Trostlos, einfallslos – 0:1-Pleite gegen Koblenz

Von Florian Schlecht (Text), Anna Lena Grasmück (Fotos), Benjamin Judith und Holger Görgen (Video)

Eintracht Trier schlittert in der Regionalliga Südwest in eine Krise. Das 0:1 gegen Koblenz war das dritte sieglose Spiel in Folge. Die Mannschaft verschlief die erste Halbzeit maßlos.

Wie begossene Pudel standen die Fußballer von Eintracht Trier um 20.48 Uhr im strömenden Regen im Moselstadion und hielten sich fassungslos an den Köpfen. Beim Gang in die Kabinen schimpften einige Fans, Torge Hollmann diskutierte einige Minuten mit ihnen, beschwichtigte sie und ging seinen Kollegen dann langsam nach. Es war ein bezeichnendes Bild einer trostlosen, emotionslosen, ratlosen Vorstellung beim 0:1 (0:1) gegen die TuS Koblenz, dem dritten sieglosen Spiel in Folge, das den Regionalligisten immer weiter in die Krise schlittern lässt.

Die Reaktion auf die 1:3-Pleite bei Waldhof Mannheim blieb so völlig aus. Zwar rannte Trier im zweiten Durchgang noch gegen die drohende Niederlage an, verbuchte in der Schlussphase Möglichkeiten zum Ausgleich, doch das kaschierte nicht den katastrophalen Auftritt in der ersten Halbzeit, die die Platzherren in allen Bereichen maßlos verschlief. Das ausgegebene Ziel, wieder eine Heimmacht zu werden – in dieser Verfassung ist die Eintracht davon meilenweit entfernt.

Auf der anderen Seite feierte Gäste-Trainer Peter Neustädter ein gelungenes Debüt nach wenigen Tagen im Amt. Er freute sich über das entscheidende Tor in der 43. Minute, bei dem Michael Stahl einen Freistoß von der Strafraumgrenze direkt verwandelte. „Wir haben kämpferisch alles gegeben und uns den Sieg verdient“, jubelte der neue Coach. Eintracht-Schlussmann Andreas Lengsfeld sah bei diesem Treffer unglücklich aus – und reihte sich damit in einen Auftritt der Heimelf an, die kollektiv weit von ihrer Normalform entfernt war. Wie bereits eine Woche zuvor im Carl-Benz-Stadion.

4-4-2-System ohne Wirkung

Trainer Roland Seitz hatte die Mannschaft im Vergleich zum zuvor bereits schwachen Auftritt zwar auf zwei Positionen umgestellt. Fabian Zittlau nahm den Posten des linken Außenverteidigers ein, Kapitän Fouad Brighache wechselte dafür in das rechte Glied der Viererkette. Thomas Konrad saß auf der Bank. Markus Fuchs ersetzte dagegen den zuletzt schwächelnden Fahrudin Kuduzovic, wodurch die Eintracht erstmals in dieser Saison im 4-4-2-System agierte. Wer sich dabei aber eine offensivere Ausrichtung erhoffte, wurde bitter enttäuscht. Koblenz präsentierte sich kompakt, gewährte keine Räume und entfachte die gefährlicheren Angriffe. Thomas Klasen tauchte bereits in der Anfangsphase bei seinem Ex-Verein vor dem Gehäuse auf, traf nur die Latte (5.). Rachid Bouallal donnerte eine Hereingabe über das Tor (29.). „Hier musst du schon lange führen“, flüsterte ein Koblenzer Journalist auf der Haupttribüne. Wenig später klingelte es dann nach dem Stahl-Freistoß, es war fünfte Gegentreffer für Trier über Standardsituationen in dieser Saison.

Die Hausherren wirkten dagegen bei ihren eigenen Bemühungen erschreckend einfallslos, probierten sich in langen und wirkungslosen Bällen. Das Mittel, Koblenz über die Flügel zu knacken, scheiterte auch durch einen Mangel an Bewegung, Kreativität und einer Vielzahl an Fehlpässen. „Wir haben zu wenig getan“, bekannte Seitz.

