Eintracht Trier: „Wir waren nicht frisch genug“ – 0:0 gegen Essen / VIDEO

Steckte das Pokalspiel gegen den HSV noch in den Knochen? Eintracht Trier kam gegen RW Essen vor 6.238 Zuschauern erst spät in Schwung und verlor wichtige Punkte im Titelrennen. 

Denny Herzig stand auf dem Rasen, diskutierte intensiv mit Waldemar Wrobel und war für einige Sekunden abgelenkt. Der Abwehrspieler von Eintracht Trier schwelgte mit dem Trainer von Rot-Weiss Essen in Erinnerungen an die gemeinsame Zeit im Ruhrgebiet, in der Saison 2009/10 war Herzig Kapitän an der Hafenstraße, ehe seine Zeit dort durch den Zwangsabstieg ein jähes Ende fand. Auch die Gegenwart sorgte eher für einen skeptischen Blick bei Herzig. Um ihn herum verließen die 6.238 Zuschauer im Moselstadion missmutig das weite Rund, 0:0 hieß es nach 90 Minuten in einem Spiel gegen Essen, in dem die Eintracht wichtige Zähler im Titelrennen verlor. Für den Abwehrspieler wog das bittere Pokalerlebnis gegen den Hamburger SV einfach zu schwer. „Jeder wollte seinen inneren Schweinehund überwinden, das war allen Gesichtern in der Kabine deutlich anzusehen“, meinte Herzig. „Aber wir waren nicht frisch genug, die 120 Minuten haben uns in den Knochen gesteckt.“

Einfach abhaken wollte Kapitän Thomas Drescher das trostlose Spiel gegen Essen, das auch er den Nachwehen der intensiven Pokalminuten zuschrieb. „Das war ein typisches 0:0-Spiel. Wir müssen die Schublade gleich zumachen. Unsere Köpfe waren nicht völlig frei, das muss man sehen.“ Es war so ein Spiel, das die Spieler insgeheim befürchtet hatten, ohne es in den Tagen zuvor zugeben zu wollen. Eintracht Trier kam in der ersten Halbzeit nicht in die Gänge, spielte ohne Elan, dafür aber mit einem schweren Rucksack. Der Schwung in der Schlussphase, als die Mannschaft noch einmal alle Kräfte mobilisierte, um noch einen hart umkämpften Sieg einzufahren, reichte nicht aus.

Rotation brachte nicht den erwünschten Effekt

Wojciech Pollok wollte seinen Auftritt nicht kommentieren.

Doch auch Rot-Weiss Essen war nicht ohne Vorbelastung in den Regionalliga-Alltag gegangen. Die Mannschaft von der Hafenstraße unterlag am Mittwoch noch Hertha BSC mit 0:3, hielt über eine Stunde mit Energie mit, was RWE-Trainer Waldemar Wrobel nach der Pressekonferenz erwähnt wissen wollte. „Das war auch ein hartes Stück Arbeit für uns.“ Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet beschränkte sich so auf kämpferische Elemente und eine gefestigte Defensive, in der Thomas Denker als Riese vor dem eigenen Tor alle Flanken aus der Gefahrenzone köpfte. Essen spielte im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich, entwickelte aber auch kaum Torszenen, doch dem bescheidenen Aufsteiger reichte das.

Anders die Eintracht, die nach dem 2:0-Sieg der Sportfreunde Lotte gegen Bochum II am Freitag nachziehen wollte und den Ballast der HSV-Niederlage mit Rotation vergessen machen wollte. Drei Kräfte rückten neu in die Startelf. Holger Knartz kam für Thomas Kraus rein, Martin Hauswald für den angeschlagenen Chhunly Pagenburg, Wojciech Pollok für Ahmet Kulabas. Die erhoffte Wirkung erzielten die Maßnahmen nicht. Stürmer Pollok hing in der Luft, war zu statisch und wurde von der Tribüne mehrfach kritisiert. Erst war er als einzige Spitze in vorderster Front hilflos, es fehlte das Durchsetzungsvermögen und die Bewegung. Dann wurde ihm mit Ahmet Kulabas ein Nebenmann für zwölf Minuten zur Seite gestellt, es änderte sich nichts am Bild. Am Ende wechselte Seitz den Angreifer aus. Die Zeit in Trier hat er sich bislang anders vorgestellt, es ist noch ein weiter Weg zurück zur alten Form, die ihn in Wilhelmshaven und Münster zum Torjäger machte. „Ich will mich nicht äußern“, wollte Pollok seinen Auftritt nicht kommentieren und verließ enttäuscht das VIP-Zelt.

