Eintracht Trier: WG-Neuling Pintol hofft auf Startelf-Debüt gegen Köln II

Von Florian Schlecht

Nach 41 Tagen wird im Moselstadion wieder Fußball gespielt. Am Samstag empfängt Eintracht Trier die Reserve des 1. FC Köln (14 Uhr). Trainer Seitz will Neuzugang Benjamin Pintol eine Chance von Anfang an geben.

Nach 41 Tagen Zwangspause tritt Eintracht Trier wieder im Moselstadion an.Foto: Anna Lena Grasmück

Chhunly Pagenburg ist ein Schelm, der immer einen Scherz auf Lager hat. Langsam ging der Mittelfeldspieler die Treppen des Backsteingebäudes hoch, setzte ein breites Grinsen auf, guckte verstohlen aus dem gekippten Fenster und rief: „Stellt ihm nicht zu viele Fragen, er ist noch ein bisschen nervös.“ Frech lachend wie nach einem gelungenen Jungen-Streich lief der nach Muskelproblemen genesene Pagenburg danach in die Kabine. Kurz darauf schlenderte Fabian Zittlau vorbei und grinste. “Unser neuer Superstar.” Benjamin Pintol lächelte, konzentrierte sich dann kurz und machte sich nach den Sprüchen Gedanken über sein mögliches Debüt in der Startelf von Eintracht Trier. Zumindest hat Trainer Roland Seitz angekündigt, den Neuzugang am Samstag gegen den 1. FC Köln II von Anfang an aufzubieten, wenn nach 41 Tagen Pause wieder Regionalliga-Fußball im Moselstadion gespielt wird (Samstag, 14 Uhr).

Durch die Gelbsperre von Thomas Drescher soll Zittlau die Rolle des Routiniers in der Viererkette übernehmen. Seitz spielt dafür mit der Idee, Fahrudin Kuduzovic auf die linke Außenbahn wechseln zu lassen und auf dem rechten Flügel auf Pintol zu bauen. Der 21-Jährige feierte beim 1:0-Sieg in Mainz seinen Liga-Einstand. „Ich will dem Typen Pintol eine Chance geben, weil er technisch stark ist und auch auf engem Raum Situationen spielerisch lösen kann“, so Seitz. Der Trainer hofft dabei auf das Zünglein an der Waage in den 90 Minuten, in denen er Köln II “als tiefstehenden Gegner” erwartet, “der uns wenig Platz gewähren wird”.

In einer WG mit Pagenburg und Kulabas

Benjamin Pintol hat gute Chancen auf einen Einsatz. Foto: Eintracht Trier

Pintol selber würde sich freuen, wenn es klappt mit dem ersten Einsatz in der Startformation. Das letzte Mal, als der 1,88-Meter-Schrank von Beginn an spielen durfte, siegte er mit dem FSV Frankfurt II in der Regionalliga Süd gegen den FC Memmingen 4:1 und erzielte zwei Tore. “Klar, ich bin etwas angespannt, aber das gehört dazu”, sagte der Flügelspieler, der nach einer Knieverletzung über ein halbes Jahr pausieren musste. Die vielen wetterbedingten Ausfälle von Eintracht Trier spielten ihm in die Karten, um sich nach verpasster Vorbereitung reinzukämpfen.

Eingelebt hat er sich schon, indem er in die WG von Chhunly Pagenburg und Ahmet Kulabas nach Schweich gezogen ist, wo er die Couch im spartanisch eingerichteten Wohnzimmer belegt. “Ich habe ein paar Sachen mitgebracht, das sieht nun schon viel freundlicher aus”, lachte er. Rhetorisch hat sich Pintol schon auf den Aufstiegskampf eingeschworen. “Wir sind heiß darauf, wieder an den oberen Plätzen zu schnuppern, nachdem die Konkurrenz gepatzt hat.”

„Es lastet schon ein gewisser Druck auf uns“

Wojciech Pollok scheint im Angriff weiterhin die Nase vor Ahmet Kulabas zu haben. Foto: Anna Lena Grasmück

Trainer Roland Seitz hielt sich mit ähnlichen Kampfansagen bedeckter, nach einer Woche, in der sich das Feld der Titelkandidaten auf vier Mannschaften verdichtet hat. “Wir haben zehn Punkte Rückstand, da sind wir weit davon entfernt, von mehr zu sprechen.” Punkt. Der Oberpfälzer beschränkt sich lieber auf die Philosophie, angesichts des Mammutprogramms mit 13 Partien in den nächsten sieben Wochen von Spiel zu Spiel zu gucken. “Wenn wir jetzt von einer Serie reden, erleben wir am Samstag um 15.50 Uhr gleich die erste Enttäuschung. Unser Ziel war es, die Gesamtsituation nach der Niederlage gegen Idar-Oberstein wieder ins Reine zu bringen. Davon sollten wir nicht wieder abgehen. Die Jungs sollen den Druck, der bei der Heimbilanz auf ihnen lastet, ablassen.”

