Taktikschulung am letzten Tag und ein 12-Liter-Behälter

Aus Reutlingen berichtet Florian Schlecht

Ein Leitfaden für den (Fußball-)Alltag: Regionalligist Eintracht Trier arbeitete in der letzten Einheit an der Ballkontrolle und dem Verschieben. Für den Auftakt in Freiburg bahnt sich ein 4-1-4-1-System an.

Erholung nach der 100-Minuten-Einheit: Die Fußballer von Eintracht Trier schwitzten im Trainingslager.

Der Bus steuerte zunächst in Richtung Gomaringen. Erst während der Fahrt wurde klargestellt, dass die letzte Einheit von Eintracht Trier im Trainingslager auf der Anlage des TuS Metzingen ausgetragen wird. Dort, wo der Fußball-Regionalligist am Donnerstag im Testspiel mit 4:1 siegte. Also, zack, die Route im Navigationssystem geändert, Umkehr, zehn Minuten später ist der Tross am Ziel angekommen. „Es wird noch einmal intensiv“, versprach Trainer Roland Seitz schon am Abend zuvor – und hält Wort.

Taktikschulung steht an diesem Tag auf dem Programm auf dem Sportplatz, der von einem traumhaften Panorama umgeben wird. Grüne Berge, ein blauer Himmel. Nicht weit entfernt vom Rasen baut Betreuer Stephan Reisen das Getränkereservoir für die Einheit auf. Auf einen kleinen Tisch stellt er Wasserflaschen, in einen Kanister füllt er ein isotonisches Getränk, das nach Zitrone schmeckt. „Da sind viele Mineralien drin, wenn viel Kraft verbraucht wird“, sagt er und deutet auf den großen Behälter mit der Flüssigkeit. „12 Liter, das reicht für eine Einheit.“

Auch an diesem Tag. Während sich die Torhüter Andreas Lengsfeld und Philipp Basquit die Bälle um die Ohren schießen, verteilt sich der Rest der Mannschaft auf dem Platz. Die Bewegung auf dem Platz in jeder denkbaren Situation soll trainiert werden. Durch die vielen Neuzugänge läuft noch längst nicht ein Rädchen in das andere, nicht jeder Spieler kennt die Laufwege seines Nebenmannes.

Seitz baut ein Team A aus elf Spielern auf, die das Verhalten gegen den Ball trainieren soll. Dazu gesellt sich Alon Abelski, der wegen einer Kniereizung kürzer tritt, nur leichte Laufübungen und Liegestütze absolviert. Als Gegner stellt er ein Team B zusammen, dass das Leder über die einzelnen Stationen eines Fußballfeldes passt. Auf die linke Seite, die rechte Seite, die Innenverteidiger, die einzelnen Positionen im Mittelfeld. Bei jeder neuen Station bremst Seitz ab. Der Trainer achtet darauf, ob die Mannschaft im Block richtig verschiebt und weist jeden Spieler darauf hin, wann er attackieren oder sich zurückziehen soll. Es ist Maßarbeit. Der Oberpfälzer will nichts dem Zufall überlassen.

Trainingsspiel im 4-1-4-1

Die Theorie setzt er danach in die Praxis um und lässt die Mannschaften gegeneinander spielen. Dabei deutet sich für den Liga-Auftakt bereits ein 4-1-4-1-System an. Denn in Team A spielten neben Ersatztorwart Basquit in der Viererkette Brighache, Klinger, Hollmann und Zittlau. Als einziger Sechser fungierte Baldo di Gregorio, davor eine offensive Reihe mit Lewerenz, Kuduzovic, Watzka und Anton. Pagenburg ist der einzige Stürmer. Dagegen stehen in Team B neben Andreas Lengsfeld, Steven Kröner, Markus Fuchs, Narciso Lubasa, Michael Dingels, Burak Sözen und Christopher Spang ganz illustre Aushilfen. Trainer Seitz als Spielmacher, Co-Trainer Rudi Rhömmes als Verteidiger, Torwarttrainer Sascha Purket als Flügelspieler und Physiotherapeut Johannes Wey, der aktiv früher für den SV Dörbach am Ball war.

Nun sollen die Mannschaften ihr Auftreten so simulieren, wie es in der Liga der Fall wäre. Geduldig rollt der Ball durch die Reihen, immer wieder unterbricht Seitz und gibt Anweisungen. „Ein Sechser soll nicht dribbeln“, schimpft er, als di Gregorio sich mit einer Portion Glück gegen Thömmes durchsetzt. „Wenn wir den Ball da verlieren und unser Gegner durch die Viererkette spielt, haben wir keine Chance.“ Im Hinterkopf dürfte der Fußballlehrer auch Freiburg II haben, das er tags zuvor beim 3:0-Sieg gegen den SSV Ulm 1846 live sah. Das Pressing, die Schnelligkeit der jungen Breisgauer – das hatte den Trainer mächtig beeindruckt. Auch Disziplin und Ordnung sind ihm wichtig, nichts soll den taktischen Plan durcheinander bringen. Lewerenz rüffelt er so, weil der sich im Spiel über eine Aktion von Kuduzovic beschwert.

Der neue Kapitän Fouad Brighache ist hingegen bereits der Taktgeber für die jüngeren Mitspieler. „Den Gegner laufen lassen“, fordert er just in einem Moment, als nach Ballverlusten und einem Abseitstor von Sözen leichte Hektik in den eigenen Reihen ausbricht. Der 30-Jährige spielt einen ruhigen Pass und nimmt die Nervosität raus. Am Ende der gesamten Trainingseinheit von insgesamt 100 Minuten hat das Team A mit 2:0 gewonnen (Tore: Kuduzovic, Pagenburg). Die Spieler gehen erschöpft zu dem Getränketisch von „Steff“ Reisen, schnell leert sich der 12-Liter-Kanister mit den isotonischen Getränken, im Hintergrund brummt bereits der Motor des Busses, der zur Abfahrt bereit ist.

Auch aus Reutlingen. Nach einem Besuch im Outlet-Store stand den Spielern der Abend zur freien Verfügung – zu Stadtbesuchen, Pokerrunden, Olympia, Quatschen. Am Sonntag wurde ausgelaufen, gefrühstückt und die Reise nach Trier angetreten. Montag ist frei, dann soll die letzte Spannung aufgebaut werden. Denn ab Dienstag steht die Vorbereitung für Freiburg auf dem Programm. Noch sechs Tage – dann startet das neue Abenteuer in der Regionalliga Südwest. Nach der Taktikschule beginnt langsam wieder der Ernst des (Fußball-)Lebens…

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