„Wir waren das Opfer des Pokals“

Seitz vermied es, Einzelkritik zu üben und führte den generellen Auftritt in den ersten 45 Minuten auf den Pokal zurück. „Wir waren das Opfer von Dienstag. Der Kopf und das Fleisch waren nicht so willig wie in Mönchengladbach und daheim gegen Verl.“ Thomas Drescher rätselte hingegen über das fehlende Feuer im Trierer Spiel. „Ob es fehlende Laufbereitschaft war oder am Kräfteverschleiß gelegen hat, weiß ich nicht.“

Erst im zweiten Durchgang kurbelte die Eintracht ihr Spiel gegen immer verhaltenere Essener an, jedoch ohne ein Dauerfeuer abzubrennen. Einen Freistoß von Thomas Drescher lenkte RWE-Torhüter Dennis Lamczyk zur Ecke (49.), ein Versuch von Alon Abelski aus 25 Metern zischte vorbei (75.). Turbulent wurde es in den letzten zehn Minuten, als Tolgay Asma nach einer langen Leidenszeit mit Kreuzbandriss und Sperre in der Oberliga sein Comeback feierte. Dabei bot er sich über Kurzarbeit an. Einen präzisen weiten Ball des Technikers nahm Thomas Kraus mit, scheiterte aber freistehend an Lamczyk (82.). „Leider haben wir die wenigen Chancen nicht genutzt, das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Spiele“, stöhnte Drescher. Vielleicht war es aber auch so ein Tag von der Sorte, an dem das 0:0 schon das Optimum war, das mit der Vorgeschichte des Pokals und bissigen Essenern möglich war. Das deutete auch Seitz zwischen den Zeilen an. „Wir müssen am Ende mit dem Punkt zufrieden sein.“

Eintracht Trier – Rot-Weiss Essen 0:0

Trier: Poggenborg – Cozza, Stang, Herzig, Drescher – Karikari – Hauswald (60. Kulabas), Abelski, Kuduzovic (82. Asma), Knartz – Pollok (72. Kraus).

Essen: Lamczyk – Lehmann, Jasmund, Denker, Grund – Heppke – Koep, Tokat (74. Kuta), Brauer, Lemke – Lenz (83. Avci).

Schiedsrichter: Florian Steuer (Menden).

Zuschauer: 6.238

VIDEO-Stimmen zum Spiel:

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Kommentare (3)

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  1. Eintracht-Fan sagt:

    Finde richtig was Dreschi1987 geschrieben hat. So was wie gestern geht nicht. Bei einer berechtigten Auswechslung sollte man doch soviel „Profi“ sein und dem Trainer die Hand reichen. Wenn man sich so benimmt, dann muß man sich über nichts mehr wundern. Fußball ist nun mal ein Mannschaftssport und da muß man für die Mannschaft spielen oder man sollte sich eine Sportart für „Einzelkämpfer“ suchen.

  2. gerd sagt:

    das spiel war im grunde langweilig, irgendwie lief heute alles nicht wirklich rund , kaum einmal eine zündende idee, pollok war so etwas von schwach, und auch hauswald habe ich schon besser gesehen, knartz und -wenn auch nur für 10 minuten-asma haben sich ganz gut präsentiert

  3. dreschi1987 sagt:

    @Flo : sehr guter bericht !!mach weiter so !!!!

    ….nur der stürmer der von anfang an gespielt hat kommt zu gut weg….so eine frechheit was der abgeliefert hat !!! wenn ich nur zum kader gehöre und jetzt mal von anfang an ran darf und dann so eine leistung abliefere darf er sich nicht beschweren wenn er wieder auf der bank platz nehmen muss !!!! eine weitere frechheit heute hauswald ohne abklatschen mit dem trainer unfassbar ….eine sauerei sondergleichen…. das denk ich wird unter roland seitz wird da noch eine strafe kommen !!! aber wie dreschi sagte abhaken und weiter am samstag in bochum wieder ein dreier !!!!

    nur der sve !!!

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