Eintracht Trier: „Wie ein Champions-League-Sieg“ – Test gegen Wehen

Das anstehende Duell in Koblenz elektrisiert auch die Spieler von Eintracht Trier. „Das sind Festtage“, sagt Chhunly Pagenburg, der für 1860 München schon gegen die Bayern spielte. Wie Thomas Drescher und Michael Dingels erinnert sich der Angreifer für 5vier an seine persönlichen Derby-Geschichten – und blickt voraus auf Samstag.

An den 28. August 2005 kann sich Michael Dingels noch genau erinnern. Es war ein Tag, der vielen Fans von Eintracht Trier lange in der Seele schmerzte, der für den stämmigen Verteidiger aber ein wichtiger Schritt in seiner Laufbahn war. Die Eintracht war damals gerade tragisch aus der 2. Bundesliga abgestiegen, spielte mit einer blutjungen Mannschaft gegen die TuS Koblenz – und ging mit 0:3 baden. „An das Ergebnis denke ich nicht so gerne zurück, aber trotzdem war es ein riesiges Erlebnis“, sagt Dingels.

Michael Dingels gab seinen Einstand bei der Eintracht gegen Koblenz.

Als frischgebackener Neuzugang aus der A-Jugend wurde er seinerzeit in der Halbzeit für den verletzten Harry Koch eingewechselt, es war auf lange Sicht die Übergabe des Staffelstabs und für Dingels das Debüt in der ersten Mannschaft. „Das war wie ein Traum, der in Erfüllung ging.“

Viel Wasser ist seitdem die Mosel runtergeflossen in den beiden Städten, die geographisch nur 125 Kilometer voneinander entfernt sind. Sportlich lagen meistens aber Welten zwischen den Vereinen. Lange Jahre verzauberte die Eintracht mit erfolgreichen Jahren im Profifußball, während Koblenz noch Feierabend-Fußballer beschäftigte. Doch parallel zum Absturz der Trierer begann bei der TuS die Blütezeit unter Milan Sasic. So freut sich Dingels über den lang ersehnten Machtwechsel, der sich gerade wieder anbahnt. „Bei uns wurde in den letzten Jahren gut gewirtschaftet, wir sind sportlich gut drauf.“ Den nächsten Schritt will er mit der Eintracht am Samstag machen. Und wie schon im August 2005 hofft der Verteidiger mit dem großen Herzen, der Mannschaft „für ein paar Minuten helfen zu können“. Nach seinem Innenbandanriss fand er nicht mehr seinen angestammten Platz im Team, doch er lauert auf seine Chance, hängt sich rein. „Ich lasse den Kopf nicht hängen, die Abwehr macht ihre Sache halt super.“ Das Duell in Koblenz ist für ihn aber kein alltägliches Spiel. Da verlockt es, auf dem Rasen zu stehen, die Atmosphäre aufzusaugen wie ein Schwamm das Wasser. „Es ist ein Derby, das den Menschen in der Region was bedeutet.“

Auch Chhunly Pagenburg weiß um die Bedeutung von diesen brisanten Spielen. In Deutschland spielte der Angreifer schon bei großen Derbys. Mit 1860 München trat er 2008 im DFB-Pokal gegen den FC Bayern an. 55 Minuten lang durfte der 24-Jährige damals in der Allianz-Arena gegen Stars wie Philipp Lahm ran, 68.000 Zuschauer sorgten für einen Hexenkessel, im Vorfeld des Spiels hatten Bayern-Fans die Stufen im Grünwalder Stadion des blauen Lokalrivalen rot angestrichen.

Ein Experte in Derbyfragen - Chhunly Pagenburg spielte schon für 1860 gegen Bayern und für Nürnberg gegen Fürth.

„Die Stadt spielte verrückt, die Sechziger bildeten in München schon die Mehrheit, an jeder Ecke wurde man auf das Spiel angesprochen“, erzählt Pagenburg, der ein bekennender Derby-Liebhaber ist. „Das sind Festtage, an denen man vom Publikum noch mehr nach vorne gepuscht wird.“  Das Stadtderby endete aber in der Tristesse, „es war wie David gegen Goliath, wir verkauften uns teuer“, erzählt Pagenburg. Letztlich siegte der Riese, weil Franck Ribéry in der 120. Minute einen Elfmeter zum 1:0 in die Mitte lupfte, zur Schadenfreude der Bayern-Fans.

Mehr Glück erlebte Pagenburg im Frankenderby, wo er mit dem 1.FC Nürnberg auf Greuther Fürth traf. Das Derby mit seinem Heimatverein ist sein persönlicher Favorit,  „wir gewannen kurz vor Schluss mit 2:1″. Noch in der Woche danach wurden die Spieler von Fans angesprochen, „überall in der Stadt gab es Schulterklopfer.“ Die Brötchen beim Bäcker musste Pagenburg aber weiterhin aus eigener Tasche bezahlen. So weit ging die Liebe zumindest bei den Spielern nicht. „Von Geschenken hat danach immer nur der Trainer erzählt“, sagt er und lacht.

Thomas Drescher denkt hingegen auch gerne an den Erfolg im Rheinlandpokalfinale zurück – gegen Koblenz. „Das war schon wie nach einem Champions-League-Sieg“, lächelt er. „Was nach dem Spiel abging, war einfach unglaublich. Es ging um so viel, wir waren so heiß auf das Spiel.“ Das echte Derby-Feeling kommt beim Interimskapitän vor Samstag aber nicht auf. Seine Begründung: „Ich glaube, die Derbys von früher gibt es in dieser Form nicht mehr“, meint er. „Die Spieler kommen kaum noch aus der jeweiligen Region, die Brisanz gibt es eher unter den Fangruppen.“

Thomas Drescher erinnert sich gerne an das Rheinlandpokalfinale gegen Koblenz zurück. "Unglaublich, was da abging."

Trotzdem sei das für die Motivation kein Problem. „Wir wissen, wie wichtig das Spiel für die Fans ist. So gehen wir auch rein. Als Fußballer wollen wir eh immer gewinnen.“ Zumal sich Drescher doch auf eins der prestigeträchtigen Spiele in der ansonsten so reservelastigen Regionalliga freut. Wo sich ansonsten oft nur 400 Leute auf den Plätzen einfinden, von denen viele Berater und Scouts sind, dürfte der Lärmpegel in Koblenz um einige Dezibel in die Höhe steigen. „Wann kommen sonst in der Saison so oft über 4000 Zuschauer? Das ist schon ein Highlight.“

+++ Testspiel gegen Wehen Wiesbaden +++

Roland Seitz freut sich auf den Test gegen Wehen Wiesbaden.

Auch am Länderpokal-Wochenende (7. bis 9. Oktober) bleibt Fußball-Regionalligist SV Eintracht Trier 05 am Ball: Cheftrainer Roland Seitz hat einen Test mit Drittligist SV Wehen Wiesbaden ausgemacht. Die Partie findet am Freitag, 7. Oktober, 16 Uhr, im Stadion am Sommerdamm in Rüsselsheim statt.

„Ich bin sehr froh, dass wir einen solch starken Testgegner gewinnen konnten. Da werden wir sicher voll gefordert und bleiben auch am spielfreien Wochenende im Rhythmus“, bekennt Coach Seitz. (red)

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