Eintracht Trier: Strafanzeige gegen zwei Spieler aus Lotte – UPDATE

Die Regionalliga-Spieler Christian Schlösser und Martin Hess von den Sportfreunden Lotte stehen vor einer Strafanzeige: Beiden wird vorgeworfen, Jeremy Karikari und Marc Gouiffe à Goufan übel beleidigt zu haben. Zudem gab die Eintracht eine Stellungnahme beim DFB ab. Die Spieler aus Lotte wehren sich gegen die Behauptungen. Der Trierer Karikari erhielt am Samstag bereits eine Anzeige wegen leichter Körperverletzung, weil er Hess nach dem 3:2-Sieg im Tecklenburger Land tätlich angegriffen haben soll. “Uns hat er von einer verbalen Auseinandersetzung berichtet”, so Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi.

Das Spiel in Lotte hat ein Nachspiel: Nachdem am Samstag nach dem 3:2-Sieg von Eintracht Trier eine Strafanzeige gegen Jeremy Karikari gestellt wurde, der 45 Minuten nach dem Spiel Martin Hess tätlich angegriffen haben soll, folgte nun die Reaktion von Eintracht Trier. Und die beinhaltet schwere Vorwürfe gegen Christian Schlösser und Martin Hess, Spieler der Sportfreunde Lotte. Sie sollen Jeremy Karikari und Marc Gouiffe à Goufan während der 90 Minuten übel beleidigt haben. “Das geht in die Rassismus-Schiene”, sagte der Vorstand um Ernst Wilhelmi und Harry Thiele.

Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs benannte die Wörter, die gegen die beiden Spieler von Eintracht Trier gefallen sein sollen.“Negerkind, Affenkind, nachgeäffte Affenlaute”. Der Vorstand habe eine Stellungnahme an den Deutschen Fußball-Bund verschickt, der seine Ermittlungen bereits aufgenommen habe. Bereits am Montag verschickte Lotte seine Position nach Frankfurt am Main, weil es nach dem Spiel zu den Tumulten am Kabinentrakt gekommen sei. “Wohl erst im kommenden Jahr”, so Jacobs, “werden alle Seiten angehört und ein Urteil gefällt”. Ein Anruf des Verbandes sei bereits eingegangen – sportgerichtliche Konsequenzen sind nicht auszuschließen.

Karikari und Gouiffe à Goufan stellen Anzeige

Dazu wollen Jeremy Karikari und Marc Gouiffe à Goufan noch heute Strafanzeige gegen Hess und Schlösser stellen – wegen schwerer Beleidigung. “Beide haben die Solidarität vom Verein und der Mannschaft”, verdeutlichte Thiele. “Jetzt sollen sich ordentliche Gerichte damit befassen. Wir verurteilen auf das Schärfste, was dort passiert ist. Der DFB versucht eindringlich, solche Sprüche zu unterbinden.” Jacobs legte nach. “Es gibt Zeugenaussagen von drei Spielern, die die Beleidigungen gehört haben.”

Die beschuldigten Spieler aus Lotte wehren sich gegen die Behauptungen. “Mein Mandant hat mir versichert, dass er nichts in dieser Richtung gesagt hat”, sagte Tobias Sander, Anwalt und Berater von Christian Schlösser. “Ich kenne ihn schon lange und glaube ihm.” Auch Martin Hess wies die Vorwürfe gegenüber 5vier von sich: “Ich habe selbst genügend farbige und ausländische Freunde. Wer mich kennt, weiß, dass solche Sprüche bestimmt nicht meine Art sind.”

Die Anschuldigungen könne er nicht verstehen. “Wir sind während des Spiels zweimal aneinander geraten. Da kamen vielleicht mal Sätze wie ‚Wer bist du eigentlich?’” Bereits während des Spiels machte Karikari Schiedsrichter Michael Weiner auf rassistische Beleidigungen aufmerksam. Hess bestätigt auch einen Kabinen-Besuch des Referees in der Halbzeit: “Er sagte es, dass es die Vorwürfe von rassistischen Beleidigungen von Trierer Seite gibt und dass sie zu unterlassen sind. Mit solchen Sprüchen könne man in Deutschland ganz schnell berühmt werden – aber nicht positiv.”

Martin Hess: „Ich bin geschlagen worden“

Gleichzeitig beteuert Hess weiter, von Karikari geschlagen worden zu sein. Ahmet Kulabas, den er aus Stuttgarter Zeiten kennt, habe ihn auf mögliche Beleidigungen während des Spiels angesprochen. “Ich habe sie verneint.” Kurz danach sei Karikari “von der rechten Seite gekommen und hat mir einen Schlag ins Gesicht verpasst”. Die Polizei nahm danach die Personaldaten auf. “Ich habe einen Strafantrag gestellt, wobei die Schwellung und der Handabdruck in meinem Gesicht aufgenommen wurden”, so Hess. Der Vorstand von Eintracht Trier stellte die Lage nach der Befragung von Karikari anders dar. “Er sprach von einer verbalen Auseinandersetzung”, so Ernst Wilhelmi.

Auch der Fußball-Obmann der Sportfreunde Lotte, Manfred Wilke, sei gegen Karikari handgreiflich geworden, lautet es in der offiziellen Mitteilung. Das verneint Wilke jedoch. “Ich habe die Hände nur einmal gehoben – als ich bei den Tumulten den Spielern meinen Ausweis zeigte, damit sie sehen, mit wem sie sprechen.” Er meint, dass Trierer Spieler Hess aufgelauert hätten. Und: “Es gab einen Schlag von Karikari gegen Hess. Dafür gibt es Augenzeugen.” Auf die Vorwürfe wegen rassistischer Beleidigungen seiner Akteure angesprochen, meinte er: “Ich kann nichts dazu sagen, weil ich nichts gehört habe. Aber ich habe mit den Spielern gesprochen. Sie meinten, dass da nichts war. Ich wundere mich aber, warum die Eintracht jetzt erst mit den Vorwürfen kommt.”

Die Antwort darauf lieferte Ernst Wilhelmi bei der Pressekonferenz am heutigen Mittag. “Wir haben uns bewusst zwei Tage Zeit gelassen, um alles in Ruhe zu recherchieren.” Zudem sei es der Wunsch des Vereins gewesen, die Betroffenen die Angelegenheit untereinander klären zu lassen. “Wir wollen auch lieber über Fußball als über so eine Geschichte reden.”

Zur offiziellen Stellungnahme von Eintracht Trier geht es hier!

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Kommentare (2)

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  1. ellert sagt:

    Mein Fresse, das geht ja zu, wie bei meiner Tocher im Kindergarten. „Der hat mich gehauen!“ „Der hat schlimme Sachen zu mir gesagt!“

    Jungs, werdet erwachsen!

  2. Eintracht-Fan sagt:

    Schade, daß „Mann“ sowas nicht intern unter Männern regeln konnte. Ein Fußballspiel ist nun mal kein Krippenspiel zu Weihnachten. Da hab ich schon öfter mal was gehört, was normal niemand zu seinem Gegenüber sagen würde. Allerdings diese Affenausdrücke habe ich noch nie gehört. Nach einem solchen Sieg müßte man sich doch freuen, und macht sich bestimmt keine Gedanken darüber sich mit dem Gegner noch zu prügeln.Wird schwer sein festzustellen was da wirklich passiert ist.

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