Zufriedene Stadtmusikanten und Stehaufmännchen

Von Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Während Eschborn sang, holte Eintracht Trier erneut einen zweifachen Rückstand auf. Mit dem 2:2 in der Regionalliga konnten beide Seiten leben. An der Mosel nagen die kraftintensiven Spiele aber langsam an der Substanz. Und nun fallen mit Steven Lewerenz und Steven Kröner zwei Stammkräfte aus.

„Kein Weltuntergang.“ Kapitän Fouad Brighache war mit dem Punkt in Eschborn einverstanden.

Verwundert schauten die Regionalliga-Fußballer von Eintracht Trier eine halbe Stunde vor dem Anpfiff in Eschborn in Richtung Heimkabine, wo förmlich die Wände wackelten. Während sie bereits auf dem sumpfigen Rasen standen, sich aufwärmten für das Spiel und gelegentlich in die Katakomben eilten, um sich mit heißem Kräutertee einzudecken, saßen die Spieler des 1. FC Eschborn noch wie bei einem Pfadfinder-Ausflug beisammen und sangen. Gemeinsam, kräftig und so laut, dass sie irgendwann das offene Fenster schlossen. “Das habe ich mir schon vor einiger Zeit einfallen lassen”, grinste Trainer Sandro Schwarz bei der Pressekonferenz nach dem 2:2. Das Glück der Stadtmusikanten, wie er ehrlich zugab: “Die Jungs kicken besser als sie singen können. Es war ein Topspiel von uns, wir haben leidenschaftlich gekämpft.”

Doch nicht nur der Übungsleiter des Abstiegskandidaten war einverstanden mit dem Unentschieden. Auch der Tross aus Trier stimmte in den Chor der Zufriedenheit ein. “Es war ein Kampfspiel, Eschborn hat gut dagegengehalten. Über das Remis brauchen wir nicht zu philosophieren, das ist kein Weltuntergang”, sagte Kapitän Fouad Brighache. “Natürlich bin ich traurig, dass wir nicht gewonnen sein. Aber mit dem Punkt müssen wir zufrieden sein”, meinte auch Torjäger Chhunly Pagenburg.

„Irgendwann zehrt das an den Reserven“

Chhunly Pagenburg warnt vor den Schattenseiten der Aufholjagten.

Der fehlende Frust bei den Trierern erklärt sich auch in dem Erfolgslauf. Seit sieben Spielen ist die Mannschaft ungeschlagen. “Darauf können wir stolz sein”, sagte Baldo di Gregorio, der in Hessen moralische Unterstützung von seinem Vater und Bruder Daniel erhielt, die nur 15 Minuten vom Sportplatz entfernt wohnen. Der interne Schwur, in diesem Kalenderjahr kein Spiel mehr verlieren zu wollen, bleibt so weiter ein Ansporn. Das Spiel in Eschborn war bereits das sechste Spiel in der laufenden Saison, in der sich die Eintracht als Stehaufmännchen gab und nach Rückschlägen dennoch punktete. Die Spielverläufe können aber auch zum Bumerang werden, wie Pagenburg warnte. “Wir haben einige Verletzte, spielen am Limit und laufen ständig einem Rückstand hinterher. Irgendwann zehrt das an den Reserven.”

Was in Eschborn fehlte, um einen angenehmeren Arbeitstag zu haben, war die Kompaktheit und Konzentration in der ersten Hälfte. Dazu kamen individuelle Fehler nach Standardsituationen. Torwart Stephan Loboué patzte so vor dem 1:0, weil er einen weiten Freistoß falsch einschätzte. “Wir haben uns schwer getan, nicht energisch genug verteidigt, standen nicht gut. Auch das zwingende Abschlusssspiel, das uns sonst auszeichnet, fehlte”, fand Torge Hollmann, der zur Pause in der Kabine bleiben musste. “Ich bin immer überrascht, wenn ich ausgewechselt werde”, war der Defensivspezialist nicht zufrieden mit der Entscheidung. “Ich habe sie aber zu akzeptieren. Das sollte man nicht so hochhängen.” Trainer Seitz begründete den Wechsel damit, dass Hollmann nicht an seine starken Vorstellungen gegen Ulm und in Hoffenheim angeknüpft habe. “Es ging nicht gegen ihn, sondern darum, das Spiel nicht zu verlieren. Die Mitte war zu offen. Wer dann Alternativen hat, sollte reagieren.”

Zwei Sperren – aber ein Luxusproblem in der Defensive

Steven Lewerenz fällt gegen Pfullendorf aus.

Und genau im Defensivbereich hat Seitz ein Luxusproblem, wenn ihm alle Kräfte zur Verfügung stehen. Im zweiten Durchgang kam di Gregorio ins Spiel, der sich mit der Rolle auf der Ersatzbank auch nur schwer anfreunden konnte. “Klar war ich enttäuscht. Ich habe mich aber mit dem Trainer ausgesprochen, er hat mir die Gründe dafür erklärt.” Dem Deutsch-Italiener habe nach sechs Wochen Pause die Kraft gefehlt. “Das ist in Ordnung für mich. Ich habe Gas gegeben im Training, um mich wieder anzubieten.”

In Eschborn erfüllte er seine Aufgaben mit Zweikampfstärke und Robustheit. Ebenso im Wartestand ist Mario Klinger, der nach seiner Knöchelverletzung den Stammplatz verloren hat. “Ich habe den Anspruch, dass ich spielen will”, sagt der Allrounder vor dem Heimspiel gegen den SC Pfullendorf (Samstag, 14 Uhr), wo die Mannschaft umgebaut werden muss. Denn Innenverteidiger Steven Kröner ist wegen der fünften Gelben Karte gesperrt. Das Schicksal teilt auch Steven Lewerenz, der in der Offensive schmerzlich fehlen wird. Ein Grund mehr, die Forderung von di Gregorio zu erfüllen, der nach sechs Gegentoren in den jüngsten drei Spielen findet: “Wir müssen hinten mal wieder zu Null spielen. Vorne haben wir die Leute, um auch in der 92. Minute immer ein Tor schießen zu können.”

+++Eintracht in Kürze+++

Blau-Schwarz-Weiße Nacht am 24. November – Am Samstag, 24. November, ist das Heimspiel von Eintracht Trier gegen den SC Pfullendorf (14 Uhr). Abends soll dann bei der Blau-Schwarz-Weißen Nacht gefeiert werden. Fans, Mitglieder, Freunde und solche, die es werden wollen, sind ab 20.30 Uhr (Einlass: 20 Uhr) zur in die Romika- Eventhalle in der Trierer Metternichstraße eingeladen. Für die Veranstaltung, in deren Mittelpunkt der Auftritt der regionalen Top-Cover-Band “Klimaschock” steht, gibt es noch Karten. Tickets zu ermäßigten Preisen (fünf statt sieben Euro an der Abendkasse) gibt es bei der Eintracht-Geschäftsstelle, Am Stadion 1, 54292 Trier, im Restaurant Romikulum in der Metternichstraße 35 in 54292 Trier oder bei allen Vorverkaufsstellen von Ticket Regional.

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