Eintracht Trier: Vom Feierabend in den „Baby-Sturm“

Von Florian Schlecht

Christoph Anton und Burak Sözen arbeiteten Freitag noch für ihre Ausbildung – und feierten abends ihr Regionalliga-Debüt. Für beide war es ein besonderer Tag. Nun laufen die Gespräche über die Zukunft.

Nach starken Oberliga-Spielen Christoph Anton feierte sein Debüt im Regionalliga-Derby. Foto: Anna Lena Grasmück

Ausschlafen war für Christoph Anton und Burak Sözen am Freitag ein Fremdwort. Der Wecker klingelte die beiden Azubis schon früh aus den Federn. Während Anton bis 13 Uhr mit Lernen für seine Ausbildung als Physiotherapeut im Brüderkrankenhaus beschäftigt war, stand Sözen bis 14 Uhr im Friseursalon in Konz. Abends bestand der „Baby-Sturm“ dann beim Derby gegen die TuS Koblenz seine Bewährungsprobe vor Fans und Flutlicht mit dem gemeinsamen Regionalliga-Debüt für Eintracht Trier.

„Es hat einen Riesenspaß gemacht, das Erlebnis kann ich ruhig öfters haben“, lächelte Anton ganz bescheiden. „Ein geiles Gefühl und Gänsehaut pur“, erlebte Sözen, als er mit einem Blick auf die 2300 Zuschauer auf den Rasen lief. Trainer Roland Seitz machte angesichts der vielen Ausfälle in der Offensive (Chhunly Pagenburg, Ahmet Kulabas, Wojciech Pollok) aus der Not eine Jugend.

Christoph Anton durfte gar von Beginn an im Angriff auflaufen und überzeugte mit erfrischenden Dribblings, Technik und Schnelligkeit. Zehn Minuten vor dem Ende ging auch für A-Jugend-Torjäger Burak Sözen der Traum vom Einsatz bei den Profis in Erfüllung. Mit zwei Schüssen fügte er sich ohne Ehrfurcht ein. „Die Jungs haben einen super Job gemacht“, lobte Kapitän Torge Hollmann. „Es hat Spaß gemacht, wie sie gefightet haben.“ Dabei nahmen sich die erfahrenen Kräfte des Kaders den Nachwuchskräften an. „Jeder hat mit den Spielern gesprochen“, bekräftigte Hollmann. „Ich wollte irgendwie spielen und irgendwie auch nicht, weil das alles schon aufregend war“, gestand ein lachender Sözen schon erste Unruhe vor dem großen Auftritt. „Wir wurden super aufgenommen, nach wenigen Sekunden hatte ich schon den Tunnelblick“, strahlte Anton, der am Donnerstag um 17 Uhr erst den Anruf bekam, im Kader zu stehen.

Eine lange Leidenszeit

"Roland, der Junge will morgen spielen." Torwarttrainer Sascha Purket und Coach Roland Seitz (v.l.). Foto: Anna Lena Grasmück

In der Oberliga-Reserve kommt er in dieser Saison auf sechs Treffer in 20 Spielen. Wenige Stunden vor dem Derby zitierte ihn Trainer Roland Seitz ins Büro. „Ich darf von Anfang an spielen“, war die Erkenntnis für den Offensivallrounder, als er die Tür nach dem Gespräch hinter sich schloss. Die Hoffnung auf ein Spiel in der Regionalliga – Anton hatte sie schon fast aufgegeben. Mit 15 Jahren galt der Junge aus Schoden bereits als großes Talent in der Region, Stützpunkttrainer Peter Schuh förderte ihn fleißig, zu Lehrgängen der Jugend-Nationalmannschaften wurde Anton in den erweiterten Kader eingeladen.

Doch dann begann eine echte Leidenszeit. Er brach sich die Schulter, wurde operiert, ging in die Reha – und zog sich wieder die gleiche Verletzung zu. Als Anton auf dem Wege der Besserung war, warf ihn ein Knöchelbruch zurück, wieder erholte er sich – und wieder gab es einen Rückschlag. „Das hat mich zwei Jahre gekostet. Natürlich zweifelt man in so einer Phase, ob man jemals wieder zurückkehrt“, erzählt der Techniker, der den Auftritt gegen Koblenz auf großer Bühne so genossen hat.

