„Toni“ und das Champions-League-Märchen

Borussia Dortmund begeisterte ganz Deutschland mit dem 4:1-Sieg gegen Real Madrid. Unter den 65.829 Zuschauern, die das Spektakel live im Stadion sahen, war auch Christoph Anton. Der Offensivspieler von Eintracht Trier ist BVB-Fan – und sammelte selber mit seinem Treffer gegen den FC Homburg neues Selbstvertrauen.

Erst das Tor gegen Homburg, dann zum Champions-League-Wunder nach Dortmund: Christoph Anton.

Ob er Bilder von dem unvergesslichen Abend habe? „Ja“, sagt Christoph Anton und lacht. „Aber die sind alle verwackelt.“ Die Hände ruhig zu halten, wäre am Mittwoch beim Champions-League-Märchen von Borussia Dortmund auch ein kleines Wunder gewesen. Anton gehörte zu den 65.829 Zuschauern, die den 4:1-Erfolg im Halbfinale gegen Real Madrid live im Stadion sahen. Der Mittelfeldspieler von Eintracht Trier ist seit seiner Kindheit ein großer BVB-Fan. Wenn es die Zeit zulässt, fährt er gerne zu den Spielen von Jürgen Klopp und Co. Das Europapokal-Spektakel setzte seinem Besuch nun die Krone auf. „Das war ein ganz besonderes Spiel, vor dem Anpfiff war schon eine besondere Spannung zu spüren. Es war nichts Alltägliches. Ich hatte von der ersten bis zur letzten Minute Gänsehaut.“

Mit Freunden aus Schoden machte sich Anton nach dem Mannschaftstraining am Mittwoch auf nach Dortmund. Kurzfristig konnten die Dortmund-Anhänger sich noch vier Tickets sichern. „Bereut habe ich es nicht“, scherzt der 21-Jährige, der nach Auslaufen und Koordination schnell ins Auto stieg. Was er dann in der Arena erlebte, riss ihn minütlich von den Sitzen. Schon vor dem Anpfiff beeindruckte Anton, wie die Reaktionen der Fans auf Mario Götze waren. Der Wechsel des Megatalents zum FC Bayern war einen Tag vor dem Champions-League-Kracher die Nachricht schlechthin gewesen. „98 Prozent der Leute haben ihn und die Mannschaft unterstützt. Das hat er sich auch verdient nach allem, was er für Dortmund geleistet hat. Die paar Pfiffe und Beleidigungen, die kamen, hat man nicht so wahrgenommen.“

Dann begann das Spiel – und die große Show von Robert Lewandowski. DerAngreifer zeigte eine phänomenale Leistung mit vier Toren. Anton staunte Bauklötze. „Ihn im Stadion zu sehen ist noch einmal was ganz anderes als vor dem Fernseher. Wie er jeden Ball behauptet, egal, ob er hoch oder flach angespielt wird, ist genial. Für mich ist er der kompletteste Stürmer in Europa.“ Die Ehrenrunde der Mannschaft nahm Anton so nach dem Sieg noch mit, bevor es wieder nach Hause ging, wo er gegen 2 Uhr ankam. „Ich hätte ein 4:1 niemals erwartet und bin eigentlich von einer engen Kiste ausgegangen. Als das Tor für Madrid fiel, hat das ganze Stadion die Mannschaft nach vorne gepeitscht“, erzählt er mit leuchtenden Augen.

„Ich definiere mein Spiel nicht über Tore“

Welches Tier Anton mit seinem Jubel darstellt, bleibt ein Geheimnis zwischen ihm und Michael Dingels.

Für Anton war der Trip nach Dortmund der Bestandteil einer Woche, die schon einen furiosen Anfang genommen hatte. Beim 2:1-Sieg gegen den FC Homburg traf „Toni“ nach vier Minuten zum 1:0. Es war sein erster Treffer in der Regionalliga seit dem 3:0-Erfolg beim FSV Frankfurt II am 26. August 2012, ehe ihn mehrere Bänderrisse im Fuß für Monate außer Gefecht setzten. Mittlerweile kommt der Hoffnungsträger, der einen Vertrag bis 2014 hat, besser in Fahrt. Die alte Spielfreude blitzt auf, der alte Eifer ist zurück. Auch, wenn in den „Englischen Wochen“ oft noch die Frische fehlt.

Der „Anton aus Tirol“, seine persönliche Torhymne, lief zwar nicht, weil der USB-Stick mit dem Lied ausgerechnet an dem Tag fehlte. Aber bei seiner Auswechslung wurde er mit dem Party-Song nachträglich entschädigt. „Das war ein schönes Gefühl. Aber ich definiere mein Spiel nicht über Tore“, sagt Anton, der sich eher als Teamplayer sieht. „Wenn alle Spieler verteidigen, sich in den Dienst der Mannschaft stellen und wir dann den Dreier einfahren, ist das der schönste Lohn.“

Im Spitzenspiel beim 1. FC Kaiserslautern II (Samstag, 14 Uhr) kann Anton aber nicht mithelfen. Er sah gegen Homburg die fünfte Gelbe Karte und ist gesperrt. „Darüber ärgere ich mich richtig. Ich wäre gerne dabei gewesen.“ Denn ganz aufgegeben hat der Allrounder die Hoffnungen auf die Relegationsplätze noch nicht. Auch wenn der 1:0-Sieg von Hessen Kassel in Elversberg die Chancen nicht verbessert hat. „Wir müssen Gas geben, um weiter dran zu bleiben.“ Und um am 25. Mai vielleicht doch noch hoffen zu dürfen, wenn es am letzten Spieltag zum SC Pfullendorf geht.

Ein Termin, den Anton sowieso im Kopf gespeichert hat. Dann wird nämlich auch das Champions-League-Finale in London ausgetragen. Und wenn Dortmund im Rückspiel in Madrid an seine Leistung von Mittwoch anknüpft, dürfte die Mannschaft sicher dabei sein. Allerdings ohne Anton im Stadion. „Wenn es so weit kommt, werde ich abends bestimmt ein schönes Plätzchen finden, wo ich das Spiel gucken kann.“ Gute Karten würde er für seinen BVB sehen, falls es gegen dar Starensemble von der Isar geht. „Bayern wäre der Favorit. Aber Jürgen Klopp ist bekannt dafür, seine Mannschaften gut einstellen zu können. Dortmund wäre bestimmt nicht chancenlos.“

Das Video zum 2:1-Sieg gegen Homburg

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