Jeremy Karikari ist noch ein Spiel gesperrt, Pagenburg kehrt nach sechswöchiger Trainingspause in den Kader zurück, Alon Abelski fehlt weiterhin wegen eines Teileinrisses des Syndesmosebandes. Festhalten will Seitz bis auf die Hereinnahme von Pintol an der Mannschaft, die sich in den Testspielen und beim 1:0-Erfolg in Mainz bewährte. Damit hat Wojciech Pollok im Angriff weiterhin die Nase vorne vor Ahmet Kulabas. “Wir haben in Mainz im Gesamtverbund viel gegen den Ball gearbeitet, davon haben die Stürmer nicht profitiert”, nahm Seitz den polnischen Angreifer in Schutz, der nach wie vor auf sein erstes Pflichtspieltor für die Eintracht wartet.

„Nicht alleine auf die Defensive verlassen“

Auf der WG-Couch von Chhunly Pagenburg (l.) und Ahmet Kulabas (r.) schläft nun Benjamin Pintol.

Kulabas vertröstete er hingegen, an einen verärgerten Torjäger glaubte er nicht. “Durch die ganzen Nachholspiele müssen wir jetzt jeden dritten Tag Höchstleistungen erbringen. Da brauche ich jeden Mann. Die Fragen werden sich bald erübrigen.” Ansonsten hofft Seitz gegen Köln II auf mehr Kreativität als beim jüngsten 1:0-Arbeitssieg, wobei er auch Daniel Bauer als Ideengeber im zentralen Mittelfeld und den schwächelnden Kuduzovic in die Pflicht nimmt. “Wir müssen die Bälle schneller von A nach B transportieren, um zum Abschluss zu kommen. Den Level in der Defensive müssen wir halten. Aber darauf alleine können wir uns nicht verlassen.”

+++++Eintracht in Kürze+++++

Jugendspieler sollen Vertrag bekommen – Belohnung für Christopher Spang. Der A-Jugendliche soll am Samstag gegen die Reserve des 1. FC Köln im Kader stehen. Roland Seitz nahm die Nachwuchskraft in der Trainingswoche mit der Regionalliga-Mannschaft unter die Lupe und war angetan. “Wir gucken schon auf die Jugend. Es gibt ein paar interessante Jungs bei uns, die Talent haben und bei denen ich hoffe, sie frühzeitig binden zu können.” Als weitere Kandidaten nannte Seitz Christoph Anton aus der Oberliga-Reserve, der aber gerade eine Ausbildung in der Physiotherapie absolviert, “und der nach seinem Krankenstand der letzten beiden Jahre noch stabiler werden muss”. Beruflich eingespannt ist bis zum Sommer als nächster Kandidat für einen Vertrag Nachwuchsangreifer Burak Sözen, der eine Lehre zum Friseur bestreitet.

Rudi Thömmes verlängert bis 2013 – Rudi Thömmes hat seinen auslaufenden Vertrag als Co-Trainer bis zum 30. Juni 2013 verlängert. Das teilte der Verein am Freitag mit. Damit bleibt die „Identifikationsfigur, die ihren Erfahrungsschatz aus der aktiven Zeit einbringt“, wie Trainer Seitz ihn adelte, Eintracht Trier erhalten. „Roland und ich kommen prima miteinander aus und ich denke, wir ergänzen uns optimal“, gab Thömmes das Lob gerne zurück.

Kolumne von Stadionsprecher Martin Köbler – Stadionsprecher Martin Köbler stimmt ab jetzt in einer Kolumne für 5vier auf die Heimspiele von Eintracht Trier ein. Den ersten Teil gibt es hier zu lesen.

1. FC Köln II im Porträt – 5vier sprach auch mit Dirk Lottner, dem Trainer des 1. FC Köln II, über das Regionalliga-Spiel in Trier. Den Bericht zu den jungen Geißböcken finden Sie hier.

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