„Die Freude ist noch größer. Ich will nun weiter Gas geben und verletzungsfrei bleiben.“ Zunächst aber ist der 20-Jährige für die Regionalliga eingeplant, auch wenn er das noch nicht verinnerlicht hat. Als der Wirbelwind am Freitag das VIP-Zelt frühzeitig das VIP-Zelt verließ, begründete er das gegenüber Torwarttrainer Sascha Purket damit, am Samstag noch für das Oberliga-Team spielen zu müssen. „Hast du das gehört, Roland? Der Junge will morgen spielen“, grinste Purket in Richtung von Seitz. „Du schonst dich erst einmal für uns“, war die klare Anweisung des Chefs für Anton, dem am Mittwoch gegen Dortmund II erneut eine Einsatzchance winkt.

Sözen: „Mein Herz schlägt für Trier“

Burak Sözen glaubt an eine Zukunft in Trier.

Sözen hingegen verdiente sich seine Minuten nach einer starken Saison bei der A-Jugend mit 25 Saisontoren und auch schon vier Treffern in der zweiten Mannschaft. Der ehrgeizige Stürmer will weiter angreifen. „Ich bin das Spiel schon im Kopf durchgegangen und überlege, was ich beim nächsten Mal besser machen kann.“ Das nächste Mal soll es nach dem glühenden Fan von Trabzonspor bald geben. „Ich traue es mir zu.“

Wie bei Anton werden mit dem 19-Jährigen bereits Gespräche über die Zukunft ab dem Sommer geführt. Zwar liegen dem Türken auch andere Angebote vor, „aber von meiner Seite stehen die Chancen sehr gut, dass ich hierbleibe“, hofft er. „Mein Herz schlägt für Trier.“ In der kommenden Woche soll eine Entscheidung fallen, seine Ausbildung ist Anfang Juli beendet. „Ab dann bin ich voll dabei und kann an jedem Training teilnehmen.“

Bei Anton muss hingegen nach einem Kompromiss gesucht werden, der Weg zum Physiotherapeuten ist noch weit und anstrengend, die Einheiten einer Profi-Mannschaft sind damit nicht leicht zu vereinbaren. „Grundsätzlich will ich hier aber Fuß fassen, will mich über Spiele und Training beweisen. Es ist schwierig unter einen Hut zu bringen. Aber für alles gibt es eine Lösung.“

Das erhofft sich Vorstandsmitglied Ernst Wilhelmi auch bei Christopher Spang. Der A-Jugendliche trainiert seit Wochen mit der Regionalliga-Elf und stand zuletzt regelmäßig im Kader. Auch er könnte bald von Seitz ins kalte Wasser geworfen werden. „Er steht  ein wenig vor dem Scheideweg, ob er sich für Fußball oder das Studium entscheidet“, so Wilhelmi. Will Spang Sport studieren, könnte ihn der Weg möglicherweise an die Unis nach Mainz oder Saarbrücken ziehen. Die Eintracht will ihre Talente unbedingt halten. „Das sind Eigengewächse aus der eigenen Jugend. Wir würden uns freuen, wenn sie bleiben.“

+++++Eintracht in Kürze+++++

Personalmisere spitzt sich zu – Die personellen Probleme von Eintracht Trier verschärfen sich weiter. Daniel Bauer fällt im Heimspiel gegen Borussia Dortmund II (Mittwoch, 19 Uhr) mit der fünften Gelben Karte aus. Diese sah er im Derby gegen die TuS Koblenz, vier Vorverwarnungen hatte er aus der Regionalliga Nord aus seiner Zeit beim 1. FC Magdeburg mitgebracht. Bei Oliver Stang bestand am Wochenende der Verdacht, dass er sich bei einem Zusammenprall am Nasenbein verletzt hat. Thomas Kraus klagte noch über eine Schwellung im Bereich des rechten Oberschenkels und der Kniekehle. „Ein Muskel war da gequetscht, hoffentlich ist nichts an den Bändern“, so der Angreifer, für den am Montag eine Kernspin ansteht.

Mittwoch gegen Borussia Dortmund II – Am Mittwoch trifft Eintracht Trier in einem Nachholspiel im Moselstadion auf Borussia Dortmund II. Anpfiff ist um 19 Uhr.

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln