Von der Fankurve zu den Idolen – Burak Sözen im Porträt

Im Pokalspiel gegen den Hamburger SV feuerte Burak Sözen die Spieler von Eintracht Trier noch von der Tribüne aus an. Am Mittwoch trainierte der 18-Jährige erstmals mit seinen Idolen mit. Mit 19 Toren ist der Türke der Top-Torjäger der A-Junioren.

Das DFB-Pokalspiel von Eintracht Trier gegen den Hamburger SV war für Burak Sözen ein Pflichttermin im Kalender. Mit seiner Eintrittskarte stand der 18-Jährige in der Nähe der Fankurve, sang gelegentlich bei den Anfeuerungsrufen mit und jubelte laut über die Führung von Ahmet Kulabas. „Das war schon ein cooles Erlebnis“, lacht er. Noch cooler wurde es am Mittwoch. Da spielte der Türke mit seinem Landsmann Kulabas direkt neben dem Moselstadion in einer Mannschaft. Der Torjäger der A-Jugend durfte nur acht Tage nach dem Pokal-Krimi erstmals mit seinen Idolen aus der Regionalliga trainieren. Es ist eine Belohnung für die 19 Tore, die der Stürmer in nur elf Spielen für die Junioren erzielt hat. „Ich will den Sprung nach oben unbedingt schaffen, es ist ja mein letztes Jahr in der Jugend“, sagt Sözen. „Ich werde hier richtig Gas geben.“

Ehrfurcht vor den großen Namen zeigte der Youngster so in der ersten Einheit nicht. Als drei Mannschaften ein Mini-Turnier untereinander ausspielten, hieß der erste Torschütze Burak Sözen. Aus fünf Metern überwand er Andreas Lengsfeld. Kleinere Fehler wurden ihm von den Profis verziehen, die ihn immer wieder aufmunterten. „Die Jungs haben mich super aufgenommen, es hat echt Spaß gemacht“, sagte der Angreifer, der nach der Einheit brav die Wasserkiste in die Kabinen trug.

Von Engers nach Trier

Das Training mit der ersten Mannschaft soll für ihn kein Intermezzo sein. Es ist der große Traum, auf den Sözen lange hingearbeitet hat. Als kleiner Junge trat er erstmals für den FV Engers gegen den Ball, trainierte außerhalb der Einheiten noch hart an seinem Schuss und seiner Torgefahr. „Ich habe mir immer einen Torwart mit auf den Platz genommen und dann die Bälle auf die Kiste geballert. Bei Wind und Wetter. Bei Regen und Schnee hat es mir am meisten Spaß gemacht“, strahlt er. Als er in der B-Jugend mit Engers den Aufstieg in die Rheinlandliga schaffte, steuerte er 48 von 78 Toren bei. Auf den Rohdiamanten wurde so auch die Eintracht aufmerksam. „Ich habe ein Probetraining in Trier besucht, und sie haben mich gleich hier behalten.“

Mittlerweile ist Sözen an der Mosel glücklich. Seine 16 Treffer im ersten A-Jugend-Jahr hat er in dieser Saison schon nach elf Spielen pulverisiert. In Konz lebt er bei seinem Bruder Fatih, der früher ür die Reserve von Mainz 05 in der Regionalliga spielte und derzeit in Luxemburg unter Vertrag steht. „Er ist mein Vorbild und hat mich für den Fußball begeistert.“ Die Eltern wohnen in Koblenz und kommen oft zu Besuch. A-Jugend-Trainer Herbert Herres ist begeistert von der Familie. „Burak ist ein anständiger Junge mit einem ausgeprägten Kämpferherz. Sein Bruder ist vernünftig und weiß durch seine eigene Karriere, was im Fußball geht und was nicht geht.“

„Bleibt er vernünftig, kann er den Sprung schaffen“

Dennoch bremst Herres die Euphorie um den jungen Stürmer, der schon das Interesse anderer Vereine geweckt hat. „Er kann fußballerisch noch einiges dazulernen, vor allem in der Arbeit gegen den Ball.“ Von den Qualitäten seines Torjägers ist der erfahrene Trainer aber überzeugt. Regionalliga-Coach Roland Seitz bestätigte er in einem Vier-Augen-Gespräch in der Entscheidung, den 18-Jährigen ins Training zu ziehen. „Zwischen der Regionalliga der Junioren und der Herren liegen Welten. Aber Burak holt immer alles aus sich raus, hat einen starken Schuss und Durchsetzungsvermögen. Wenn er vernünftig bleibt, kann er den Sprung schaffen.“

Im täglichen Leben ist der Jugendliche schon erstaunlich strukturiert. In einem Friseurladen in Konz absolviert er parallel zum Fußball eine Ausbildung. Im Juni 2012 stehen die letzten Prüfungen an. „Freizeit habe ich gar nicht, meistens gehe ich früh schlafen, um für den Beruf und das Training fit zu sein.“ Sein Chef unterstützt den torhungrigen Stürmer aber nach Kräften. Beim Debüt mit den Profis durfte er nach vier Stunden schon Feierabend machen. „Er ist fußballverrückt und rät mir, meinen Weg zu gehen“, freut sich Sözen, der glühender Fan von Trabzonspor und des türkischen Nationalspielers Burak Yilmaz ist. Mit Tolgay Asma, der sich in Trabzon bestens auskennt, unterhielt sich der 18-Jährige bereits vor dem Training fleißig über die Metropole in der Türkei. Über weiteren Smalltalk mit den Regionalliga-Profis auf dem Rasen würde er sich neben dem Aufstiegskampf mit den A-Junioren sicher freuen.

+++++Eintracht in Kürze+++++

Auch Anton und Theisen sollen mittrainieren – Neben Burak Sözen sollen auch sein Teamkollege Christopher Theisen und Oberliga-Spieler Christoph Anton in den nächsten Tagen mit der Regionalliga-Mannschaft trainieren. Anton bot sich zuletzt mit starken Leistungen in der Reserve an, der defensive Mittelfeldspieler Theisen soll nach muskulären Problemen ins Training einsteigen. „Die Jungs sind hoch veranlagt“, so Trainer Roland Seitz in einer Mitteilung des Vereins. „Der nächste Schritt in ihrer Entwicklung ist es, dass ich mir von ihnen jetzt über einen längeren Zeitraum genauer ein Bild von ihnen mache. Alles Weitere wird man dann sehen.“

Drescher, Cozza und Herzig pausieren – Nur leichtes Lauftraining absolvieren derzeit Thomas Drescher, Cataldo Cozza und Denny Herzig. Während Drescher nach wie vor an Beschwerden an Rücken und Achillessehne leidet, plagt Cozza eine Hüftprellung und Herzig eine Kapselverletzung am Zeh. „Die Jungs vor dem spielfreien Wochenende etwas kürzer treten zu lassen, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, glaubt Trainer Seitz auf 5vier-Nachfrage nicht an längere Ausfälle.

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