„Vielleicht wollte ich es einfach zu sehr“

Von Florian Schlecht

Ein gefrusteter Elfmeterschütze gibt sich kämpferisch: Fahrudin Kuduzovic hat den Fehlschuss gegen den FSV Frankfurt II verdaut. Der Start von Eintracht Trier ist verpatzt, nach wie gibt es viele Probleme im Spiel. Doch die Fußballer glauben an ein baldiges Erfolgserlebnis.

„Die Jungs und der Trainer haben mich aufgebaut.“ Foto: Anna Lena Grasmück

Fahrudin Kuduzovic war untröstlich. Nach dem vergebenen Elfmeter gegen den FSV Frankfurt II in der 94. Minute der Nachspielzeit sackte der Mittelfeldspieler von Eintracht Trier in sich zusammen. Mit missmutiger Laune schlich er nach der 0:1-Heimpleite durch das VIP-Zelt. „Mir war so, als wäre das alles gar nicht wirklich passiert. Das war einfach ein Scheißtag“, sagt der Bosnier. Dabei wollte Kuduzovic Verantwortung übernehmen, als es drauf ankam. Mit einem Tor zum möglichen Ausgleich wollte er den kompletten Fehlstart aus der Winterpause verhindern, obwohl auch ein 1:1 eine unzureichende Ausbeute für den Fußball-Regionalligisten gewesen wäre. „Eigentlich liebe ich eine solche Situation. Ich habe mich so gut gefühlt, so aggressiv und selbstbewusst. Aber vielleicht wollte ich es einfach zu sehr.“

Für Kuduzovic war es der dritte vergebene Elfmeter in der laufenden Saison. Roland Seitz kündigte noch in der Pressekonferenz an, zukünftig einen anderen Schützen antreten zu lassen. Die Aussage nimmt ihm der Spieler nicht übel. „Ich bin dem Trainer und den Jungs dankbar, weil sie mich danach in Gesprächen aufgebaut haben.“ So schaut der 28-Jährige stellvertretend für seine Mannschaft nach vorne. „In solch einer Situation sage ich umso mehr, dass es weitergehen muss.“

Der Elfmeter von Kuduzovic war aber nicht der größte Problem bei der Pleite gegen den FSV Frankfurt II.  Die Trierer plagen derzeit mehrere Sorgen: Nach wie vor fehlt es vielen Spielern wie Alon Abelski nach langer Verletzungspause an der nötigen Fitness, um stabile Leistungen abzurufen. Kreativität, Mut und Präzision waren auf den letzten Metern vor dem Strafraum Mangelware, um einen harmlosen Abstiegskandidaten vor echte Hürden zu stellen.

„Das Spiel nach vorne ist uns etwas abhanden gekommen“, gesteht Maximilian Watzka. „Es ist klar, dass man vorne nach einem 1:6 nicht mit voller Pulle rein peitscht. Wir haben uns einige Szenen gut rausgespielt, aber die Torgeilheit in der Box hat gefehlt.“ Dabei soll die Rückkehr von Torjäger Chhunly Pagenburg helfen, der nach Magenproblemen wieder auf dem Wege der Besserung ist. „Er ist immer in der Lage, ein Tor zu schießen“, meint Watzka. Die Aussage zeigt aber auch: Die Eintracht ist abhängig von ihrem Torjäger – und harmlos ohne ihn.

Dazu bröselte nach einem Gegentor erneut die Trierer Ordnung auf. Watzka führt das auf das fehlende Selbstvertrauen zurück.„In unserer Lage ist es nicht einfach, dann den Kopf oben zu bewahren. Bis dahin waren wir in den Zweikämpfen drin und aggressiv. Das 0:1 war ein Schlag ins Gesicht“, so Watzka.

Die Fußballer behalten jedoch weiter die Nerven – auch wenn der Druck nach den beiden Niederlagen steigt. Nur mit schnellen Erfolgserlebnissen kann Trier noch auf eine Chance im Rennen um die Relegationsplätze hoffen. Der Weg dahin ist schwer. „Untergangsstimmung ist nicht angesagt. Es hilft nichts, sich gegenseitig zu zerfleischen. Wenn wir die Mentalität auf den Platz bringen, dass jeder für den anderen da ist, werden wir automatisch wieder Erfolg haben“, hofft Watzka.  Er selber wird im Nachholspiel gegen den SC Freiburg II (Mittwoch, 19 Uhr) von der Tribüne aus die Daumen drücken müssen, weil es gegen den FSV Frankfurt II die fünfte gelbe Karte setzte. „Ich würde der Mannschaft gerne helfen.“ Den Glauben an eine Wende hat der Mittelfeldspieler aber nach wie vor: „Vielleicht kommen in dieser Saison ja noch entscheidendere Spiele.“

+++Eintracht in Kürze+++

Ohne Watzka gegen Freiburg II – Nicht nur die Kartensperre setzt Maximilian Watzka gegen Freiburg II außer Gefecht. Der Mittelfeldspieler ist dazu noch umgeknickt. „Der Fuß ist ganz blau geworden.“ Am Montag steht so zunächst ein Arztbesuch an, der Aufschluss über den Grad der Verletzung geben soll.

Einsatz von di Gregorio fraglich – Baldo di Gregorio droht wegen einer Adduktorenzerrung erneut auszufallen. Der Deutsch-Italiener will am Dienstag wieder ins Training einsteigen. Seine Mitspieler nimmt er nach der Heimpleite gegen den FSV Frankfurt II in Schutz. „Die Jungs haben gefightet, von der Zweikampfstärke sind wir auf einem guten Weg. Panik ist nicht angebracht. Wir haben immer gesagt, dass ein Platz unter den ersten fünf Mannschaften unser Ziel ist.“

Fanspenden von über 17.000 Euro – „Einer geht noch rein“: Unter diesem Motto hatte der Supporters Club Trier (SCT) im Dezember und Januar alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Eintracht Trier die gewünschten personellen Verstärkungen in der Winterpause finanziell zu ermöglichen. Und das Ergebnis konnte sich wahrlich sehen lassen: Kurz vor dem Heimspiel gegen den FSV Frankfurt II überreichten Eva Schneider und Tim Adam vom SCT-Vorstand den Eintracht-Vorstandsmitgliedern Ernst Wilhelmi und Roman Gottschalk einen symbolischen Scheck über 17434,94 Euro. Über 200 Spender haben diese vorher kaum für möglich gehaltene Summe erbracht.

Koblenz verzichtet auf Lizenzantrag, Hoffenheim siegt – Während Eintracht Trier zum 1. März alle Lizenzunterlagen für die 3. Liga eingereicht hat, verzichtete Ligarivale TuS Koblenz überraschend auf einen Antrag, weil sie keine Chance auf eine Spielberechtigung sah. Als „nach wie vor prekär“ bezeichnete Präsident Werner Hecker die finanzielle Situation auf der Homepage des Vereins, den nach wie vor Altschulden belasten. Auf den zweiten Relegationsplatz geschoben hat sich am Wochenende 1899 Hoffenheim II durch einen 2:0-Erfolg gegen Wormatia Worms.

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