstein, die zusammen einige gute Offensivaktionen entfachen konnten, entgegen. Die Freude bei Thomas Kraus währte allerdings immer nur kurz – kaum war der Ball über die Linie gedrückt, hat er ihn sich schon wieder aus dem Netz geschnappt und auf den Mittelpunkt gelegt – bereit, im nächsten Sprint die gegnerische Verteidigung unter Zugzwang zu bringen, was ihm in den noch zu spielenden dreißig Minuten immer wieder gelang – insgesamt zwei Treffer und fünf Torvorlagen inklusive. Schnell machte auf der „Tribüne“ der Sportanlage der Vergleich mit dem berühmten Duracell-Hasen, der immer weiter unermüdlich auf seine Blechtrommel einhaut, ohne müde zu werden, die Runde. Mehr noch: Kraus merkt man an, dass er jeden Zweikampf gewinnen will – die Enttäuschung ob eines verlorenen Duells ist ihm wie keinem anderen anzumerken.

Auch der zweite in der Pause eingewechselte Spieler, Stefan Kohler, trug sich mit seinem 12:1 in der 60. Minute nach einem Flachschuss in das mittlerweile von Peter Schwarz gehütete Tor ein, nachdem ihn der sich immer wieder ins Offensivspiel einschaltende Fabian Zittlau mustergültig in Szene setzen konnte. Danach wurde auch bei der Eintracht der Spielbogen bemüht und kräftig ausgetauscht. Olivier Mvondo, der zwar immer wieder ob seiner Schnelligkeit über die Flügel gefährlich werden konnte, dessen „letzter Pass“ aber fast nie ankam, musste ebenso weichen wie Fabian Zittlau, Thomas Kempny und Tim Eckstein. Für sie kamen Josef Cinar, Torge Hollmann, Alban Meha, Piero Saccone und der Jugendspieler Erik Michels, der in der D-Jugend noch für die heimische DJK spielte, mit Applaus empfangen wurde und sich in der Folge sogar in die Torschützenliste eintragen konnte (16:1 in der 68. per Foulelfmeter nach Foul von Sebastian Weber an Johannes Kühne, 18:1 in der 87.). Das schönste Tor des Tages war allerdings Piero Saccone vorbehalten, der nur drei Minuten nach seiner Einwechslung auf Zuspiel von Alban Meha aus halblinker Position und gut 25 Metern Entfernung den Ball zum 13:1 ins lange Eck schlenzte (63.) – nur, um abermals drei Minuten später das 14:1 nachzulegen. Die restlichen fünfundzwanzig Minuten verkamen zum reinen Schaulaufen der Eintracht – Thomas Kraus (67.), Josef Cinar (76.) und Piero Saccone (90.) sorgten für den 19:1-Endstand – in einer Partie, aus der jeder seinen Nutzen ziehen konnte: Die Eintracht ob erneut guter Ansätze, die DJK Pluwig-Gusterath ob des erzielten, frenetisch umjubelten Tores – und natürlich die Erdbebenopfer in Haiti, die sich dank der beiden Vereine und der Zuschauer auf etwas Unterstützung freuen können.

Foto: Trikotübergabe für den guten Zweck – für stolze 1.500 Euro ging das signierte Eintracht-Trikot an die Auktionsgewinnerin Beate Wolter.

Für die Eintracht spielten:

Nicholas Bach – Thomas Kempny (ab 61. Torge Hollmann), Michael Dingels, Johannes Kühne, Fabian Zittlau (ab 61. Josef Cinar) – Max Bachl-Staudinger (ab 46. Stefan Kohler), Tolgay Asma, Olivier Mvondo (ab 61. Alban Meha) – Julian Bidon (ab 61. Piero Saccone), Nico Patschinski (ab 46. Thomas Kraus), Tim Eckstein (ab 46. Erik Michels).

STIMMEN

Roland Seitz (Chef-Trainer): „Das war heute ein schönes Trainingsspiel für einen guten Zweck. Meine Jungs haben ihre Spielfreude trotz der harten Trainingswochen beibehalten und auch mal das eine oder andere Kunststückchen probiert. Das ist in Ordnung so – in einem solchen Spiel habe ich nichts dagegen. Ich bin immer noch etwas am Experimentieren, weil wir ja nur 17 Feldspieler im Kader haben. Da muss ich einfach ausprobieren, was wie funktionieren könnte, sofern wir improvisieren müssen. Außerdem sind einige Spieler auch noch nicht ganz so weit in der Vorbereitung. Meine Wunschformation für den Liga-Start habe ich schon im Kopf – aber noch ist ja etwas Zeit bis zum ersten Punktspiel. Von daher kann sich da auch noch was ändern.“

Erik Michels (gebürtiger Pluwiger): „Das war heute schon ein besonderes Erlebnis für mich, mit der Eintracht nach Pluwig zurückzukommen, wo ich groß geworden bin – und dann auch noch spielen zu dürfen. Als der Trainer mir am Mittwoch gesagt hat, dass ich mitfahren darf, war ich schon sehr aufgeregt, schließlich wohne ich ja immer noch in Pluwig. Für mich war das Spiel einfach toll. Ich bin ja immer noch A-Jugendlicher – da genießt man so ein Erlebnis natürlich ganz besonders.“

Tim Eckstein (Stürmer): „Ich war heute mit meinem Spiel im der ersten Halbzeit überhaupt nicht zufrieden. Woran es gelegen hat, weiß ich auch nicht so genau. Ich bin einfach nicht richtig in die Partie gekommen. Ich muss einfach mehr Tore machen, und es wurmt mich kolossal, wenn das nicht funktioniert. Natürlich will ich in die Startelf. Deswegen gebe ich in jedem Spiel und auch im Training Vollgas, um mich dem Trainer anzubieten. Letztlich aber entscheidet er. Ich kann nur hoffen, dass er auf mich setzt.“

Johannes Kühne (Innenverteidiger): „Das war heute in der ersten Halbzeit nicht so toll von uns – vor allem beim Gegentreffer. Aber uns steckt die harte Vorbereitung in den Knochen, da kann so etwas schon mal passieren – auch wenn es nicht passieren darf. In der zweiten Halbzeit lief es dann deutlich besser. Über meine eigene Situation mache ich mir wenig Gedanken. Ich habe natürlich immer die Hoffnung zu spielen, sonst wäre ich kein Fußballer. Ich biete mich dem Trainer an – alles andere wird er entscheiden.“

Thomas Kraus (zweifacher Torschütze, fünf Torvorlagen): „Die erste Halbzeit war phasenweise natürlich nicht das Gelbe vom Ei, das wissen wir auch. Nach dem Wechsel lief es dann wieder besser. Wir haben uns gesagt, dass wir noch ein paar Dinger machen wollen – und das hat ja auch so ganz gut geklappt. In der neuen Saison kann unser Vorteil sein, dass uns nach der abgelaufenen Spielzeit viele schon abgeschrieben haben. Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben – und ich bin zuversichtlich, dass wir mindestens einen Mittelfeldplatz erreichen werden. Wichtig ist aber, dass wir in jedes Spiel hochkonzentriert gehen werden und die richtige Einstellung an den Tag legen, denn die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen, jedes Spiel ist schwer.“

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