„Stepi“ beobachtet die alte Liebe beim 3:1-Sieg in Alzenau

Von Florian Schlecht

„Lebbe geht weider!“ Dragoslav Stepanovic war von Januar bis April 1991 Trainer bei Eintracht Trier. Dort legte er einen Höhenflug hin, ehe ihn Eintracht Frankfurt in die Bundesliga lockte. Dort verpasste der Serbe im Herzschlagfinale 1992 die Deutsche Meisterschaft.

Erinnerungen an einen Derbysieg in Salmrohr: Dragoslav Stepanovic (links oben) war 1991 Trainer von Eintracht Trier und saß beim 3:1 in Alzenau auf der Tribüne. Foto: Peter Schmitt

Als Fußballtrainer wurde Dragoslav Stepanovic mit markigen Sprüchen wie „Das Lebbe geht weider“ zur Kultfigur. Auch bei Eintracht Trier erheiterte der Serbe mal für einige Monate das Umfeld mit seiner Schlagfertigkeit. „Stepi“ trainierte von Januar bis April 1991 den Traditionsverein, ehe Eintracht Frankfurt bei ihm anklopfte und er dort in der Bundesliga seine größte Zeit erlebte. Am Samstag verfolgte der 64-Jährige den 3:1-Sieg seines Ex-Klubs  bei Bayern Alzenau von der Tribüne. Ohne qualmenden Zigarillo im Mund, wie früher am Spielfeldrand, dafür aber mit Schnurrbart, ergrauter Mähne und mit vielen Erinnerungen aus der alten Zeit. „Die Zeit in Trier war toll, auch wenn sie nur kurz war“, sagte er im Gespräch mit 5vier.

An Alexander Szatmari lag es, dass Stepanovic damals in die älteste Stadt Deutschlands gelockt wurde. Der rumänische Sportdirektor erfuhr vom kuriosen Rücktritt des Trainers beim hessischen Oberligisten Rot-Weiß Frankfurt. „Gerd Trinklein war dort mein Manager und wollte mir sagen, wer von Anfang an spielen soll“, erzählt „Stepi“. „Da habe ich ihm geantwortet, dass er das fordern kann, wenn er jeden Tag beim Training ist. War er aber nicht. Also habe ich gesagt: Arsch geleckt, ich höre auf.“

„In Trier herrschte Fußballbegeisterung“

Die Mission, in Trier noch den Aufstieg zu schaffen, schien beim Amtsantritt in weiter Ferne. „Borussia Neunkirchen war Tabellenführer und sieben Punkte weg.“ Doch unter „Stepi“, der nach seiner Spielerlaufbahn zunächst als Kneipenwirt arbeitete, setzten die Trierer zur großen Aufholjagd an.  3:0 gegen Kaiserslautern II, 5:1 in Hauenstein, 3:2 gegen Pirmasens, 3:0 in Schiffweiler. „Wir haben nach jedem Spiel gefeiert und gesungen über unsere Punkte“, lacht Stepanovic. „26, 28, 30, 32. Jede Woche kamen neue dazu. Daran habe ich niemals geglaubt. Und Neunkirchen hat Schiss bekommen.“

Besonders an den 4:1-Erfolg im brisanten Derby beim FSV Salmrohr vor über 3000 Fans denkt der Trainer gerne zurück. „Da waren so viele Zuschauer, ich wusste gar nicht, wo die alle herkamen. Es herrschte eine riesige Fußballbegeisterung.“ Doch bereits im Frühjahr war die Mission von Stepanovic in Trier beendet. Bernd Hölzenbein, Weltmeister von 1974, holte seinen alten Kumpel als Trainer zu Eintracht Frankfurt. „Stepi“ packte die Koffer, zog weiter zur Diva vom Main und verfolgte die letzten drei Spiele der Moselstädter aus der Ferne. Allerdings reichte es dort nicht mehr zum Meisterschaftscoup, weil Neunkirchen am letzten Spieltag einen 0:2-Rückstand gegen Saarwellingen in einen 3:2-Erfolg umwandelte.