Im zweiten Durchgang entfachte die Eintracht mehr Initiative, doch erst zum Ende hin sprangen Chancen aus der Überlegenheit heraus. Besonders Fahrudin Kuduzovic sorgte nach seiner Einwechslung für Schwung. Fabian Zittlau köpfte knapp vorbei (59.), Steven Lewerenz probierte aus der Distanz sein Glück (78.),  ‚Faz‘ selber scheiterte im Doppelpack am glänzend reagierenden Dieter Paucken (69., 94.). „Wenn du die Dinger nicht machst, verlierst du so ein Spiel“, meinte Seitz. Doch zugleich verpassten der Trainer und seine Mannschaft die Saat in der ersten Hälfte, um eine Ernte einzufahren, die am Ende nicht verdient gewesen wäre. Sportlich rutscht Trier in der Tabelle so ab, Koblenz zog am Rivalen vorbei. „Wir müssen uns jetzt anders orientieren“, wusste auch Seitz. Der Trend zeigt nach unten.

Statistik

Eintracht Trier – TuS Koblenz 0:1 (0:1)

Trier: Lengsfeld (5)Brighache (4,5), Klinger (4,5), Hollmann (3,5), Zittlau (4) – Kröner (5, ab 81. Lubasa) – Lewerenz (3,5), Abelski (4,5), Watzka (5 /ab 59. Kuduzovic 3,5) – Pagenburg (4), Fuchs (4, ab 70. Sözen).

Koblenz: PauckenBartsch, Nonnenmann, Haben, Gentner – Stahl, Dzaka – Bouallal, Klasen, Haubrich (66. Assauer) – Ferfelis (76. Rinker).

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lichtenberg).

Tore: 0:1 Stahl (43.).

Zuschauer: 2.238

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Kommentare (9)

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  1. Sievo sagt:

    Trierer,
    erstens bin ich kein großer Experte und zweitens kann ich mich nicht engagieren, weil ich durch eine Schwerbehinderung nicht mehr dazu in der Lage bin. Aber nur nebenbei erwähnt möchte ich sagen, dass ich früher schon etliche Jahre für den Verein ehrenamtlich tätig war. Dass ich ein gesellschaftliches Problem bin, ist mir auch nicht neu, aber nicht weil ich das Problem bin, sondern weil mich andere Menschen als Problem sehen.

  2. Trierer sagt:

    Der Vorstand bezahlt doch sowieso alles hier aus eigener Tasche. Das ist doch das Problem das jeder hier mit dem Mundwerk groß dabei ist. Und wenn die wieder zweimal gewonnen haben ist wieder alles toll.

    @Sievo: wenn du so ein großer Experte bist und auch noch Eintracht Fan dann angagier dich doch auch mal. Leute wie du sind doch ein gesellschaftliches Problem weil alle nur noch fordern aber vor allem im Ehrenamt nichts mehr machen wollen.

  3. Sievo sagt:

    Wer möchte meine Dauerkarte haben?

  4. RRPSCH sagt:

    Sieg oder Flieg , Herr Seitz!

  5. schustermanni sagt:

    mann hat im vorfeld von unserem gegner koblenz, von einem angeschlagenen boxer gesprochen , und somit kann ich nicht verstehen, wie man , mit einer solchen taktikt ins spiel gehen kann, hier hat presing , kampfgeist, und der wille zum sieg gefehlt, wenn sich hier an nichts ändert , kommen harte zeiten, auf unszu zudeshalb hoffe ich und alle auf die wende gruß und noch ein schönes wochenende

  6. Eintracht 4ever sagt:

    Dem Lengsfeld die Schuld zu geben ist zu einfach. Der ist zwar unsicher, aber nicht der Schuldige allein. Da fehlt es leider an allen Ecken. Würde aber einen Torwartwechsel befürworten, weil dann vielleicht die ganze Hintermannschaft mehr Sicherheit bekommt. Ein guter Torwart könnte da von hinten her auch mal Anweisungen geben, wie man sich verhalten soll bei Standards oder Eckbällen des Gegners.

  7. Schaengel sagt:

    Macht euch nix draus … Die Punkte bleiben im Land und IHR bleibt auch in der Liga.

    Schönen Gruß vom Deutschen Eck!

  8. treverer sagt:

    Koblenz hat es vorgemacht, schießt diesen Trainer in den Mond. Er hat es einfach nicht drauf!!!

  9. fan sagt:

    leider ist die eintracht schon lange von irgendeiner form
    weit entfernt, und ein spielsystem weder mit einem , noch mit zwei stürmern wird beherrscht -platte trainerweißheiten als trostpflaster helfen da ebensowenig , wie das rumhacken auf langsfeld, das ganze hat keine substanz mehr.

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