Neunkirchen scheiterte später in der Aufstiegsrunde an 1860 München. Und sie verloren mit Jay-Jay Okocha einen Leistungsträger, den Stepanovic gleich mit in die Bundesliga nahm. Ebenso wie Edgar Schmitt, den Torjäger von Eintracht Trier. „Er brauchte immer zwei Gegenspieler, damit man ihn halten kann. Für mich war es eine Schande, dass er nur in der Oberliga spielte.“

„Die hätten durchsaufen und trotzdem jeden Gegner schlagen können“

In Frankfurt erlebte Stepanovic im Folgejahr einen Höhenflug und die schwerste sportliche Enttäuschung. In der Saison 1991/92 verspielte die Eintracht auf den finalen Metern die Deutsche Meisterschaft durch eine 1:2-Niederlage bei Hansa Rostock. „Wir haben Fußball 2000 gespielt, wunderbar“, schwärmt „Stepi“ noch heute von der Zeit mit Stars wie Uwe Bein, Andreas Möller, Manfred Binz und Anthony Yeboah. „Granaten“, leuchten seine Augen. „Die waren so gut, die mussten jeden Gegner schlagen. Auch wenn sie durchgesoffen und wir sie um zwei Uhr in der Nacht geweckt hätten.“

Der verpassten Krönung im Titelrennen trauert er weiter nach. „Schade, dass wir uns nicht in die Geschichte eingeschrieben haben. Es war alles vorbereitet.“ Zum Verhängnis wurde ihm in diesem Fall auch ein Schiedsrichter aus der Nähe von Trier. Alfons Berg aus Konz übersah damals in Rostock einen glasklaren Strafstoß nach einem Foul an Ralf Weber. „Er gehörte zu den Schiedsrichtern, die nie Elfmeter pfeifen. Ich habe Pech gehabt.“ Wobei er dem Referee nicht alleine die Schuld gab. „Danach hatten wir aber noch sieben Chancen, das Spiel zu gewinnen.“

„Schade, dass Trier so tief steht“

Von Chhunly Pagenburg war Stepanovic angetan. Foto: Peter Schmitt

Momentan steht Stepanovic ohne Verein da. 1993 gewann er mit Bayer Leverkusen den DFB-Pokal, in den letzten Jahren war er als Trainer in China, Ägypten und Serbien tätig. „So viele junge Trainer, da habe ich keine Chance“, glaubt er nicht mehr an ein Angebot aus der Bundesliga. Viel eher will er seine Erfahrung nutzen, um junge Talente auf eine Laufbahn als Profi vorzubereiten. So wie Petrit Topic von Alzenau, den quirligen Stürmer, der im Elfmeter-Nachschuss zum 1:2 gegen Trier traf. „Er ist ein richtiger Knipser“, traut Stepanovic dem 21-Jährigen eine große Zukunft zu. Auch von Chhunly Pagenburg war er angetan. „Technisch ist er perfekt.“

Was die Zukunft von Eintracht Trier betrifft, hofft „Stepi“, dass seine alte Liebe irgendwann wieder an das Tor zum Profifußball anklopft. Das Lebbe geht ja bekanntlich weider, ob 2. Bundesliga oder Regionalliga. „Schade, dass sie so tief stehen. Aber oft weiß man erst in solchen Momenten, wie schön es oben ist.“

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Kommentare (3)

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  1. Marion sagt:

    Wie Stepanovic sagt: „Technisch ist Pagenburg perfekt“
    Sehe öfter höherklassige Spiele. Was auffällt ist, dass der Fussball in der Regionalliga sehr viel langsamer ist. Keine schnellen Flügelläufe, kaum 1 gegen 1 Situationen und somit wenig überraschende Momente.Das trifft auch auf Pagenburg zu. Die Dynamik = Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft – sind die entscheidenden Unterschiede zwischen Liga 1 bis 4! Hier fehlt es auch bei Pagenburg, wie beim Rest der Mannschaft. Nur wer hier überlegen ist, belegt am Ende Platz 1 oder 2. Die Voraussetzungen hierzu ist Trainersache! Die Extrierer bei Burghausen wissen das bereits!

  2. Trierer sagt:

    Der Pagenburg spielt nächstes Jahr in der Zweiten Liga wenn er sich nicht großartig verletzt. Der ist sehr stark, zu stark eigentlich für einen Regionalligisten. Vielleicht schiesst er uns wenigstens zum Klassenerhalt.

  3. bei pagenburg, muß der vorstand, von eintracht trier jetzt , schon handeln, bevor, die geier zuschlagen , wie mann ja aus der presse liest, hat wacker burghausen , ja starkes intresse , hier wäre vielleicht eine möglichkeit,ihm eine arbeit im manegment anzubieten vielleicht zieht sowas mehr wie geld gruß manni schuster und 3 punkte gegen lautern 2

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